Die Qualität von Führung und die bewusste Gestaltung der Teamzusammenarbeit sind ausschlaggebend dafür, ob Teamarbeit erfolgreich ist. Über die Wege dahin, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Inhalt

Teams sind heute der zentrale Ort, an dem komplexe Arbeit bewältigt wird. Doch Teamarbeit ist nicht automatisch erfolgreiche Zusammenarbeit. Unterschiedliche Fachlichkeiten, Rollen, Interessen und Arbeitslogiken treffen aufeinander – insbesondere in sogenannten multiprofessionellen Teams. Ob aus Vielfalt dauerhaft hohe Leistung entsteht oder ob Reibungsverluste dominieren, entscheidet sich maßgeblich an der Qualität von Führung sowie an der bewussten Gestaltung der Teamzusammenarbeit (z. B. Tannenbaum & Salas, 2021).

Warum Teamführung heute anspruchsvoller – und zugleich wichtiger – ist

Multiprofessionelle Teams vereinen unterschiedliche Wissensbestände, Werte, Berufslogiken und Sprachwelten. Genau darin liegt ihr Potenzial: Komplexe Probleme lassen sich besser bewältigen, wenn verschiedene Perspektiven integriert werden. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko von Missverständnissen, Konflikten und der Entstehung von „Parallelwelten“ innerhalb des Teams (Unger, 2022).

Die Forschung zeigt: Heterogene Teams sind besonders leistungsfähig, wenn Kommunikation bewusst gestaltet wird und psychologische Sicherheit vorhanden ist, sodass vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich wird (Unger et al., 2022; Unger, 2022; Frazier et al., 2017; Bell et al., 2011). Fehlt diese Grundlage, ziehen sich Teammitglieder zurück, Informationen werden nicht geteilt und Verantwortung wird vermieden – mit direkten negativen Folgen für Qualität, Effizienz und Klientenzufriedenheit.

Kommunikation als Kern wirksamer Teamführung

Insbesondere strukturierte, regelmäßige und dialogische Kommunikation verbessert die Kooperation und damit die Teamleistung signifikant. Entscheidend ist dabei nicht die Menge an Kommunikation, sondern deren Qualität (z. B. Aaberg et al., 2025; Marlow et al., 2018).

Bewährt haben sich unter anderem:

  • Kurze, strukturierte Austauschformate (z. B. Team-Huddles), die Orientierung geben, Prioritäten klären und Risiken frühzeitig sichtbar machen
  • Prebriefings, um gemeinsame mentale Modelle zu entwickeln und herausfordernde Teamsituationen gezielt vorzubereiten (bzw. zu üben), sowie Debriefings, um aus Erfahrungen systematisch zu lernen
  • Klare Kommunikationsprinzipien, die Verständlichkeit, Verbindlichkeit und Beteiligung sichern.

Gerade in zeitlich stark beanspruchten Arbeitskontexten sind solche Formate hoch wirksam: Sie stärken Koordination, Vertrauen und Anpassungsfähigkeit – ohne zusätzlichen Bürokratieaufwand.

Psychologische Sicherheit: Die Grundlage leistungsfähiger Teams

Ein zentraler Wirkfaktor erfolgreicher Teamführung ist psychologische Sicherheit. Sie beschreibt ein Klima, in dem Teammitglieder offen sprechen, Fragen stellen, Fehler ansprechen und unterschiedliche Meinungen äußern können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen (Frazier et al., 2017).

Für multiprofessionelle Teams ist psychologische Sicherheit besonders relevant, da hier unterschiedliche Hierarchien, Statusunterschiede und Fachkulturen aufeinandertreffen (Unger, 2022; Edmondson, 2004). Führungskräfte prägen dieses Klima entscheidend – durch ihr Kommunikationsverhalten, ihre Reaktionen auf Kritik und ihren Umgang mit Unsicherheit. Wo psychologische Sicherheit vorhanden ist, wird Vielfalt zur Ressource; wo sie fehlt, wird sie zur Belastung.

Die besondere Rolle der Führungskraft in der Teamführung

Führungskräfte in Teams sind weniger „Entscheider:innen im Alleingang“ als vielmehr Architekt:innen von Zusammenarbeit. Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, Orientierung zu geben, den Austausch zu fördern, Verantwortung zu teilen und unterschiedliche Perspektiven produktiv zu integrieren.

Besonders wirksam sind dabei transformational und teamorientiert ausgerichtete Führungsansätze. Sie verbinden klare Zielsetzungen mit inspirierender Kommunikation, stärken Autonomie und fördern geteilte Verantwortung im Team.

Konkrete Ansatzpunkte für wirksame Teamführung

Erfolgreiche Teamführung zeichnet sich u. a. durch folgende Prinzipien aus:

  • Kommunikation klar strukturieren: relevante, vollständige und verständliche Informationen sicherstellen
  • Dialog ermöglichen und aktiv anregen: aktives Zuhören fördern, Beteiligung absichern, Verständnis überprüfen
  • Fairness im Prozess: gleiche Informationszugänge und Beteiligungschancen für alle Teammitglieder gewährleisten
  • Qualität vor Quantität: lieber wenige, gute Formate als viele ineffektive Meetings
  • Psychologische Sicherheit fördern und einfordern: als Führungskraft durch eigenes Verhalten Vorbild sein
  • Klient:innenorientierung: Teamarbeit, Entscheidungen und Kommunikation konsequent am Nutzen für die Klient:innen ausrichten.

Fazit

Gute Teamführung ist ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Organisationen. Sie entscheidet darüber, ob Vielfalt zu Innovation führt oder in Reibung verpufft. Wirksame Teamführung schafft Orientierung, ermöglicht Dialog und fördert gemeinsame Verantwortung. Denn Teams werden nicht allein durch Strukturen leistungsfähig, sondern durch Führung, die Kommunikation bewusst gestaltet und qualitativ hochwertige, vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht.

Ausblick: Im nächsten Beitrag geht es um Feedback als zentrales Führungsinstrument – und darum, wie klare Rückmeldungen Motivation, Leistung und Bindung stärken.

Autor
Prof. Dr. Frank Unger
Sozial-/Verwaltungsmanagement und Arbeitsökonomie
Hochschule Fulda
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Weiterführende Quellen:

  • Aaberg, O. R., Johannesen, D. T. S., Moi, E. B., Frivold, G., Jensen, F., & Haddeland, K. (2025). Team leader communication in ad hoc teams and its impact on team outcomes: a systematic review. BMC health services research, 25 (1), 780.
  • Bell, S. T., Villado, A. J., Lukasik, M. A., Belau, L., & Briggs, A. L. (2011). Getting Specific about Demographic Diversity Variable and Team Performance Relationships: A Meta-Analysis. Journal of Management, 37 (3), 709-743.
  • Edmondson, A. C. (2004): Psychological safety, trust, and learning in organizations: A group-level lens. In: Kramer, R. M., & Cook, K. S.  (eds.): Trust and distrust in organizations: Dilemmas and approaches, New York: Sage, 239-272.
  • Frazier, M. L., Fainshmidt, S., Klinger, R. L., Pezeshkan, A., & Vracheva, V. (2017). Psychological safety: A meta‐analytic review and extension. Personnel Psychology, 70 (1), 113-165.
  • Marlow, S. L., Lacerenza, C. N., Paoletti, J., Burke, C. S., & Salas, E. (2018). Does team communication represent a one-size-fits-all approach?: A meta-analysis of team communication and performance. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 144, 145–170.
  • Tannenbaum, S., & Salas, E. (2021). Teams that work: The seven drivers of team effectiveness. Oxford University Press.
  • Unger, F. (2022). Teamwork ermöglichen: Anforderungen an Führungskräfte. In. A. Wöhrle (Hrsg.), Führung – Studienkurs Sozialmanagement. Baden-Baden: Nomos Verlag, S. 131-149.
  • Unger, F., Martin, C., & Sann, U. (2022). Personalführung in Organisationen der Sozialwirtschaft. Ein Studienbuch. Springer.