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Raimund Pousset (Hrsg.): Handwörterbuch für Erzieherinnen und Erzieher

Cover Raimund Pousset (Hrsg.): Handwörterbuch für Erzieherinnen und Erzieher. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2010. 2., aktualisierte Auflage. 511 Seiten. ISBN 978-3-589-24685-4. D: 40,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 69,00 sFr.

Reihe Ausbildung & Studium, herausgegeben von Wilma Aden-Grossmann, Ingeborg Becker-Textor, Bernward Bickmann, Dagmar Bickmann, Karl Bönner.
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Thema und Herausgeber

Das Buch soll sowohl zur Prüfungsvorbereitung als auch als Nachschlagewerk in sozialpädagogischen Einrichtungen dienen. Der Herausgeber selbst war 15 Jahre in der Erzieherausbildung tätig und hat über achtzig Fachleute gewinnen können Fachartikel zu schreiben, bei denen sie die Interessen von ErzieherInnen besonders berücksichtigen. Das Buch ist die überarbeitete 2. Auflage des früher im Beltz Verlag erschienenen Handwörterbuchs (vgl. die Rezension)

Aufbau

Das Handwörterbuch umfasst über 150 Schlüsselbegriffe aus den verschiedenen Arbeitsbereichen von ErzieherInnen, die alphabetisch angeordnet sind. Zu jedem Schlüsselbegriff gibt es noch einmal Unterkapitel. Der Begriff „Jugend“ enthält beispielsweise die Abschnitte „Konzepte von Jugend im historischen Wandel“, „Aktuelle Vorstellungen von Jugend“ und „Jugendforschung“. „Jugendarbeit“ folgt als eigener Schlüsselbegriff. Jeder Schlüsselbegriff endet mit aktuellen und klassischen Literaturangaben und auch anderen Medienhinweisen. Über die Schlüsselbegriffe hinaus gibt es ein umfangreiches Register, über das man weitere Begriffe findet, die bei den unterschiedlichen Schlüsselbegriffen eine Rolle spielen. Im Anhang gibt es außerdem ein ausführliches Autorenverzeichnis.

Inhalt

Die Begriffe kommen aus allen Bereichen, in denen ErzieherInnen arbeiten: aus der Früh-, Hort- und Heimpädagogik. Es ist schwierig, die Begriffe zu kategorisieren. Es gibt sowohl allgemeinere soziologische oder psychologische Begriffe wie „Rolle“ oder „Resilienz“ als auch konkrete pädagogische Ansätze wie „Tiergestützte Pädagogik“ oder „Ästhetische Bildung“. Um einen Eindruck der Vielfalt zu vermitteln, greife ich zufällig einige Schlüsselbegriffe heraus und nenne die Unterpunkte, die unter dem Begriff abgehandelt werden:

  • Abweichendes Verhalten: Zur Theorieentwicklung, Die Etikettierungstheorie, Theorie sozialer Bindungen, Jugendkriminalität
  • Beratung: Abgrenzung von anderen Hilfsangeboten, Konzeptionen, Der Beratungsprozess, Beratung in Einrichtungen, Qualifikation
  • Feste und Feiern: Hier wird nach einer allgemeinen Einleitung Monat für Monat das Jahr durchgegangen und die Feste und Feiern des christlichen Kulturkreises erläutert
  • Interkulturelle Erziehung: Geschichte, Ziele, Interkulturelle Kompetenz
  • Kind im Krankenhaus: Trennungstrauma, Unterstützende Maßnahmen bei kurzfristigen Krankenhausaufenthalten, Maßnahmen bei Langzeitpatienten und ihren Familien
  • Partizipation: Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Partizipation, Partizipation fördert die Entwicklung des Kindes, Partizipation als Handlungsmaxime
  • Strafrecht: Strafbarkeit und Schuld, Einige Straftatbestände, Straftaten/Jugendstrafen, Strafverfahren, (Jugend)Kriminalität als soziales Problem
  • Zwillinge: Zwillingsforschung, Zwischen Einzigartigkeit und Gleichheit, Individualität und Paarbezogenheit, Pädagogische Konsequenzen

Diskussion

Das Buch erreichte mich just in der letzten Ferienwoche, als ich mich als Lehrerin einer Fachschule für Sozialpädagogik auf das neue Schuljahr vorbereitete. Keine schlechte Situation, um ein Handwörterbuch zu testen. In einer Klasse plante ich zu unterschiedlichen pädagogischen Konzepten zu arbeiten – und fand eine Fülle von Begriffen, wie z.B. „Montessoripädagogik“ und „Freinetpädagogik“. In einer anderen Klasse wollte ich zu Diagnoseverfahren und Förderkonzepten arbeiten – da sah es nicht so gut aus. Wenn ich den Herausgeber dazu fragen würde, stelle ich mir vor, dass er sagen würde, dass diese Begriffe möglicherweise schnell wieder überholt sind und sich z.T. auf einzelne Bundesländer beziehen.

Bei weiterem Blättern fand ich unter dem Schlüsselbegriff „Abweichendes Verhalten“ einen interessanten Absatz zur Etikettierung, den ich gerne beim Thema „Schulische Sozialisation“ einsetzen möchte.

Überraschend war für mich, über den Begriff „Humor“ zu stolpern.

Andere Begriffe regten schlicht meine Neugier an, wie z.B. die „Konfrontative Pädagogik“.

Ich finde es schwer zu beurteilen, wie hilfreich die Auswahl der Schlüsselbegriffe beispielsweise für eine Erzieherin in einer Kindertagesstätte ist. Die Artikel selbst halte ich auf jeden Fall für angemessen in Hinblick auf die Arbeit einer Erzieherin oder eines Erziehers.

Als Lehrerin würde ich lieber dieses Nachschlagewerk als ein Lehrbuch nutzen, regt es doch die Studierenden an der Fachschule zu selbstständigem Arbeiten an und verzichtet auf Rahmengeschichtchen und bunte Bildchen. Vielleicht im nächsten Schuljahr…

Fazit

Ein umfangreiches Handbuch mit gut zu lesenden Artikeln zu vielen Schlüsselbegriffen, die im Alltag von Erzieherinnen und Erziehern eine Rolle spielen.


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 13.09.2010 zu: Raimund Pousset (Hrsg.): Handwörterbuch für Erzieherinnen und Erzieher. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2010. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-589-24685-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10193.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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