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Hildegard Macha, Monika Witzke u.a.: Familie - Kindheit - Jugend - Gender

Cover Hildegard Macha, Monika Witzke, Uwe Uhlendorff, Norbert Meder (Bearb.): Handbuch der Erziehungswissenschaft Band 3 Familie - Kindheit - Jugend - Gender. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2009. 1207 Seiten. ISBN 978-3-506-76550-5. 118,00 EUR, CH: 182,00 sFr.

Weitere Bearbeiter: Christina Allemann-Choinda, Gerhard Mertens.
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Hintergrund

Das vorliegende Buch ist der dritte des im Auftrag der „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft“ von Gerhard Mertens u.a. herausgegebenen „Handbuchs der Erziehungswissenschaft“. Zusammen mit dem zweiten Band (vgl. die Rezension) steckt es das Feld differentieller Pädagogik ab, während der erste Band (vgl. die Rezension) Fragen allgemeiner Pädagogik aufgreift.

Der hier zu besprechende Band besteht aus zwei Teilbänden, die von unterschiedlichen Teams von Erziehungswissenschaftlern bearbeitet worden sind. Der erste Teilband hat Familie, Kindheit, Jugend und Gender, der zweite, unter dem Rahmentitel „Umwelten“, die Sozialpädagogik, Medienpädagogik, Interkulturelle und Vergleichende Erziehungswissenschaft und Umweltpädagogik zum Thema.

Erster Teilband: Familie – Kindheit - Jugend - Gender

Bearbeiter

Der erste Teilband ist von Hildegard Macha, Professorin für Pädagogik an der Universität Augsburg, und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Monika Witzke bearbeitet worden.

Aufbau

Der Teilband wird von Macha und Witzke mit einem Vorwort eröffnet. Jeder der fünf Teile mit insgesamt 22 Kapiteln wird mit einer Einführung der beiden Bearbeiterinnen eingeleitet. Im Mittelpunkt des Bandes steht die Familie, und zwar aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive (I/1, II) und unter besonderer Berücksichtigung der Generationen (I/2, II/4) und Geschlechter (I/2, II/6). Die beiden ersten Teilen sind eher allgemein gehalten, während die folgenden drei Bedingungen (III), Zielen/Regeln (IV) und Problemen (V) der Familienerziehung gewidmet sind.

Inhalt

Teil I: Forschungsstand

  1. Konturen einer erziehungswissenschaftlichen Theorie der Familie (Hildegard Macha)
  2. Familienforschung und Familienpolitik: Themen, Felder und familiale Lebenslagen (Hans Bertram)
    • Kindheitsforschung (Andreas Lange/Christian Alt)
    • Jugendforschung (Klaus Hurrelmann)
    • Geschlechterforschung (Barbara Rendtorff)
Teil II: Bausteine einer erziehungswissenschaftlichen Theorie von Familie
  1. Die historische Dimension der Familie: Geschichte der Familie als Erziehungsinstitution (Eva Matthes)

  2. Familie heute – Pluralität der Lebensformen (Werner Schneider)

  3. Familie als Bildungsinstanz (Peter Büchner)

  4. Ein Blick auf Generationen: Lern- und Bildungsprozesse in Familien (Heidrun Herzberg)

  5. Familie als Interaktions- und Beziehungsgeflecht. Zum Wandel der Familie als Erziehungsinstanz (Matthias Grundmann/Dieter Hoffmeister)

  6. Geschlechterrollen: Mutter – Vater – Sohn – Tochter (Bärbel Schön)

  7. Familie und ihre Umwelt . eine systemisch-konstruktivistische Betrachtung (Rolf Huschke-Rhein/Hildegard Macha)

    • Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus (Claudia Solzbacher)
    • „Pragmatische Ordnungssucher und effiziente Gelegenheitsjäger“ – Die erste Jugend-Generation des 21. Jahrhunderts (Imbke Behnken/Sabine Maschke/Kudwig Stecher/Jürgen Zinnecker)
    • Familie und Arbeitsmarkt, Familienpolitik, Work-Life-Balance (Wolfgang Walter/Jan Künzler)
  8. Kinderlosigkeit (Cornelia Helfferich)

Teil III: Bedingungskontexte von Familie
  1. Leib, Körper und Geschlecht – Eine Annäherung (Birgit Schaufler)

    • Neugier, Spie und Lernen: Verhaltensbiologische Anmerkungen zur Kindheit (Norbert Sachser)
    • Frühkindliche Erziehung – entwicklungspsychologische, frühpädagogische und neurophysiologische Perspektiven (Hartmut Kasten)
    • Adoleszenz: Körper, Leiblichkeit, Geschlecht (Karin Flaake)
  2. Erziehungsverhältnisse im Lebenslauf (Lothar Böhnisch/Wolfgang Schröer)

  3. „Emotionale Offenheit“ in der individuellen und interpersonalen Emotionsverarbeitung (Michael Reicherts/Philippe A. Genoud)

Teil IV: Ziele und Regeln von Familienerziehung und Familienbildung
  1. Elternbildung (Jan-Uwe Rogge)

  2. Familienbildung: Entwicklungen und Herausforderungen (Martina Heitkötter/Barbara Thiessen)

  3. Gestaltungsaufgaben in der Familienbiographie (Andreas Lange)

Teil V: Sozialpädagogische Dimension von Familie
  1. Bewältigung von Transitionen und Förderung von Resilienz: Mit Risiken und Veränderungen als Familie umgehen lernen (Wilfried Griebel/Renate Niesel/Corina Wustmann)

  2. Interne Konflikte und Krisen (Heidrun Bründel)

  3. Externe Konflikte und Krisen in Familien (Ulrich Klemm)

  4. Armut in Familien und die Folgen für die Kinder (Roland Merten)

  5. Prävention und Intervention in Familien (Karin Jurczyk/Heinz Kindler/Thomas Rauschenbach)

  6. Erziehungs- und Familienberatung (Klaus Menne)

Diskussion

Der Teilband spiegelt eine Besonderheit des Feldes der Familienerziehung im Vergleich zur Schul- und Erwachsenenbildung, teilweise auch zur Sozialpädagogik wider. Die Adressaten pädagogischer Professionalität können nur mittelbar erreicht werden, in diesem Fall über die Eltern. Nur die Eltern betreiben Familienerziehung, während sich die Pädagogen mit der Eltern- und Familienbildung begnügen müssen. So verwundert es nicht, dass im Teilband vergleichsweise wenig über Familienerziehung, dafür mehr über die Institution der Familie zu erfahren ist.

Zweiter Teilband: Umwelten - Sozialpädagogik / Medienpädagogik / Interkulturelle und Vergleichende Erziehungswissenschaft / Umweltpädagogik

Bearbeiter

Der zweite Teilband ist von vier Professoren bearbeitet worden, die jeweils für einen der vier Teile verantwortlich zeichnen: Uwe Uhlendorff (Technische Universität Dortmund) für die Sozialpädagogik (VI), Norbert Meder (Universität Duisburg-Essen) für die Medienpädagogik, Cristina Allemann-Ghoinda (Universität Köln) für die Interkulturelle Pädagogik und Gerhard Mertens (ebenfalls Universität Köln) für die Umweltpädagogik.

Aufbau

Der Teilband besteht aus vier eigenständigen Teilen, die, von der Medienpädagogik (VII), abgesehen, mit eigenen Einführungen versehen sind. Die vier Teile werden, nicht ganz nachvollziehbar und auch nirgends erläutert, unter dem Stichwort „Umwelten“ zusammengefasst. Das mag für die kulturelle (VIII: 10 Kapitel) und natürliche (IX: 5 Kapitel) Umwelt noch stimmen, passt aber nicht so ganz für die beiden Sozialisationsinstanzen, die in der Sozial- (VI: 8 Kapitel) und der Medienpädagogik (VII: 18 Kapitel) Thema sind. Oder es ist alles Umwelt.

Inhalt

Teil VI: Sozialpädagogik

  1. Das sozialpädagogische Problem (Uwe Uhlendorff)

  2. Der pädagogische Ort (Michael Winkler)

  3. Sozialpädagogisches Handeln (Rainer Treptow)

  4. Professionalisierung und Professionalität in der Sozialen Arbeit (Christoph Sachße)

  5. Sozialpädagogische Einrichtungen (Uwe Uhlendorff)

  6. Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit

  • Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit - ein Überblick (Nicole Knuth/Jens Pothmann)
  • Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit - das Beispiel Schulsozialarbeit (Jutta Mägdefrau)
  1. Pädagogische Situationen und der sozialpädagogische Blick als Ausgangspunkte einer sozialpädagogischen Forschung (Georg Cleppien)

Teil VII: Medienpädagogik

  1. Medientheoretische Grundlagen der Medienpädagogik (Norbert Meder/Christian Swertz/Monika Witsch)
    • Klassifikation der Medien und ihre Funktionen (Norbert Meder)
    • Medium und Medientheorien (Christian Swertz)
    • Ästhetisierung/Mediatisierung (Monika Witsch)
  2. Pädagogische Medienforschung

  • Medienforschung zwischen Wirkung und Nutzen (Renate Möller)
  • Visuelle Methoden in der medienpädagogischen Forschung (Horst Niestyo)
  1. Pädagogisch-gesellschaftliche Praxis in Medien
  • Medienpolitik in Deutschland (Jörg Alsdorf)
  • Aktive Medienarbeit (Horst Niesyto)
  • Interkulturelle Medienbildung (Horst Niestyo)
  • Medienpädagogik und soziale Benachteiligung (Horst Niestyo)
  1. Medien und Didaktik
  • Hypertext, eLearning und Web-Didaktik (Stefan Iske)
  • Mediendidaktik (Bardo Herzig/Sandra Aßmann)
  • Lernen und Lehren im Medienverbund – Blended Learning (Antares Reisky/Helga Kröger)
  • Medienkompetenz (Dorothee Meister)
  1. Mediale Bildung und Sozialisation
  • Mediensozialisation/Medeinbildung (Johannes Fromme)
  • Mediale Selbstsozialisation (Horst Niesyto)
  • Lernen und Medien (Ines Maria Breinbauer)
  • Computerspielkultur (Johannes Fromme)
  • Avatare (Benjamin Jörissen)

Teil VIII: Interkulturelle und Vergleichende Erziehungswissenschaft

  1. Internationale und interkulturelle Aspekte von Bildung und Erziehung: Eckpunkte eines wissenschaftstheoretischen Paradigmas in der Erziehungswissenschaft (Cristina Allemann-Ghionda)
  2. Der transnationale Charakter von Bildungsreformen (Anatoli Rakhkochkine)
  3. Europäische Dimension, Globalisierung und Bildungspolitik (Sabine Hornberg/Peter J. Weber)
  4. Migration aus, nach und in Europa im zwanzigsten und zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts (Erol Yildiz)
  5. Religiosität im Einwanderungskontext: Aufgezeigt am Beispiel der Virginitätsnorm (Annette Müller)
  6. Hybridität, kulturelle Differenz und Zugehörigkeiten als pädagogische Herausforderung (Paul Mecheril)
  7. Bildmedien und Interkulturalität (Gabriele Münnix)
  8. Mehrsprachigkeit als Aufgabe für die institutionelle Bildung (Hans-Joachim Roth)
  9. Interkulturelle Fachdidaktiken und soziales Lernen (Alfred Holzbrecher)
  10. Interkulturelle Kompetenz – ist sie erlernbar oder lehrbar? Konzepte für die Lehrerbildung, die allgemeine Erwachsenenbildung und die berufliche Weiterbildung (Kerstin Göbel/Hans-Hermann Hesse)

Teil IX: Umweltpädagogik

  1. Umweltbildung: Kontrastierende Ausgangspositionen – Konzeptionelle Zusammenführung (Gerhard Mertens)
  2. Nachhaltigkeit als politisch-ethische Leitidee (Markus Vogt)
  3. Bildung für nachhaltige Entwicklung (Hansjörg Seybold)
  4. Die Rückwendung der humanökologischen Perspektive auf das Individuum hin (Gerhard Mertens)
  5. (Didaktische) Prinzipien von Bildung für nachhaltige Entwicklung (Hansjörg Seybold)

Diskussion

Die Sozialpädagogik (VI) kommt angesichts ihrer professionellen Bedeutung, auch im Vergleich zur Schul- und Erwachsenenpädagogik (Band II des Handbuchs der Erziehungswissenschaft), viel zu kurz. Die Vergleichende Pädagogik wird mit der Interkulturellen Pädagogik im Titel zusammengebracht, kommt in den entsprechenden Kapiteln aber kaum vor. Der zweite Teilband mutet insgesamt ein wenig wie der Punkt „Sonstiges“ auf der Tagesordnung an. Das tut den einzelnen Kapiteln aber keinen Abbruch.

Fazit

Ein eher heterogenes, aber informatives und damit lesenwertes Handbuch, leider ohne Sach- und Personenregister. Dass es für die potentiellen Käufer und damit auch für den Verlag nicht günstig ist, so verschiedene Themen, die gut für sich stehen könnten, in einem Band unterzubringen, ist inzwischen wohl bemerkt worden. Beide Teilbände sind bei UTB in Paperback-Ausgaben als Handbücher der Erziehungswissenschaft 5 und 6 in Zukunft auch gesondert zu erwerben.


Rezension von
Prof. Dr. Ulrich Papenkort
Professur für Pädagogik an der Katholischen Hochschule Mainz
Homepage www.kh-mz.de/hochschule/ansprechpartner-innen/lehre ...
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Zitiervorschlag
Ulrich Papenkort. Rezension vom 08.02.2011 zu: Hildegard Macha, Monika Witzke, Uwe Uhlendorff, Norbert Meder (Bearb.): Handbuch der Erziehungswissenschaft Band 3 Familie - Kindheit - Jugend - Gender. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2009. ISBN 978-3-506-76550-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10295.php, Datum des Zugriffs 18.01.2021.


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