Martin Cramer: Arbeitszeitmodelle und Dienstplangestaltung
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 27.04.2004
Martin Cramer: Arbeitszeitmodelle und Dienstplangestaltung.
Beltz Verlag
(Weinheim, Basel) 2003.
120 Seiten.
ISBN 978-3-407-56219-7.
D: 14,90 EUR,
A: 15,40 EUR,
CH: 27,20 sFr.
Wie Kindergärten TOP werden. Team und Organisationsentwicklung praktisch.
Reihe "Team- und Organisationsentwicklung praktisch"
"Arbeitszeitmodelle und Dienstplangestaltung" ist Teil der Reihe "Team- und Organisationsentwicklung praktisch. Wie Kindergärten TOP werden", herausgegeben von Ludger Pesch und Verena Sommerfeld. Die Reihe stellt Materialien und Modelle vor, mit deren Hilfe Veränderungsprozesse in Kindertagesstätten initiiert, geleitet, gestaltet, beraten und evaluiert werden können.
Autor
Martin Cramer ist Erzieher und Diplom-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge und arbeitet frei beruflich als Fortbildner und Praxisberater für Bildungseinrichtungen, Träger und Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen und Verbände. Seine Themen sind Organisationsentwicklung, Qualitäts- und Veränderungsmanagement und Fachberatung in Kindertageseinrichtungen.
Thema
Unterschiedliche Betreuungszeiten der Kinder, die zunehmende Forderung nach verlängerten Öffnungszeiten und unterschiedliche Arbeitszeiten der Erzieherinnen haben zur Folge, das die Dienstplangestaltung zu einer komplizierten Organisationsaufgabe in Kindertageseinrichtungen geworden ist und immer mehr Veränderungsbedarf entsteht. Um aus qualitativer und quantitativer Sicht kontinuierlich genügend Zeit für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben vorhalten zu können, werden neue Arbeitszeit- und Dienstplanmodelle in immer mehr Kindertageseinrichtungen erforderlich.
Inhalt und Gestaltung
Mit "Arbeitszeitmodelle und Dienstplangestaltung" stellt Martin Cramer flexible Modelle für die Planung und Gestaltung von Arbeitszeit und Personalensatz vor, die im Rahmen des Modellprojektes des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg "Bedarfsorientierte Personaleinsatz- und Arbeitszeitplanung in Kindertagesstätten - Möglichkeiten und Konsequenzen für die Dienstplangestaltung" von ihm entwickelt und in Brandenburgischen Kindertageseinrichtungen erprobt worden sind.
Die Veröffentlichung gliedert sich in Vorwort, sieben Kapitel und einen Anhang und basiert auf der Grundannahme des Autors, dass die Arbeitsbewältigung und -belastung in einer Kindertageseinrichtung besser und zufriedener verläuft, je genauer die Arbeitszeiten der Erzieherinnen mit der tatsächlichen Anwesenheit der Kinder in Übereinstimmung gebracht werden können.
Als Ausgangspunkt für die Planung schlägt Cramer vor, für jede Gruppe, für jede Einrichtung aktuelle Bedarfsprofile zu erstellen, die sowohl den Tagesverlauf, wie auch den Wochen- und Jahresverlauf beschreiben, wie viele Kinder jeweils zu betreuen sind und wie viele der zur Verfügung stehenden Erzieherinnen wann genau eingesetzt werden müssen. Dazu verdeutlicht er mit Hilfe von Beispielen und Schaubildern, wie der tatsächliche Betreuungsbedarf quantitativ ("Kinder und Erzieherinnen zählen") und qualitativ ("Wie viele Stunden wofür?") ermittelt werden kann.
Um die "Achterbahn der Arbeitsbelastung" (Wechsel zwischen Phasen höchster und niedriger Arbeitsbelastung) abzuschwächen und kontinuierlich genügend Zeit für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben einer Kindertageseinrichtung bereitzustellen, illustriert der Autor, dass nur 80 Prozent der Jahresarbeitszeit einer Erzieherin für die Arbeit in der Kindergruppe zur Verfügung stehen (Netto-Jahresarbeitszeit). Nach dem "20-Prozent-Prinzip" werden dazu Urlaubs- und Fortbildungszeiten, der durchschnittliche Krankheitsausfall sowie Zeiten zur Vor- und Nachbereitung und Teamberatung von den tatsächlichen Jahresarbeitszeiten einer Erzieherin abgezogen.
Die bedarfsgerechte Personaleinsatzplanung erfolgt mit Hilfe der Arbeitszeitflexibilisierung. Dazu wird die tägliche Einsatzzeit der einzelnen Erzieherin von einem Fünftel der regelmäßigen Wochenarbeitszeit entkoppelt und die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit nur noch im Durchschnitt eines längeren Zeitraums verwirklicht. Reservestunden werden dazu angesammelt und in Situationen, wenn sie benötigt werden, eingesetzt. Zur ,,Abrechnung" oder ,,Kontrolle" wird für jede Erzieherin ein Arbeitszeitkonto geführt.
Als arbeitsrechtliche Grundlage für die flexible Gestaltung der Arbeitszeit werden relevante Paragrafen aus Arbeitszeitgesetz (ArbZG), Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT), Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG), Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) und beispielhaft aus dem Kindertagesstättengesetz Brandenburg besprochen. Die Bedeutung der Leiterin für die Personalführung und ihre persönliche Zeitplanung in der Rolle als Führungskraft wird ebenso beschrieben, wie die Verantwortung jeder pädagogischen Fachkraft für die Organisation ihres Arbeitsbereichs in "Dezentralen Planungsgruppen".
Nachdem der Autor zum Ausgleich von Bedarfsschwankungen im Jahresverlauf Jahresarbeitszeitmodelle vorgestellt hat, werden die Inhalte der Veröffentlichung im letzten Kapitel "Wie kommen Sie hin, wo Sie hin wollen? der Weg zum anderen Dienstplan" zu praktischen Anregungen und Umsetzungsschritten zusammengefügt.
Im Anhang schließlich befinden sich neben einem Stichwortverzeichnis ein Erhebungsbogen "Tatsächliche Kinderanwesenheitszeit" und ein Beispiel für eine Dienstvereinbarung.
Bewertung und Fazit
In seiner Veröffentlichung beleuchtet Martin Cramer das Thema der Dienstplangestaltung mit all seinen Facetten und zeigt Spielräume auf, die die Einrichtungen bei der Personaleinsatz- und Arbeitszeitplanung haben, bisher aber noch unzureichend nutzen. Vielfältige Beispiele, Checklisten und Schaubilder begleiten und illustrieren die praxisnahen Ausführungen des Autors und werden sicherlich Träger, Leitungskräfte und Erzieherinnen befähigen ihre eigenen Probleme bei der Arbeitszeit- und Dienstplangestaltung zu identifizieren und unkonventionelle bedarfsgerechte Lösungen für Probleme mit der Dienstplangestaltung zu finden, die zu mehr Kontinuität in der Arbeit und mehr Arbeitszufriedenheit führen können.
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
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