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Gerlinde Lill: Bildungswerkstatt Kita

Cover Gerlinde Lill: Bildungswerkstatt Kita. Bildungsmöglichkeiten im Alltag entdecken. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 244 Seiten. ISBN 978-3-407-56233-3. 19,90 EUR, CH: 36,00 sFr.
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Autorin

Dr. päd. Gerlinde Lill, geb.1944, im ersten Beruf Grafikerin, später Studium der Politikwissenschaft, Aufbau und langjährige Arbeit als Leiterin in einer selbst verwalteten Schule des Zweiten Bildungsweges in Berlin. Seit 1985 ist sie freiberuflich als Bildungsreferentin im Jugendhilfebereich tätig und ist Autorin mehrerer Fachbücher.

Thema

Die Qualitätsdiskussion in Kindergärten hat mit der Bildungsdiskussion einen neuen Höhepunkt erreicht, der Erzieherinnen und Leiterinnen vor die Aufgabe stellt, ihre Bildungsarbeit neu zu hinterfragen und weiter zu professionalisieren. Kindertageseinrichtungen sind Bildungsstätten, die nach dem KJHG einen eigenständigen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag (§ 22 Abs. 2) haben, wobei nicht im Einzelnen festgelegt ist, was Kindergärten dazu genau zu leisten haben. Einig sind sich die Fachleute darin, dass Bildung im Kindergarten ganzheitlich und damit ausdrücklich anders zu verstehen ist, als die schulische Bildung. Es geht nicht darum in erster Linie Wissen zu vermitteln, sondern darum die Persönlichkeitsentwicklung und Gemeinschaftsfähigkeit der Kinder zu unterstützen, ihre Lust am Lernen zu fördern und die Fähigkeit, selbst Neues zu entdecken. Für viele sozialpädagogische Fachkräfte stellt sich die Frage, wie die Bildungsprozesse ihres Kindergartens, deutlicher als bisher geschehen, zu organisieren sind und welche Bedingungen geschaffen werden müssen, um die Bildungsprozesse der Kinder zu unterstützen und den Bildungsaspekt nach innen und außen besser erkennbar werden zu lassen.

Inhalt

Mit "Bildungswerkstatt Kita. Bildungsmöglichkeiten im Alltag entdecken" dokumentiert Gerlinde Lill den zweijährigen Arbeitsprozess von Bielefelder ErzieherInnen, Leiterinnen und Fachberaterinnen zur systematischen Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen, den sie als externe Fortbildnerin begleitet hat. Neben konzeptionellen Grundlinien beinhaltet die Veröffentlichung unter dem Begriff "Bildungspakete" 13 Bildungsbereiche mit insgesamt 40 Beispielen aus der pädagogischen Praxis, die den gegenwärtigen Stand des Reflexionsprozesses und der Bildungsarbeit in kommunalen Bielefelder Kitas veranschaulichen. Das Buch gliedert sich in drei Kapitel und einem Anhang, der neben einem Beobachtungsleitfaden auch Literatur- und Filmtipps der Redaktionsgruppe enthält.

Das erste Kapitel "Warum dieses Buch entstand: Das Unsichtbare sichtbar machen" beinhaltet grundlegende Erläuterungen und Basisinformationen zum Bildungsprozess in Bielefeld. Der/ die interessierte LeserIn erhält Informationen zum Bielefelder Weg und Aussagen zu den Schlüsselrollen der Leitung und Fachberatung, zur Qualitätsentwicklung und Bildungsqualität und zum Entstehen und Umgang mit den Bielefelder Bildungspaketen.

Im folgenden Kapitel "Wie Bildung gelingen kann: Grundorientierungen und Selbstverständnis" bespricht Gerlinde Lill die theoretischen Grundlagen für eine Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen. Gut strukturiert, anschaulich und leicht verständlich werden die Anforderungen an die Bildungsarbeit diskutiert, wobei neben theoretischen Aussagen auch Wiedersprüche zwischen Anspruchsdenken und Umsetzung in der Kita aufgedeckt werden. Im Einzelnen enthält das Kapitel Aussagen über

  • Bildungsmöglichkeiten statt Bildungsmaßnahmen
  • Bildungsanreize und Förderung
  • Veränderte Kindheit, veränderte Zukunft, veränderte Bildung
  • Bildung, Persönlichkeit und Berufskomplex
  • Haltungen und Handlungen
  • Anspruch und Wirklichkeit
  • Raum und Material- Bildungswelt der Kinder
  • Forschende Kinder und lernende Pädagogen

Nach der Grundlagenlegung konzentriert sich das dritte Kapitel "Wie Bildung sichtbar wird: Erfahrungen aus Bielefeld" auf den konkreten Bildungsprozess in Bielefeld, der von prozessbeteiligten Autorinnen dokumentiert und reflektiert wird. Dazu werden prozessrelevante Themen kritisch betrachtet und durch vielfältige Beispiele und Erfahrungsberichte transparent dargestellt. Beispiele sind

  • Kompetenzerweiterung und Profilierung - Über die Bedeutung und Konzipierung von Fortbildungen
  • Bildung als elementare Lebensäußerung - Arbeit mit Kindern als Bildungsarbeit
  • Beobachtung als Ausgangspunkt für Reflexion und Handlung
  • Beobachtung als Beachtung
  • (Selbst-)Erfahrungsort Kita
  • Die Rolle der Erzieherin und die Zumutung von Themen

Der zweite Teil des dritten Kapitels konzentriert sich auf die praxisnahe Darstellung der Bielefelder Bildungspakete:

  • "Versuche des Systematisierung und ihre Gefahren".
  • Der Weg dorthin wird in "Wie alles begann" und in "Wohin mit dem toten Igel? Oder: Von der Kunst, Pakete richtig zu packen" dokumentiert.

Der Begriff "Bildungspakete" soll dabei die verschiedenen Bildungsbereiche symbolisieren und die Sammlung und Zuordnung von Inhalten erleichtern. In Form von Projektberichten werden die 13 Bildungspakete der kommunalen Bielefelder Kitas vorgestellt. Angereichert mit vielen praktischen Erfahrungen und Beispielen erfolgt die Darstellung der Bildungspakete

Gesellschaft, Geschichte und Politik; Kommunikation und Sprache; Körper und Sinne; Kultur und Zusammenleben; Medien; Musik und Rhythmus; Naturbegegnung; Naturwissenschaften; Religion und Ethik; Sport und Bewegung und Unterschiedliche Kulturen und Wohnumfeld, Stadt.

Die Veröffentlichung schließt mit der Vorstellung der Bildungsarbeit auf einem Elternabend und mit der Darstellung von Stolpersteinen und Erkenntnissen während des Erarbeitungsprozesses.

Fazit

Die Dokumentation des Bielefelder Bildungsweges will Erzieherinnen ermutigen, die Diskussionen und Umsetzungsprozesse von Bildungsplänen/Curricula kompetent und selbstbewusst mitzugestalten. Dazu werden viele praxisrelevante Erfahrungen dargeboten und mit Hilfe von Beispielen Wege aufgezeigt. Insgesamt ein aufschlussreicher Prozessbericht, der Anregungen bietet die eigene Bildungshaltung und -arbeit zu überdenken und vielfältige Anregungen liefert bisher Unsichtbares sichtbar zu machen.

 


Rezensentin
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy


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Zitiervorschlag
Elke Katharina Klaudy. Rezension vom 27.04.2004 zu: Gerlinde Lill: Bildungswerkstatt Kita. Bildungsmöglichkeiten im Alltag entdecken. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. ISBN 978-3-407-56233-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1014.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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