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Veronika Fischer, Monika Springer (Hrsg.): Handbuch Migration und Familie

Cover Veronika Fischer, Monika Springer (Hrsg.): Handbuch Migration und Familie. Grundlagen für die Soziale Arbeit mit Familien. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2010. 528 Seiten. ISBN 978-3-89974-649-5. 49,80 EUR.
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Thema

1955 wurde das erste Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften mit Italien ratifiziert. Vor 50 Jahren wurde dann der Anwerbevertrag mit der Türkei in Reaktion auf den Mauerbau in Berlin im August 1961 abgeschlossen, um den dadurch versiegenden Arbeitskräfteimport zu kompensieren. Seit dem Anwerbestopp vom November 1973 ist Deutschland faktisch ein Einwanderungsland – auch wenn dies jahrelang, teilweise bis heute, politisch negiert und bestritten wird. 1979 wurde der erste „Ausländerbeauftragte“ (Kühn, ehemals Ministerpräsident in NRW) ins Amt berufen, der ein immer noch lesenswertes „Memorandum“ zur Diskussion stellte. Seit Anfang/ Mitte der 70er Jahre entwickelte sich so etwas wie eine zuerst sozialwissenschaftliche (vgl. z.B. Nikolinakos 1974), dann immer mehr pädagogisch ausgerichtete Forschung mit entsprechenden Publikationen und wechselnden Etiketten wie z. B. „Gastarbeiterforschung“, „Ausländerpädagogik“, „Interkulturelle Bildung“, „Antirassistische Erziehung“, „Transkulturelle Kompetenz“, „Transmigration“ usw., die sich schließlich auf die beiden Hauptbegriffe „Migration und Integration“ fokussierte. 1984 (!) war dann das Jahr der Etablierung einer neuen pädagogischen Teil-)Disziplin: Eine erste Buchreihe „Interkulturelle Erziehung in Praxis und Theorie“ erschien (Band 1 „Erziehung in der multikulturellen Gesellschaft“ von Essinger/ Ucar 1984) und das erste „Handbuch der Ausländerarbeit“ (Auernheimer 1984) kam auf den Markt, dem etliche weitere Handbücher mit wechselnden Titeln folgten, die den Wandel der Perspektive und Terminologie dokumentierten. Nun also das „Handbuch Migration und Familie“, das ein „Nachschlagewerk“ für eine „theoriegeleitete Praxis“ in der Sozialarbeit sein soll. 1984 war aber auch das Jahr der ersten intensiven Kritik mehrerer Autoren an der Entwicklung, Zielsetzung, Terminologie und Konzeptionalisieurng der nunmehr etablierten Disziplin (vgl. Griese 1984), wodurch die Dialektik von Kritik und Wandel der jeweils vorherrschenden Paradigmen – bis heute – eingeleitet wurde. Ein anfangs sträflich – politisch wie wissenschaftlich – vernachlässigtes Phänomen (nennen wir es Einwanderung und deren Folgen) wurde – politisch wie wissenschaftlich – zum Reizthema und Anlass für Kontroversen (vgl. Sarrazin und die Folgen, Islamkonferenz und Integrationsgipfel; Inter-, Multi-, Trans- oder Hyperkulturalität oder die Debatte um Bilingualismus und Schulerfolg usw.).

Herausgeber und Autoren

Dr. Veronika Fischer ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der FHS Düsseldorf und Dr. Monika Springer ist Trainerin für interkulturelle Kommunikation – was immer das auch sei – mit einschlägiger Praxis in der Arbeit mit Zuwandererfamilien.

Von den insgesamt 40 AutorInnen der 44 Beiträge zu den beiden Oberpunkten „Theoretische Grundlagen zu den Themen Migration und Familie“ sowie „Migration und Soziale Arbeit mit Familien“ (jeweils 22 Artikel) fallen im Theorieteil zumindest Ludger Pries („Familiäre Migration in Zeiten der Globalisierung“), Karl-Heinz Meier-Braun (Einwanderungsland D …“), Dieter Filsinger (Integration von Familien mit Migrationshintergrund“, Ursula Neumann („Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen“) sowie Haci-Halil Uslucan („Eltern-Kind-Beziehung in (türkischen) Migrantenfamilien“), Ursula Boos-Nünning/ Yasemin Karakasoglu („Mädchen und junge Frauen in der Familie“) und Tarek Badawia/ Laura de Paz Martinez („Jungen in Migrantenfamilien“) auf Grund ihrer langjährigen Beschäftigung mit der Thematik oder auf Grund neuerer relevanter Studien auf. Im Praxisteil sollten – immer rein subjektiv – neben den Herausgeberinnen vor allem Mechthild Gomolla („Partizipation von Eltern mit Migrationshintergrund in der Schule“) und Stefan Gaitanides („Zugänge der Familienarbeit zu Migrantenfamilien“) genannt werden.

Aufbau

Wie erwähnt besteht das Handbuch aus zwei Hauptteilen.

  1. Der Theorieteil untergliedert sich in die Absätze „Familien im Migrationsprozess“ (4 Beiträge), „Lebenslagen“ (10 Artikel) sowie „Phasen und Lebensformen“ (8 Aufsätze).
  2. Im Praxisteil kommen die Themen „Qualitätsanforderungen an die Familienarbeit“ (4 Beiträge), „Sozialpädagogische Methoden und Arbeitsfelder“ (8 Artikel) und „Konzepte der Eltern- und Familienbildung“ (10 Aufsätze) zur Sprache. Ein ausführliches Sachregister (9 Seiten) sowie ein Autorenverzeichnis runden das Handbuch ab.

Inhalte

Bei Handbüchern wird in der Regel in einer ausführlichen Einleitung der Herausgeber in die Thematik eingeführt und der Inhalt sowie die Zielsetzung des Werkes kurz skizziert – so auch hier (S. 9 – 19). Fischer/ Springer beschreiben den „Forschungsstand“ – m. E. nicht immer aktuell und kritisch gegenüber der bisherigen Diskursen in der Thematik: Es fehlen Hinweise auf die innovativen Konzepte der Transkulturalität und Transmigration, die „Dritt-Stuhl-Thematik“ oder „Third Culture Kids“, die Herausbildung „hybrider Identitäten“ oder den „Intersektionalitätsansatz“ in der gegenwärtigen Debatte. Auch wird der Terminus „mit Migrationshintergrund“ – wie im gesamten Handbuch – unkritisch und wenig sensibel wie selbstverständlich benutzt. Die genannten Begriffe bzw. Konzepte tauchen dann überraschenderweise nur in den Praxisbeiträgen – dann aber ohne Diskussion – auf. Gerade, wenn als Ziel des Handbuches formuliert wird, „welche Relevanz das Thema für Soziale Arbeit in Migrationszusammenhängen hat“ (S. 11), sollte die aktuelle Theoriediskussion mit ihren (eventuellen) Folgen und Reflexionen für die Praxis einen besonderen Stellenwert einnehmen. Es gilt immer noch: „Eine gute Theorie ist die beste Praxis“, so dass auch Reflexionen über das Verhältnis von Theorie und Praxis oder über die Relevanz der theoretischen Termini und Konzepte einleitend hätten formuliert werden können. Die Praxis in diesem Bereich leidet ja bekanntlich unter ihren resistenten Beharrungstendenzen. Im weiteren Teil der Einleitung („Aufbau und Gliederung“, S. 12ff) werden die Einzelbeiträge kurz beschrieben, so dass sich die Überblick-Leser einen ersten guten Eindruck schaffen können.

Welcher Gesamteindruck entsteht bei den 44 thematisch-inhaltlich sowie methodisch-konzeptionell sehr unterschiedlichen Beiträgen? Der theoretische Ertrag ist relativ dürftig – ausgenommen die Ausführungen von Ludger Pries, z.B. dessen „Typologie“ zur Migration, die auch deutlich macht, dass Migration in der Regel ein Familienprojekt ist (darauf geht Filsinger in seinem Beitrag näher ein), innerhalb familiärer Netzwerke prozesshaft und unter einer „Mehrgenerationenperspektive“ zu sehen ist und in Zeiten der Globalisierung inter- sowie transnationale Komponenten impliziert, die auch Folgen für die Forschung haben sollten. Sein Fazit lautet daher: „Dabei ist eine Kombination aus quer- und längsschnittorientierten Studien sowie qualitativen und quantitativen Datenerhebungen anzustreben. Internationale Migration als familiäre Migration und besonders transnationale Migration stellen dabei die gängigen Konzepte von Familie und Integration infrage. Neue Konzepte von sozialen Zugehörigkeiten in Raum und Zeit sind gefragt“ (S. 34). In welche Richtung diese „neuen Konzepte“ gehen (sollten), erfährt man zumindest nach meiner Durchsicht aller Beiträge des Handbuches nicht, so dass insgesamt von einem „Innovationsdefizit“ zu reden wäre.

Meier-Braun entwickelt mit Blick auf die „Ausländerpolitik“ ein Konzept von sieben Phasen, wobei zu erwähnen wäre, dass er die aktuelle Phase mit „Integration wieder im Mittelpunk“ (S. 46) umschreibt und kritisch mit etwas Polemik in Bezug auf die aktuelle Situation endet mit der These „Wir sind ein Einwanderungsland ohne Einwanderer geworden“ (S. 46) – diesem Faktum ist nur zuzustimmen, kennzeichnet es doch die sich wiederholenden Widersprüche der deutschen Migrationspolitik unter dem Diktat der Ökonomie und zuletzt auch der demographischen Entwicklung.

In den Artikeln über „Migration und demographischer Wandel“ (S. 68ff) und „Milieus von Familien mit Migrationshintergrund“ (S. 83ff) erfährt man viele relevante Daten und Fakten über Einwanderergruppen und über das SINUS-Migranten-Milieumodell, wobei auf S. 94 m. E. die Skizzierung von zwei „Soziodemografischen Profilen“ fehlt. Festhaltenswert ist jedoch die Erkenntnis (S. 88): „Menschen des gleichen Milieus mit unterschiedlichem Migrationshintergrund verbindet mehr miteinander als mit dem Rest ihrer Landsleute aus anderen Milieus“. In anderen Worten: das Strukturparadigma hat mehr Relevanz als das Kultur- bzw. Ethnieparadigma.

In fast allen Beiträgen wird der neue, m. E. polarisierende Container-Terminus „mit Migrationshintergrund“ (mit und ohne bzw. Einheimische und Zuwanderer bzw. Wir und die Anderen bzw. die Reduktion von biographisch immer einmaligen Subjekten auf ein Merkmal – dies ist der Beginn „rassistischer“ Wahrnehmung) unkritisch und unhinterfragt verwendet.

Interessant und relevant, aber nicht ausdiskutiert, ist die Kontroverse über die Funktion von „Migrantenquartieren“ in Bezug auf die „Integration“, die Norbert Gestring in seinem Beitrag über „Wohnen und Sozialraum“ (S. 127ff) führt. Hier hätte man stärker generationen- und milieuspezifisch argumentieren und differenzieren müssen.

Der zweite Beitrag von Meier-Braun zu „Die Rolle der Medien“ (S. 177ff) greift ein äußerst wichtiges Thema auf, das „Bild der Migranten in den Medien“ – und so auch im „Bürgerbewusstsein“ (Lange) – sowie die unsägliche und immer wiederkehrende politische Instrumentalisierung des „Ausländerthemas“ – lesenswert!

Die Ausführungen von Wolf-Dieter Just zur „Religionsausübung“ (S. 189) machen deutlich, dass nicht-christliche Religionen in Deutschland nur eine kleine Gruppe von Menschen betrifft, während z.B. „Konfessionslose/ keine Zuordnung“ für etwa ein Viertel der Einwohner zutrifft – eine immer wieder negierte oder verdrängte Tatsache im Kontext des „Dialogs der Religionen“. Sinnvoll wäre hier im Anschluss an die letzte Shell-Studie (2010), auf die der Autor kurz eingeht, der Versuch einer Prognose im Hinblick auf Religiosität, Glauben und Religionsausübung der Kinder und Enkelkinder nicht-christlicher Einwanderer.

Auch im nächsten Beitrag über „Selbstorganisation und bürgerschaftliches Engagement“ von Susanne Huth (S. 208ff) wird die Chance einer kritisch-innovativen und die Praxis involvierenden Debatte nicht genutzt: Sind jene Migrantenselbstorganisationen in einer Gesellschaft, in der Einwanderer bzw. Einwanderung normal sind, nicht integrationshemmend und wäre nicht eine anzustrebende aktive Mitwirkung in den „normalen“ gesellschaftlichen Institutionen im Sinne einer „interkulturellen Öffnung“ oder eines „migrant mainstreaming“ die adäquatere Perspektive? Aber Organisationen (und vor allem ihre Professionellen) haben bekanntlich – Systemtheorie lässt grüßen – ein Bestreben, sich am Leben zu erhalten. Interkulturelle Öffnung und Förderung von Migrantenselbstorganisationen widersprechen sich m. E. in einer (wirklichen) Einwanderungsgesellschaft – oder nicht? Oder könnte/ sollte das eine dem anderen vorausgehen? Das wäre auch im Hinblick auf die Zukunft der Einwanderungsgesellschaft Deutschland zu diskutieren.

Haci-Halil Uslucan betont zwar die Relevanz einer „Intersektionalitätsanalyse“ und deren Bedeutung für die „sozialpädagogische Reflexion“ und betont „den gleichzeitigen Einfluss von Geschlecht, Ethnie und Schicht“ (S. 257) – weitere Merkmale wären aber denkbar und sinnvoll für eine differenzierte Praxis (vgl. dazu Boos-Nünning/ Karakasoglu, S. 261: „ … Alter … Bildungsstatus, die Religionszugehörigkeit, der Rechtsstatus etc.“ oder Mechthild Gomolla (S. 448: „Nationalität, Religion, Migrationsgeschichte, Familienformen, sozioökonomische Position etc.“). Beim Merkmal „Ethnie“ spricht er aber nur von „türkisch“, obwohl ca 600 000 sich ethnisch als Kurden definierende Einwanderer in Deutschland leben – ein heikles, sensibles und zumeist verdrängtes Problem in der Migrationsforschung. So betonen auch Badawia/ de Paz Martinez (S. 273) zu Recht die sog. „Essentialisierungsfalle“, wenn „‘kulturelle‘ und ‚ethnische‘ Eigenschaften als unumgängliche und ‚fix gegebene‘ Tatsachen ohne jegliche Entwicklungsperspektive“ festgeschrieben werden. Sag, wie hast Du‘s mit Kultur/ Ethnie? Sinnvoller, vor allem für die sozialpädagogische Praxis, sind, so die Autoren zu Recht, „sozialstrukturelle (Ungleichheits-)Dimensionen“ (S. 278).

Theoretisch interessant ist dann der Artikel von Andrea Janssen zu „Migration und familiäre Netzwerke“ (S. 294ff), da sie sich sowohl auf die Kapitaltheorie von Bourdieu als auch auf Konzepte wie „Transmigration“, „transnationale Sozialräume“ oder „Mehrfachidentitäten“ bezieht und damit die tendenzielle Familienbezogenheit von Migration belegen kann.

Auf ein näheres Eingehen auf die Beiträge im Praxisteil verzichte ich hier aus Platzgründen, obwohl in vielen Artikeln immer wieder Theoriefragmente, meist undiskutiert, eingestreut werden, z.B. der „Diversity-Ansatz“ oder das Konzept der „Interkulturellen Öffnung“ bei Hubertus Schroer (S. 307ff), „Interkulturelle Kompetenz“ ansatzweise bei Stefan Gaitanides (S. 331f) sowie bei Talibe Süzen in ihren Artikel über „Sozialpädagogische Arbeit mit Familien in Erziehungshilfen“ (S. 392ff) und ausführlich in dem eher theoretisch gehaltenen Beitrag von Veronika Fischer (S. 334ff) zu „Interkulturelle Kompetenz“.

Diskussion

Insgesamt vermittelt das Handbuch einen umfangreichen und informativen Einblick in diverse Themen und Aspekte der Migrationsforschung, wobei sicher der bisher oftmals vernachlässigte familienspezifische Fokus zu begrüßen ist. Ferner gewinnt man beim Lesen den Eindruck, dass die Konzepte/ Begriffe „Interkulturell“ (Öffnung, Kompetenz) sowie „(mit) Migrationshintergrund“ mittlerweile im Zentrum der Migrations- und Integrationsdebatte angekommen sind – just zu einem Zeitpunkt, in dem diese bereits wieder scharf kritisiert und teilweise verworfen werden. Der Zielgruppe (sozial-)pädagogische Praktiker entsprechend überwiegt auch das Defizit- oder Problemparadigma, während der Blick auf Ressourcen und Kompetenzen der Einwanderer (nicht der Pädagogen) sowie auf deren Selbsthilfepotentiale m. E. zu kurz kommt. Die Einwanderer und ihre Kinder und mittlerweile auch Enkelkinder, für die ein „Migrationshintergrund oder noch mehr -erfahrung“ schwerlich angenommen werden kann, bleiben so zumeist Objekte (sozial-)pädagogischer Maßnahmen und Projekte und nicht Subjekte aktiven Handelns.

Wie problematisch derlei etikettierende und zumeist auch stigmatisierende Begriffe wie „mit Migrationshintergrund“ gerade bei den davon Betroffenen „ankommen“, dokumentierte mir neulich eine Studentin, als sie sinngemäß sagte: „Ich habe jetzt beschlossen, meinen ‚Migrationshintergrund‘ abzulegen … Wenn schon, dann habe ich einen Migrationsvordergrund … ‚vorne‘ ist besser und klingt positiver als ‚hinten‘“.

Fazit

Das Handbuch ist typisch ambivalent. Es hat seine Stärken im Blick auf (den Wandel der) Familie(n), verwandtschaftliche Netzwerke, unterschiedliche Kapitalausstattung der Migrantenfamilien, das Generationenverhältnis etc., also auf Themen, die bisher in der Diskussion um Migration und Integration zu kurz kamen; seine Schwächen liegen m. E. in einer relativ unkritischen Übernahme der etablierten Terminologie bzw. bei gleichzeitig fehlendem Eingehen auf aktuelle Konzepte oder die Entwicklung innovativer Ideen im Themenkontext. So ist nicht verwunderlich, dass die (sozial-)pädagogische Praxis (in der Arbeit mit Migranten-(familien) in der Regel der aktuellen Theoriedebatte immer wieder hinterherhinkt – ein Strukturproblem im Verhältnis von Theorie und Praxis. Mir ist aber nicht entgangen, dass in einigen „Praxis“-Beiträgen (z.B. bei Hubertus Schroer oder Veronika Fischer) die Vermittlung beider Perspektiven gut gelungen ist. Insgesamt spiegelt das Handbuch genau diesen Grundkonflikt einer theoretisch angeleiteten und kritisch-reflektierten (sozial-) pädagogischen Praxis wieder – ein Problem, an dem z.B. auch der Studiengang Diplom-Sozialpädagogik an Universitäten (nicht an Fachhochschulen) mit dem Ziel des „wissenschaftlich ausgebildete Praktiker“ letztlich wohl gescheitert ist. Aber das wäre eine andere und neue Diskussion, die in Zeiten von Bologna bzw. Bachelor und Master wohl überflüssig geworden ist!?

Literatur

  • Auernheimer, Georg (Hrsg.) (1984): Handwörterbuch Ausländerarbeit. Weinheim und Basel
  • Essinger, Helmut und Ucar, Ali (Hrsg.) (1984): Erziehung in der multikulturellen Gesellschaft. Band 1 der Reihe Interkulturelle Erziehung in Praxis und Theorie. Baltmannsweiler
  • Griese, Hartmut M. (Hrsg.) (1984): Der gläserne Fremde. Bilanz und Kritik der Gastarbeiterforschung und der Ausländerpädagogik. Opladen
  • Ders. (2004): Kritik der ‚Interkulturellen Pädagogik‘. Essays gegen Kulturalismus, Ethnisierung, Entpolitisierung und einen latenten Rassismus. Münster

Rezension von
Prof. Dr. Hartmut M. Griese
Leibniz Universität Hannover, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie.
ISEF-Institut (Institut für sozial- und erziehungswissenschaftliche Fortbildung
Homepage www.Isef-Institut.de
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Zitiervorschlag
Hartmut M. Griese. Rezension vom 21.06.2011 zu: Veronika Fischer, Monika Springer (Hrsg.): Handbuch Migration und Familie. Grundlagen für die Soziale Arbeit mit Familien. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2010. ISBN 978-3-89974-649-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10313.php, Datum des Zugriffs 07.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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