Psychische Erkrankungen und Burnout sind in der Sozialwirtschaft längst keine Randerscheinung mehr. Sie sind ein handfestes betriebswirtschaftliches Problem und damit auch ein zentrales Thema für Personalverantwortliche. Wer Burnout weiterhin als individuelles Schicksal betrachtet, unterschätzt das Risiko für die Mitarbeitenden und für seine Organisation.
Inhalt- Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
- Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Personalbindung
- Was das für die Personalarbeit bedeutet
- Praktischer Tipp: Care4Care
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die Datenlage ist eindeutig: Die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen haben seit 2014 um knapp 47 Prozent zugenommen. Bei Burnout-Erkrankungen speziell stieg die Zahl von 100 Ausfalltagen je 100 erwerbstätige AOK-Mitglieder im Jahr 2014 auf knapp 184 Tage im Jahr 2024.
Besonders relevant für die Sozialwirtschaft: Betroffen von psychischen Erkrankungen waren Berufe im Bereich Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen und in anderen kontaktintensiven Berufen.
Dazu kommt ein weiterer Faktor, der die Brisanz für Personalverantwortliche erhöht. Die Erkrankungsdauer bei psychischen Erkrankungen liegt mit durchschnittlich 28,5 Tagen pro Fall deutlich höher als bei anderen Diagnosen. Ein Burnout ist also nicht nur ein menschliches, sondern auch ein organisatorisches Problem, mit langen Ausfallzeiten, Mehrbelastung für Kolleg:innen und erhöhtem Fluktuationsrisiko.
Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Personalbindung
Der AOK-Fehlzeiten-Report 2024 belegt darüber hinaus einen wichtigen Zusammenhang, der für die Personalarbeit strategisch bedeutsam ist: In Pflegeeinrichtungen, die der Gesundheit der Beschäftigten hohe Priorität einräumen und sich insbesondere um ein gutes Klima in Bezug auf die mentale Gesundheit bemühen, ist die Bereitschaft zum Wechsel und zum Ausstieg nur etwa halb so hoch wie in Einrichtungen mit einem schlechten psychosozialen Sicherheitsklima.
Das bedeutet: Wer in mentale Gesundheit investiert, investiert gleichzeitig in Mitarbeiterbindung und damit in einen der knappsten Faktoren der Branche.
Was das für die Personalarbeit bedeutet
Mentale Gesundheit sollte nicht als Zusatzangebot, sondern als Teil der Personalstrategie verstanden werden. Betriebliches Gesundheitsmanagement setzt nicht erst im Krankheitsfall an, sondern gestaltet die Arbeitswelt so, dass die körperliche, mentale und organisatorische Gesundheit langfristig gefördert wird.
Konkret bedeutet das für Personalabteilungen in der Sozialwirtschaft: Einzelmaßnahmen wie ein jährlicher Gesundheitstag reichen nicht aus. Es braucht strukturelle Ansätze, die das Thema fest in der Organisation verankern.
Dazu gehören unter anderem:
- Regelmäßige und niedrigschwellige Angebote zur psychischen Entlastung
- Führungskräfteentwicklung mit Fokus auf gesundheitsförderndes Führen
- Eine offene Kommunikationskultur, in der Belastungen frühzeitig angesprochen werden können
- Die Verankerung des Themas psychische Gesundheit fest in die Zielsetzung, die Prioritäten und Verantwortlichkeiten des Unternehmens
Wichtig: Die gesetzlichen Krankenkassen können Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements finanziell fördern. Es lohnt sich also, das Gespräch mit der zuständigen Krankenkasse zu suchen.
Praktischer Tipp: Care4Care
Ein konkretes Beispiel, das speziell für die Pflege entwickelt wurde, ist das Programm Care4Care des AOK-Bundesverbands. Es besteht aus Online-Trainings zur Stärkung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, ergänzt durch E-Assessments, E-Coaching-Angebote und Team-Workshops vor Ort.
Weiterführende Daten und Analysen bietet der jährlich erscheinende AOK-Fehlzeiten-Report, der kostenfrei als Zusammenfassung verfügbar ist.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und Information. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements empfehlen wir die Beratung durch Fachleute sowie die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Krankenkasse.
Verfasst von
Cläre McDaniel
Freiberuflerin für Kommunikationsberatung, Text und Design
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