socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

D&O-Versicherung

Die Gefahr des privaten Ruins abwehren

Bijan U. Daftari

Veröffentlicht am 01.12.2006.

Zusammenfassung
Die Directors&Officers-Versicherung (Managerhaftpflicht) ist eine Antwort auf die gestiegenen persönlichen Haftungsrisiken ehren- und hauptamtlicher Leitungskräfte.

Leiter gemeinnütziger Organisationen stehen heute genauso wie Geschäftsführer kleiner, mittelständischer und großer Unternehmen vor Herausforderungen, die bislang ausschließlich börsennotierte Unternehmen betrafen. Bei Fehlverhalten haften sie mit ihrem Vermögen und laufen Gefahr eines privaten Ruins.

Haftungsverschärfungen, steigende Insolvenzzahlen und länger werdende Pflichtenkataloge für Leitungs- und Kontrollorgane verleihen dem Thema Manager-Haftung zu Recht eine immer größer werdende Bedeutung.

Viele Änderungen der Haftungssituation von Leitungskräften, zum Beispiel durch das 10-Punkte-Programm der Bundesregierung, haben auf Leitungskräfte gemeinnütziger Organisationen keine unmittelbare Auswirkung. Öffentlichkeitswirksam geführte Debatten führen jedoch dazu, dass qualitativ hohe Anforderungen an die Leistungen von Leitungsorganen gestellt werden.

Das derzeit ausgeprägte Bewusstsein, dass Missmanagement stets zur Haftung führt, senkt allgemein den Abbau von Hemmschwellen hinsichtlich einer Inanspruchnahme.

Zu oft wiegen sich Leitungskräfte gemeinnütziger Organisationen in falscher Sicherheit. Auch sie sind zunehmenden Haftungsrisiken ausgesetzt, unabhängig davon, ob sie haupt- oder ehrenamtlich tätig sind.

Lösungsmöglichkeiten bieten die so genannten D&O-Versicherungen für gemeinnützliche Organisationen.

Directors‘ & Officers Liability, kurz „D&O“ oder in Deutschland „Manager-Haftpflicht“ genannt, ist eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Organe und leitende Angestellte.

Versicherungsnehmerin ist das Unternehmen bzw. die gemeinnützige Organisation. Ersetzt werden hierbei Vermögensschäden, die während einer Versicherungsperiode verursacht wurden und bei denen die Anspruchserhebung noch innerhalb der Versicherungslaufzeit erfolgt.

Ansprüche gegen Leitungskräfte von Organisationen, unabhängig von der jeweiligen Rechtsform, können im Innen- wie auch im Außenverhältnis entstehen. Pflichten hierzu ergeben sich aus Gesetz, Vertrag, Satzung und Vereinsordnung.

Fehlerhafte Zuwendungsbescheinigungen oder Spendenverwendung oder die irrtümlich unterlassene Abführung von Steuern oder Sozialabgaben können eine persönliche Außenhaftung ebenso begründen wie die Verletzung strafrechtlicher Schutznormen oder Insolvenzvorschriften.

Im Innenverhältnis kommen fehlerhafte Vermögensverwendung, Gefährdung von Satzungszweck oder Gemeinnützigkeit oder der Abschluss ungünstiger Geschäfte als Haftungstatbestand in Betracht.

Häufig muss die Organisation den Anspruch gegen ihr Leitungsorgan geltend machen: unterlässt sie es, kann hierin ein Verstoß gegen das gemeinnützigkeitsrechtliche Verbot satzungswidriger Zuwendungen liegen.

Eine drohende Aberkennung der Gemeinnützigkeit oder der stiftungsrechtlichen Genehmigung sind wohlbekannte Probleme gemeinnütziger Organisationen. Hier bieten Versicherungsunternehmen speziellen Organisationsrechtsschutz zur Abwehr solcher Maßnahmen an.

Die wichtigsten Aspekte, die beim Abschluss einer D&O-Versicherung für gemeinnützige Organisationen berücksichtigt sein müssen, sind:

  • Das Bedingungswerk sollte klar auf gemeinnützige Organisationen abgestimmt sein.
  • Ein expliziter Einschluss von Leitungsorganen (z.B. Geschäftsführer) ohne Organstatus sollte bestehen.
  • Die Rückwärtsversicherung sollte unbegrenzt sein.
  • Eine Nachmeldefrist (i.d.R. von 3 Jahren) sollte vereinbart sein.
  • Zusätzlich sollte frühzeitig geprüft werden, ob optionale Bausteine oder ergänzende Versicherungen, wie beispielsweise Organisationsrechtsschutz oder Mitversicherung anderer Organisationen (gemeinnützige und nicht gemeinnützige), bereits mit Beginn des Versicherungsschutzes oder zu einem späteren Zeitpunkt problemlos eingekauft werden können.

Marktüblich bei D&O-Versicherungen für gemeinnützige Organisationen sind:

  • einfache Antragsverfahren für kleine und mittlere Organisationen
  • Deckungssummen bis 10 Mio. Ä.

Grundsätzlich sollte über den Versicherungsmakler bzw. Versicherungsagenten geprüft sein, dass das Versicherungsunternehmen über ein nachweislich gutes Rating verfügt, Erfahrung in der jeweiligen Versicherungssparte aufweist und sich durch einen qualifizierten Schadenservice auszeichnet.

Denn der beste Schutz hilft nicht, wenn der Versicherungskonzern im Schadensfall nicht über die notwendige Kompetenz und ausreichende finanzielle Kapazitäten verfügt.


Autor
Bijan U. Daftari
Manager Chubb Specialty Insurance Central & Eastern Europe, Chubb Insurance Company of Europe S.A.
Homepage www.chubb.com/international/germany/
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Bijan U. Daftari: D&O-Versicherung. Die Gefahr des privaten Ruins abwehren. Veröffentlicht am 01.12.2006 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/6.php, Datum des Zugriffs 03.04.2020.


Urheberrecht
Dieser Beitrag ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, helfen wir Ihnen gerne weiter. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Materialien für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Übersicht über alle Materialien

Immer auf dem Laufenden?

socialnet ist das Fachportal für Sozialwirtschaft und Nonprofit-Management. Das Branchenbuch, die Rezensionen und weitere Dienste werden laufend ausgebaut. Damit Sie nichts verpassen, informieren wir Sie gerne monatlich über neue Angebote. Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter.

Förderverein

Damit wir Ihnen künftig noch mehr kostenlose Fachinformationen zur Verfügung stellen können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Sie können uns über den Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. steuerbegünstigt Spenden zukommen lassen.