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Frank Gaschler, Gundi Gaschler: Ich will verstehen, was du wirklich brauchst

Cover Frank Gaschler, Gundi Gaschler: Ich will verstehen, was du wirklich brauchst. Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern ; das Projekt Giraffentraum. Kösel-Verlag (München) 2007. 141 Seiten. ISBN 978-3-466-30756-2. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 29,20 sFr.
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Thema

Thema des Buches ist die gewaltfreie Kommunikation in der Tradition von Mashall B. Rosenberg, der auch ein Vorwort zu diesem Buch beigesteuert hat.

Autorin und Autor

Gundi Gaschler ist zertifizierte Trainerin für gewaltfreie Kommunikation (CNVC), Mutter von Marie und Alina Anges. Sie hat langjährige Erfahrungen als Elternkursleiterin. Seit 2004 leitet sie Elternkurse nach gewaltfreier Kommunikation. Seit 2007 Beaufttragte an der LMO München. Abgeschlossenes psychologisches Studium.

Frank Gaschler ist zertifizierter Trainer für gewaltfreie Kommunikation (CNVC), Berater, Mediator, CoachVater der selben Töchter. Er leitet gemeinsam mit Gundi Gaschler Seminare für Eltern, Schulen, Kitas und alle Institutionen und Unternehmen. Seit 2004 freiberuflich beschäftigt als sozialpedagogischer Begleiter an dem Müncherner Gymnasium. Abgeschlossenes Sozialpedagogisches Studium.

Aufbau

Das Buch hat 3 Teile.

1. Teil "Ich". Frank Gaschler beschreibt in der Einführung und dem folgenden Kapitel (S. 11), wie er seinen Weg zur gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (abgekürzt GfK) gefunden hat. Wie er erlebt, wie Gundi Gaschler, seine Ehefrau, GfK in ihre Ehe, in den Umgang mit den Kindern eingebracht hat, und er vom Saulus zum Paulus wurde. Es tat mir gut mit ihm mitzufiebern, an seinen Weg teilzuhaben und auf die Auflösung zu warten, ob er ihn zur GfK führt.

2. Teil Die Methode. Hier beschäftigt sich das Buch ab S. 26 mit der Methode der gewaltfreien Kommunikation:

  • Wie sieht das Konzept aus? (S. 26 - 31)
  • Wie praktiziere ich das im Bereich als Eltern mit Kindern?
  • Kritische Fragen,
  • die Antworten. (S. 56 - 75)

Ergebnis: Das Konzept ist stimmig, es funktioniert und verändert. Es macht Mut sofort anzufangen.

3. Teil Projekt Giraffentraum (S. 78 - 129). Beleuchtet wird an Hand eines Muster Workshop in GfK, wie er in einem Kindergarten, Elternabend, Elterntreffen, Grundschule ablaufen könnte. Gestaltet sind zunächst 5 Unterrichtseinheiten. Es folgt Angebote zur Vertiefung durch weitere Übungen und Anregungen.

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis ist einsehbar unter Inhaltsverzeichnis.

Ausgewählte Inhalte

Eine der Übungstabellen für Wolfs- und Giraffensprache (S 29):
"herkömmlich":
"Du warst wieder zu faul, den Müll hinauszutragen." (Bewertung)
"Ich fühle mich total ausgenutzt." (Interpretation)
"Nie hälst du dich an unsere Absprachen." (Kritik)
"Bring jetzt bitte den Müll raus, sonst gibt es Fernsehverbot." (Forderung und Strafandrohung)
"neu:
"Der Mülleimer ist randvoll." (Wahrnehmung)
"Ich bin genervt, ....." (Gefühl)
".... weil mit wichtig ist, dass Abmachungen eingehalten werden." (Bedürfnis)
"Kannst du mir sagen, was dich davon abgehalten hat, den Mülleimer rauszutragen?" (Bitte)
Es wäre auch die Bitte möglich: "Würdest du den Müll bitte jetzt rausbringen?" Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bitte erfüllt wird, steigt jedoch, wenn der Gefragte vorher die Chance hat zu sagen, was ihn abgehalten hat, die Abmachung einzuhalten.

Braucht GFK wirklich länger? (S. 51)
"Das dauert mir viel zu lange? Jedes mal mit meinen Kindern über Selbstverständlichkeiten zu diskutieren. So viel Zeit habe ich nicht", hören wir von Eltern die zum ersten Mal mit gewaltfreier Kommunikation in Berührung gekommen sind. Genau so sehen wir das auch, solange das, was wir wollen tatsächlich selbstverständlich ist. Z.B. benutzen wir diese Formel nicht in einem solchen Fall: "Wenn ich sehe, dass der Salzstreuer bei dir steht und ich ihn nicht erreichen kann, bin ich hilflos und brauche Unterstützung. "Kannst du mir bitte den Salzstreuer geben. Bist du damit einverstanden?" Stattdessen sagen wir: Gibt mir bitte das Salz.
Viele Situationen sind weniger selbstverständlich - auch wenn wir das gerne hätten - und verbrauchen im Alltag vieler Familien immense Zeit. Dazu gehören all die Dinge, über die immer wieder gestritten wird, wie Anziehsachen, Fernsehzeiten, Süßigkeiten, Aufräumen usw. Die Diskussion wiederholt sich - täglich. "Jedes Mal endet es in einem Streit. Jedes Mal braucht es Ewigkeiten, bis wir beide uns wieder beruhigt haben. Mittlerweile weiß ich ja schon im Vorfeld, was mich erwartet. Ich bin dann schon auf hundertachzig, bevor die Diskussion eigentlich losgeht."
Unsere Erfahrung nach lohnt es sich, sich die Zeit zu nehme, Dinge zu besprechen, die uns wichtig sind. Das Ziel kann sein, zur Stärkung der Beziehung, zur Leichtigkeit im Umgang miteinander, zum Spaß, zur gegenseitigen Unterstützung, zum gemeinsamen Lernen und Wachsen und zur gegenseitigen Wertschätzung beizutragen. Dabei wollen wir Wege finden, die dann möglichst auch bestritten werden, ohne dass wir zukünftig so viel Energie und Zeit auf Kontrolle, Zwang und Diskussion verwenden müssen."

Tipps zur Beobachtung (S. 65)
Fragen Sie die Kinder, die einen Konflikt haben, zur Klärung des Sachverhaltes anstatt "Was ist passier?", oder "Wer hat was gemacht?" lieber: "Was hast du gesehen?" oder "Was hast du gehört?". Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass beide Parteien tatsächlich ihre Wahrnehmung schildern, statt eine Schuldzuweisung auszusprechen. Mißverständnisse können eventuell bereits an dieser Stelle aufgeklärt werde .....

Tipps zu Gefühlen (S. 66)
Die Idee, wir seien verantwortlich für die Gefühle anderer, scheint in unserer Kultur tief verwurzelt zu sein. Das Muster "Ich bin traurig, weil du etwas gemacht hast!" verführt sehr zu dieser Annahme. Selbst kleine Kinder kennen dies bereits und sind damit vertraut mit den Gedanken von Schuld. Wenn wir selbst die Verantwortung für unsere Gefühle behalten und dem anderen keine Schuld zuweisen wollen, ist es hilfreich, möglichst schnell an das "weil" ein Bedürfnis zu hängen. Anstatt also zu sagen: "Du hast dich nicht an dein Versprechen gehalten. Jetzt ist Papa enttäuscht" (Pause, großer Seufzer, Stirnrunzeln, Blick zu Boden, theatralischer Abgang), habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich sage: "Du hast dich nicht an dein Versprechen gehalten. Ich bin enttäuscht, weil ich´s gerne einfach gehabt hätte." Dann noch schnell die Bitte: "Kannst du mir sagen, was los war, sodass du es nicht machen konntest?"

Tipps zu Bedürfnissen (S, 66)
Kleine Kinder sind ihren Bedürfnissen glücklicherweise sehr nahe, da sie noch nicht gelernt haben, sie aufgrund von Höflichkeit, Anstand oder Scham zu verstecken oder zu negieren. Dementsprechend können sie mit der Frage "Was brauchst du?" recht gut umgehen. Sie würden beispielsweise von sich aus eher selten auf die Idee kommen, sich vor der Antwort zu überlegen, was der andere dann wohl denkt oder fühlt, um anschließend diplomatisch zu antworten. Die einzige Schwierigkeit liegt in der begrenzten Fähigkeit der Kinder, sich verbal so verständlich zu machen, dass wir Erwachsene sie verstehen. Aus diesem Grund helfen wir ihnen und uns, indem wir ihnen etwas in ihrer Sprache übersetzen. Damit tragen wir zu ihrem Lernen bei und helfen ihnen, sich leichter in der Erwachsenenwelt zu bewegen. Schlussendlich erhöhen wir damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie von uns Erwachsenen verstanden werden.
Neben wir an, dass Kind will sich die Jacke nicht anziehen, obwohl die Erzieherin es darum gebeten hat.
ERZ: "Was brauchst du, wenn du sagst, dass du die Jacke nicht anziehen willst?"
KIND: "Ich will nicht immer tun müssen, was andere sagen!"
ERZ: "Möchtest du gefragt werden und selber entscheiden?"
KIND: "Ja!"
ERZ: "Ok. Ich verstehe, dass dir >gefragt werden< wichtig ist und ich nenne es Respekt und >selber entscheiden< nenne ich Selbstbestimmung."

Tipps zu Bitten
Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das, was wir gerade brauchen, auch zu bekommen, halten wir es für hilfreich, besonders auf 2 Dinge zu achten und die Kinder gegebenenfalls zu unterstützen.
Sagt das Kind, was es will oder was es nicht will?
KIND:" Ich will, dass der meine Sandburg nicht mehr kaputt macht."
ERZ: "Ok, du willst, dass er sie nicht kaputt macht. Was möchtest du, dass er stattdessen tut?"
KIND:" Dass er mich in Ruhe lässt!"
Ist die Bitte so konkret, dass der andere weiß, was er jetzt tun kann?
KIND: "Ich will, dass er mich in Ruhe lässt!"
ERZ: "Was genau möchtest du, dass er tut, damit du deine Ruhe hast?"
KIND: "Kannst du deine eigenen Burg da drüben bauen?"

Diskussion

Das Buch ist aktuell in der 4. Auflage erschienen. Als ich das Buch gelesen habe, kam ich mit meinem eigenen Lernen ab dem Jahr 2003 von GfK noch einmal in Kontakt. Ich konnte viele theoretische Teilaspekte im Buch, im Kapitel „Methoden“, erneut wahrnehmen als Geschenk wie ein kleines Kind, die ich noch nie so gesehen hatte. Auch Altbekanntes kam als freudiges Wiedererinnern des Weges. Ich fühlte Freude und Begeisterung als ich merkte, wie die von Marshall für alle Lebensbereiche entwickelte Methode in den Kontext des Elternseins gestellt wird. Anhand von vielen praktischen Beispielen und Sprachmustern beobachte ich, wie gezeigt wird, wie ich diese Methode als Mutter oder Vater umsetzen kann, wie ich mit meinen eigenen Bedürfnissen umgehe, und zu ihnen stehen kann. Wie ich, ohne selbst meine Bedürfnisse aufzugeben, es erreichen kann, Situationen anders zu gestalten. Verbindung und Verständnis für die Unterschiedlichkeit der Bedürfniserfüllung zu erreichen und dadurch andere Lösungen zu finden. Lebendige Sprache für lebendige Wesen.

Als Vater von 2 Kindern mit einer Ehefrau konnte ich viele meiner eigenen Alltagssituation im Buch wiedererkennen und daraus beobachten, was bei uns in der Familie bereits an Themen umgesetzt ist, und ob ich es beibehalten will, oder auch Anregungen finde, wo ich mein Verhalten ändern könnte, um daraus zu lernen. Ich fand dabei Unterstützung, in den vielen liebevoll ausgewählten Beispielsätzen, Tabellen, Grafiken, die Muster und Anhaltspunkte für Formulierungen bieten, die GfK im Alltag umzusetzen. Die Beispieltabellen auf Seite 40 mit der Aufgliederung eines normalen Gespräches im Beobachtungsteil. Aha, so geht das. Die Formulierungsbeispiele, welche Worte ich benutzen kann, damit mein Kind mich besser versteht, Seite 61 - 62 ließen mich sofort an Verständnis gewinnen, wie ich über Bedürfnisse anders sprechen kann. Die Darstellung ist - nach meiner Bewertung - so ausführlich, dass jemand, der noch nie etwas von GfK gehört hat, auf praktische und leichte Art und Weise, sowohl das Konzept, als auch die praktische Umsetzung in der Situation als Vater/Mutter/Kind sofort beginnen kann. Wer sich mit der GfK beschäftigt, merkt schnell, dass die Methode einfach und klar zu verstehen ist, und dass die Umsetzung üben, lernen und erfahren benötigt.

Hier merke ich, dass die gestalteten 5 Übungseinheiten und Vertiefungen den ersten Teil abrunden. Wer die Methode üben möchte, kann die verschiedenen Aspekte leicht mit den Übungsvorschlägen für sich üben, oder in die Familie etwas einbringen. Wer die Methode weitergeben möchte, erhält Anregungen, Struktur und Konzept. Als Leiter einer Übungsgruppe in Hannover, sprachen mich auch die Vertiefungsübungen an. Hier finden sich Übungen, die auf spielerischer Wiese das Lernen, sich entwickeln ermöglichen. Viele Übungen machten Lust, die Umsetzung am eigenen Umfeld sofort zu erleben.

Fazit

Ein Buch, das für den Einsteiger, Fortgeschrittenen, Trainer Lernen und Entwicklung ermöglicht.

Durch die im Buch beschrieben Möglichkeiten merkte ich, die Bewertung von mir, dass es auch weiter zutreffend ist, im Vertrauen zu sein, dass GfK bei mir, und auch in der Familie mit Kindern, dem Partner/Ehegatten funktioniert und die Welt verändert. Dann wird es vielleicht mehr Menschen möglich sein, den Marshall B. Rosenberg beschrieben Raum zu betreten, für den gilt „jenseits von richtig und falsch, da werden wir uns treffen“.


Rezensent
RA Claus-Rudolf Löffler
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familien-, Steuer- und Erbrecht, Mediator, Leiter einer Übungsgruppe in Hannover
Homepage www.scheidung-direkt.de
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Zitiervorschlag
Claus-Rudolf Löffler. Rezension vom 28.12.2010 zu: Frank Gaschler, Gundi Gaschler: Ich will verstehen, was du wirklich brauchst. Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern ; das Projekt Giraffentraum. Kösel-Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-466-30756-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10218.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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