Die 4-Tage-Woche, geteilte Führung, Wunschdienstpläne – Flexibilität wird zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor in der Personalgewinnung. Doch was davon ist in der Pflege realistisch? Ein nüchterner Überblick mit Praxisbeispielen.
Inhalt- Welche Modelle gibt es – und was ist in der Pflege umsetzbar?
- Wunschdienstplan
- Teilzeit in Führung (Jobsharing auf Leitungsebene)
- 4-Tage-Woche
- Homeoffice und hybride Arbeit
- Arbeitszeitkonten und Freizeitausgleich
- Was Träger konkret tun können
Wenn junge Pflegekräfte nach dem entscheidenden Kriterium für ihre Arbeitgeberwahl gefragt werden, landet Flexibilität regelmäßig auf einem der vorderen Plätze. Vor Gehalt, vor Karrierechancen, sogar vor dem direkten Arbeitsumfeld. Gleichzeitig arbeitet die Pflegebranche unter Bedingungen, die Flexibilität strukturell erschweren: 24/7-Versorgung, feste Schichtrahmen, hohe Mindestbesetzungsvorgaben.
Dennoch tun einige Einrichtungen mehr als andere, und das sieht man an ihrer Bewerber:innenlage.
Welche Modelle gibt es – und was ist in der Pflege umsetzbar?
Wunschdienstplan
Das niedrigschwelligste Modell:
Mitarbeitende können Wünsche für freie Tage, bevorzugte Schichten oder unerwünschte Dienste einreichen, die bei der Dienstplangestaltung berücksichtigt werden. Vollständige Erfüllung aller Wünsche ist nicht möglich, aber transparente Entscheidungskriterien und ehrliche Kommunikation steigern die Zufriedenheit bereits erheblich.
Teilzeit in Führung (Jobsharing auf Leitungsebene)
Zwei Personen teilen sich eine Leitungsstelle und können so z. B. je 60–70 % arbeiten. Das Modell ist besonders attraktiv für erfahrene Fachkräfte mit Familienpflichten und ermöglicht es Einrichtungen, auch für Teilzeit-Interessierte attraktiv zu sein.
Dieses Vorgehen erfordert klare Absprachen, gemeinsame Übergaben und eine offene Führungskultur. In der Praxis funktioniert es gut, wenn beide Personen kommunikativ kompatibel sind.
4-Tage-Woche
Das am häufigsten diskutierte Modell. In der vollstationären Pflege ist eine echte 4-Tage-Woche bei gleichbleibender Wochenstundenzahl schwer umzusetzen – die Schichtlängen würden auf bis zu 12 Stunden ansteigen, was zwar rechtlich zulässig, aber dauerhaft gesundheitlich belastend ist. Sinnvoller ist eine 4-Tage-Woche in Verbindung mit reduzierter Stundenzahl (z. B. 32 Stunden statt 38,5 Stunden), was jedoch eine Teilzeitregelung darstellt. Einzelne ambulante Dienste berichten von positiven Erfahrungen mit verlängerten Schichten an 4 Tagen. Stationäre Einrichtungen stoßen schnell an strukturelle Grenzen.
Homeoffice und hybride Arbeit
Für pflegenahe Berufe (Verwaltung, Sozialberatung, Dokumentation, Qualitätsmanagement, Koordination) sind hybride Modelle sehr wohl möglich und werden von vielen Trägern noch zu wenig genutzt. Wer seiner Verwaltung oder dem Sozialdienst Homeoffice ermöglicht, entlastet nicht nur die Betroffenen, sondern schafft auch Bürokapazitäten. Für die direkte Pflege ist dies naturgemäß nicht anwendbar.
Arbeitszeitkonten und Freizeitausgleich
Gut geführte Arbeitszeitkonten, die Überstunden tatsächlich in Freizeit umwandeln (und nicht über das Jahresende hinaus "aufstauen"), sind ein wirksames Instrument. Voraussetzung ist eine zuverlässige digitale Zeiterfassung und eine Führungskultur, die den Ausgleich tatsächlich ermöglicht.
Was Träger konkret tun können
- Bedarfserhebung im Team
Was wünschen sich Ihre Mitarbeitenden wirklich? Eine kurze anonyme Befragung liefert belastbare Erkenntnisse. - Modellprojekt starten
Testen Sie ein Modell in einem Bereich oder auf einer Station, bevor Sie es einrichtungsweit einführen. - Kommunikation nach außen
Zeigen Sie in Ihrer Stellenanzeige konkret, welche Flexibilität Sie bieten. "Wunschdienstplan möglich" oder "Teilzeit in allen Schichten" sind starke Signale. - Führungskräfte schulen
Flexible Modelle scheitern oft an mittlerer Führungsebene, die keine Erfahrung mit ihrer Umsetzung hat.
Quellen
- Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) – Flexible Arbeitszeiten in der Pflege: https://www.arbeitswissenschaft.net
- AOK Fehlzeiten-Report 2024 – Bindung und Gesundheit: https://www.wido.de/news-presse/pressemitteilungen/2024/fehlzeiten-report-2024/
Verfasst von
Cläre McDaniel
Freiberuflerin für Kommunikationsberatung, Text und Design
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