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Waltraud Gspurning: Soziale Qualität von Nachmittagsbetreuungen und Horten

Cover Waltraud Gspurning: Soziale Qualität von Nachmittagsbetreuungen und Horten. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2010. 205 Seiten. ISBN 978-3-643-50121-9. 24,90 EUR, CH: 39,90 sFr.

Reihe: Soziale Arbeit - Band 7.
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Thema

Inzwischen gilt im deutschsprachigen Raum ein ganztägiges Bildungs-, Erziehungs- und Bildungsangebot als Ausdruck einer an aktuellen gesellschaftlichen Bedarfen ausgerichteten Bildungs, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im Zuge dessen stehen entsprechende Einrichtungen – von den Kindertagesstätten bis zur Ganztagsschule – im Blickpunkt des erziehungswissenschaftlichen Forschungsinteresses. Gefragt wird u. a., unter welchen Bedingungen angestrebte erzieherische und bildende Wirkungen erzielt werden bzw. erzielt werden könnten. Die vorliegende Publikation ist – in Form einer Ist-Standanalyse der österreichischen Situation im Primarbereich – hierzu ein Beitrag, der aus sozialpädagogischer Perspektive die soziale Qualität von ganztägig bzw. nachmittäglich arbeitenden Einrichtungen betrachtet.

Entstehungshintergrund

Letztlich handelt es sich bei dem Buch wohl um den veröffentlichen Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Soziale Qualität schulischer Nachmittagsbetreuung“, das an den Universitäten Graz und Klagenfurt durchgeführt wurde. Dabei vertreten innerhalb des Autorenteams Arno Heimgartner und Waltraud Gspurning den Arbeitsbereich Sozialpädagogik des Instituts für Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Graz. Stephan Sting wiederum ist Professor für Sozial- und Integrationspädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung an der Universität Klagenfurt, wo auch Sylvia Leitner als Projektmitarbeiterin tätig ist. Die vom „Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank“ geförderte und im Zeitraum von 2007 bis 2009 umgesetzte Studie reiht sich – bei der Zusammenschau beider Hochschulstandorte – trefflich in eine Anzahl von Forschungsprojekten ein, die sich mit Fragen der schulbezogenen Sozialarbeit beschäftigen.

Anlass der Studie ist, dass in Österreich eine deutliche Zunahme „schulbezogener Betreuungsformen“ (S. 2) zu konstatieren ist. In diesem Zusammenhang bildet das Anliegen, die soziale Qualität von Nachmittagsbetreuungen und Horten zu untersuchen, einen empirischen Beitrag dazu, „ihren umfassenden Stellenwert als soziale Lebensorte im Prozess des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen zu reflektieren“ (ebenda). Eine auf die sozialen Belange bezogene Recherche und kritische Reflexion der Einrichtungen und Angebote erweist sich vor dem – wohl nicht nur für Österreich geltenden – Hintergrund, dass sich zu dieser Perspektive in „den derzeitigen gesetzlichen Vorgaben der schulbezogenen Nachmittagsbetreuung […] kaum Hinweise“ (ebenda) finden, als dringend geboten.

Im Rahmen der Studie wurden 27 Einrichtungen untersucht. Die Datenbasis bilden „54 protokollierte Einrichtungstage, 27 transkribierte Interviews mit BetreuerInnen und 30 aufgezeichnete Gruppendiskussionen“ (S. 12) mit Kindern.

Aufbau und Inhalt

Zunächst werden in einem einführenden Teil die schulbezogenen Betreuungsformen erläutert und als soziale Lebensorte eingeführt. Weiterhin wird die Fragestellung der Untersuchung unter Einbindung des Forschungsstandes erläutert (s. o.). Das zweite Kapitel ist dem Forschungsfeld und der Explikation des methodischen Designs der Studie gewidmet. Hier werden die Lesenden mit den sieben „institutionalisierten Leistungsformen“ (S. 7) der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder bekannt gemacht. Daran schließt sich die Beschreibung der letztlich untersuchten Einrichtungsformen – Horte sowie die „schulische Nachmittagsbetreuung in getrennter Abfolge“ (S. 7) – auch in ihrer quantitativen Bedeutung an. Nach Erläuterung der eingesetzten Methoden und der Stichprobe fallen die Ausführungen zur Erarbeitung und Rolle der „Qualitätsdimensionen“ recht knapp aus: „Aus den Vorüberlegungen […] und aus den Erkenntnissen der Datenerhebung ergab sich eine Liste von 13 Dimensionen, die für die Untersuchung leitend wurde […]. Es handelt sich dabei um zentrale Merkmale und Kategorien, die sich in jeder Einrichtung auffinden lassen und an denen sich soziale Qualität festmachen lässt.“ (S. 12f.)

Untersucht wurden:

  • Rahmenbedingungen
  • Ziele, Schwerpunkte, Leitbilder
  • Personal
  • Räume und Ausstattung
  • Zeitstruktur
  • Soziokultur
  • schulisches Lernen
  • Partizipation
  • Interaktionen
  • Konflikte
  • Diversität
  • besondere Belastungen
  • subjektives Wohlfühlen der Kinder

Jedem dieser Themen ist ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem die Befunde sehr kleinteilig gegliedert dargestellt sind. Eingeleitet werden die Abschnitte jeweils mit Aussagen zur Bedeutung des Themas in Bezug zum Oberthema „soziale Qualität“.

Zusammenfassende Äußerungen finden sich im abschließenden Kapitel „Perspektiven“. Hier werden aber nicht nur die Befunde zusammengefasst, sondern das Autorenteam äußert an dieser Stelle auch Kritiken und Hinweise, die sich bei einer Betrachtung der Befunde aus sozialpädagogischer Perspektive aufdrängen.

Diskussion

Im Vergleich zur Ausführlichkeit der empirischen Ergebnisse sind die einordnen und kommentierenden Textteile knapp gefasst. Auch wenn im Schlusskapitel die Befunde zu den einzelnen Qualitätsdimensionen zusammengefasst werden, bleibt die Frage welche „soziale Qualität“ das Forschungsteam gefunden hat, unbeantwortet. Offen bleibt zudem wie geeignet denn die einzelnen Einrichtungstypen im Kontext der sozialen Qualität sind – oder aber es fehlt eine Äußerung dazu, warum solche Aussagen eben nicht getroffen werden können.

Fazit

Das Werk publiziert einen empirischen Beleg für ein – wohl allgemein angenommenes – Problemfeld innerhalb des aktuellen Entwicklungsprozesses der Ganztagsbildung. Das Buch kann für all jene aus Wissenschaft und Praxis eine Fundstelle sein, die mit der Frage beschäftigt sind, was die „soziale Qualität“ einer Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungseinrichtung ist und wie sich diese bestimmen lassen könnte.


Rezension von
Dr. Thomas Markert
Hochschule Neubrandenburg, Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung
Homepage www.hs-nb.de/fachbereich-soziale-arbeit-bildung-und ...
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Zitiervorschlag
Thomas Markert. Rezension vom 22.02.2011 zu: Waltraud Gspurning: Soziale Qualität von Nachmittagsbetreuungen und Horten. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2010. ISBN 978-3-643-50121-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10034.php, Datum des Zugriffs 01.04.2020.


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