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Problemfeld Begutachtung ´traumatisierter´ Flüchtlinge

Katarina Rafailovic

Veröffentlicht am 01.03.2006.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Diplomarbeit vom Juni 2005, Freie Universität Berlin.
Eine überarbeitete Fassung dieser Arbeit ist ausgezeichnet mit dem publizistisch Wissenschaftlichen Förderpreis der Rosa Luxemburg Stiftung Brandenburg. Sie ist unter dem selben Titel erschienen im Schkeuditzer Buchverlag, ISBN 3-935530-49-8.

Seit Mitte der 90er Jahre spielt die Begutachtung potentiell 'Traumatisierter' in der psychologischen Berufspraxis mit Flüchtlingen eine zunehmend bedeutende Rolle. Das Einbringen von psychologischen Expertisen in aufenthaltsrechtliche Verfahren wird in dieser Arbeit exemplarisch anhand der Diskussionen, Praxen und Erfahrungen, die mit bosnischen Flüchtlingen gewonnen werden konnten, untersucht.

Psychologie und Medizin bewegen sich durch die Begutachtungspraxis in aufenthaltsrechtlichen Anerkennungsverfahren in einem Spannungsfeld bestehend aus unterschiedlichen Interessenlagen der AkteurInnen. Entscheidungstragende Instanzen, wie die Ausländerbehörde und die in diesem Kontext immer mehr an Einfluss gewinnenden Verwaltungsgerichte vertreten insbesondere das Interesse der Einhaltung bzw. Umsetzung der rechtlichen Bestimmungen. Flüchtlinge, die meist schon mehrere Jahre mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben, haben das Interesse an einem möglichst gesicherten Aufenthalt und der Beendigung einer Lebenssituation ohne Perspektive. PraktikerInnen der psychosozialen Arbeit mit Flüchtlingen verstehen sich häufig selbst als UnterstützerInnen der Interessen ihrer Klientel an einem Bleiberecht und einem Ausweg aus einer strukturell ausgegrenzten Lebenssituation. Aber das Handeln der PraktikerInnen kann den politisch- juristischen Rahmen, der von den entscheidungstragenden Instanzen mitbestimmt wird, nicht verlassen.

Ziel der Arbeit ist eine Darstellung und kritische Analyse aus der Aufgabenstellung und Perspektive der PraktikerInnen, sowie die Explizierung der Positionen und Perspektiven der 'Objekte' dieses berufspraktischen Handelns. Ansetzend an subjektwissenschaftliche Praxisforschung und Bourdieu et al. sollen zwei zentrale Fragenkomplexe beantwortet werden:

  • Wie stellt sich das Spannungsfeld der Begutachtungspraxis (potentiell) 'traumatisierter' Flüchtlinge aus Aufgabenstellung und Perspektive der PraktikerInnen dar?
  • Wie gehen die PraktikerInnen mit den Problemen ihrer KlientInnen fachlich um? Welche fachlichen Instrumente und Diskussionen benutzen die PraktikerInnen?
  • In welchem juristischen und rechtlichen Rahmen befinden sich die betroffenen Flüchtlinge und die PraktikerInnen, wenn sie sie behandeln wollen?
  • Wie sind die PraktikerInnen dazu gekommen, Atteste und Begutachtungen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren einzubringen und welche Widersprüche bringt das mit sich?
  • Wie sind die Positionen und Perspektiven von 'Objekten' dieser Praxis?
  • Wie verorten sie sich im Spannungsfeld?
  • (Wie) sehen sie sich als 'traumatisierte Flüchtlinge' und wie gehen sie mit sich als 'traumatisiert' diagnostiziert um?
  • Wie haben sie die klinisch- fachliche Begutachtung erlebt? Wie stellt sich für sie die Verbindung zwischen aufenthaltsrechtlichem Verfahren und Psychotherapie bzw. psychiatrischer Behandlung dar?
  • (Wie) begründen oder problematisieren sie diese Zusammenhänge?

Anlagen

  1. vollständige Diplomarbeit (pdf)

Autorin
Katarina Rafailovic
Diplom-Psychologin
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Zitiervorschlag
Katarina Rafailovic: Problemfeld Begutachtung ´traumatisierter´ Flüchtlinge. Veröffentlicht am 01.03.2006 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/55.php, Datum des Zugriffs 03.04.2020.


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