Ursula Rabe-Kleberg: Gender mainstreaming und Kindergarten
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 20.04.2004
Ursula Rabe-Kleberg: Gender mainstreaming und Kindergarten.
Beltz Verlag
(Weinheim, Basel) 2003.
112 Seiten.
ISBN 978-3-407-55110-8.
14,90 EUR.
CH: 26,20 sFr.
Reihe: Gender mainstreaming in der Kinder- und Jugendhilfe - Band 3.
Autorin
Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg, baut zurzeit ein internationales Zentrum für Forschung und Lehre im Bereich der Elementarerziehung am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Soziologie der Bildung und Erziehung, Berufs- und Professionssoziologie und Kindheitsforschung insbesondere Institutionelle Kleinkindererziehung.
Thema
Gender Mainstreaming ist seit den Vereinbarungen im Amsterdamer Vertag im Jahre 1997 auf der europäischen Ebene für die Mitgliedsstaaten eine verbindliche politische Strategie der Gleichstellungsförderung von Frauen und Männern. Demnach haben alle Mitgliedsstaaten vor dem Hintergrund gleicher Start- und Rahmenbedingungen darauf hinzuwirken, das Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beseitigt und die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen gefördert werden. Für die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit entsteht so die Aufgabe, die jeweiligen Arbeitsfelder und -methoden auf ihre geschlechtsspezifischen Wirkungen hin zu überprüfen und darauf hinzuwirken, dass die Perspektive der Geschlechterfrage zu einem selbstverständlichen Handlungs- und Entscheidungsmuster wird.
Inhalt
Im dritten Band "Gender Mainstreaming im Kindergarten" aus der Reihe "Gender Mainstreaming in der Kinder und Jugendhilfe" unterzieht Ursula Rabe-Kleberg erstmalig der institutionellen Struktur und pädagogischen Praxis des Kindergartens einer Genderanalyse. Dazu wird das Eingebundensein institutioneller Strukturen sowie der pädagogischen Praxis des Kindergartens in das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis untersucht und eine Reihe von Problemen des Kindergartens bei seiner Entwicklung hin zu einem Ort zur Bildung für alle Kinder erklärt. Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich um eine Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Die Veröffentlichung gliedert sich in drei Teile:
- Im ersten Teil "Generation und Gender: Verhältnisse, unter denen Kinder in Gesellschaft aufwachsen" werden zunächst die Verhältnisse dargestellt, unter denen Kinder in der modernen Gesellschaft aufwachsen. Dazu stellt Ursula Rabe-Kleberg den Kindergarten in den allgemeinen Zusammenhang der beiden grundlegenden Strukturverhältnisse "Generation" und "Geschlecht" und zeigt auf, dass beide Verhältnisse unter aktuellen und zu prognostizierenden Bedingungen einem Spannungen ausgesetzt sind, die sich noch weiter verstärken werden.
- Im zweiten Teil "Gender und Kindergarten" wird der Kindergarten unter dem Paradigma "Gendered Institution" und des "Doing Gender" untersucht. Die Autorin arbeitet dabei heraus, in welcher Weise inhaltliche, organisatorische und professionelle Bedingungen und Praxen einem traditionellen, hierarchischen Geschlechterverhältnis verbunden sind und dieses eher verfestigen und bestärken. Dabei wird der Doing Gender Prozess vor allem auf der Ebene der Interaktion und Kommunikation am Geschehen in der Praxis von Kindern und Erzieherinnen untersucht. Bei dieser vorwiegend theoretisch-historischen Betrachtung kommt Rabe-Kleberg zusammenfassend zu dem Schluss, dass als Grundlage für eine weitere Betrachtung von einem Spannungsverhältnis zwischen den Strukturkategorien Kindheit, Gender und Generation ausgegangen werden muss.
- Im dritten Teil der Veröffentlichung "Gender Mainstreaming und Kindergarten - Zum Schluss: Erste Forderungen und Vorschläge für Strategien" verweist die Autorin einleitend auf die grundsätzliche Gefahr der Erwartung, dass gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse durch ein systematisches und bewusstes Gegensteuern eines Gender Mainstreaming Konzeptes grundlegend veränderbar wären, da sich die hohe Komplexität des Genderverhaltens nicht ohne weiteres durch politische Strategien (top-down) erreichen lässt. Um dieser Komplexität gerecht zu werden unterstreicht sie die Notwendigkeit der Zusammenführung eines vielschichtigen fachlichen Diskurses mit gender- und kindheitspolitischen Interessen und professionsbedingten Zwängen zu einem Gender Mainstreaming Prozess. Erläutert wird ein solches Vorgehen abschließend durch die Übertragung und Prüfung von "Genderwissen" "Handeln" und "Kontrolle" auf den Kindergarten. Der Schlusssatz von Ursula Rabe-Kleberg fasst den Stand der Debatte zum Gender Mainstreaming zusammen und verweist auf den Handlungsbedarf in Wissenschaft und Praxis: "Der Vorhang leicht geschürzt. Und viele Fragen nicht einmal gestellt..." (S.99)
Fazit
Bei dieser ersten Genderanalyse des Kindergartens wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass es sich nur um einen vorläufigen Schritt zur Entwicklung von Gender Mainstreaming Strategien für den Kindergarten handelt. "Gender Mainstreaming und Kindergarten" ist somit in erster Linie als eine theoretisch-historische Abhandlung über den Kindergarten als "Gendered Institution" und über die Professionsgeschichte der Erzieherinnen zu verstehen. Verdeutlichend liefert die Autorin aktuelle Beispiele für Prozesse des "Doing Gender" auf der Strukturebene (z.B. Raum) und auf der Prozessebene (z.B. Interaktion der Beteiligten).
Da die Veröffentlichung programmatisch orientiert ist, enthält sie statt Umsetzungsbeispielen Anforderungen, die für eine Umsetzung in die Praxis des Kindergartens erst einmal geschaffen werden müssen. So wird Ursula Rabe-Kleberg bei ihren Ausführungen nicht müde auf Wissensdefizite zu verweisen und entsprechenden Forschungsbedarf hervorzuheben. "Die erste und grundlegendste Forderung im Katalog des Gender Mainstreaming richtet sich deshalb an die Etablierung des Kindergartens als Gegenstand von Grundlagenforschung in unterschiedlichen Disziplinen und Forschungseinrichtungen." (S. 95)
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
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