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Marlis Pörtner: Alte Bäume wachsen noch

Cover Marlis Pörtner: Alte Bäume wachsen noch. Neue Erfahrungen in späten Lebensjahren. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2010. 169 Seiten. ISBN 978-3-608-94565-2. 18,95 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Thema

Viel wird angesichts der höheren Lebenserwartung über die „gewonnen Jahre“ geschrieben. Sind sie Bereicherung oder Last? Wenn es gut geht, erfüllen sie mehr, als sie beschweren. Das ist die Grundaussage von Marlis Pörtners ganz aus dem Alltag heraus erzähltem Essay „Alte Bäume wachsen noch. Neue Erfahrungen in späten Lebensjahren“.

Autorin

Die Schweizer Psychologin Marlis Pörtner arbeitete neben ihrer Familien-Mutterschaft vor ihrem Psychologiestudium als Schauspielerin, Sekretärin, Rundfunksprecherin und Literatur-Übersetzerin. Als Psychologin war sie psychotherapeutisch tätig und ist derzeit noch als Beraterin von therapeutischen Einrichtungen aktiv. Bei socialnet sind folgende Rezensionen zu Veröffentlichungen Marlis Pörtners erschienen:

  • Alt sein ist anders. Personenzentierte Betreuung von alten Menschen (vgl. die Rezension)
  • Ernstnehmen - Zutrauen - Verstehen. Personenzentrierte Haltung im Umgang mit geistig behinderten und pflegebedürftigen Menschen (vgl. die Rezension)

Aufbau und Inhalt

Das in leichter Erzählform von 30 Kurzkapiteln angenehm lesbare Buch „Alte Bäume wachsen noch“ kreist um einen Umzug aus der vertrauten, kleinen Großstadt-Villa in eine eingeschossige, altengerechte, in einem ländlichen Entwicklungsgebiet der Schweiz gelegene Eigentumswohnung. Die allein lebende, in der Ich-Form schreibende Erzählerin ist noch jenseits ihres 75. Lebensjahres als psychotherapeutisch arbeitende Organisationsberaterin im deutschsprachigen Ausland unterwegs. Umzug, Fortbildungen und Schriftstellerei sind ihre hauptsächlichen Betätigungen, von denen sie minutiös erzählt. Und von denen aus sie einerseits die Vergangenheit reflektiert, andererseits aber auch zu wichtigen gerontologischen Einsichten vorstößt, wie: Neue Anforderungen fördern; man soll nicht nur Vergangenem nachtrauern, sondern sich auch auf neue Herausforderungen einlassen; der Stab wandert weiter; man wird mehr und mehr an die Hand genommen.

Die 30 kurzen Kapitel schildern die tatkräftigen Begegnungen der Autorin mit ihrem persönlichen Umfeld in ihrer späten Lebensphase. Hier haben die Psychotherapie und die Yoga-Übungen genauso ihren Platz wie der Briefkastenschlüssel und der sommerliche Badesee, die Auslandsreisen ebenso wie der heimische Supermarkt.

Diskussion

Das Buch ist ein eher leichtgewichtiger, aber ermutigender Essay über das Alter. Aus banal Alltäglichem, scheinbar Nebensächlichem wie den Balkonpflanzen, dem Schneeräumen, den farbig markierten Umzugskartons und dem Einlösen des Rezepts in der Apotheke stößt die Autorin ins Allgemeingültige vor. Durch die Ich-Form der Erzählung wird das belehrende Heben des Zeigefingers vermieden. Und dadurch unterscheidet sich das Buch auch wohltuend von den vielen Alterns-Ratgebern mit ihren wohlfeilen Vorschlägen, sich zu bewegen, gesund zu essen, soziale Kontakte nicht einschlafen zu lassen und die Wohnstätte behindertengerecht umzubauen.

Die Erzählerin reflektiert ihr Leben sehr persönlichkeitszentriert in seinen entwicklungspsychologischen Stufen. Sie fußt als Therapeutin auf Erik H. Eriksons antagonistischen Entwicklungsphasen. Dabei argumentiert sie aber weniger polarisierend, eher integrierend. Eriksons Alters-Stufe „Integration versus Ekel“ wird von der Autorin stärker zur Lebensintegration hin gewendet. Da passt sie denn auch Misserfolge und eigene Fehlleistungen in ihre Lebensschau positiv ein. Die eigene Vergangenheit wird in einem milden Licht gesehen. So kann die Autorin, zunächst durchaus bipolar betrachtet, neben Trauer auch Lust, in Nachteilen auch Vorteile, neben Wehmut auch Optimismus und über Tiefen eben auch Höhen erkennen. Aus dem Vertrauten steuert sie Neues an, setzt getrost Jahresring um Jahresring, wobei sie verständlich schlussfolgert, dass die letzten Ringe nicht die schlechtesten sind.

Fazit

Ein Mut machendes Buch gegen depressive Anwandlungen im Alter. Durch seinen subjektiven Erlebnisgehalt unterscheidet sich dieser Altersbericht wohltuend von den vielen rezeptologischen Alters-Ratgebern.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 25.11.2010 zu: Marlis Pörtner: Alte Bäume wachsen noch. Neue Erfahrungen in späten Lebensjahren. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-608-94565-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10406.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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