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Bewusstseins- und Subjektivierungsstrukturen von Sozialarbeitenden in der Eingliederungshilfe

Carla Birnbaum

veröffentlicht am 26.08.2026 | Bachelorarbeit


https://doi.org/10.60049/a29a1isi

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit im Studiengan Soziale Arbeit an der Hochschule Bielefeld - University of Applied Sciences and Arts
Erstgutachter: Prof. Dr. phil. Oliver Bierhoff
Zweitgutachter: Prof. Dr. phil. Claus Melter
Semester: Sommersemester 2026
Note: 1,0

Wieso organisieren sich Sozialarbeitende in der Eingliederungshilfe trotz Überlastung und Entfremdung kaum kollektiv? Diese qualitative Studie rekonstruiert sozialarbeiterische Subjektivität in Grenzkämpfen zwischen Sorgelogik und Profitlogik, Ideal und Moral sowie Macht und Arbeitskampf und zeigt dabei Dimensionen von Klassenbewusstsein sowie die Grenzen individuellen Widerstands auf.

Zusammenfassung

Die Arbeit rekonstruiert Dimensionen von Klassenbewusstsein in der Subjektivität von Fachkräften der Eingliederungshilfe und fragt, wieso Ausbeutung, Entfremdung und Deprofessionalisierung trotz neoliberaler Aushöhlung kaum zu kollektiver Mobilisierung führen. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Social Reproduction Theory, einen um moralische Ökonomie und neue Sensibilität erweiterten Klassenbegriff (Apicella) sowie die Konzepte von Arbeitskraftunternehmer, Emotionsarbeit und gefangener Subjektivierung (Wulf-Schnabel). Methodisch basiert sie auf drei offenen Leitfadeninterviews, ausgewertet mittels Grounded Theory. Rekonstruiert werden drei Typologien sozialarbeiterischer Subjektivität – die deprofessionalisierte Dienstleisterin, die pragmatische „Mutti“ und die antagonistische Kritikerin –, die eine eskalative Verschleißlogik offenbaren. Kernkategorie ist ein hybrides Klassenbewusstsein als Grenzkampf der gefangenen Subjektivierung; Fachkräfte werden zu menschlichen Stoßdämpfern der Care-Krise und federn durch subversives Handeln sowie physische und psychische Erschöpfung die Widersprüche zwischen Sorgeethos und Profitlogik ab. Diese Subversionen bleiben individualisiert und dienen der Aufrechterhaltung des eigenen beruflichen Ethos, nicht kollektiver Veränderung. Streik spielt höchstens peripher eine Rolle, erstickt von der Einsicht, dass dieser nicht den Profitfluss, sondern die Adressat:innen träfe; stattdessen dominieren Fluchtstrategien. Die Arbeit konkludiert mit einem Plädoyer für die Politisierung Sozialer Arbeit im Sinne einer „Care Revolution“.

Verfasst von
Carla Birnbaum
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