Bewusstseins- und Subjektivierungsstrukturen von Sozialarbeitenden in der Eingliederungshilfe
socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten
Zusammenfassung
Die Arbeit rekonstruiert Dimensionen von Klassenbewusstsein in der Subjektivität von Fachkräften der Eingliederungshilfe und fragt, wieso Ausbeutung, Entfremdung und Deprofessionalisierung trotz neoliberaler Aushöhlung kaum zu kollektiver Mobilisierung führen. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Social Reproduction Theory, einen um moralische Ökonomie und neue Sensibilität erweiterten Klassenbegriff (Apicella) sowie die Konzepte von Arbeitskraftunternehmer, Emotionsarbeit und gefangener Subjektivierung (Wulf-Schnabel). Methodisch basiert sie auf drei offenen Leitfadeninterviews, ausgewertet mittels Grounded Theory. Rekonstruiert werden drei Typologien sozialarbeiterischer Subjektivität – die deprofessionalisierte Dienstleisterin, die pragmatische „Mutti“ und die antagonistische Kritikerin –, die eine eskalative Verschleißlogik offenbaren. Kernkategorie ist ein hybrides Klassenbewusstsein als Grenzkampf der gefangenen Subjektivierung; Fachkräfte werden zu menschlichen Stoßdämpfern der Care-Krise und federn durch subversives Handeln sowie physische und psychische Erschöpfung die Widersprüche zwischen Sorgeethos und Profitlogik ab. Diese Subversionen bleiben individualisiert und dienen der Aufrechterhaltung des eigenen beruflichen Ethos, nicht kollektiver Veränderung. Streik spielt höchstens peripher eine Rolle, erstickt von der Einsicht, dass dieser nicht den Profitfluss, sondern die Adressat:innen träfe; stattdessen dominieren Fluchtstrategien. Die Arbeit konkludiert mit einem Plädoyer für die Politisierung Sozialer Arbeit im Sinne einer „Care Revolution“.
Verfasst von
Carla Birnbaum
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