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Akquisition von Stiftungsmitteln

Effektiv Mittel bei Stiftungen beantragen

Christian Koch

Veröffentlicht am 02.07.2001.

Die Bedeutung von Stiftungen für die Finanzierung sozialer, gesellschaftspolitischer, ökologischer und kultureller Belange nimmt stetig zu. Die sehr große Anzahl an Stiftungen mit unterschiedlicher Zielsetzung macht es gerade kleineren Organisationen schwer, die richtige Stiftung als Finanzier zu finden. Auch ist der weitere Weg bis zur Auszahlung der ersten Mittel arbeitsreich. Durch ein paar Hinweise soll der Einstieg in die Beantragung von Stiftungsmitteln erleichtert werden.

Nicht jede Stiftung vergibt Zuwendungen an Dritte. Einige Stiftungen haben einen sehr engen Förderzweck, andere sind als operative Stiftungen unmittelbar und nicht durch die Förderung Dritter tätig. Hier bietet sich ggf. eine Zusammenarbeit, aber keine Bezuschussung an. Die Förderung ist immer befristet, in den meisten Fällen auf ein konkretes, abgeschlossenes Projekt bezogen.

Bevor an die Auswahl in Frage kommender Stiftungen zu denken ist, sollte das förderungswürdige Anliegen möglichst konkret beschrieben werden. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten:

  1. Was ist das Ziel des Projektes?
  2. Welche Zielgruppe profitiert von dem Projekt?
  3. Wodurch begründet sich ein öffentliches Interesse?
  4. Wo gibt es ähnliche Projekte? Wie sind die finanziert?
  5. Wie unterscheiden wir uns von anderen Projekten, was ist das Besondere?
  6. Werden andere Finanzierungsquellen, z.B. öffentliche Mittel und eigene Einnahmen, ausgeschöpft?
  7. Wie definieren wir den Erfolg des Projektes?
  8. Lässt sich der Erfolg nach außen darstellen?

Für die Auswahl passender Stiftungen bieten sich folgende Quellen an

  1. Stiftungsführer als Buch oder CD-Rom:
    Verzeichnis Deutscher Stiftungen 2000. Hoppenstedt-Verlag (Darmstadt) 1999, 245,00 DM. Informationen zu mehr als 8.000 Stiftungen, auch als CD-Rom erhältlich.
    Maecenata Institut (Hrsg.): Maecenata Stiftungsführer 2010. Maecenata Verlag (München) 2010, 6. vollständig überarbeitete Auflage, ca. 1.800 Seiten, ISBN 978-3-935975-53-7, 39,80 EUR. Die umfassende Auflistung von Förderstiftungen mit Angaben zu Name, Anschrift, Zweck und Fördermöglichkeiten wird ausschließlich als E-Book (PDF) vertrieben.
  2. Linksammlungen im Internet: www.socialnet.de/branchenbuch/2170.php
  3. Suche im Internet über Suchmaschinen und Kataloge: www.socialnet.de/branchenbuch/2900.php
  4. Erfahrungsaustausch mit vergleichbaren Projekten
  5. Beratung durch die Wohlfahrtsverbände

Für den Erfolg kommt es nicht darauf an, möglichst viele Stiftungen zu kontaktieren, sondern eine möglichst zielgenaue Auswahl zu treffen. Dabei sollte genau auf den Förderzweck, regionale Beschränkungen und weitere Vergabebedingungen geachtet werden.

Vor der Antragstellung sollten gezielt Informationen über die Stiftung eingeholt werden. Im Wege der telefonischen Anfrage kann weiter abgeklärt werden, ob die Stiftung zur Finanzierung in Frage kommt. Im positiven Falle werden in dem Gespräch direkt Antragsunterlagen angefordert.

Ein sinnvoller Antrag/Projektplan umfasst

  • ein Projekttitel
    Nomen est Omen. Ein guter Titel ist zugleich Programm und PR!
  • eine zusammenfassende Projektbeschreibung mit Zielgruppe und Projektziel
    Bereits hier sollte das besondere, einmalige des Projektes deutlich werden. Vorteilhaft sind langfristige positive Konsequenzen oder ein Modellcharakter.
  • Angaben zum Antragsteller = Projektträger
    Neben Anschrift, Ansprechpartner, Telefon, Fax, E-Mail ist eine kurze Darstellung des Tätigkeitsbereichs, besonderer Kompetenzen und spezifischer Vorerfahrungen sinnvoll. Ggf. kann für allgemeine Informationen auch auf eine beigelegte Broschüre verwiesen werden. Immer sollte die spezifische Eignung des Trägers im Antrag direkt dargestellt werden.
  • eine detaillierte Projektplanung mit Beteiligten, Projektphasen, Meilensteinen (= Zwischenzielen), Hinweisen zur Dokumentation der Ergebnisse, ggf. Kooperationspartner
    Wird auf Vorerfahrungen aufgebaut? Was passiert mit den Ergebnissen nach dem Projektende? Ist eine Anschlussfinanzierung erforderlich und realistisch?
  • eine detaillierte Finanzplanung mit voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben
    Wieso kommt keine (weitergehende) öffentliche Finanzierung in Frage? Warum können der Träger oder die Zielgruppe keinen größeren Beitrag übernehmen?
  • konkreter Antrag, also Art und Umfang der Förderung
    Wann sind welche Zahlungen vorgesehen? Werden weitere Leistungen durch die Stiftung gewünscht, z.B. Pressearbeit, Angebot an Räumlichkeiten oder andere Sachleistungen?
  • Im Rahmen des Anschreibens sollte auf die vorherige telefonische Kontaktaufnahme Bezug genommen werden und möglichst die zuständige Person direkt angesprochen werden. Zum Abschluss des Schreibens bietet sich an, weitere Informationsbereitschaft zu signalisieren: „Gerne stehen wir für Rückfragen zur Verfügung oder erläutern Ihnen unsere Pläne im persönlichen Gespräch.“

Weitere Hinweise zur Antragstellung und zu Förderstiftungen finden Sie in:
Stiftung Mitarbeit und Die Paritätische Geldberatung e.G. (Hrsg.): Wie Stiftungen fördern. Stiftung Mitarbeit (Bonn) 2001, 2., überarbeitete Auflage, 112 Seiten, ISBN 3-928053-49-3, DM 14,00, www.mitarbeit.de.

Evangelisches Bildungswerk EBW und Institut für Beratung und Projektentwicklung IBPro (Hrsg.): Stiftungen nutzen – Stiftungen gründen. AG SPAK (Neu-Ulm) 2002, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, 113 Seiten, ISBN 3-930830-27-2, EUR 13,00. (mittlerweile vergriffen)

Viel Erfolg bei der Antragstellung!


Autor
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Christian Koch: Akquisition von Stiftungsmitteln. Effektiv Mittel bei Stiftungen beantragen. Veröffentlicht am 02.07.2001 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/37.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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