Selbstwahrnehmung und Weisheit in der Sozialen Arbeit
Unterschiede zwischen Selbsteinschätzung und beobachteter Leistung
Inhalt
Zusammenfassung
Die Studie untersucht, wie realistisch Studierende und erfahrene Fachkräfte der Sozialen Arbeit ihre eigene Weisheit einschätzen und in welchem Verhältnis diese Selbsteinschätzung zu beobachtbaren Leistungen steht. Befragt wurden 217 Studierende auf unterschiedlichen Ausbildungsstufen sowie 197 Fachkräfte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung. Die Forscherin kombinierte Selbstberichte, unter anderem mit der Situated Wise Reasoning Scale, mit Bewertungen der Reaktionen auf videobasierte sozialpädagogische Dilemmasituationen. Ergänzend wurden Interviews geführt sowie berufliche Kompetenzen, Persönlichkeit und Arbeitszufriedenheit erfasst.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen subjektiv wahrgenommener und tatsächlich beobachtbarer Weisheit. Studierende schätzten ihre Fähigkeiten höher ein, als es ihre Leistungen in den Dilemmasituationen erkennen ließen. Bei den erfahrenen Fachkräften zeigte sich das umgekehrte Muster: Sie erzielten bessere Performanzwerte, bewerteten ihre eigene Weisheit jedoch zurückhaltender. Während die beobachtbare berufliche Weisheit mit zunehmender Ausbildung und Erfahrung anstieg, blieb die persönliche Selbsteinschätzung über die verschiedenen Erfahrungsstufen hinweg weitgehend konstant. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen selbstberichteter und performanzbasierter Weisheit ließ sich nicht nachweisen.
Die Befunde verdeutlichen, dass Selbstberichte und Performanzmessungen unterschiedliche Facetten von Weisheit erfassen. Für Forschung, Ausbildung und professionelle Kompetenzbeurteilung empfiehlt sich daher eine Kombination beider Verfahren.
1 Einleitung
Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit erfordert die Fähigkeit, komplexe Situationen zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Entscheidungen unter Bedingungen von Unsicherheit zu treffen. Neben fachlichem Wissen und methodischen Kompetenzen spielt auch die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten eine Rolle für die Qualität professioneller Entscheidungen. Eine realistische Selbstwahrnehmung kann dazu beitragen, die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen und Reflexionsprozesse anzustoßen. Fehlende Übereinstimmungen zwischen Selbstbild und tatsächlicher Leistung können dagegen die Qualität professioneller Urteile beeinflussen.
Die psychologische Forschung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Menschen ihre eigenen Kompetenzen einschätzen und in welchem Verhältnis diese Einschätzungen zu objektiv beobachtbaren Leistungen stehen. Ergebnisse aus unterschiedlichen Bereichen zeigen, dass Selbstbewertungen nicht zwangsläufig mit tatsächlichen Fähigkeiten übereinstimmen müssen. Teilweise werden eigene Kompetenzen überschätzt, teilweise unterschätzt. Solche Verzerrungen konnten unter anderem für kognitive Leistungen, soziale Kompetenzen und berufliche Fähigkeiten nachgewiesen werden (Dunning et al., 2004; Krueger & Mueller, 2002).
Für die Soziale Arbeit besitzt diese Fragestellung eine hohe Relevanz. Fachkräfte begegnen regelmäßig Situationen, die keine eindeutigen Lösungen zulassen und eine sorgfältige Abwägung unterschiedlicher Interessen erfordern. Die Qualität professioneller Entscheidungen hängt daher nicht allein von vorhandenem Wissen ab, sondern auch von der Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und Unsicherheit zu akzeptieren. Forschung zu Selbstregulationsprozessen verweist darauf, dass die Bewertung eigener Leistungen und die Reflexion des eigenen Handelns wesentliche Bestandteile professioneller Entwicklung darstellen (Zimmerman, 2002). Genau an dieser Stelle weist das Konzept der Weisheit besondere Bedeutung auf.
Weisheit wird in der psychologischen Literatur als multidimensionales Konstrukt beschrieben, das kognitive, reflexive und affektive Komponenten vereint (Ardelt, 2003; Clayton, 1976). Weisheitsbezogenes Denken umfasst die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven, die Anerkennung von Unsicherheit, die Reflexion eigener Wissensgrenzen sowie die Abwägung langfristiger Konsequenzen (Glück et al., 2019; Grossmann, 2017; Zacher & Kunzmann, 2019; Sternberg, 1998). Solche Fähigkeiten gelten als hilfreich für die Bearbeitung komplexer sozialer und moralischer Problemstellungen.
Ein Großteil der bisherigen Forschung stützt sich auf Selbstberichtsverfahren zur Erfassung von Weisheit. Diese Vorgehensweise ermöglicht Einblicke in subjektive Wahrnehmungen, lässt jedoch offen, in welchem Ausmaß die Selbsteinschätzung mit beobachtbaren Leistungen übereinstimmt. Selbstwahrnehmungen stehen häufig nur in begrenztem Zusammenhang mit tatsächlichem Verhalten und beobachtbarer Leistung (Dunning et al., 2004). Parallel dazu wurden performanzbasierte Verfahren entwickelt, bei denen Personen hypothetische Lebens‑ oder soziale Konfliktsituationen bearbeiten und ihre verbalen Reflexionen anhand standardisierter Weisheitskriterien bewertet werden (Baltes & Staudinger, 2000; Grossmann et al., 2010, 2016). Beide Zugänge erfassen unterschiedliche Perspektiven auf das Konstrukt und können zu voneinander abweichenden Ergebnissen führen.
Bislang liegen nur wenige Untersuchungen vor, die subjektive Weisheitseinschätzungen und beobachtbare Weisheitsleistungen innerhalb derselben Stichprobe gegenüberstellen. Noch seltener wurde analysiert, ob sich mögliche Unterschiede zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Leistung in verschiedenen Ausbildungs‑ und Erfahrungsstufen zeigen. Zugleich weisen Befunde darauf hin, dass Personen ihre eigenen Fähigkeiten häufig günstiger bewerten, als dies durch Leistungsindikatoren nahegelegt wird (Krueger & Mueller, 2002). Unklar bleibt daher, ob Studierende und berufserfahrene Fachkräfte ihre eigene Weisheit in vergleichbarer Weise einschätzen und in welchem Verhältnis diese Einschätzungen zu ihrem tatsächlichen Verhalten in komplexen Entscheidungssituationen stehen.
Gegenstand der Untersuchung ist daher die Beziehung zwischen selbstberichteter und performanzbasierter Weisheit in der Sozialen Arbeit. Hierfür werden Daten aus standardisierten Selbstberichtsverfahren mit beobachterbasierten Leistungsbewertungen kombiniert. Das Erkenntnisinteresse richtet sich auf die Frage, ob Unterschiede zwischen subjektiver Einschätzung und beobachtbarer Weisheitsleistung bestehen und wie sich diese über verschiedene Ausbildungs‑ und Erfahrungsstufen hinweg darstellen.
2 Methodik
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Mixed-Methods-Ansatz gewählt, der quantitative und qualitative Verfahren miteinander verknüpfte. Die Datenerhebung erfolgte querschnittlich. Für den quantitativen Untersuchungsteil kam eine standardisierte Onlinebefragung zum Einsatz. Der eingesetzte Fragebogen setzte sich aus vier Instrumenten zusammen: der Situated Wise Reasoning Scale (SWIS; Brienza et al., 2018), dem Kompetenz-Reflexions-Inventar (KRI; Kauffeld, 2021), der Big5-Kurzskala (B5T; Satow, 2020) sowie der Kurzskala der Arbeitszufriedenheit (SAZK; Fischer & Lück, 1972, 2014). Die qualitative Erhebung umfasste eine performanzbasierte Analyse anhand videobasierter sozialpädagogischer Fallsituationen sowie halbstrukturierte Interviews.
Untersucht wurde Weisheit als mehrdimensionales Konstrukt. Die Erfassung orientierte sich an den fünf Dimensionen Perspektivenwechsel, Kontingenz, intellektuelle Bescheidenheit, Reflexion und Resolution (Grossmann et al., 2010; 2016). Als Gruppierungsvariable diente der berufliche Entwicklungsstand. Hierfür wurden vier Erfahrungsgruppen gebildet: Studierende im ersten Semester, Studierende im dritten Semester, Studierende nach dem Praxissemester sowie Sozialarbeiter*innen mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung.
An der Studie nahmen Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit teil. Die Gruppe der Berufspraktiker*innen bestand aus 197 Personen mit einem Durchschnittsalter von 50,47 Jahren (SD = 9,37). Die mittlere Berufserfahrung betrug 22,41 Jahre (SD = 8,86). Die Studierendenstichprobe umfasste 217 Personen mit vollständigen Datensätzen und einem Durchschnittsalter von 22,35 Jahren (SD = 3,85). Für die qualitative Untersuchung wurde eine Teilstichprobe von 24 Personen ausgewählt, darunter jeweils 12 Studierende und 12 erfahrene Fachkräfte.
Die quantitative Befragung umfasste insgesamt 77 Items. Weisheitsbezogenes Denken wurde durch die Situated Wise Reasoning Scale erfasst (Brienza et al., 2018). Berufliche Handlungskompetenz wurde mithilfe des Kompetenz-Reflexions-Inventars erhoben, das Fach-, Methoden-, Sozial‑ und Selbstkompetenz abbildet (Kauffeld, 2021). Zur Erfassung der Big-Five-Dimensionen wurde eine für die vorliegende Studie gekürzte Version des B5T nach Satow verwendet. Berücksichtigt wurden Neurotizismus, Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Offenheit sowie Leistungs-, Macht‑ und Sicherheitsmotive (Satow, 2020). Die Arbeitszufriedenheit wurde mit der SAZK gemessen (Fischer & Lück, 2014).
Für die qualitative Leistungserhebung wurden videobasiert zwei sozialpädagogische Praxisszenarien mit offenem Ausgang eingesetzt. Die Teilnehmenden reflektierten mögliche Entwicklungen der Situationen und formulierten denkbare Handlungsoptionen. Sämtliche Äußerungen wurden aufgezeichnet und verschriftlicht. Anschließend erfolgte die Beurteilung durch zwei geschulte Rater*innen, denen keine Informationen zu den Forschungsannahmen vorlagen. Die Bewertung stützte sich auf standardisierte Kriterien und erfolgte für jede Weisheitsdimension auf einer vierstufigen Skala von 0 bis 3 Punkten. Die Qualität der Übereinstimmung zwischen den Bewertungen wurde mithilfe von Cohens Kappa sowie Intraklassenkorrelationen geprüft und erreichte gute bis exzellente Werte.
Weiterhin fanden halbstrukturierte Interviews statt, die Erfahrungen aus Studium, Beruf und persönlichem Alltag thematisierten. Nach der Transkription wurden die Daten mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) ausgewertet. Die Kategorien orientierten sich deduktiv an den theoretischen Dimensionen des Modells wise reasoning (Brienza et al., 2018).
Die Durchführung der Onlinebefragung erfolgte über SoSci Survey. Zur statistischen Auswertung wurden Korrelationsanalysen und Regressionsmodelle berechnet. Als Signifikanzniveau wurde α =.05 festgelegt. Bei mehrfachen Hypothesentests wurde eine Bonferroni-Korrektur angewendet. Die Datenanalyse erfolgte mit IBM SPSS Statistics Version 29.0.0 und R Core Team Version 4.5.2.
3 Ergebnisse
Zur Untersuchung möglicher Unterschiede zwischen selbstberichtetem und performanzbasiertem weisen Denken wurden zunächst die aggregierten Mittelwerte der persönlichen und beruflichen Weisheit getrennt für Studierende und Expert*innen verglichen.
Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen beiden Weisheitskonstrukten. Studierende erreichten in der persönlichen Weisheit einen aggregierten Mittelwert von M = 1,89, während die berufliche Weisheit mit M = 1,36 deutlich niedriger ausfiel. Bei den Expert*innen zeigte sich das umgekehrte Muster. Die persönliche Weisheit lag bei M = 1,61, die berufliche Weisheit erreichte hingegen einen höheren Mittelwert von M = 1,85. Die Gegenüberstellung weist darauf hin, dass Studierende ihre weisheitsbezogenen Fähigkeiten im Selbstbericht höher einschätzen als sie in beobachtbaren Entscheidungssituationen sichtbar werden, während Expert*innen in den Performanzratings höhere Werte erzielen als in der Selbsteinschätzung.
Zur Einordnung dieser Unterschiede wurden beide Weisheitskonstrukte über die verschiedenen Expertisestufen hinweg vergleichend analysiert. Für die berufliche Weisheit zeigte sich ein signifikanter positiver Zusammenhang mit dem Expertisegrad. Die beobachterbasierten Ratings ergaben einen Anstieg der Mittelwerte vom ersten Semester über fortgeschrittene Studierende bis zur Expert*innengruppe. Kendall’s Tau zeigte einen signifikanten Zusammenhang mittlerer Stärke zwischen Expertisegrad und beruflicher Weisheit (τ =.34, 95 % CI [.04,.57], p =.036). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein höherer beruflicher Expertisegrad mit höheren Ausprägungen beobachtbarer beruflicher Weisheit verbunden ist.
Für die persönliche Weisheit ergab sich kein vergleichbares Muster. Die Analyse der Gesamtstichprobe (N = 414) zeigte über alle Expertisestufen hinweg ähnliche Mittelwerte ohne systematischen Anstieg. Die Kendall’s-Tau-Korrelation zwischen Expertisegrad und persönlicher Weisheit war nicht signifikant (τ = −.05, 95 % CI [−.12,.01], p =.169). Die subjektive Einschätzung eigener Weisheit blieb somit unabhängig vom beruflichen Erfahrungsgrad weitgehend konstant.
Die qualitative Analyse der Dilemmasituationen zeigte, dass sich die Expert*innengruppe häufiger durch differenzierte Perspektivenübernahmen, die Berücksichtigung alternativer Handlungsoptionen sowie komplexere Reflexionsprozesse auszeichnete. Studierende formulierten ebenfalls reflektierte Antworten, erreichten in den beobachterbasierten Bewertungen jedoch niedrigere Werte. Die Gegenüberstellungen von Interviewaussagen und Performanzratings deuteten darauf hin, dass reflexive Kompetenzen von den Teilnehmenden häufig umfangreicher beschrieben wurden, als sie in konkreten Entscheidungssituationen beobachtbar waren.
Zusätzlich wurde geprüft, ob persönliche und berufliche Weisheit miteinander zusammenhängen. Die Korrelationsanalyse ergab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen beiden Konstrukten (r = −.27, 95 % CI [−.62,.13], p = .205). Hohe Werte in der Selbsteinschätzung gingen folglich nicht zwangsläufig mit hohen Werten in den beobachterbasierten Ratings einher.
Die Befunde sprechen insgesamt für eine deutliche Trennung zwischen subjektiv wahrgenommener und beobachtbarer Weisheit. Während die persönliche Weisheit über alle Erfahrungsstufen hinweg relativ stabil blieb, nahm die berufliche Weisheit mit zunehmender Expertise zu. Zugleich zeigten Studierende höhere Werte in der Selbsteinschätzung als in den Performanzratings, während bei Expert*innen das entgegengesetzte Muster beobachtet wurde.
4 Diskussion
Die Ergebnisse weisen auf deutliche Unterschiede zwischen subjektiv wahrgenommener und beobachtbarer Weisheit hin. Studierende erreichten höhere Werte in der Selbsteinschätzung als in den beobachterbasierten Ratings, während sich bei den berufserfahrenen Fachkräften das entgegengesetzte Muster zeigte. Die Befunde sprechen dafür, dass Selbstberichte und Performanzmessungen unterschiedliche Facetten von Weisheit erfassen und nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden können.
Die fehlende Übereinstimmung zwischen persönlicher und beruflicher Weisheit wird auch durch den nicht signifikanten Zusammenhang beider Konstrukte gestützt. Hohe Werte in der SWIS gingen nicht mit hohen Werten in den beobachterbasierten Ratings einher. Weisheit erscheint damit nicht als einheitliches Merkmal, das unabhängig vom Erhebungsverfahren identische Ergebnisse hervorbringt. Vielmehr scheinen subjektive Einschätzungen und tatsächliche Leistungen unterschiedliche Informationsquellen über weisheitsbezogenes Denken bereitzustellen.
Auffällig ist, dass die persönliche Weisheit über alle Erfahrungsstufen hinweg relativ stabil blieb, während die berufliche Weisheit mit zunehmender Expertise anstieg. Die Ergebnisse der Performanzratings deuten darauf hin, dass sich die Fähigkeit zur Bewältigung komplexer sozialpädagogischer Entscheidungssituationen im Verlauf professioneller Praxis entwickelt. Die Selbstwahrnehmung eigener Weisheit veränderte sich dagegen kaum. Berufliche Erfahrung scheint daher stärker mit beobachtbaren Formen von Weisheit verbunden zu sein als mit deren subjektiver Einschätzung.
Die qualitativen Befunde liefern eine mögliche Erklärung für diese Unterschiede. In den Interviews beschrieben viele Teilnehmende umfangreiche Reflexionsprozesse, Perspektivenwechsel und den bewussten Umgang mit Unsicherheit. In den konkreten Dilemmasituationen konnten diese Fähigkeiten jedoch nicht immer in gleichem Ausmaß beobachtet werden. Zwischen dem Wissen darüber, was reflektiertes Handeln ausmacht, und der tatsächlichen Anwendung in komplexen Entscheidungssituationen scheint somit eine Differenz zu bestehen.
Für die Soziale Arbeit ergeben sich daraus Konsequenzen für die Beurteilung professioneller Kompetenz. Die ausschließliche Nutzung von Selbstberichtsverfahren könnte zu einer verzerrten Einschätzung weisheitsbezogener Fähigkeiten führen. Performanzbasierte Verfahren ermöglichen eine unmittelbare Beobachtung von Denk‑ und Urteilsprozessen und können daher eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die Ergebnisse sprechen dafür, beide Zugänge gemeinsam zu nutzen, um ein differenzierteres Bild professioneller Weisheit zu erhalten.
5 Fazit
Zwischen selbstberichteter und performanzbasierter Weisheit bestehen deutliche Unterschiede. Studierende bewerteten ihre eigene Weisheit höher als es die beobachterbasierten Leistungen vermuten lassen, während berufserfahrene Fachkräfte in den Performanzratings höhere Werte erreichten als in der Selbsteinschätzung. Die Befunde sprechen gegen die Annahme, dass subjektive Weisheitseinschätzungen unmittelbar Rückschlüsse auf tatsächliche weisheitsbezogene Leistungen erlauben.
Berufliche Weisheit nahm mit wachsendem Expertisegrad zu, persönliche Weisheit blieb über die verschiedenen Erfahrungsstufen hinweg weitgehend unverändert. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen beiden Konstrukten konnte nicht nachgewiesen werden. Weisheit erscheint daher als mehrdimensionales Phänomen, dessen Ausprägung von der jeweiligen Erfassungsmethode abhängt.
Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zum Verständnis professioneller Entwicklung in der Sozialen Arbeit. Für die Erforschung von Weisheit sowie für die Beurteilung professioneller Kompetenz empfiehlt sich die Kombination von Selbstberichtsverfahren und performanzbasierten Verfahren, da beide Zugänge unterschiedliche Facetten weisheitsbezogenen Denkens erfassen.
6 Referenzen
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Verfasst von
Petra Wolf
Doktorandin an der OTH Regensburg
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