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Monika Hofmann: Kinder unter 3

Rezensiert von Prof. Dr. Regine Morys, 28.01.2011

Cover Monika Hofmann: Kinder unter 3 ISBN 978-3-466-30893-4

Monika Hofmann: Kinder unter 3. Das Praxisbuch für Kita, Spielgruppe & Co. Kösel-Verlag (München) 2010. 140 Seiten. ISBN 978-3-466-30893-4. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 30,90 sFr.

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Thema

Das vorliegende Buch setzt sich zum Ziel, allen Personengruppen, die Kinder unter drei Jahren betreuen, praxisgerechte und praxiserprobte „Spiel- und Förderangebote“ (Klappentext) zu geben. Damit wendet es sich an eine sehr heterogene Zielgruppe. Angesprochen werden sowohl die Eltern selbst als auch in Kinderkrippen, Eltern-Kind-Gruppen oder in der Tagespflege tätige Fachkräfte. Wenn auch nicht explizit als Ziel des Buches genannt, so wird an vielen Stellen deutlich, dass es der Autorin ein besonderes Anliegen ist, nicht nur eine Sammlung von Praxistipps anzubieten, sondern dafür zu sensibilisieren, Kinder als neugierige, forschende und von Geburt an auf Bildung hin angelegte Persönlichkeiten zu betrachten und eine dementsprechend behutsam begleitende und wertschätzende erzieherische Haltung einzunehmen.

AutorIn

Monika Hofmann, Diplom-Sozialpädagogin, ist als Sprachberaterin beim Evangelischen KITA-Verband Bayern tätig. Mit ihren Erfahrungen in der Leitung von Eltern-Kind-Gruppen, Zusatzqualifikationen wie z.B.dem Montessori-Diplom und einem PEKIP-Zertifikat sowie der Autorenschaft anderer Bücher zu diesem Themenkreis weist sie eine fundierte fachliche Expertise auf.

Aufbau

Das Buch ist neben dem einleitenden Kapitel „Vorneweg“ in sieben thematische „Lernpunkte“ gegliedert. Diese sind:

  1. Körper,
  2. Bewegung,
  3. Haushalt,
  4. Feinmotorik,
  5. Kreativität,
  6. Sprache und
  7. Erziehung.

Jeder dieser sieben Lernpunkte besteht aus fachlichen Erläuterungen, in die an passenden Stellen ausgewählte Vorschläge zur entsprechenden Gestaltung von alltäglichen Situationen sowie exemplarische Spiel- und Förderanregungen wie z.B. Fingerspiele und Lieder eingebettet sind. In gesondert gekennzeichneten Kästchen finden sich immer wieder zusätzliche Hinweise, die sich gezielt an Fachkräfte in Kindertagesstätten richten. Am Schluss des Buches findet sich noch eine unkommentierte Liste mit Literaturangaben und vier Internetadressen.

Inhalt

Das Buch beginnt mit dem Kapitel „Vorneweg“ (11), in dem die Autorin unter dem Untertitel „Kostbare Zeiten“ (11) die Bedeutung der ersten Lebensjahre und deren achtsame Begleitung durch Erwachsene hervorhebt. Besondere herausgestellt werden die Rolle, die eine sichere Bindung spielt, und der Blick auf Kinder als forschende, aber auch individuell sehr unterschiedliche Wesen. Unter dem Stichwort „Zauberworte“ (17) zeigt die Autorin auf, durch welche Schritte sich eine solche begleitende Haltung aufbauen lässt. Drei „Zauberworte“ werden erläutert und anhand von Beispielen aus dem Alltag verdeutlicht: „Beobachtung – „Hilf mir, es selbst zu tun„“ (18), „Entwicklung – Im Kleinen das Große sehen“ (21) und „Spielbeginn – Kinder lernen Tag und Nacht“ (25). Darauf wird im Verlauf des Buches immer wieder zurückgegriffen.

Das Kapitel Lernpunkt Körperbewusstsein (32) ist das umfangreichstes des ganzen Buches. In ihm werden zahlreiche Anregungen für den Alltag zu Hause und in der Einrichtung gegeben, z.B. eine Auswahl an Körper- und Bewegungsliedern, Hinweise für die achtsame Gestaltung von Pflege- und Wickelsituationen sowie des gemeinsamen Essens, Anregungen zur Integration von „Übungen des täglichen Lebens“ (nach Montessori, 45) in den Alltag und schließlich Tipps und Möglichkeiten, um die Kinder Wohlgefühl, Körperbewusstsein und Sinnesanregungen durch Berührungserfahrungen erleben zu lassen.

Der nächste Lernpunkt Bewegungsentwicklung (52) bietet neben einer kleinen Auswahl von Fingerspielen und Tanzliedern Anregungen zur achtsamen Beobachtung und Unterstützung der Bewegungsmuster der Kinder. Im Fokus steht dabei der Blick auf das teilweise gar unermüdlich scheinende Bemühen der Kinder, zu üben und die Ermutigung, jedem Kinder die dafür notwendige Zeit und zurückhaltende Unterstützung zukommen zu lassen.

Im „Lernpunkt Spielangebote im Haushalt“ (63) wird beispielhaft aufgezeigt, welche Spielmöglichkeiten sich für kleine Kinder mit Alltagsgegenständen aus dem Haushalt bieten und wie sie in Abläufe aus dem Alltag einbezogen werden können, so dass sie mit zum Familien- oder Gruppenleben beitragen und Selbstwirksamkeit erfahren können.

Das Kapitel „Lernpunkt Feinmotorik“ (75) bietet eine Reihe von Übungen und Spielen mit den Händen und Anregungen für Stapel-, Steck-, Sortier-, Fädel- und Tastspiele mit Alltagsmaterialien. Dabei macht die Autorin stets deutlich, dass es sich dabei nicht nur um Formen der Beschäftigung von Kindern handelt, sondern welche Lernerfahrungen und Einsichten aus der Sicht der Kinder mit diesen so einfach anmutenden Anregungen gewonnen werden können.

Der „Lernpunkt Kreativität“ (93) steht unter dem Motto „Auf das Tun kommt es an“ (93). Dementsprechend fällt die Auswahl der Vorschläge zum kreativen Gestalten von und mit Kindern aus: Diese orientieren sich daran, eine Vielfalt der Erfahrungsmöglichkeiten und Entdeckungen im Umgang mit unterschiedlichsten Materialien, Farben und Malutensilien zu bieten und die Freude am Spuren, Kneten und Gestalten erleben zu lassen. Ein „Rezept für die Kunsterziehung“ (102) bildet den Abschluss des Kapitels: „eine große Menge Zeit gut vermischen mit Geduld und Humor, eine gute vorbereitete Umgebung, eine Prise Lob und Anerkennung, wenn die Kinder uns mit ihren Blicken dazu auffordern“ (102).

Erwartungsgemäß befasst sich der „Lernpunkt Sprachentwicklung“ (103) vor allem mit Formen der Unterstützung des Spracherwerbs durch dialogische Zuwendung, durch Vorlesen und gemeinsame Bilderbuchbetrachtung und durch Artikulations- und Sprachspiele. Als fachlicher Hintergrund ist der Sprachbaum nach Wendtland abgebildet (119).

Abschließend befasst sich der „Lernpunkt Erziehung“ (121) neben der Bedeutung der Vorbildfunktion der Erwachsenen und dem Aufbau von sicheren Bindungen insbesondere mit der notwendigen Haltung der Eltern und Fachkräfte. Deutlich wird, dass diese Haltung, die von Zutrauen in die Kinder, von Sensibilität und von Wertschätzung geprägt ist, eines besonders braucht: Zeit. So appeliert die Autorin: „Schenken wir unseren Kindern diese Zeit! Lassen wir uns auf sei ein“ (124). Lieder, Gebete und Tischsprüche zeigen Möglichkeiten, den Tag zu strukturieren und bewusste Punkte des Innehaltens ritualisiert zu verankern.

Diskussion

Das vorliegende Buch führt kurz und prägnant in grundlegende Aspekte der praktischen Arbeit mit Kindern unter drei Jahren ein. Es folgt dabei keiner Methoden-, Fach- oder Entwicklungssystematik, sondern gliedert sich entlang von wichtigen Themenfeldern des Alltags. Die Auswahl der angesprochenen Themen sowie die Auswahl der Vorschläge und Anregungen hat exemplarischen Charakter. Dies ist sinnvoll, um das Buch übersichtlich zu halten. Die gegebenen Anregungen sollen den Sinn erfüllen, den Blick der Erwachsenen grundsätzlich auf die Bildungsbedeutsamkeit von alltäglichen Situationen und auf die Bedeutung einer achtsamen Haltung der Erwachsenen zu richten. Dennoch ist nicht ganz nachvollziehen, nach welchen Kriterien die Auswahl getroffen wurde und welche Systematik hinter den einzelnen Lernpunkten steht: Stellenweise bestehen diese hauptsächlich aus Praxistipps und -anregungen, in anderen Kapiteln wird ein fachlicher Hintergrund kurz angedeutet.

Die große Stärke des Buches besteht darin, dass es nicht einfach eine Sammlung von Spiel- und Übungsformen anbietet, sondern dass die vorgeschlagenen Praxisanregungen immer in den Sinnzusammenhang der achtsamen erzieherischen Haltung und in den Blick auf die forschenden Kinder eingebettet werden. Besonders hervorzuheben ist die akzeptierende und wertschätzende Haltung, indem die Autorin immer wieder auf die Unterschiedlichkeit der Kinder und auf ihr Recht, unterschiedlich zu sein, hinweist; so z.B. auf S. 101: „Manche Kinder mögen keine Farben oder Knete an ihren Fingern; das ist in Ordnung. Ihre künstlerische Ader steckt eben woanders“. Die Autorin wird auch nicht müde, an vielen Stellen auf die große Spannbreite der Entwicklung hinzuweisen und die Erwachsenen zu Geduld und zur achtsamen Beobachtung und Begleitung zu ermutigen. Erleichtert wird dies durch die unterstützenden Fotos und durch liebevolle, humorvolle Einschübe, mit denen geschickt indirekt deutlich gemacht wird, dass keine Perfektion der Erziehenden erwartet wird und dass die Autorin sehr wohl weiß, welche Herausforderung der Alltag in Familie und Krippe bedeuten kann.

Die Autorin wendet sich in „wir“-Form an die Leser und Leserinnen. Dies soll zur Identifikation beitragen, mutet stellenweise aber auch befremdlich an. Problematisch ist zunächst die Gleichsetzung von Eltern und professionellen Fachkräften in der Einleitung. Der Spagat, diese unterschiedlichen Zielgruppen anzusprechen, gelingt dennoch weitgehend. Allerdings dürften viele der Anregungen und angesprochenen Themen ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften längst bekannt sein, so dass fraglich ist, welchen zusätzlichen Gewinn diese Zielgruppe aus dem Buch ziehen kann. Für Eltern und Fachkräfte, die sich neu in das Feld der Arbeit mit Kindern unter drei Jahren begeben, ist das Buch dagegen zu empfehlen.

Sicherlich findet die Aufnahme von Gebeten aus der christlichen Tradition und der Abschlusswunsch „Gottes Segen“ (138) nicht bei allen Lesern und Leserinnen Zustimmung. Hiermit komme ich zum Hauptkritikpunkt an dem Buch: Das Buch spricht zwar immer wieder die Unterschiedlichkeit der Kinder in ihren Lern- und Bildungswegen an, allerdings wird das Thema „Diversity“ abgesehen davon an keiner Stelle angesprochen. Dies zeigt schon alleine die Auswahl der Fotos. Am deutlichsten wird dieses Manko im Kapitel über Sprache: Die Möglichkeit, dass Kinder mit einer anderen Erstsprache als der Verkehrssprache in der Tagespflege oder in der Einrichtung sind, wird nicht thematisiert. Im Hinblick auf verschiedene Familienformen und -kulturen werden vor allem Zweielternfamilien angesprochen (128) – im Hinblick auf Alleinerziehende erfolgt nur ein kurzer Hinweis (128). Implizit wendet sich das Buch an Eltern, die über die entsprechenden Ressourcen verfügen, dem Kind viel Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Eltern, die in belasteten Situationen leben, werden vermutlich mit dem Inhalt und dem Duktus des Buches nicht erreicht.

Das Buch hat ein ansprechendes Lay-Out. Gut ausgewählte, nicht zu zahlreiche Fotos, unterstreichen den Inhalt. Die Sprache ist klar und gut verständlich. Das Buch endet etwas abrupt, ein Abschlusskapitel fehlt. Auf Quellenangaben und Belege wird vollkommen verzichtet, der theoretische Hintergrund lässt sich stellenweise erahnen, er wird aber nie explizit angesprochen. Doch das liegt nicht in der Intention des Buches. Dessen Intention fasst die Autorin abschließend so zusammen: „Das ganze Buch soll Ihnen Mut machen, Ihren eigenen Weg zu finden“ (138).

Fazit

Das vorliegende Buch ist ein Buch für Eltern, Laien und Fachkräfte in der Praxis. Trotz der angesprochenen Kritikpunkte nimmt man es gerne zur Hand und lässt sich zum Anschauen, Stöbern und Lesen einladen.Erfahrenen Fachkräften bietet es vermutlich inhaltlich nicht viel Neues, doch liegt sein Wert in der Ermutigung zu einer achtsamen Haltung der Erwachsenen und dem wertschätzenden Blick auf die Lernprozesse der Kinder. So regt es an, Alltagsgelegenheiten als Bildungsgelegenheiten bewusst wahrzunehmen und den Alltag mit Kindern – sei es in der Familie, sei es in einer Einrichtung – mit Freude entsprechend zu gestalten.

Rezension von
Prof. Dr. Regine Morys

Es gibt 7 Rezensionen von Regine Morys.

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Zitiervorschlag
Regine Morys. Rezension vom 28.01.2011 zu: Monika Hofmann: Kinder unter 3. Das Praxisbuch für Kita, Spielgruppe & Co. Kösel-Verlag (München) 2010. ISBN 978-3-466-30893-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10213.php, Datum des Zugriffs 17.07.2024.


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