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Sigrid Ebert (Hrsg.): Die Kita als lernende Organisation

Rezensiert von Andrea Fuß, 20.12.2010

Cover Sigrid  Ebert (Hrsg.): Die Kita als lernende Organisation ISBN 978-3-451-00118-5

Sigrid Ebert (Hrsg.): Die Kita als lernende Organisation. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2010. 64 Seiten. ISBN 978-3-451-00118-5. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 17,90 sFr.
Reihe: Kindergarten heute, Spezial - Nr. 118.

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Thema

In diesem Heft wird die Frage geklärt, wie eine Kindertageseinrichtung für Kinder und Erwachsene gestaltet sein muss, damit sie ihrem Erziehungs-, Bildungs-, Betreuungs- und Ausbildungsauftrag professionell gerecht werden kann und als „lernende Gemeinschaft“ zukunftsfähig wird. Die Beiträge dieses Heftes thematisieren das Selbstlernpotenzial der Menschen, die in einer Kita zusammen leben, lernen und arbeiten, aus verschiedenen Perspektiven. Die spezifische Organisationskultur einer Kita wird in diesem Zusammenhang erörtert.

Herausgeberin

Sigrid Ebert ist Erzieherin und Dipl. Psychologin. Sie war lange Jahre Vorsitzende des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes und Leiterin der Abteilung Aus- und Weiterbildung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin. Derzeit engagiert sie sich in der Weiterbildungsinitiative „Profis in Kitas“.

Entstehungshintergrund

Obwohl die Kita zu einem unverzichtbaren Bestandteil der gesellschaftlichen Grundversorgung geworden ist, wird sie noch nicht von allen Menschen die in ihr leben, lernen und arbeiten als kulturelles Identitätsprojekt wahrgenommen. Die Erschließung des Wissens findet für Kinder statt, indem Erlebnisse gemeinsam „gelesen“ werden. Erzieherinnen sind Teil dieser Geschichte. Ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Erzieherinnen und Eltern basiert ebenso auf dem Austausch von Geschichten. Auch Erzieherinnen, Praktikantinnen und Anleiterinnen erzählen sich diese untereinander. Die eigenständige Wissensnutzung auf der Grundlage von Erfahrungswissen fungiert als Medium, wenn die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen gesucht wird um Erfahrenes auszutauschen und daraus neues Wissen zu kommunizieren. In dieser Spezialausgabe der Kindergarten heute soll aufgezeigt werden, wie Lerngeschichten aller Beteiligten dazu beitragen können sich selbst und die Kita als Ganzes weiterzuentwickeln.

Aufbau und Inhalt

Bildungsort Kita: Leben-Lernen-Arbeiten. In diesem Einführungsbeitrag beleuchtet die Herausgeberin Sigrid Ebert, wie die Kita zu einem Bildungsort für Eltern und deren Kinder werden kann, welche Lernkultur und welche Formen des Lernens diesen Bildungsort ausmachen und welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung eine solche lebendige Lerngemeinschaft allen Beteiligten bietet. Es wird herausgestellt, welche Bedeutung die Qualität der pädagogischen Arbeit hat und dass diese in direktem Zusammenhang mit der Form des Lernens innerhalb einer Kita und einer damit verbundenen positiven Lernkultur steht.

Gemeinsam lernen mit „Bildungs- und Lerngeschichten“. Beobachtung und Dokumentation haben vielseitigen Nutzen auf unterschiedlichen Ebenen. Sie stärken die Beziehung zwischen Erzieherinnen und Kindern, verbessern den Kontakt zwischen Erzieherinnen und Eltern, und den Fachkräften untereinander. Sie erleichtern den Einstieg in Elterngespräche. Wertschätzung und Anerkennung werden gesteigert. Durch Lerngeschichten kommt es zu einer neuen Form von Dialogerlebnissen. Die Bildungs- und Lerngeschichten sind ein Instrument, mit dessen Hilfe sich durch Beobachtung und Dokumentation frühkindlicher Lernaktivitäten, den Selbstbildungsprozessen der Kinder genähert werden kann. Auf die unterschiedlichen Lerndispositionen sowie deren Bedeutung wird in diesem Kapitel näher eingegangen.

Mit Eltern in einen gemeinsamen Lernprozess einsteigen. Damit Erziehungspartnerschaft gleichzeitig auch Bildungspartnerschaft einbeziehen kann, soll gemeinsam mit den Eltern ein Dialog über konkrete (Lern-) Situationen des Kindes geführt werden. Eine Fotoausstellung in der Kita lädt zum Gespräch ein und zeigt gleichzeitig mit welchen Themen sich die einzelnen Kinder beschäftigen. Eltern an einem Elternabend das tun zu lassen, was ihre Kinder tun, ist eine Möglichkeit Eltern aufzuzeigen welche Kompetenzen der Kinder bei gewissen Aktivitäten gefördert werden. Am Beispiel von Pen Green, dem berühmtesten Early Excellence Centres Englands, wird aufgezeigt wie Eltern der Zugang zu den Bildungsprozessen ihrer Kinder ermöglicht werden kann und dass sich dieser Aufwand lohnt. Bildungsdokumentationen, Lerngeschichten (auch von Eltern geschrieben) und das Portfolio, bilden die Basis der Bildungspartnerschaft.

Von anderen lernen: Eine Kita verändert ihr Profil. Das PFH in Berlin ist ein vorbildliches Beispiel in Bezug auf Verbund von Ausbildungs- und Praxiseinrichtungen. Es stellt damit ein Theorie/Praxis-Gesamtkunstwerk dar. Die Arbeit ist geprägt von innovativen pädagogischen Konzepten die auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Das PFH hat sich im Jahr 2000 als Kooperationspartner für Pen Green beworben, um den Ansatz der Early Exellence Centre auf Deutschland übertragen zu können. Eltern, Kinder, Träger und Fachkräfte machten sich auf den gemeinsamen Weg den Ansatz auf die eigenen Einrichtungen mit Hilfe von Fortbildungen und reflektierten Veränderungen zu übertragen.

Weiterlernen als Leitkonzept. Ein ko-konstruktives Personalentwicklungskonzept bildet die Grundlage für das Weiterlernen einer Kita. Hier spielt explizit die Leitung eine absolut bedeutsame Rolle. Weiterlernen kann sich nur entwickeln/stattfinden, wenn die Leitung selbst die Bereitschaft dazu mitbringt und für beteiligungsorientierte Kommunikations- und Informationsstrukturen sorgt. Kompetente Leitungskräfte müssen vielen Anforderungen gerecht werden. Hierzu gehört eine fundierte Wissensbasis die ständig ergänzt und erweitert wird. Erzieherinnen müssen die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung erhalten, hierbei sind stets die personellen, zeitlichen und materiellen Ressourcen zu berücksichtigen. Wie ein Kita-Team als dynamische Lerngemeinschaft verstanden werden kann und welche Aufgabe dabei der Leitung obliegt, wird am Beispiel von England und Dänemark aufgezeigt. Diese beiden Länder wurden gerade deswegen ausgewählt, weil sich die Berufsprofile der Fachkräfte sowie die Profile der Einrichtungen von denen in Deutschland unterscheiden.

Die Kita als Ausbildungsort. Bildung wird heute mit lebenslangem Lernen, Selbstbildung und der aktiven Aneignung von Welt assoziiert. Übertragen auf den Lernort Kita bedeutet dies, dass das in der Schule erworbene theoretische Wissen nicht eins zu eins umgesetzt werden kann. Vielmehr kommt es darauf an, dass es einer Erzieherin gelingt theoretisches Wissen, mit dem Wissen, das sie sich durch ihr Handeln erschließt zu verknüpfen. Da die Erzieherinnenausbildung als eine Breitbandausbildung angesehen werden kann, die den Einstieg in viele verschiedene Praxisfelder ermöglicht, ist es umso wichtiger, dass sich die Praxisfelder verantwortungsbewusst an der Ausbildung beteiligen. Schule und Praxis müssen Raum zulassen, damit theoretisches Wissen und praktisches Erfahrungswissen einander ergänzen können. Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit der Fachkräfte notwendig. Es bedarf einer kompetenten Praxisanleitung und einer damit verbundenen professionellen Anleitung der Praktikantinnen.

Diskussion

Die Ausgabe der Kindergarten heute befasst sich umfangreich auf allen Ebenen mit dem Thema lernen. Viele aktuelle Begriffe, die mit Bildung und Lernen in direktem Zusammenhang stehen, ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge. So wird lebenslanges Lernen sowohl auf der Ebene der Kinder, der Praktikantinnen, der Eltern, des Trägers als auch unter den Fachkräften beschrieben. Auch die Bedeutung der Lerngeschichten, der Ko-Konstruktion von Lernen, und der Selbstbildung werden thematisiert. Die Zeitschrift dient zum Einstieg in die Dimension der lernenden Organisation. Die Beiträge zeigen auf, dass die Kita als lernende Organisation nicht nur auf der Ebene der Kinder zu betrachten ist. Die Beiträge orientieren sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien. Sie ermöglichen einen Transfer auf die eigene Praxis.

Fazit

Die Zeitschrift ist sowohl für Fachkräfte als auch für Leiterinnen geeignet, die an einer konzeptionellen Weiterentwicklung der eigenen Praxis in Bezug auf Lernprozesse, Praxisanleitung, Erziehungspartnerschaft und Organisationsentwicklung interessiert sind.

Rezension von
Andrea Fuß
M.A., Klinische Sozialarbeiterin sowie Bildungs- und Sozialmanagerin. Leiterin einer Konsultationskita in Rheinland-Pfalz, Mentorin in der Erzieherinnenausbildung sowie Dozentin in der Fort- und Weiterbildung für Erzieherinnen

Es gibt 13 Rezensionen von Andrea Fuß.

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Zitiervorschlag
Andrea Fuß. Rezension vom 20.12.2010 zu: Sigrid Ebert (Hrsg.): Die Kita als lernende Organisation. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2010. ISBN 978-3-451-00118-5. Reihe: Kindergarten heute, Spezial - Nr. 118. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10186.php, Datum des Zugriffs 03.02.2023.


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