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Thomas Möbius, Sibylle Friedrich (Hrsg.): Ressourcenorientiert arbeiten

Cover Thomas Möbius, Sibylle Friedrich (Hrsg.): Ressourcenorientiert arbeiten. Anleitung zu einem gelingenden Praxistransfer im Sozialbereich. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2010. 194 Seiten. ISBN 978-3-531-16831-9. 19,95 EUR.
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Herausgeber und Herausgeberin

Herausgegeben wird der Band von Thomas Möbius, Geschäftsführer des Instituts des Rauhen Hauses für Soziale Praxis in Hamburg und dort mit den Schwerpunkten Praxisforschung und Projektbegleitung und -evaluation befasst sowie Sibylle Friedrich, sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg insbesondere zu den Themen Schnittstelle Psychologie-Soziale Arbeit, Netzwerkarbeit und Ressourcenorientierung.

Die weiteren Autoren der einzelnen Beiträge sind entweder als PraktikerInnen in Leitungsfunktion, FortbildnerInnen oder Forscher ausgewiesen.

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung folgt der Idee, Ressourcenorientiertes Arbeiten als Ansatz mit großem Potenzial „sowohl für die Adressat/innen der Angebote als auch für die Fachkräfte“ (S. 9) aus verschiedenen Perspektiven vorzustellen. Die Herausgeber versammeln Beiträge, die im Umfeld ihrer eigenen Forschungs-, Entwicklungs- und Fortbildungstätigkeit zum Thema entstanden sind und insbesondere konkrete Praxisaspekte aufzeigen sollen.

Aufbau

Nach dem Vorwort und den einleitenden Zeilen der Herausgeber stellt das Buch Einzelbeiträge verschiedener Autoren unter den drei Rubriken

  • A) Grundlagen der Ressourcenorientierten Arbeit
  • B) Ressourcenorientierung in der Praxis
  • C) Ressourcenorientierung in der Organisation

vor.

In den sechs Texten des Kapitels A widmen sich vor allem die Herausgeber - von ihnen stammen insgesamt fünf Beiträge - Definitionen und Grundsätzlichem und befassen sich mit dem Begriff der Ressource, den Merkmalen Ressourcenorientierten Arbeitens sowie der dafür notwendigen professionellen Haltung. Weiterhin werden an dieser Stelle auch die spezielleren Perspektiven des systemischen Arbeitens, der Netzwerkarbeit und der Arbeit mit individuellen Ressourcen angesprochen.

Die beiden anschließenden Kapitel stellen einzelne organisationsbezogene Konzepte bzw. konkrete Praxisbeispiele vor.

Im Teil B wird der Transfer neuer Ansätze in die Praxis anhand von Innovationsfaktoren, einem Multiplikatorenkonzept, einem Instrument für die Ressourcenarbeit mit Familien sowie „Miniprojekten“ aus Abschlussarbeiten der Fortbildungsreihe der Co-Herausgeberin dargestellt.

Der den Band abschließende Teil C nimmt mit insgesamt drei Beiträgen organisationale Aspekte in den Blick und stellt eine Praxisevaluation, einen Implementierungsprozess aus Sicht der Personalentwicklung sowie eine Reflexion zum Theorie-Praxis-Transfer vor.

Inhalte

Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit“ (Thomas Möbius). Im einführenden Beitrag wird die Ressourcenorientierung als „professionelle Haltung und Praxis“ (S. 14), abgeleitet aus der lebensweltlich orientierten Sozialen Arbeit und der daraus erwachsenden Handlungsanforderungen für Professionelle, eingeführt. Ausgehend von allgemeinen Begrifflichkeiten differenziert der Autor die Ressourcenorientierung als „komplexe professionelle Perspektiveneinnahme“ (S. 14) aus, die das methodische Vorgehen mehrperspektivisch von konzeptionell anders begründeten Praxen unterscheidet. Möbius unterscheidet drei Kategorien der „Kraftquelle“ Ressourcen, die für die Alltagsbewältigung einsetzbar sind (individuelle, soziale und materielle) und setzt diese als handlungsleitendes Prinzip mit weitreichendem Einfluss auf Gegenstand, Akteure und Beziehungen sozialarbeiterischer Handlungskontexte; professionelles Handeln soll demnach als „Empowerment-Strategie“ auf Befähigung zielen (S. 16). Im Weiteren schildert er die „Ressourcenarbeit“ als prozesshaftes Vorgehen entlang der Abschnitte „Klärungsphase als Einstieg in die Ressourcenarbeit“ sowie „Systematisches Planen und Handeln“ (S. 17f). Inhaltlich entwickeln sich die Prozessstadien an bekannten Inhalten sozialarbeiterischen Handelns entlang und stellen in der Klärungsphase die Beziehung mit dem Klienten sowie die Aushandlung eines Hilfeplanes in den Mittelpunkt. Die Phase Planen und Handeln lehnt Möbius stark an Falleinschätzung/Diagnostik und Intervention des methodischen Dreischritts an und fokussiert diese auf vorab festgelegte Ziele und deren Erreichung.

Transparenz und Strukturiertheit als Wesensmerkmale ressourcenorientierten Arbeitens“ (Sibylle Friedrich) Ressourcenorientierung bedarf neben einer „wertschätzenden Haltung“ auch „verschiedener methodischer Elemente“: Dem methodischen Vorgehen stellt Friedrich die in der Artikelüberschrift genannten zwei notwendigen „Gelingensfaktoren“ (S. 31ff) voran. Die „Transparanz im Vorgehen“ (S. 31ff) eröffnet den Betreuten effektivere Möglichkeiten, durch reflektierte Anschauung des eigenen Lernprozesses sukzessive Verhaltensentwicklungen zu erreichen. Die „Strukturiertheit der Methoden“ (S. 35ff) wird sozusagen der Transparenz vorausgesetzt, sie ergibt sich aus der Notwendigkeit der Gestaltbarkeit von Beratungs- und Begleitungsprozessen. Beide zentralen Aspekte werden direkt auf die Arbeitsbeziehung bezogen und im Text anhand von ausführlichen Praxisbeispielen im methodischen Vorgehen sowie dessen intendierten Wirkungen illustriert.

Entwicklung einer ressourcenorientierten Haltung“ (Sibylle Friedrich). Unter Verweis auf Lern- und Stresstheorie sowie eigener allgemeiner Reflexionen behandelt die Autorin den Zusammenhang zwischen ressourcenorientierter Vorgehensweise und einer dahinterliegenden professionellen Grundhaltung. Dabei stellt sie die „Netzwerk- und Unterstützungskarte“ als eine Übung aus der Schulung von Fachkräften vor, die den Teilnehmern (und dem Leser) die Unterschiedlichkeit von defizit- vs. ressourcenorientierten Denk- und Vorgehensweisen in der Fallbetrachtung (hier: Analyse und Interventionsplanung) vor Augen führt. Der Text stellt weitere Übungssequenzen vor, die zur Entwicklung einer ressourcenorientierten Haltung verhelfen sollen und schließt mit Empfehlungen zur Selbstreflexion ab.

Systemisches Arbeiten“ (Karin Jeschke) Die Autorin stellt die Ressourcenorientierung als voraussetzungsvolles Handlungskonzept vor, das nicht selten durch das vorherrschende Kausalitätsprinzip (von Ursache und Problem) sowie dem u.a. daraus entspringenden Wunsch, konkret und effektiv zu helfen gehemmt wird. Einen Ausweg aus dieser Situation schlägt sie auf Grundlage einer systemisch-lösungsorientierten Grundhaltung vor und führt einige der zentralen Elemente dieses Ansatzes ein (z.B. Optionen suchen, Nutzung von Vielfalt und Konstruktion). Im Weiteren orientiert die Autorin diese Grundhaltung über thematische Überschriften (u.a. Probleme aus systemischer Sicht, Hypothesenbildung vs. Diagnostik, Autonomie und Selbstbestimmung) in Richtung konkretes Handeln. In einem Fazit resümiert Karin Jeschke wesentliche Erfahrungselemente der Anwendung systemisch orientierter Handlungskonzepte.

Arbeiten mit Netzwerken“ (Sibylle Friedrich). In diesem Textabschnitt thematisiert die Autorin die Netzwerke von KlientInnen als eine mögliche und zu erschließende Ressource und stellt die Netzwerkarbeit den Schritten Analyse und Aktivierung folgend vor. Im Hauptteil des Artikels führt Friedrich das Instrument der Netzwerkkarte inklusive verschiedenen Erweiterungs- und Variationsformen (Netzwerkbilder, Stadtteilspaziergang) als anamnestische Möglichkeit des Einstiegs in einen Beratungsprozess ein, sie wird dann im Weiteren für die Analyse der Situation genutzt. Diese Betrachtung folgt dem Ziel, das Unterstützungspotenzial des Netzwerkes entlang verschiedener Dimensionen zu erschließen, der Aspekt der Reziprozität, als „die Balance zwischen Geben und Nehmen“, wird von der Autorin vertieft ausgeführt (S. 71). Erläuterungen der Unterstützungskarte als „ein Werkzeug zur Unterstützungsanalyse“ sowie der Ressourcenkarte schließen sich an und konkretisieren exemplarisch die Arbeit mit Netzwerken, inklusive Handlungsleitlinien, auf der konkreten Handlungsebene. Mit der Netzwerkaktivierung wird der nächste Schritt in der Arbeit mit Netzwerken, und mit ihm ein „Handlungsleitfaden für die Netzwerkarbeit in der Sozialen Arbeit“ (S. 78ff) aus der Dissertation von Friedrich, vorgestellt. Dieses Instrument setzt eine zumindest ansatzweise positive Einstellung der KlientInnen zu ihrem persönlichen Netzwerk voraus bzw. versucht diese zu erarbeiten und erläutert die Notwendigkeit ein soziales Netzwerk aufzubauen bzw. ein Bestehendes nutzen zu lernen.

Mit der „Ressourcenorientierten Beratung“ (S. 82ff) stellt die Autorin ein weiteres von ihr selbstentwickeltes Konzept vor, das, angelehnt an methodische Phasenmodelle, den Prozess der hilfeplangestützten Beratung mit der Netzwerkarbeit verbindet und beschreibt die vier Phasen (Zielkonkretisierung, Aufstellung eines Handlungsplans, Risikocheck, Umsetzung) anhand von konkreten Handlungsvorschlägen, Beispielen, Indikatoren etc.

Zum Schluss des Textes zeigt Friedrich die „Ressourcenorientierte Netzwerkmoderation“ (S. 96ff) als konkretes Instrument der Arbeit mit Netzwerken auf, mit Hilfe derer Professionelle die Moderation von Kooperationsgesprächen der Unterstützungsnetzwerke ihrer KlientInnen bewältigen können.

Arbeit mit individuellen Ressourcen“ (Thomas Möbius) Der Autor thematisiert mit seinem Text die Frage, wie die persönlichen Ressourcen von Klienten sichtbar und entsprechend für die Veränderung von Lebenssituationen nutzbar gemacht werden können. Ausgehend von allgemeinen Gedanken zum Thema zeigt der Autor konkrete, in deren Anwendungsmöglichkeiten skizzierte, methodische Verfahren zur Ressourcenexploration. So wird beispielsweise „die Ressourcenhand“ (S. 111f), die „zur Identifikation verschiedener Kompetenzen, aber auch Interessen und Zielen sowie individueller bzw. familiärer Problemlösungsstrategien genutzt“ (S. 111) wird, vorgestellt. Möbius rezipiert in dem Zusammenhang auch die resilienzorientierten Ansätze von Daniel und Wassell und greift damit inhaltlich auf eine genuin ressourcenbasierte Betrachtungsweise zurück und verknüpft diese mit der „Ressourcenhand“ zu einem eigenen Instrument, dem „Ressourcenquadrat“, das „den Kompetenzbegriff stärker als bei der Ressourcenhand in den Vordergrund stellt und die Kategorien mehr auf Fragestellungen der Sozialen Arbeit als bei den Indikatoren von Daniel und Wassell ausrichtet“ (S. 113). Mit Hilfe des Ressourcenquadrats exploriert die Fachkraft mit den Klienten die vier Felder Interessen, Wünsche und Ziele; Lebenskompetenzen; Problemlösungskompetenzen und –strategien sowie Bildungskompetenzen. Möbius stellt das Verfahren in seiner Anwendung, z.B. unter Einbezug von Beispielfragen und weiteren unterstützenden Instrumenten (z.B. SMART-Bogen von Kurt Hekele, Einschätzungsbögen, Checkliste), sehr praxisnah und anwendungsbezogen vor und diskutiert dessen Anforderungen, Möglichkeiten und Grenzen.

Wie bekomme ich neue Ansätze in die Praxis?“ (Thomas Kliche). In seinem Beitrag arbeitet Kliche, unter Verweis auf Studien zum Transfer wissenschaftlichen Wissens in Professionen, Aspekte von Innovationsprozessen heraus, die auch für Organisationen der Sozialen Arbeit gelten könnten und auf die Frage zielen, unter welchen Bedingungen innovatives Wissen in der Praxis angefragt, implementiert und verstetigt werden kann.

Das Multiplikatorenkonzept“ (Thomas Möbius) … nimmt „die Aktivitäten der Fachkraft jenseits der konkreten Betreuungsarbeit“ in den Blick und verschreibt sich dem Anspruch, den „Ressourcenansatz im Kollegenkreis und der Fachöffentlichkeit [mit Hilfe eines an Coachingkompetenzen angelehnten Konzepts] bekannt zu machen“ (S. 141). Die entwickelte Figur des „Ressourcen-Profis“ (S. 146) wird anhand eines Praxisbeispiels illustriert.

Die Familienfibel – ein Instrument der Ressourcenarbeit in Familien“ (Sibylle Friedrich, Martina Feistritzer). Dieser Beitrag stellt, in Form der Dokumentation des Gesprächs zweier am Entstehungsprozess des Werkes maßgeblich beteiligter Personen, mit der „Familienfibel“ (S. 149ff) ein Instrument zur Ressourcenarbeit mit Familien vor.

Projekte der Ressourcenorientierung – Praxisbeispiele“ (Katrin Oberpriller). Der Beitrag stellt eine Fülle „Miniprojekte“ vor, die „im Rahmen von Abschlussarbeiten der Fortbildungsreihe „Ressourcencoach“ […] durchgeführt wurden“ (S. 155). Im Abschnitt „Projekte mit Klient(innen) als Zielgruppe“ wird beispielsweise ein „Ressourcenbuch mit Kindern“ im Kindergartenalter oder die „Durchführung eines gemeinsamen Abendessens“ als Möglichkeit der Ressourcennutzung vorgestellt. Der zweite Abschnitt – „Projekte mit den Kolleg(innen) als Zielgruppe“ – zielt mit den vorgestellten Projekten (z.B. „Interkulturalität in der Kita“, „Eine Hilfe für den Hilfeplan“) auf die Förderung einer ressourcenorientierten Haltung von Fachkräften bzw. die Ausrichtung von konzeptionellen Instrumenten auf die Ressourcenorientierung.

Ressourcenorientierte Arbeit in der Praxis – Ergebnisse einer Evaluation in der Kinder- und Jugendhilfe des Rauhen Hauses“ (Hans-Josef Lembeck). Der Autor stellt in diesem Artikel entlang von O-Tönen von Mitarbeitern aus o.g. Einrichtung deren Fortbildung zum Ressourcenorientierten Arbeiten in der Nachbetrachtung dar. Die Fortbildung folgte den drei Zielen der Vermittlung einer ressourcenorientierten professionellen Haltung, der ressourcenorientierte Ausrichtung der Hilfeplanung und –gestaltung sowie der Vermittlung eines methodischen Instrumentariums für die ressourcenorientierte Fallarbeit – diesen thematischen Überschriften folgt auch die Darstellung der Evaluation. Neben der Einschätzung der in Gruppeninterviews befragten fortgebildeten Mitarbeiter wäre sicherlich auch die Befragung der von ihnen betreuten Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit gewesen, den Effekten dieses Versuches, Haltung und Handeln von Fachkräften neu zu orientieren bzw. zu verstärken, nachzuspüren.

Das Konzept der Ressourcenorientierten Fallarbeit – ein Implementierungsprozess aus Sicht der Personalentwicklung des Rauhen Hauses“ (Katrin Haider-Lorentz). Dieser Beitrag schließt unmittelbar an den vorangegangenen an und zitiert unter dem thematischen Fokus der „Ressourcenorientierten Fallarbeit“ den Evaluationsbericht von dessen Autor Hans-Josef Lembeck.

Ressourcenorientierung in einer diakonischen Einrichtung – eine Reflexion des Theorie-Praxis-Transfers aus der Leitungsperspektive“ (Michael Tüllmann). Dieser Beitrag schließt an die beiden vorangegangenen an und bilanziert in einem Fazit die Weiterbildungsanstrengungen des Rauhen Hauses.

Diskussion

Das Anliegen des Bandes ist thematisch absolut auf der Höhe der sozialarbeiterischen Zeit: „Ressourcenorientiertes Arbeiten gehört inzwischen zum Standard in allen Feldern Sozialer Arbeit. Fast jedes Leitbild, jedes Konzept, jede Leistungsbeschreibung eines Trägers verpflichtet sich der Ressourcenorientierung als Handlungsgrundlage“ (S. 51). Dieser Feststellung von Karin Jeschke ist unbedingt beizupflichten, verweist sie doch auf die teils inhaltsleere und beliebig erscheinende Verwendung der konzeptuell-begrifflichen (Leit-)Sau der Ressourcenorientierung die durch das sozialarbeiterische Dorf vieler Konzepte und Angebote getrieben wird um intern und gegenüber externen Stellen Identifikation anzubieten bzw. fachliche Aktualität, sowie gegenüber Kostenträgern den Rückgriff auf die mittelfristig nutzbaren kostenneutralen Ressourcen der Klientel, zu demonstrieren. Allein aus diesem Grund ist das Anliegen des vorliegenden Bandes, sich mit ressourcenorientiertem professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit auseinander zu setzen, absolut zu begrüßen.

Lediglich zu zwei inhaltlichen, sich quer durch die Artikel ziehenden Aspekten soll kurz Stellung genommen werden.

So ist es etwas schade, dass in den Beiträgen die als Ressourcenträger ausgezeichneten Personen letztendlich doch wahlweise als Klienten oder Adressaten bezeichnet werden. Es wäre interessant zu diskutieren, ob innerhalb eines im „Profi–Adressat“-Modus (S. 118) konstituierten Arbeitsbündnisses der Anspruch, das Gegenüber als Träger der Veränderungsmöglichkeiten zu betrachten, einzulösen ist. Es wäre sicherlich auch zu überlegen, ob der Begriff des Klienten, der ja nicht nur dem lateinischen Wortsinn nach einer gewissen Abhängigkeitssemantik folgt, im Rahmen von Überlegungen zur Ausgestaltung ressourcenorientierter Haltungen und Handlungsstrategien zur Disposition bzw. zumindest zur Diskussion gestellt werden müsste.

Leider verbleiben die Ausführungen der Texte auf der Stufe der Situationsanamnese und –analyse und setzen sich nicht mit der Umsetzung der bewusst gemachten Ressourcen in (weiteres) Interventions- bzw. Veränderungshandeln auseinander; dabei besonders spannend wäre sicherlich die Betrachtung der Verknüpfung der in der Fachliteratur immer noch teils analytisch getrennten Handlungsbereiche Analyse und Intervention gewesen.

Fazit

Grundsätzlich bietet die Anlage des vorliegenden Bandes viele Ansatzpunkte für den notwendigen Diskurs über Möglichkeiten und Grenzen sowie methodische Fragen ressourcennutzender Konzepte Sozialer Arbeit über die Grenzen von Profession und Disziplin hinweg. Die Beiträge deuten zudem auf zahlreiche interessante Verknüpfungsmöglichkeiten und Abgrenzungsnotwendigkeiten mit und zu theoretischen Konzepten Sozialer Arbeit (z.B. Sozialraum- und Lebensweltorientierung).

„Wer sich also mit Theorie und Praxis ressourcenorientierter Sozialer Arbeit befassen will, ist hier an der richtigen Stelle.“ (S. 8) – dieser Einschätzung des Vorwortverfassers, beide Aspekte wären in diesem Band zu finden, muss widersprochen werden. Sehr gut bedient wird mit den Texten derjenige Leser, der möglichst „konkretes Handwerkszeug für ein ressourcenorientiertes Arbeiten“ (S. 9) an die Hand erhalten möchte und für den Verweise auf wissenschaftliche Quellen und aktuelle Fachdebatten der Sozialen Arbeit eher störend sind. Derjenige Leser, der sich für eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert wird großteils enttäuscht werden, was mit dem Verweis auf den Buchtitel auch keinen Beinbruch darstellt. Störend ist für den Rezensenten die zunehmende Orientierung der Beiträge auf konkrete Entwicklungs-, Fortbildungs- und Umsetzungsprojekte einer einzigen Einrichtung und ihr zugewandter Akteure.


Rezension von
Matthias Weber
Sozialwissenschaftler (M.A.), Dipl.-Sozialpädagoge (FH), tätig als Dozent am Fachbereich Soziale Arbeit der Fachhochschule St. Gallen (Schweiz)
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Zitiervorschlag
Matthias Weber. Rezension vom 26.10.2010 zu: Thomas Möbius, Sibylle Friedrich (Hrsg.): Ressourcenorientiert arbeiten. Anleitung zu einem gelingenden Praxistransfer im Sozialbereich. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2010. ISBN 978-3-531-16831-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10017.php, Datum des Zugriffs 01.08.2021.


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