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Inklusive Eventplanung im ländlichen Sozialraum

Ein Praxisbeispiel zur sozialen Teilhabe

Prof. Dr. Małgorzata D. Michling, Anna-Mareen Herr

veröffentlicht am 06.11.2025


https://doi.org/10.60049/1xe101uu4

Wie inklusive Eventplanung im ländlichen Raum gelingen kann, wird exemplarisch an der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. im Erzgebirge erörtert. Mithilfe des SONI-Modells entsteht so die Planung eines barrierefreien Sommerfestes. In Kooperation mit der DHSN Breitenbrunn soll soziale Teilhabe erfahrbar gemacht werden – als Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im regionalen Sozialraum.

Inhalt

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Inklusive Eventplanung im Sozialraum – Von Integration zu Inklusion
  3. 3 Praxisbeispiel: Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. – Organisation, Ziele und Zielgruppenanalyse
  4. 4 Zielgruppenorientierte Planung und methodische Grundlagen
  5. 5 Das SONI-Modell als praxisorientierter Handlungsansatz
  6. 6 Vom Konzept zur Umsetzung: Planung eines inklusiven Sommerfests im Jubiläumsjahr 2025
  7. 7 Kooperationen als Erfolgsfaktor: Hochschulen und soziale Träger
  8. 8 Fazit: inklusive Eventplanung als Beitrag zur sozialen Teilhabe
  9. 9 Quellenangaben

Zusammenfassung

Der Beitrag beleuchtet die Potenziale inklusiver Eventplanung im ländlichen Raum – am fiktiven Beispiel der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. im Erzgebirge. Ausgangspunkt ist die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die seit 2009 in Deutschland gilt und eine inklusive Gesellschaft fordert. Aktuelle Bewertungen durch den UN-Fachausschuss verweisen jedoch auf anhaltenden Handlungsbedarf, insbesondere bei Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und Partizipation. In Sachsen betrifft dies rund 454.000 Menschen mit Behinderung.

Nach einer theoretischen Einordnung von Integration, Inklusion und Sozialraumorientierung folgt die exemplarische Darstellung der Lebenshilfe Schwarzenberg – inklusive Organisationsstruktur und Zielgruppenanalyse. Als methodische Grundlage dient das SONI-Modell nach Wolfgang Hinte, das auf eine aktivierende Sozialraumarbeit zielt. Im Zentrum steht die Planung eines barrierefreien Sommerfestes im Jubiläumsjahr 2025. Die Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Sachsen (DHSN) in Breitenbrunn wird dabei als strategische Ressource genutzt. Abschließend diskutiert der Beitrag, wie inklusive Eventplanung konkrete Beiträge zur Umsetzung der UN-BRK im lokalen Sozialraum leisten kann.

1 Einleitung

„Alle Menschen sind allein aufgrund ihres Menschseins mit gleichen Rechten ausgestattet“ (Wendt 2021, S. 27).

Ein bedeutender Meilenstein für die Rechte von Menschen mit Behinderung wurde 2006 mit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gesetzt, die seit 2009 auch in Deutschland verbindlich ist. Im Zentrum steht das Ziel einer inklusiven Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt teilhaben können (Aktion Mensch 2023a; Aktion Mensch 2023b). Trotz dieses verbindlichen Rahmens fällt die Bilanz zur bisherigen Umsetzung ernüchternd aus. Besonders bei zentralen Anforderungen wie Barrierefreiheit, Autonomie, dem Abbau von Sonderstrukturen sowie Partizipation besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Die erneute Überprüfung durch den UN-Fachausschuss im Jahr 2023 verdeutlicht dies mit Begriffen wie „Stagnation“, „Kritik“ und „geringer Fortschritt“ und zeigt, dass Deutschland noch weit von einer inklusiven Gesellschaft entfernt ist, in der es „normal ist, verschieden zu sein“ (ebd., 2023).

Die Relevanz des Themas wird auch durch aktuelle Zahlen unterstrichen: Allein in Sachsen leben rund 454.000 Menschen mit Behinderung, was deutschlandweit den sechsten Platz bedeutet (Statista 2024a). Ein wichtiger Leitgedanke stammt aus der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1980er-Jahre: „Nichts über uns ohne uns“ (Rehavision 2018). Dieser fordert die aktive Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in alle sie betreffenden Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit der Fragestellung: „Wie kann ein inklusiver Eventplan zur Förderung der sozialen Integration von Menschen mit Behinderung in Schwarzenberg beitragen?“ Ziel ist es, eine Veranstaltung zu entwickeln, die gezielt auf die Bedürfnisse und Interessen der Adressat*innen der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. abgestimmt ist. Im Fokus stehen dabei die Förderung sozialer Teilhabe sowie die umfassende Berücksichtigung von Barrierefreiheit.

Im ersten Abschnitt werden zentrale Begriffe erläutert, die für das Verständnis der inklusiven Veranstaltung relevant sind. Anschließend erfolgt eine Vorstellung der Lebenshilfe Schwarzenberg, einschließlich einer Übersicht über ihre Gesamtstruktur, Arbeitsfelder und Finanzierungsquellen. Daraufhin wird die Zielgruppe beschrieben, für die das Sommerfest konzipiert wird, sowie die daraus resultierenden Anforderungen an Planung und Gestaltung der Angebote. Ergänzend wird das „SONI-Modell“ von Wolfgang Hinte als methodisch-praktischer Ansatz vorgestellt. Den Kern bildet die Ausarbeitung eines inklusiven Veranstaltungskonzepts für die Lebenshilfe Schwarzenberg. Abschließend wird ein Ausblick auf die Potenziale einer engen Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Sachsen (DHSN) in Breitenbrunn gegeben, um die inklusive Eventplanung im regionalen Sozialraum weiter zu stärken.

2 Inklusive Eventplanung im Sozialraum – Von Integration zu Inklusion

Die inklusive Eventplanung im Sozialraum basiert auf dem Konzept der Sozialraumorientierung, welches als Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit gilt (Ehlers 2023, S. 97).

Der Begriff setzt sich aus „Sozialraum“ und „Orientierung“ zusammen, wobei der Sozialraum wie folgt beschrieben wird: „Sozialraum als sozial und räumlich strukturierter Kontext verstanden, der von Menschen und ihren Vergesellschaftungen unterschiedlich konstruiert, produziert und interpretiert wird […]“ (Becker 2020, S. 21). Sozialraumorientierung beschreibt somit einen sozialräumlichen Kontext, der von den dort lebenden Menschen als aktive Subjekte konstruiert wird (Hinte, Godehardt-Bestmann 2024, S. 19; Wendt 2021, S. 30). Dabei richtet sich die Planung an den individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Interessen der Betroffenen aus und erkennt sie als Expert*innen ihres Lebens an (Becker 2020, S. 27; Ehlers 2023, S. 97).

Die Sozialraumorientierung entwickelte sich aus der Gemeinwesenarbeit und stellt eine der klassischen Methoden Sozialer Arbeit dar (Galuske 2009, S. 99; Ehrhardt 2013). Zentral sind fünf Prinzipien: Orientierung an Interessen, Unterstützung von Eigeninitiative, Ressourcenorientierung, bereichsübergreifende Sichtweisen sowie Kooperation und Vernetzung (Erhardt 2013, S. 131). Diese bilden die konzeptionelle Grundlage für das inklusive Sommerfest der Lebenshilfe Schwarzenberg, das gemeinsam mit den Adressat*innen geplant wird, um Barrieren abzubauen und Teilhabe zu fördern.

Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Integration, verstanden als Anpassung von Minderheiten an bestehende Strukturen (INSOS Schweiz 2018), und Inklusion, die als Menschenrecht in der UN-Behindertenrechtskonvention (2006) verankert ist und auf gleichberechtigte Teilhabe aller zielt (Beauftragter der Bundesregierung 2024; Deutsches Institut für Menschenrechte 2024). Sozialraumorientierung dient dabei als Ansatz, Inklusionsräume zu schaffen (Dederich 2013, S. 62). Das Sommerfest setzt diese Prinzipien um und fördert nachhaltige soziale Teilhabe.

3 Praxisbeispiel: Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. – Organisation, Ziele und Zielgruppenanalyse

Da sich die Planung der inklusiven Veranstaltung gezielt an die Adressat*innen der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. richtet, ist eine nähere Vorstellung dieser sozialen Einrichtung sinnvoll. So wird das Verständnis für die Gesamtstruktur sowie die vielfältigen Aufgaben in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen vertieft.

Die Lebenshilfe Schwarzenberg wurde am 25. Mai 1990 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein eine nach dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IXa; SGB IXb) anerkannte Einrichtung der Eingliederungshilfe. Diese Leistungen zielen darauf ab, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, Barrieren abzubauen und Inklusion nachhaltig zu stärken (§ 90 SGB IX). Um diese Ziele zu erreichen, bietet die Lebenshilfe ein breites Spektrum an Angeboten, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Adressat*innen zugeschnitten sind. Dazu zählen unter anderem eine Wohnstätte, ambulant betreutes Wohnen sowie eine Außenwohngruppe. Ergänzend unterstützt der Familienentlastende Dienst pflegende Angehörige im Alltag. Eine Kindertagesstätte mit inklusivem Konzept fördert Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam.

Den größten Bereich des Vereins nimmt die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in der Industriestraße 10 ein. Diese umfasst neben dem Förder- und Betreuungsbereich (FBB) auch den Berufsbildungsbereich (BBB) und bietet mehrere Außenarbeitsplätze an (Leitbild der Lebenshilfe Regionalvereinigung Schwarzenberg e.V. 2023). Seit 2017 arbeitet der Berufsbildungsbereich nach dem Konzept „Praxisbaustein“ der Diakonie Sachsen, mit praktischen Schwerpunkten in Küche, Service und Montage (Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. 2024). Die Adressat*innen werden individuell durch den Begleitenden Dienst, ein Team aus Sozialarbeiter*innen, begleitet und unterstützt.

Die Finanzierung der verschiedenen Leistungsbereiche erfolgt über Kostensatzverhandlungen mit zuständigen Leistungsträgern. Wichtige Träger sind der Kommunale Sozialverband Sachsen (KSV), die Bundesagentur für Arbeit sowie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) (Qualitätsmanagement-Handbuch Lebenshilfe Annaberg e.V., 2024, S. 27). Das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis zwischen Leistungsempfänger*innen, -erbringer*innen und -trägern ist schematisch in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1
Abbildung 1: Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis (Kolhoff 2017, S. 5)

Geleitet wird der Verein von einem zweiköpfigen Vorstand, der zugleich die Geschäftsführung innehat (Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. 2024). Organisatorisch ist die Lebenshilfe dem Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) zugeordnet, einem der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland (Moos, Klug 2009, S. 41). Zu diesen Spitzenverbänden zählen neben dem DPWV auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Deutsche Caritasverband (DCV), das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche (DW) sowie die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) (ebd., S. 42).

Als Selbsthilfe-, Eltern- und Fachverband setzt sich die Lebenshilfe gemäß ihrer Mission „[…] für Menschen mit Behinderung und ihre Familien ein“ (Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. 2020). Damit verfolgt sie dieselben Ziele wie zahlreiche andere Organisationen der Lebenshilfe in Deutschland. Zudem orientiert sie sich am Leitgedanken „Es ist normal, verschieden zu sein“ (Richard von Weizsäcker) und engagiert sich aktiv für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit dem 26. März 2009 in Deutschland rechtsverbindlich ist (ebd., 2020).

Durch ihre vielfältigen Angebote leistet die Lebenshilfe Schwarzenberg einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Inklusion und sozialer Teilhabe in der Stadt Schwarzenberg. Sie schafft nicht nur ein unterstützendes Umfeld, sondern auch Räume zur individuellen Entwicklung und Entfaltung von Menschen mit Behinderung.

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung in der Lebenshilfe Schwarzenberg wurde im Gespräch mit der Leiterin der Wohnstätte sowie dem Werkstattleiter deutlich, dass der Verein bislang nur begrenzt in die Stadtteilarbeit eingebunden ist. Zwar bestehen vereinzelt Kooperationen mit anderen Akteuren und Institutionen, diese fokussieren jedoch überwiegend interne Abläufe und Prozesse innerhalb der Lebenshilfe und weniger die sozialräumliche Zusammenarbeit mit der Kommune.

Eine Broschüre der Lebenshilfe betont, dass der Verein sich als aktiver „Gestalter des gesellschaftlichen Umfeldes“ verstehen sollte (Lebenshilfe Bayern 2019). Diese Aufgabe sollte als Chance begriffen werden, vorhandenes Entwicklungspotenzial zu nutzen. Eine stärkere sozialräumliche Ausrichtung und intensivere Vernetzung in Schwarzenberg könnten dazu beitragen, die Lebenshilfe über institutionelle Grenzen hinaus im Gemeinwesen zu verankern. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine solche Integration konkret gestaltet werden kann. Der im Rahmen dieser Arbeit entwickelte inklusive Eventplan bietet hierfür einen Ansatzpunkt: Er kann als Brücke dienen, um den Dialog mit der Stadt zu fördern, neue Kooperationen anzustoßen und die gemeinsame Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in Schwarzenberg aktiv mitzugestalten.

4 Zielgruppenorientierte Planung und methodische Grundlagen

Für die Erstellung eines inklusiven Eventkonzepts, das gezielt auf die Adressat*innen der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. zugeschnitten ist, ist eine genaue Analyse der Zielgruppe von zentraler Bedeutung. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuellen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Anforderungen der Teilnehmenden. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die weitere Planung, denn nur so kann eine Veranstaltung gestaltet werden, die eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion im Sozialraum Schwarzenberg ermöglicht (eigene Überlegungen).

Alle Planungsschritte – von der Auswahl des Veranstaltungsortes bis hin zur Gestaltung der Angebote – müssen konsequent an den Anforderungen der Zielgruppe ausgerichtet sein. Dabei ist eine frühzeitige Einbindung relevanter Akteure essenziell: Fachkräfte, lokale Unternehmen, Vereine, Sponsoren, Angehörige, Betreuer*innen sowie ehrenamtliche Helfer*innen sollten von Beginn an beteiligt werden.

Doch was bedeutet es konkret, eine Veranstaltung für Menschen mit Behinderung zu planen, und wer zählt hierzu? Gemäß § 2 SGB IX umfasst die Definition:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können.“ (Gemäß § 2 SGB IXa, o.S.)

Die Adressat*innen der Lebenshilfe bilden eine vielfältige Gruppe, die Menschen mit körperlichen, geistigen, psychischen, sensorischen oder mehrfachen Beeinträchtigungen sowie unterschiedliche Altersgruppen von Kindern über Jugendliche bis zu Erwachsenen umfasst. Diese bunte Vielfalt bereichert die inklusive Veranstaltung.

Damit das Sommerfest für alle zugänglich ist, müssen Barrieren frühzeitig erkannt und gezielt adressiert werden. Besonders berücksichtigt werden sollten dabei bauliche und räumliche Barrieren, kommunikative sowie digitale Barrieren, aber auch soziale und organisatorische Hindernisse. Bauliche und räumliche Barrieren umfassen zum Beispiel den Abbau von Hindernissen am Veranstaltungsort: Rampen für Rollstuhlnutzer*innen, Aufzüge, breite Türen, barrierefreie Toiletten und ebene Böden ohne Stolperfallen sind unverzichtbar. Zusätzlich sind Rückzugsorte für Besucher*innen, die Ruhe suchen oder eine Pause benötigen, empfehlenswert.

Kommunikation während der Veranstaltung sollte für alle verständlich gestaltet sein. Hierzu gehören Leichte Sprache, Piktogramme oder klar strukturierte Wegbeschreibungen. Gebärdensprachdolmetscher*innen können etwa bei der Eröffnungsrede oder Bühnenauftritten unterstützend wirken. Gedruckte Informationen in Brailleschrift sowie Videos mit Untertiteln oder Audiobeschreibungen erhöhen die Zugänglichkeit für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen.

Schon vor dem Sommerfest sollten alle relevanten Informationen leicht verständlich zugänglich sein, beispielsweise über eine barrierefreie Website oder soziale Medien. So können sich potenzielle Besucher*innen frühzeitig informieren und angesprochen fühlen. Am Veranstaltungstag empfiehlt sich ein zentraler Servicepoint, der praktische Auskünfte zu Anreise, Parkmöglichkeiten und barrierefreien Zugängen bietet.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist die Erreichbarkeit des Veranstaltungsortes besonders wichtig. Ein Shuttle-Bus vom Hauptbahnhof Schwarzenberg kann hier eine wertvolle Unterstützung leisten. Nicht zuletzt gilt es, soziale Barrieren wie Vorurteile und Unsicherheiten im Umgang mit Menschen mit Behinderung abzubauen. Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld kann die Veranstaltung als positives Beispiel für gelebte Inklusion positionieren und so Hemmschwellen reduzieren.

5 Das SONI-Modell als praxisorientierter Handlungsansatz

Das SONI-Modell, entwickelt von Früchtel, Budde und Cyprian (2013), stellt ein praxisorientiertes Instrument zur Planung und Umsetzung sozialraumbezogener Angebote dar. Es basiert auf der systematischen Analyse und Gestaltung von vier zentralen Ebenen: Sozialstruktur, Organisation, Netzwerk und Individuum (Früchtel, Budde, Cyprian 2013; Eichner 2014).

Auf der Ebene des Individuums wird die Zielgruppe – Menschen mit Behinderung – als aktiv beteiligungsfähig und ressourcenreich verstanden. Ihre Mitwirkung an Planung, Durchführung und Auswertung des Sommerfestes fördert Selbstwirksamkeit und Partizipation. Dies entspricht der Forderung der Sozialraumorientierung, Adressat*innen nicht als „Versorgungsobjekte“, sondern als aktiv gestaltende Subjekte anzuerkennen (Hinte & Treeß 2014; Becker 2020).

Die Netzwerkebene umfasst regionale Netzwerke, bestehend aus sozialen Einrichtungen, Unternehmen, Vereinen und freiwillig Engagierten, die für das Gelingen inklusiver Projekte essenziell sind. Im Kontext des Sommerfestes konkretisiert sich dies etwa durch Kooperationen mit dem Inklusionscafé Samocca in Aue oder der Perspektiven Pioniere gGmbH (Perle des Erzgebirges 2025; Perspektiven Pioniere 2025). Netzwerke werden als „organisches Gewebe des Sozialraums“ verstanden (Früchtel, Budde, Cyprian 2013, S. 111).

Auf der Ebene der Organisation sollten die institutionellen Strukturen der Lebenshilfe konsequent inklusiv ausgerichtet sein. Das geplante Sommerfest stellt dabei eine Öffnung in den Sozialraum dar und symbolisiert eine Abkehr von segregierenden Settings hin zu gemeinwesenorientierten Angeboten im Sinne des Normalisierungsprinzips (Früchtel, Budde, Cyprian 2013, S. 199; Lebenshilfe Bayern 2019).

Die Sozialstruktur fokussiert auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Inklusionsbereitschaft, Gesetzgebung oder demografische Entwicklungen. In einem ländlich geprägten Raum wie dem Erzgebirgskreis (Statista 2024b) kann ein inklusives Sommerfest Impulse zur Bewusstseinsbildung und zur Entwicklung einer inklusiveren Gemeinwesenstruktur geben (Dederich 2013; Wendt 2024).

Das SONI-Modell ermöglicht somit eine systematische und reflexive Planung, die sowohl die Lebensweltorientierung als auch die strukturellen Gegebenheiten im Blick behält. Es fördert ein integratives Handeln, das die Sozialraumorientierung als Grundprinzip Sozialer Arbeit umsetzt (Hinte & Godehardt-Bestmann 2024).

6 Vom Konzept zur Umsetzung: Planung eines inklusiven Sommerfests im Jubiläumsjahr 2025

Im Mittelpunkt des Beitrags steht das inklusive Sommerfest der Lebenshilfe Schwarzenberg e.V. unter dem Motto „Gemeinsam feiern, gemeinsam wachsen“. Das Fest soll als „Sommerfest für alle Sinne“ die soziale Integration von Menschen mit Behinderung in Schwarzenberg fördern (eigene Überlegungen).

Das Jahr 2025 markiert ein besonderes Jubiläum: Schwarzenberg feiert sein 875-jähriges Bestehen unter dem Motto „875 Jahre Schwarzenberg – einfach sagenhaft“. Dieses Festjahr bietet eine ideale Gelegenheit, inklusive Projekte wie das Sommerfest zu realisieren und die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Lebenshilfe weiter zu stärken (Perle des Erzgebirges 2025).

Die Planungsphase begann mit Einblicken in die Strukturen und Angebote der Lebenshilfe Schwarzenberg, gewonnen durch Gespräche mit Verantwortlichen sowie die Analyse von öffentlich zugänglichen Daten, unter anderem aus Statista und dem Sozialatlas des Erzgebirgskreises (Statista 2024 b; Sozialatlas Erzgebirgskreis).

Als Veranstaltungsort wurde die Ritter-Georg-Sportstätte ausgewählt, deren Barrierefreiheit und Anbindung sorgfältig geprüft wurden (eigene Überlegungen). Zur besseren Orientierung wurden digitale Kartenanwendungen wie Google Maps genutzt.

In einem gemeinsamen Planungsgespräch mit dem Vorstand der Lebenshilfe und der Stadtverwaltung (2017) werden inhaltliche, organisatorische und finanzielle Aspekte abgestimmt. Dazu zählen auch die Öffentlichkeitsarbeit und Marketingmaßnahmen, die sich an der Symbolik des „Disability Pride Month“ im Juli orientieren. Diese weltweit begangene Initiative wurde 2015 vom damaligen New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio initiiert, um die Rechte von Menschen mit Behinderung zu stärken und Diskriminierung abzubauen (Hopius 2024).

Die Flagge des Disability Pride Month, entworfen von Ann Magill, wird im Rahmen des Sommerfests prominent genutzt. Sie besteht aus fünf farbigen Streifen auf dunkelgrauem Hintergrund und symbolisiert verschiedene Behinderungsarten sowie den fortwährenden Kampf um Gleichberechtigung (Strohriegl 2023; Hopius 2024).

Ein zentrales Anliegen ist die aktive Beteiligung der Adressat*innen der Lebenshilfe an Planung und Durchführung. So sind eine Projektwoche mit der WfbM zur Dekoration des Festgeländes, die Mitarbeit im Catering gemeinsam mit dem inklusiven Samocca Café aus Aue sowie musikalische und künstlerische Beiträge geplant (eigene Überlegungen). Das Samocca Café ist das erste Inklusionscafé im Erzgebirgskreis und bietet eine wertvolle Vernetzungsmöglichkeit.

Darüber hinaus werden verschiedene Mitmachangebote für Familien angeboten, darunter Kinderschminken, eine Tombola und ein Malwettbewerb unter dem Motto „So bunt ist unsere Welt!“. Ein Informationsstand der Lebenshilfe informiert über die Arbeit des Vereins, während ein Rückzugsbereich Entspannung ermöglicht.

Durch die Einbindung regionaler Unternehmen und Vereine, die auch Praktikums- und Schnuppermöglichkeiten anbieten, soll die soziale und berufliche Integration der Adressat*innen gefördert werden. Das Sommerfest schafft damit eine Plattform für Begegnung auf Augenhöhe, fördert den Abbau von Vorurteilen und stärkt die Vernetzung im Sozialraum.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage „Wie kann ein inklusiver Eventplan zur Förderung der sozialen Integration von Menschen mit Behinderung in Schwarzenberg beitragen?“ lässt sich festhalten, dass das Sommerfest durch seine vielfältigen Programmpunkte, die aktive Einbindung der Betroffenen sowie die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern das „Tabuthema Menschen mit Behinderung“ abbaut, den Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung fördert und eine inklusive Gemeinschaft stärkt. Die eigenverantwortliche Beteiligung der Adressat*innen unterstützt die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit, während Angebote wie Praktika und Schnupperwochen neue berufliche Perspektiven eröffnen und Vorurteile bei Arbeitgebern reduzieren. Somit wird die soziale Integration durch das Fest wesentlich vorangebracht.

7 Kooperationen als Erfolgsfaktor: Hochschulen und soziale Träger

Die Duale Hochschule Breitenbrunn nimmt eine bedeutende Rolle im Erzgebirge ein. Als einer von sieben Standorten der Dualen Hochschule Sachsen bietet sie vor allem in den Fachbereichen Soziale Arbeit und Internationales Tourismusmanagement hochwertige Studienbedingungen. Mit rund 600 Studierenden ist sie nicht nur ein Ort akademischer Bildung, sondern zugleich ein wichtiger regionaler Partner – gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Durch enge Kooperationen mit über 1.000 ausgewählten Unternehmen und sozialen Einrichtungen werden qualifizierte Fachkräfte ausgebildet, die dringend benötigt werden, um dem regionalen Fachkräftemangel entgegenzuwirken (Die Studienakademie Breitenbrunn 2025). Das duale Studiensystem verbindet Theorie und Praxis eng miteinander, sodass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die berufliche Praxis einfließen und regionale Netzwerke gestärkt werden.

Angesichts des demografischen Wandels und des Rückgangs der Bevölkerung im Erzgebirge um etwa 42.000 Menschen zwischen 2010 und 2023 steht die Region vor großen Herausforderungen. Besonders die Altersstruktur mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil älterer Menschen über 65 Jahre belastet die Sozialstrukturen (Statista 2024; Sozialberichterstattung Erzgebirgskreis 2022). Daher kommt der Dualen Hochschule in Breitenbrunn eine zunehmend wichtige Rolle zu: Junge Menschen sollen für ein Studium im ländlichen Raum begeistert, an die Region gebunden und langfristig als Fachkräfte gewonnen werden.

Studierende im Bereich der Sozialen Arbeit übernehmen hierbei eine aktive Rolle: Sie gestalten den Sozialraum mit, entwickeln neue Konzepte und setzen konkrete Projekte um. Die Soziale Arbeit ist ein dynamisches Berufsfeld, das kontinuierliche Weiterentwicklung erfordert. In diesem Kontext stellt die geplante Kooperation mit der Lebenshilfe Schwarzenberg einen vielversprechenden Schritt dar. Aufbauend auf dem inklusiven Event für die Adressatinnen der Lebenshilfe sollte die offizielle Etablierung als fester Praxispartner der Dualen Hochschule Breitenbrunn angestrebt werden. Dies würde beiden Seiten zugutekommen: Die Lebenshilfe profitiert von gut ausgebildeten Sozialarbeiter*innen, während die Duale Hochschule ihre Ausbildungsqualität und Praxisnähe weiter stärken kann.

Breitenbrunn ist als einzige Duale Hochschule im Freistaat Sachsen bekannt für die Studienrichtung „Soziale Arbeit – Begleitung von Menschen mit Behinderung“ und besitzt damit ein Alleinstellungsmerkmal. Dieses Potenzial sollte gezielt genutzt werden, um den Studiengang bekannter zu machen, neue Studierende zu gewinnen und die Region weiter zu stärken.

Im Rahmen eines Pilotprojekts ist die Beteiligung der Lebenshilfe Schwarzenberg am „Tag der offenen Tür“ der Dualen Hochschule in Breitenbrunn geplant. Ziel ist es, die Verbindung von Hochschulbildung und gelebter Inklusion erlebbar zu machen. Gerade angesichts rückläufiger Anmeldezahlen in diesem spezialisierten Studiengang ist es wichtig, das Profil zu schärfen und nach außen sichtbar zu präsentieren. Geplant ist ein interaktiver Informationsstand, an dem die Lebenshilfe ihre vielfältigen Arbeitsfelder vorstellt. Dabei werden authentische Einblicke in den Alltag mit Menschen mit Behinderung gegeben, und auch Themen wie Karrierechancen und Gehaltsaussichten nach dem Studium werden offen kommuniziert. Ein gemeinsam mit Adressat*innen produzierter Imagefilm kann das tägliche Miteinander dokumentieren und langfristig für Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden.

Zur weiteren Vernetzung und niederschwelligen Kontaktaufnahme soll ein QR-Code direkt zur Website der Lebenshilfe führen und eine unkomplizierte Online-Bewerbung ermöglichen. Begegnungen auf Augenhöhe werden durch Berichte von Adressat*innen und deren Gruppenleitungen ergänzt, die ihre Alltagserfahrungen schildern. Mit Einwilligung können ergänzende Fotostrecken entstehen, die authentische Einblicke in Arbeitsbereiche und Lebenswelten gewähren. Studierende höherer Semester werden ebenfalls vertreten sein, um den Studiengang aus ihrer Perspektive vorzustellen.

Ein Highlight ist die Vorstellung des Alterssimulationsanzugs „AgeMan“, der typische alters- oder behinderungsbedingte Einschränkungen wie Gelenkversteifungen, Sehbeeinträchtigungen, Kraftverlust oder Koordinationsprobleme körperlich simuliert. Dieser wurde bereits in Lehrveranstaltungen eingesetzt, um das Verständnis für die Herausforderungen im Alltag älterer oder beeinträchtigter Menschen zu fördern (Perspektiven Pioniere 2025). Der Anzug ist über die Stadtverwaltung Schwarzenberg ausleihbar.

Zudem wird angestrebt, verstärkt Studieninteressierte mit eigener Behinderung anzusprechen und für ein Studium in Breitenbrunn zu gewinnen. Voraussetzung dafür ist eine barrierefreie Gestaltung des Campus, die gemeinsam mit Betroffenen begangen und mögliche Hindernisse beseitigt werden soll.

Diese geplante Kooperation zeigt beispielhaft, wie Hochschulbildung, Inklusion und regionale Entwicklung erfolgreich zusammenwirken können. Breitenbrunn als „Hochschuldorf im Erzgebirge“ demonstriert, dass der ländliche Raum Platz für innovative und inklusive Projekte bietet (eigene Überlegungen).

8 Fazit: inklusive Eventplanung als Beitrag zur sozialen Teilhabe

Die Planung eines inklusiven Sommerfestes für die Adressat*innen der Lebenshilfe Schwarzenberg stellte für die angehende Sozialarbeiterin Frau Herr eine bereichernde und zugleich herausfordernde Aufgabe dar. Das Projekt ermöglichte es ihr, theoretische Erkenntnisse mit praktischen Handlungsperspektiven zu verknüpfen und sich erstmals intensiv mit ihrer zukünftigen Rolle als sozialräumlich agierende Fachkraft auseinanderzusetzen.

Der enge Praxisbezug – insbesondere durch Lehrveranstaltungen mit der Lebenshilfe Schwarzenberg, Exkursionen ins Inklusionscafé Samocca in Aue und begleitende Reflexionsprozesse – bildete eine wertvolle Grundlage für die Konzeptentwicklung. Hier zeigt sich exemplarisch, wie das duale Studium an der Dualen Hochschulen Breitenbrunn (bis zum 31.12.2024 Studienakademie) Theorie und Praxis wirksam miteinander verbindet (Die Studienakademie Breitenbrunn 2025).

Der enge Praxisbezug – insbesondere durch Lehrveranstaltungen mit der Lebenshilfe Schwarzenberg, Exkursionen ins Inklusionscafé Samocca in Aue und begleitende Reflexionsprozesse – bildete eine wertvolle Grundlage für die Konzeptentwicklung. Bereits zu Beginn der Erarbeitung des Eventkonzepts wurde Frau Herr dabei intensiv fachlich von Frau Prof. Dr. Małgorzata D. Michling, Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit an der DHSN Breitenbrunn, begleitet. Ihre kritischen Impulse, konzeptionelle Unterstützung und methodische Expertise stärkten die wissenschaftliche Fundierung des Konzepts maßgeblich. Ergänzend trugen praxisnahe Einblicke erfahrener Fachkräfte aus dem regionalen sozialen Umfeld dazu bei, die Verbindung von Theorie und Praxis weiter zu vertiefen. An dieser Stelle gilt unser herzlicher Dank der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Regionalvereinigung Schwarzenberg e.V. für die wertvolle Unterstützung, insbesondere durch engagierte Fachkräfte wie Frau Anja Epperlein (Leiterin Wohnen). Die fortlaufende Reflexion theoretischer Modelle wie der Sozialraumorientierung nach Hinte (2017) sowie des SONI-Modells (Früchtel, Budde, Cyprian 2013) förderte zudem ein vertieftes Verständnis der komplexen sozialräumlichen Wechselwirkungen.

Besonders im Fokus stand die konsequente Orientierung an den Bedürfnissen und Ressourcen der Zielgruppe – Menschen mit Behinderung. Ihre aktive Beteiligung an Planung und Durchführung stärkt Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit und soziale Anerkennung und entspricht den zentralen Leitlinien der UN-Behindertenrechtskonvention (2006). Ein inklusives Sommerfest kann damit nicht nur Räume der Begegnung schaffen, sondern auch Barrieren abbauen, Bewusstsein fördern und gesellschaftliche Teilhabe sichtbar machen.

Zudem zeigte sich im Verlauf der Arbeit, wie wichtig eine tragfähige Vernetzung mit regionalen Akteuren – aus Vereinen, Unternehmen und ehrenamtlichen Strukturen – für die nachhaltige Verankerung inklusiver Projekte ist. Diese Kooperationen eröffnen neue Handlungsspielräume für die Gestaltung des Sozialraums und bieten Chancen für langfristige Veränderungsprozesse im Erzgebirgskreis.

Inklusive Eventformate wie das geplante Sommerfest sollten dabei nicht als singuläre Aktionen verstanden werden, sondern als Impulsgeber für eine strukturelle Weiterentwicklung hin zu mehr Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit. Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit tragen in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung, innovative Ansätze einzubringen und gemeinsam mit Praxispartner*innen umzusetzen.

Soziale Arbeit übernimmt dabei eine zentrale Rolle als gesellschaftliche Schnittstelle, die wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort miteinander verbindet. Durch diese Vermittlerfunktion kann sie Inklusion nicht nur fördern, sondern aktiv gestalten und gesellschaftliche Veränderungen anstoßen. Darüber hinaus bietet das inklusive Sommerfest in Schwarzenberg Modellcharakter für ähnliche Projekte in anderen ländlichen Regionen. Es zeigt, wie durch nachhaltige Kooperationen und gezielte Einbindung der Zielgruppen sozialräumliche Potenziale gehoben und Inklusion vor Ort lebendig werden kann – ein wichtiges Signal für den demografischen und sozialen Wandel auf dem Land.

Die Soziale Arbeit übernimmt hierbei die Rolle einer Brückenbauerin zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft – mit dem Ziel, inklusive Lebenswelten zu gestalten, in denen alle Menschen gleichberechtigt teilhaben und wertgeschätzt werden, auch im ländlichen Raum (Hinte 2017; Früchtel, Budde, Cyprian 2013).

9 Quellenangaben

Aktion Mensch (2023a). UN-Behindertenrechtskonvention. Verfügbar unter: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/​was-ist-inklusion/​un-behindertenrechts- Konvention [28.05.2025].

Aktion Mensch (2023b). Was ist Inklusion? Verfügbar unter: https://www.aktion- mensch.de/dafuer-stehen-wir/​was-ist-inklusion [28.05.2025].

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (2024). UN-Behindertenrechtskonvention. Verfügbar unter: https://www.behindertenbeauf- tragter.de/DE/AS/rechtliches/​un-brk/​un-brk.html [04.06.2025].

Becker, Martin (2020). Sozialraumorientierung – Ein Handlungskonzept Sozialer Arbeit. In: Becker, Martin (Hrsg.). Handbuch Sozialraumorientierung. S. 13–60 Stuttgart: Kohlhammer https://doi.org/10.17433/​978-3-17-037239-9.

Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke (2018). Nichts über uns ohne uns – Par tizipation, Selbstbestimmung und Teilhabe – eine Standortbestimmung. In: REHAvision. Chancen und Perspektiven der beruflichen Rehabilitation. 2018 (2), S. 3–6. Verfügbar unter: https://www.bv-bfw.de/files/​public/​downloads/​rehavision/​archiv/​REHAvision%202-2018_bf.pdf [03.10.2025].

Dederich, Markus (2013). Inklusionsbarrieren im Sozialraum. Sozialraumorientierung und spezialisierte Hilfe. In: Becker, Ulrich; Wacker, Elisabeth; Banafsche, Minou (Hrsg.). Inklusion und Sozialraum. Behindertenrecht und Behindertenpolitik in der Kommune. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.

Deutsches Institut für Menschenrechte (2024). Was ist Inklusion? Fragen und Antworten. Verfügbar unter: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/​Redaktion/​Publi- kationen/​Weitere_Publikationen/​LPB_Inklusion.pdf [03.06.2025].

Die Studienakademie Breitenbrunn (2025). Das Erfolgsstudium. Meine Zukunft beginnt hier. Verfügbar unter: https://www.dhsn.de/breitenbrunn/​dhsn-in-breitenbrunn/​die-studien- akademie-breitenbrunn [15.06.2025].

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Verfasst von
Prof. Dr. Małgorzata D. Michling
Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit an der DHSN Breitenbrunn
Betriebspädagogin (M.A.) und ausgebildete Hotelfachfrau
Arbeitsschwerpunkte: soziale Teilhabe, Unterstützung von Menschen in prekären Lebenslagen, Professionalisierung, Inklusion, ländliche Sozialraumorientierung, internationale Soziale Arbeit
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Anna-Mareen Herr
Studentin an der Dualen Hochschule Sachsen (DHSN) Breitenbrunn/Soziale Arbeit
ausgebildete Industriekauffrau
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Zitiervorschlag
Michling, Małgorzata D. und Anna-Mareen Herr, 2025. Inklusive Eventplanung im ländlichen Sozialraum [online]. socialnet Materialien. Bonn: socialnet, 06.11.2025 [Zugriff am: 08.12.2025]. https://doi.org/10.60049/1xe101uu4

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