socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Thomas Hagen, Traugott Roser u.a.: Qualifizierungskurs Palliative Care für Seelsorgende

Cover Thomas Hagen, Traugott Roser, Hermann Reigber, Bernadette Fittkau-Tönnesmann: Qualifizierungskurs Palliative Care für Seelsorgende. Curriculum und Einführung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. 74 Seiten. ISBN 978-3-17-021705-8. 9,80 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Qualifizierungskurs Palliative Care für Seelsorgende. Curriculum und Einführung: Unter diesem Thema geben die Autoren einen Einblick in einen Kurs, der in diesem Band in seiner inhaltlichen Dimension abgebildet wird und in einigen wichtigen Hintergründen erläutert wird.

Autoren und Autorin

  • Thomas Hagen, Dr. theol., Pastoralreferent, Fachbereich Krankenhausseelsorge, Fachreferent für Palliative Care und Hospizarbeit in der Erzdiözese München und Freising, seit 2012 Leiter der Hauptabteilung Lebenumstände im Ressort Seelsorge und Kirchliches Leben
  • Traugott Roser, Prof. Dr. theol., Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Professur für Spiritual Care am Lehrstuhl Palliativmedizin der Universität München
  • Bernadette Fittkau-Tönnesmann, M.P.H., Fachärztin für Anästesie, Leiterin der Christophorus-Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit am Klinikum der Universität München
  • Hermann Reigber, Diplom-Theologe, Diplom-Pflegewirt, Palliativfachkraft, Stellv. Leiter der Christophorus Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit am Klinikum der Universität München

Entstehungshintergrund

Im Rahmen der Qualifizierung verschiedener Professionen im Feld der Palliative Care und Hospizarbeit (wie Medizin, Pflege, Soziale Arbeit, Physiotherapie) wurden in in den vergangenen Jahren Curricula für Qualifizierungskurse entwickelt, die einen inzwischen allgemein anerkannten Standard darstellen. Die Autoren haben in einem über mehrere Jahre dauernden Prozess in diesem Kontext für das Arbeitsfeld Seelsorge ein eigenes Curriculum erstellt, über etwa ein Jahrzehnt hindurch danach Kurse durchgeführt, und das Konzept jeweils fortgeschrieben. Ihr Anliegen war es, das Spektrum der bestehenden Basisqualifizierungen um ein spezifisches Angebot für Seelsorgende zu erweitern. In diesem Band stellen sie ihr Konzept mit Hintergrundüberlegungen, den inhaltlichen und methodischen Schwerpunkten vor.

Die Geleitworte von  Robert Zollitsch  (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz),  Nikolaus Schneider  (Amtierender Vorsitzender des Rats der EKD),  Hans Christof Müller-Busch  (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin),  Birgit Weihrauch  (Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e.V.),  Johannes Stegmaier  (Vorstandsvorsitzender der Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung) verweisen auf das Interesse der jeweiligen Institutionen an den Kursen und ihrer Thematik, wie auch auf die Unterstützung ihrer Institutionen für die Kurse und die vorliegenden Publikation.

Aufbau

1. Einleitung

  1. Palliative Care
  2. Spirituelle Begleitung – unverzichtbarer Baustein von Palliative Care

2. Überlegungen zum Arbeitsfeld

  1. Spiritualtät
  2. Das Zusammenwirken der beteiligten Berufsgruppen

3. Rahmenbedingungen des Qualifizierungkurses

  1. Zielgruppe und Zugangsvoraussetzungen
  2. Anforderungsprofil der Kursleitung und des Dozententeams

4. Kursdesign und übergeordnete Kursziele

  1. Thematische Schwerpunkte der Kurswochen
  2. Wochenübergreifende inhaltliche Impulse und methodische Elemente

5. Die drei Kurswochen im Überblick

  1. Woche I: Palliative Care
  2. Woche II: Theologische und rituelle Kompetenz
  3. Woche III: Pastorale Kompetenz und multiprofessionelles Arbeiten

6. Anhang

  1. Wissenschafticher Evaluationsbogen
  2. Zusammenfassung
  3. Schlussfolgerungen

Zu 1. Einleitung.

1.1 Palliative Care

Auf der Grundlage der Definiton der  WHO  von 2002 wird Palliative Care als umfassender Ansatz verstanden, der sich der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien annimmt, die mit den Problemen lebensbedrohlicher Krankheit belastet sind. Dies geschieht insbesondere durch die Behandlug von Schmerzen und anderen Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art durch sorgsame Begleitung, Pflege und alle Weisen von Behandlung. Ins Zentrum der Sorge tritt dabei die „Unit of Care“, das heißt der kranke Mensch und sein soziales Bezugssystem (wie etwa Familie und Freunde).

Eine wichtige Rolle im Verständnis besteht im von  Saunders  geprägten Begriff des „Total Pain“. In einem Menschen können körperliche, spirituelle, soziale und psychische Dimension unterschieden, aber nicht voneinander getrennt werden. Ein Behandlungskonzept einer zum Tode führenden Erkrankung hat dies im Blick zu behalten. Dabei ist nicht nur die Endphase des Lebens zu berücksichtigen, bereits ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung sind mit unterschiedlicher Gewichtung alle genannten Dimensionen zu berücksichten.

1.2 Spirituelle Begleitung – unverzichtbarer Baustein von Palliative Care

In einem ganzheitliche Menschbild lässt sich Leid nicht auf eine Störung einzelner Funktionen reduziern, es hat auch immer eine spirituelle und existenzielle Komponente. Spirituelle Begleitung lenkt ihren Blick auf diese existentiellen Themen. Sie geschient in veschiedenen Ebenen: Im Erkennen der Spirituellen Situation des Kranken, im Beraten und der Hilfe bei Entscheidungeen, im Klären von Sinnzusammenhängen und in der Begleitung, auch in der Form von Ritualen. Einerseits ist jeder Mensch fähig ist einen anderen sprirituell zu begleiten; Spiritualität ist deshalb auch als Thema fester Bestandteil der Curricula in Palliative Care für medizinische, pfegerische und psychosoziale Berufe. Andererseits besteht die Notwendigkeit einer seelsorgenden Person für jedes Behandlungsteam mit vertieften Kompetenz, die die spirituellen Nöte, Bedürfnisse und Ressourcen eines Patienten, seiner Angehörigen und des ganzen Teams wahrnimmt und entsprechend begleitet. Zugleich arbeiten die Seelsorgenden mit anderen Mitarbeitenden der Palliativversorgung in festen Teamstrukturen zusammen. Die christlichen Kirchen gewährleisten dieses Handeln durch eine entsprechende Qualifizierung und Beauftragung von Seelsorgenden.

Zu 2. Überlegungen zum Arbeitsfeld

Spiritualtät wird als durch zwei Traditionslinien geprägter Begriff vorgestellt.

  • Das französische „spiritualité“ stammt aus der dortigen Ordenstheologie und bezeichnet eine „persönliche Beziehung des Menschen zu Gott“ (Behnke,  2004 und  Roser, 2007), die sich in geprägten Praxisformen und Übungen ein enger Anlehnung an die Tradition kirchlicher Lehre und kirchlicher Gemeinschaftspraxis zeigt. Sie ist also etwas, das gelehrt, gelernt und geübt werden kann, durch die Zugehörigkeit zu der diese Praxis tragende Kultur kann auch Sicherheit erlebt werden.
  • „Spirituality“ aus dem angelsächsischen Raum steht für eine „Religiosität, die auf direkter unmittelbarer und persönlicher Erfahrung von Transzendenz beruht“ (Behnke,  2004). Dabei steht eine subjektive und individuelle Verinnerlichung von Religion im Vordergrund, in selbst gewählter Bestimmung eines Verhältnisses zu einer Religionsgemeinschaft, meist erlebt als Unabhängigkeit und auch in Distanz zu einer Institution.

Auch wenn beide Traditionen eine Achtung vor individueller religiöser Erfahrung zeigen, unterscheiden sie sich in ihrem Bezug auf bestehende Traditionen und ihre Ausdrucksformen. Beide Traditionen und ihre gemeinsame Basis zu kennen wird als wichtig angesehen, um der individuellen Lebensqualität und der subjektiven Befindlichleit des Patienetne gerecht werden zu können. Spiritualtät wird erlebt als Sinnsuche, als Sinnerfahrung und ein In-Beziehung-Sein (Puchalski  et al, 2009).

In-Beziehung-Sein mit individuellen Kraftquellen, gemeinsames Arbeiten an der eigenen Haltung in Umgang mit Patienten und ihren Angehörigen wird als wesentlich beschieben. Das Aushalten von Leid, Sterben und Trauer zeigt sich als Aufgabe des Einzelnen, wie auch des Teams. Seelsorge in der Ausrichtung auf das Gespräch, wie in seiner liturgisch-rituellen Kompetenz wird als zentraler Beitrag dazu vorgestellt.

Die beiden großen Kirchen setzen theologische und pastoralpsychologische Kompetenz für eine Tätigkeit als Seelsorger voraus. Dies ist auch an deren differenzierter Aus, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Bereichen und Dimensionen erkennbar. Der in diesem Buch vorgestellte Qualifizierungskurs dient neben der Kompetenzentfaltung in den Bereichen spiritueller, pastoralpsycholigischer, ritueller und organisationaler Handlungsfähigkeit der Reflexion der eigenen Einstellung zum Leben und Sterben.

Rituelle Kompetenz zeigt sich im Rahmen der Begleitung Sterbender besonders im Entdecken von Ressourcen in eigenen Biographie, darin, sie in existentieller Bedrohung zugänglich zu machen. Es wird möglich, durch kultursensiblen Einsatz von Zeichen der Sprachlosigkeit Ausdurck zu geben und Patienten und Angehörige zu unterstützen, sich mit ihren Ressourcen zu verbinden.

Zu 3. Rahmenbedingungen des Qualifizierungkurses

Der beschriebene Kurs richtet sich an Seelsorgende die im Arbeitsfeld Palliative Care stationär oser ambulant arbeiten oder arbeiten werden. Vorausgesetzt werden:

  • Pastoralpsychologische Kompetenz, erworben in Klinischer Seelsorge-Ausbildun (KSA) oder ähnlichem
  • Spiritueller Kompetenz, nachgewiesen durch eine pastorale Tätigeit mit kirchlicher Beauftragung
  • Hermeneutische Kompetenz, erworben in einem Studium (z. B. Theologie oder vergleichbarem sozial- oder humanwissenschaftlichen Studiengang)
  • Praktische Kompetenz, nachgewiesen durch eine Tätigkeit im Praxisfeld Palliative Care

Zu 4. Kursdesign und übergeordnete Kursziele

Der Kurs wird als Ergänzung der Weiterbildung nach dem Konzept der Klinischen Seelsorgeausbildung (KSA) gesehen. Dort geschieht eine Auseinandersetzung mit der einegene Glaubens- und Lebensgeschichte, wie der beruflichen Rolle. Im Rahmen des Palliative Care Kurseswird dies ergänzt und spezifisch theoretisch fundiert, die pastoraltheologischen Kenntnisse erweitert, auch durch medizinische, pflegerische und psychosoziale Themen.

4.1 Thematische Schwerpunkte der Kurswochen

Die drei Kurswochen fokussieren sich auf die Schwerpunktthemen

  1. Palliative Care aus der Sicht der unterschiedlichen Berufsgruppen und im multiprofessionellen Austausch
  2. Vertiefung eigenen professionellen Handelns in Form einer theologischen und rituellen Kompetenz, sowie die integrative Funktion spirituelle Begleitung
  3. Verdichtung des spirituellen Handelns im konkreten Tun als Seelsorger oder Seelsorgerin, pastorale Kompetenz und multiprofessionelles Arbeiten

4.2. Wochenübergreifende inhaltliche Impulse und methodische Elemente

Die Teilnehmenden bringen in strukturierte Form Fallberichte zu einzelnen Themen ein, die in Gruppen besprochen und reflektiert werden. Ziel dabei ist eine Förderung von narrativer Kompetenz und Reflexion.

Zu 5. Die drei Kurswochen im Überblick

In diesem Kapitel werden Pläne mit Inhalten, Lernzielen, und Leseempfehlungen zu den einzelnen Themen aufgeführt. Um einen Überblick über das Spektrum der Themen zu ermöglichen werden im Folgenden die Inhalte aufgelistet:

Woche I: Palliative Care

Kurseinheit I/1: Definition Palliative Care der WHO

  • Palliative Care und Hospizarbeit
  • Palliative Care als ganzheitlicher Betreuungsansatz
  • Historischer Abriss der Entwicklung
  • Begriffsdefinitionen: Pallaitivmedizin und -therapie, Supportivtherapie, kurative Therapie

Kurseinheit I/2: Hospiz und Palliativ Care

  • Organisationsformen
  • gesetzliche Grundlagen
  • Dachverbände und Fachgesellschaften

Kurseinheit I/3: Palliativmedizin

  • Exemplarische Krankheitsbilder
  • Unheilbarkeit
  • Symptome und Symptomlinderung
  • Rehabilitativer Ansatz in der Palliativmedizin
  • Flüssigkeitsgabe und Ernährung
  • Sedierung

Kurseinheit I/4: Patienten und Angehörige

  • Merkmale von Familiensystemen
  • Kommunikationsstrukturen in Familiensystemen

Kurseinheit I/5: Psychologische Herausforderungen im Palliativkontext

  • Definitionen und Konzepte von Lebensqualität und Lebenssinn
  • Werteverschiebeung bei Palliativpatienten
  • Psychologische Interventionen für Patient, Familie und Team

Kurseinheit I/6: Schnittstelle Psychologie/Seelsorge

  • Christliche Seelsorge und biblisches Menschenbild
  • Der Mensch in seiner Integrität
  • Das Verständnis von Seele (Psyche) in Psychologie und Seelsorge
  • Seelsorge und Psychologie im Rahmen palliativer Versorgungsstrukturen

Kurseinheit I/7: Sozialarbeit

  • Die Rolle Sozialer Arbeit
  • Definitionen „soziale Arbeit“ und „psychosoziale Arbeit“
  • Zielgruppen Sozialer Arbeit (Patient, Familie, Team)

Kurseinheit I/8: Pflege

  • Aufgaben der Pflege (Organisation des Tagesablaufs, Gestaltung der Umgebung des Patienten, Ernährung, Präsenz, Körperpflege, Kontakt mit Patientenund Angehörigen, Kommunikation, Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer)
  • Pflegemaßnahmen (z.B. Mundpflege, Wickel, Einreibungen,Lagerung, Ernährungs- und Flüssigkeitsgabe)
  • Einbeziehung Angehöriger in die Pflege
  • Versorgung von Verstorbenen

Kurseinheit I/9: Die persönliche Haltung zu palliative Care

  • Vielfalt und Individualität von Ressourchen

Woche II: Theologische und rituelle Kompetenz

Kurseinheit II/1: Begriff Spiritualität

  • Definitionen von Spiritualität (romanische Linie, angelsächsische Linie)
  • „Spiritualität“ als Feld-Begriff: Sinn, Beziehung, Transzendenz, persönliche Haltung, Werte, spirituelle Praxis im Umfeld von Sterben und Tod
  • Spirituelles Wohlbefinden, spirituelle Not und Spirituelle Ressourcen
  • Spiritualität und Medizin (Ganzheitliche Medizin, Patient als Person, Narrative Medizin)

Kurseinheit II/2: Die Rolle des Seelsorgers

  • Theologische Deutungsmuster von Krankheit, Leid und Tod
  • Spirituelle und religiöse Bewältigungspraktiken
  • Grundwissen über Todes- und Jenseitsvorstellungen anderer Kulturen und Traditionen

Kurseinheit II/3: Spiritualität, Spiritual Care und Seelsorge

  • Annäherungen an das Begriffsfeld Spiritualität, Spirital Care und Seelsorge
  • Spiritualität in Organisationen (persönliche Haltung, Konkretisierung in Strukturen, Umsetzung in Konzepte)
  • Spiritualität in medizinischer und pflegewissenschaftlicher Literatur

Kurseinheit II/4: Sterben und Tod aus medizinischer Sicht

  • Pathophysiologie des Sterbens
  • Symptome der Sterbephase
  • Notfallsituationen in der Sterbephase
  • Verständnis von Tod

Kurseinheit II/5: Sterben, Tod, Sterbebegleitung in Judentum, Islam und Buddhismus

Judentum:

  • Umgang mit Sterbenden in Heim und Krankenhaus
  • Versorgung Verstorbener nach der Halacha
  • Trauerzeiten
  • Grundsätze jüdischer Medizinethik

Islam:

  • Umgang mit Sterbenden
  • Versorgung Verstorbener (Aufgaben von Ärzten, Pflege, Familie etc.)
  • Verständnis von Leiden, Krankheit und Tod
  • Grundsätze muslimischer Medizinethik (muslimisch-medizinischer Kodex)

Buddhismus

  • Umgang mit Sterbenden
  • Versorgung Verstorbener
  • Trauerriten
  • Differenzierung zwischen Buddhismus bei Migranten und buddhistisch orientierten Westeuropäern

Kurseinheit II/6: Sterben Tod und Sterbebegleitung aus der Sicht christlicher Dogmatik und Liturgie

  • Heil und Heilung
  • Christliche Deutung von Krankheit, Sterben und Tod sowie Jenseitsvorstellungen
  • Konfessionskundliche Perspektive: Sakramente, Sakramentalien
  • Gottesdienstliche Feiern für Kranke, Sterbende und Angehörige
  • Segensfeiern

Kurseinheit II/7: Rituale in der Sterbebegleitung

  • Ritualtheorien
  • Rituelles Handeln
  • Grundformen christlicher Rituale im Umfeld von Krankheit, Sterben und Trauer

Kurseinheit II/8: Besprechung der Berichte zum Thema Rituale (Im Folgenden Leitfragen zur Reflexion der Berichte der Teilnehmenden zum Thema)

  • Welche Lebensbereiche sind für den Patienten besonders wichtig?
  • Wie verändern sich Lebensbereiche durch Konfrontation mit schwerer und/oder lebensverkürzenden Erkrankungen?
  • Welche Ressourcen sind wahrnehmbar?
  • Wie kann die Lebensgeschichte rituellen Ausdruck finden?
  • Wie zeigt sich die Individualität der Betroffenen im Ritual?

Woche III: Pastorale Kompetenz und multiprofessionelles Arbeiten

Kurseinheit III/1: Multiprofessionelles Arbeiten

  • Fokussierung des Begriffs anhand der WHO-Definition von 2002
  • Möglichkeiten und Grenzen multiprofessioneller Zusammenarbeit
  • Organisationale Aspekte von Seelsorge in Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • Unabhängigkeit und Integration von Seelsorge in Einrichtungen des Gesundheitswesens

Kurseinheit III/2:Ethische Fragestellungen bei Krankheit und Tod

  • Prinzipien der Medizinethik
  • Der Wille des Patienten und sein Ausdruck
  • Therapieziele und ihre Modifikation
  • Konfliktfelder (Umgang mit Ernährung und Flüssigkeit, Palliative Sedierung, Tod auf Verlangen, Assistierter Suizid)

Kurseinheit III/3: Umgang mit Trauer

  • Trauer als Entwicklungsprozess
  • Trauer und ihre Aufgaben
  • Trauer und Zeit
  • Resilienz
  • Trauerrituale

Kurseinheit III/4: Dokumentierte Kommunikation

  • Ziele der Dokumentation (Selbstkontrolle, Tätigkeitsnachweis, Forschung, Qualitätssicherung)
  • Inhalte von Dokumentationen (qualitative und quantitative Daten)
  • Formen der Dokumentation
  • Spezifische Dokumentation spiritueller Begleitung

Kurseinheit III/5: Spiritualität lehren

  • Spiritualität als Bestandteile der Aus- und Weiterbildung in Medizin, Pflege und anderen therapeutischen Berufen
  • Spiritualität als Bestandteil der Schulung ehrenamtlich Tätiger in Hospiz und Palliativversorgung
  • Organisation von Aus-, Fort- und Weiterbildung in Palliative Care

Kurseinheit III/6: Gesundheitspolitische Herausforderungen

  • Stellungnahme der Kirchen zu Krankenhausseelsorge und Sterbebegleitung
  • Krankenhausseelsorge als ein Bereich im Gesundheitswesen
  • Krankenhausseelsorge als ein Bereich spezialisierter Seelsorge

Kurseinheit III/7: pastoral-theologische Perspektiven auf den Umgang mit Herausforderungen

  • Haltung und Verhalten in Grenzsituationen als Thema der Seelsorge
  • Seelsorge in Konfliktsituationen
  • Radikale Patientenorientierung
  • Verabschieden

Kurseinheit III/8: Besprechung der Berichte zum Thema Seelsorge in Konfiktsituationen
(Im Folgenden Leitfragen zur Reflexion der Berichte der Teilnehmenden zum Thema)

  • Was nehme ich wahr?
  • Welche Frage beschäftigt das Umfeld, das Team?
  • Was beschäftigt mich als Seelsorger?
  • Welche Ideen Bilder und Werte sind leitend?
  • Wie wird mit der Situation umgegangen?
  • Wie habe ich mich in meiner Rolle erlebt?

Kurseinheit III/9 ausführliche Reflexion, Evaluation und Abschluss

  • Möglichkeit zu Feedback und individuellem Ausblick auf eigene, berufliche, fachliche und feldspezifische Perspektiven
  • Möglichkeit exemplarisch den Abschied von Kursteilnehmenden und Kursleitung zu gestalten

Zu 6. Anhang

Ein wissenschaftlicher Evaluationsbogen für Teilnehnehmende am Kurs ist angefügt, ebenso eine Zusammenfassung der Evaluation eines der durchgeführten Kurse (durchgeführt als Pre-, Post- und Postpost-Test), die anhaltende Effekte in den abgefragten Bereichen aufweist: Multiprofessionelle Arbeit, Fachlichkeit und Handlungssicherheit wurden gefördert, sowie zur Reflexion motiviert. Eine Integration der Arbeit der Seelsorgenden in das Gesamtkonzept stationärer und ambulanter palliativer Versorgung wird so gefördert.

Diskussion

Im Buch wird gezeigt, wie vielschichtig sich das Arbeitsfeld Palliative Care für Seelsorgende darstellt. In einen Basiskurs gehören neben den Sachthemen zum Lernen in einem solch sensiblen Feld neben den Sachthemen auch individuelle und gruppenbezogene Lernprozesse. Ein Buch, das den Rahmen eines solchen profunden Kurses auf der Fach- und Inhaltsebene didaktisch beschreibt, kann diese individuellen Prozesse verständlicherweise nicht abbilden. Eine Fülle von wichtigen Themen aus dem gesamten Spektrum der Themenbereiche Seelsorge, Spiritualität und Palliative Care, ihrer Schnittstellen und Praxisfelder wird bearbeitet. Vor dem Hintergrund des sehr umfassenden Themenplanes des Kurses kann allerdings die Frage auftauchen, ob alle benannten Themen in den 15 Tagen der Kurse ausreichend zum Zuge kommen können, oder ob der Zeitrahmen, der sich im Maßstab bewegt, der bei Basiskursen in Palliative Care durch die Standards vorgegeben ist, zu einer Begrenzung und Fokussierung führen muss. Seelsorge und Spirituelle Begleitung mit ihrer speziellen Möglichkeiten werden durch Kurse dieser Art als spezifischer integraler Teil von Palliative Care aufgezeigt.

Fazit

Die Leser erhalten in knapper, übersichtlicher und brauchbarer Form eine ausführliche Informationen über Hintergründe, Inhalte und Arbeitsweise einer der Formen der Fortbildung in Palliative Care nach den Standards der relevanten Fachverbände in Palliative Care und Hospizarbeit. Hier ist es eine spezielle Form der Fortbildung in Palliative Care für Seelsorgende (so wie es auch solche für andere Professionen, wie z.B. Pflege, Medizin und Psychologie gibt). Es handelt sich um bereits in mehreren Durchgängen von  Roser  und  Hagen  durchgeführte Kurse, in die man so einen anschaulichen Einblick gewinnen kann, inzwischen werden diese Kurse nach diesem Konzept durch andere weitergeführt.



Rezensent
Dipl. Theol. Christian Fleck
M.Sc. in Supervision, Pastoralreferent, Krankenhaus- und Altenheimseelsorger, Supervisor DGfP, dipl. TZI-Gruppenleiter (ruth-cohn-institut international), Psychotherapie HPG, außerdem tätig in Supervision u. Fortbildung (u. a. in den Bereichen Hospizarbeit, Palliative Care und Trauerbegleitung)


Alle 8 Rezensionen von Christian Fleck anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christian Fleck. Rezension vom 29.06.2016 zu: Thomas Hagen, Traugott Roser, Hermann Reigber, Bernadette Fittkau-Tönnesmann: Qualifizierungskurs Palliative Care für Seelsorgende. Curriculum und Einführung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-17-021705-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10257.php, Datum des Zugriffs 17.01.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung