socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Sozialassistentin, Sozialassistent

Kurze Einführung in diese berufliche Erstausbildung im sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufsfeld

Rainer Haueisen

Veröffentlicht am 01.07.2003.

Übernommen aus Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.): Fachlexikon der sozialen Arbeit. Deutscher Verein Eigenverlag (Frankfurt am Main) 2002, 5. Auflage, 1.214 Seiten, EUR 55,00.

Wir danken dem Deutschen Verein für die Bereitstellung dieses Beitrags.

Das Fachlexikon der sozialen Arbeit des Deutschen Vereins ist seit vielen Jahren das Standardwerk für die sozialen Praxisfelder, Sozialwirtschaft und Verwaltung. Kompakt und aktuell greifen Sie auf das Know-How von 640 AutorInnen zurück. Die Spektrum reicht von Grundlagen über spezielle Fachbegriffe bis zu Gesetzen, Institutionen und rund 4.000 Literaturhinweisen.
Lesen Sie die ausführliche Rezension.
Bestellen Sie über unsere Partnerbuchhandlung.

In einigen Bundesländern (z.B. Hessen, Thüringen) schon bestehende, in anderen Bundesländern im Aufbau begriffene berufliche Erstausbildung im sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufsfeld. Sie löst dort die bisherigen Helferberufe – z.B. Kinderpfleger/-in, Altenpflegehelfer/-in, Heilerziehungshelfer/-in, Helfer/-in in der Haus- und Familienpflege, Sozialhelfer/-in – ab und überführt diese in eine andere Ausbildungsstruktur. Die Ausbildung erfolgt an einer Berufsfachschule für Sozialassistenz, oder sie ist ein Bildungsgang einer Fachoberschule für Sozialwesen. Die Struktur der Ausbildung (zweijähriger vollschulischer Bildungsgang mit Praxisanteilen nach dem Mittleren Bildungsabschluss, Staatliche Prüfung) entspricht der von über 30 anderen Assistenzberufen in anderen Berufsfeldern, für die zum Teil bereits KMK-Rahmenvereinbarungen bestehen. Nach dem ersten Schuljahr mit der Vermittlung grundlegender Qualifikationen aus dem pflegerischen, sozialen und hauswirtschaftlichen Aufgabenfeld wählen die Schüler einen Schwerpunkt (z.B. Sozialpflege, Sozialpädagogik), in dem während des zweiten Schuljahres die fachpraktische Ausbildung und die theoretische Vertiefung erfolgt.

Die Ausbildung orientiert zugleich im sozialen Berufsfeld, der Abschluss öffnet Wege in weiterführende soziale, medizinische und pflegerische Ausbildungen wie z.B. Krankenschwester/Krankenpfleger, Altenpflegerin/Altenpfleger, Logopädin/Logopäde, Physiotherapeutin/Physiotherapeut, Ergotherapeutin/Ergotherapeut.

Der Abschluss sichert die Zugangsvoraussetzungen zur Fachschule für Sozialpädagogik nach der KMK- Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von Erziehern/Erzieherinnen vom 28.1.2000. Durch eine Zusatzprüfung am Ende der Ausbildung und einem Jahr Praktikum oder durch den anschließenden Besuch der einjährigen Fachoberschule kann die Fachhochschulreife erworben werden.

Befürworter der Ausbildung weisen darauf hin, dass mit der Einführung der Ausbildung das sozial und fachlich fragwürdige Vorpraktikum abgelöst wird. Durch die einschlägige, abgeschlossene Berufsausbildung als Zugangsvoraussetzung wird der Bildungsgang für Erzieher/-innen zur weiterführenden Ausbildung entsprechend den Strukturen in anderen Berufsfeldern (Techniker/-in, Meister/-in).

Kritiker befürchten, dass unter dem Kostendruck sozialer Einrichtungen Sozialassistent/innen an Stelle voll ausgebildeter Fachkräfte eingesetzt werden. Zu diskutieren ist hier erneut, ob die Anerkennung einer pädagogischen Fachkraft an den Abschluss Erzieher/in als Mindestqualifikation gebunden werden kann.

Der Einsatz in der sozialpädagogischen Praxis als Ergänzungskraft wirft die Frage auf, ob pädagogische Arbeit dem Prinzip der Ganzheitlichkeit verpflichtet bleibt oder begrenzte Zuständigkeiten an Assistenten delegiert werden können.

Wenige Bundesländer (z.B. Bayern) halten an der Ausbildung zur Kinderpflegerin (Hauptschulabschluss, zwei Jahre angeleitete praktische Tätigkeit begleitet von einem Tag Berufsschule pro Woche) fest.


Autor
Rainer Haueisen
Dipl.-Pädagoge
Abteilungsleiter für Sozial- und Heilpädagogik, Studiendirektor der Beruflichen Schulen Berta Jourdan, Frankfurt am Main


Zitiervorschlag
Rainer Haueisen: Sozialassistentin, Sozialassistent. Kurze Einführung in diese berufliche Erstausbildung im sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufsfeld. Veröffentlicht am 01.07.2003 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/64.php, Datum des Zugriffs 08.12.2019.


Urheberrecht
Dieser Beitrag ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, helfen wir Ihnen gerne weiter. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Materialien für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Übersicht über alle Materialien

Immer auf dem Laufenden?

socialnet ist das Fachportal für Sozialwirtschaft und Nonprofit-Management. Das Branchenbuch, die Rezensionen und weitere Dienste werden laufend ausgebaut. Damit Sie nichts verpassen, informieren wir Sie gerne monatlich über neue Angebote. Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter.

Förderverein

Damit wir Ihnen künftig noch mehr kostenlose Fachinformationen zur Verfügung stellen können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Sie können uns über den Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. steuerbegünstigt Spenden zukommen lassen.