Kritische Mitarbeitergespräche gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben von Führungskräften. Anders als zum Beispiel kurze Feedbacksituationen geht es hier häufig um tieferliegende Konflikte, wiederkehrende Leistungsprobleme, das Überbringen schlechter Nachrichten oder belastete Zusammenarbeit. Solche Gespräche entscheiden oft darüber, ob Vertrauen und Motivation erhalten bleiben oder Schaden nehmen. Dabei scheitern schwierige Gespräche selten am eigentlichen Thema. Problematisch ist meist die Art der Kommunikation: zu unklar, zu konfrontativ oder zu stark auf Schuld fokussiert. Und: häufig nicht anschlussfähig an die Perspektive des Gegenübers.
Inhalt- Überblick zur Wirkung Motivierender Führungskommunikation
- Anwendung motivierender Führungskommunikation in schwierigen Gesprächen
- Fazit
Als hilfreicher Ansatz in herausfordernden Situationen kann die „Motivierende Führungskommunikation“ dienen (Motivating Language Theory; z.B. Mayfield & Mayfield 2018, 2017, 2012; Sullivan 1988; s.a. Omair et al. 2025; Unger 2025). Sie zeigt, dass wirksame Führungskommunikation drei Elemente verbinden sollte:
- Direction-Giving (Orientierung: Führungskräfte motivieren stärker, wenn sie klare Erwartungen, Orientierung, Ziele und Handlungsanweisungen formulieren. Unklare Kommunikation erhöht dagegen Unsicherheit und Stress),
- Empathetic Language (Beziehung: Wertschätzung, emotionale Unterstützung, Anerkennung und respektvolle Kommunikation fördern Vertrauen, psychologische Sicherheit und die Qualität der Führungsbeziehung),
- Meaning-Making (Sinn: Besonders wirksam ist Kommunikation, die Mitarbeitenden Sinn vermittelt, Zusammenhänge erklärt und die Bedeutung ihrer Arbeit verdeutlicht. Dadurch steigen Identifikation, intrinsische Motivation und Engagement).
Überblick zur Wirkung Motivierender Führungskommunikation
- Studien zeigen konsistent positive Zusammenhänge zwischen motivierender Führungssprache und Commitment, Leistung, Zufriedenheit sowie Vertrauen. Für anspruchsvolle Gespräche folgt daraus, dass die Qualität der sprachlichen Führungskommunikation selbst ein zentraler Wirkfaktor ist – nicht nur der Inhalt oder die Entscheidung (Omair et al. 2025; Mayfield & Mayfield 2018).
- In unsicheren Situationen, Change-Prozessen oder in Krisenzeiten wird durch diesen Ansatz das Mitarbeiterengagement erhöht und Vertrauen gestärkt. Führungsgespräche wirken insbesondere dann stabilisierend, wenn Führungskräfte Unsicherheit aktiv adressieren, emotional unterstützen und einen nachvollziehbaren Sinnrahmen bieten (Atiku et al. 2023; Tao et al. 2022).
- Es wird nicht selten unterschätzt, dass die Sprache von Führungskräften psychologische Bedeutsamkeit und Vitalität stärkt, was wiederum proaktives Verhalten fördert. Für schwierige Gespräche bedeutet dies, dass kommunikative Wertschätzung und sinnorientierte Sprache nicht nur Konflikte entschärfen, sondern auch Eigeninitiative und konstruktive Mitarbeit fördern können (Binyamin & Brender-Ilan 2018).
- Besonders in belastenden Gesprächen erweisen sich empathische Kommunikation, klare Orientierung und Sinnvermittlung als entscheidend für Vertrauen und emotionale Stabilität (Men et al. 2022; Edmondson 2019).
Anwendung motivierender Führungskommunikation in schwierigen Gesprächen
Führungskräfte sollten
1.) klar benennen, worum es geht
(Z.B.: „In den letzten drei Wochen wurden vereinbarte Deadlines mehrfach überschritten und deine Rückmeldungen kamen erst nach meinen Erinnerungen am…“)
2.) Belastung und Emotionen sowie die Perspektive des Gegenübers anerkennen. Wobei: verstehen bedeutet nicht einverstanden sein
(Z. B.: „Mir ist klar, dass solche Rückmeldungen ärgerlich sind. Ich will verstehen, was aus deiner Sicht dahintersteht und was du ggf. von mir brauchst. Ich sehe, dass du fachlich viel beitragen kannst, und genau deshalb will ich das früh ansprechen, statt es weiter anwachsen zu lassen. Wie kam es dazu?“)
3.) Sinn und gemeinsame Zielrichtung herstellen - dies am besten dialogisch
(Z. B.: „Die verspätete Abgabe wirkt sich auf das Team und die Klientenarbeit aus: Ganz konkret konnte deshalb … Unserer Organisation ist wichtig, dass … Wie siehst du das?“)
4.) konkrete nächste Schritte vereinbaren
(Z. B.: „Für die nächsten zwei Wochen möchte ich gerne drei konkrete Schritte vereinbaren: ein täglicher kurzer Austausch, klare Zwischenziele für jede Aufgabe und eine Rückmeldung am Freitag, wo du stehst. Wenn du Hindernisse siehst, sprich sie bitte sofort an. Ich bin überzeugt, dass wir das stabilisieren können. Wäre das in Ordnung für dich?“)
Es handelt sich bei den Beispielen um eine vereinfachende Darstellung. Verdeutlicht werden sollte insbesondere, dass vor allem sprachliche Merkmale wie „Ich möchte verstehen …“, „Mir ist wichtig …“, „Ich sehe, dass …“, „Damit wir gemeinsam …“, „Für die nächsten Schritte vereinbaren wir …“ eingesetzt werden und die Kommunikation so gut wie möglich dialogisch gestaltet wird. Folgende Formulierungen sollten dagegen vermieden werden: „Sie müssen / sollten endlich …“, „Das ist inakzeptabel.“, „Warum machen Sie immer …?“, „Andere schaffen das doch auch.“
Führungskommunikation wirkt am stärksten, wenn Mitarbeitende gleichzeitig verstehen, was erwartet wird, erleben, dass sie wertgeschätzt werden und erkennen, warum ihre Arbeit bedeutsam ist. Gerade die Kombination aus kognitiver Orientierung, emotionaler Unterstützung und Sinnvermittlung gilt als besonders motivationsförderlich. Motivierende Führungssprache ist daher als ein multidimensionales Kommunikationssystem zu sehen und sollte nicht auf reine Ziel- oder Motivationsansprachen reduziert werden.
Motivierende Sprache ist kein bloßes Kommunikationstool, sondern entfaltet Wirkung erst durch die soziale Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Dabei hängt die Wirkung motivierender Führungskommunikation wesentlich von der wahrgenommenen Glaubwürdigkeit, Authentizität und dem Vertrauen in die Führungskraft ab. Inkonsistenzen zwischen Worten und Verhalten schwächen die Wirkung erheblich. Besonders sinnstiftende oder empathische Kommunikation verliert ihre Wirkung, wenn Mitarbeitende sie als strategisch-manipulativ, unehrlich oder nicht authentisch erleben (Omair et al. 2025).
Fazit
Motivierende Führungskommunikation kann auch in schwierigen Situationen von Führungskräften sinnvoll eingesetzt werden, um Gespräche konstruktiv zu gestalten. Führungskräfte fördern besonders dann Motivation, Vertrauen, Engagement und psychologische Sicherheit, wenn sie alle drei Kommunikationsdimensionen gezielt verbinden. Entscheidend ist dabei jedoch die Glaubwürdigkeit der Führungskraft: Worte wirken nur dann motivierend, wenn Mitarbeitende die Kommunikation als authentisch, konsistent und vertrauenswürdig erleben. Führungskräfte sollten daher gezielt motivierende Kommunikation trainieren – insbesondere hinsichtlich Klarheit, Empathie und Sinnvermittlung, da diese Kommunikationsformen konsistent mit positiven individuellen und organisationalen Ergebnissen verbunden sind.
Weiterführende Quellen:
- Atiku, S. O., Kurana, C. M., & Ganiyu, I. O. (2023). Leadership and Service Delivery in Times of Change. Administrative Sciences, 13(5), 125
- Binyamin, G., & Brender-Ilan, Y. (2018). Leaders' language and employee proactivity: Enhancing psychological meaningfulness and vitality. European Management Journal, 36(4), 463–473.
- Edmondson, A. C. (2019). The fearless organization: Creating psychological safety in the workplace for learning, innovation, and growth. Wiley.
- Mayfield, J., & Mayfield, M. (2012). The relationship between leader motivating language and self-efficacy: A partial least squares model analysis. Journal of Business Communication, 49(4), 357–376.
- Mayfield, J., & Mayfield, M. (2017). Motivating language theory: Effective leader talk in the workplace. Springer.
- Mayfield, J., & Mayfield, M. (2018). Motivating language theory and its impact on employee outcomes. In E. Van Scotter (Ed.), The handbook of communication engagement (pp. 243–260). Wiley.
- Men, L. R., Qin, Y. S., & Jin, J. (2022). Fostering Employee Trust via Effective Supervisory Communication during the COVID-19 Pandemic: Through the Lens of Motivating Language Theory. International Journal of Business Communication, 59(2), 193-218.
- Omair, S., Khizar, H. M. U., & Kumar, S. (2025). The power of language in leadership: A systematic literature review and bibliometric analysis of leader motivating language. Asian Business & Management, 24(3), 385–427.
- Sullivan, J. J. (1988). Three roles of language in motivation theory. Academy of Management Review, 13(1), 104–115.
- Tao, W., Lee, Y., Sun, R., Li, J.-Y., & He, M. (2022). Enhancing employee engagement via leaders’ motivational language in times of crisis: Perspectives from the COVID-19 outbreak. Public Relations Review, 48(1), Article 102133.
- Unger, F. (2025). Personalführung mit Wirkung – das Workbook für Führungskräfte. Tredition
Verfasst von
Prof. Dr. Prof. Dr. Frank Unger
Sozial-/Verwaltungsmanagement und Arbeitsökonomie
Hochschule Fulda
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