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Verein für Kommunalwissenschaften e. V. (Hrsg.): Kindertagesbetreuung als zukunftsorientierte Dienstleistung

Rezensiert von Dr. Anke Meyer, 16.09.2003

Cover  Verein für Kommunalwissenschaften e. V. (Hrsg.): Kindertagesbetreuung als zukunftsorientierte Dienstleistung ISBN 978-3-931418-41-0

Verein für Kommunalwissenschaften e. V. (Hrsg.): Nicht nur gut aufgehoben. Kindertagesbetreuung als zukunftsorientierte Dienstleistung. Verein für Kommunalwissenschaften (Berlin) 2003. 176 Seiten. ISBN 978-3-931418-41-0. 14,00 EUR.
Dokumentation der Fachtagung am 17./18. Oktober 2002 in Berlin. Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe 38.

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Einführung in das Thema

Mit der PISA-Diskussion ist auch der im KJHG festgeschriebene Bildungsauftrag für Kindertageseinrichtungen wieder in die Öffentlichkeit gelangt. Zwar wurden in der PISA-Studie wesentlich ältere SchülerInnen befragt, die schlechten Ergebnisse werden in Deutschland aber unter anderem darauf zurückgeführt, dass benachteiligte Kinder nicht schon im Kindergarten angemessen gefördert werden und so den Bildungsvorsprung der anderen Kinder zum Teil nie aufholen. Im Zuge dieser Diskussion kommen insbesondere auch die Qualität der ErzieherInnenausbildung und die Qualitätssicherung der pädagogischen Arbeit ins Visier.

Zur Entstehung des Buches

Bei dem Buch handelt es sich um die Dokumentation einer Tagung, die der Verein für Kommunalwissenschaften e. V. im Oktober 2002 in Berlin ausrichtete.

Aufbau und Inhalt

Die Tagung beschäftigte sich in vier Foren mit folgenden Themen: (1) den strukturellen Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten der Kindertagesbetreuung, (2) der ErzieherInnenausbildung und der Personalentwicklung in Kindertagesstätten, (3) dem Bildungsauftrag von Kindertagesstätten und (4) der Kindertagesbetreuung im sozialen Raum.

Ein herausragendes Beispiel dafür, wie knappe Kassen, kreative Potentiale freisetzen, ist das "Spatzenhaus" in Frankfurt/Oder, dessen MitarbeiterInnen die Trägerschaft des Hauses von der Stadt übernommen haben. Über Sponsoring und stadtteilbezogene Angebote haben sie neue Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen und ihren pädagogischen Ansatz in einer für die Kinder förderlichen Weise erweitert.

Andere Wege, die beschritten werden, sind Kooperationen zwischen Kindertagesstätten und Betrieben. Hierzu gibt Seehausen einen allgemeinen Überblick, während und Reinke am Beispiel einer Initiative der Stadt Buxtehude konkret wird.

Fein zeigt, wie die Stadt Offenbach ihre Kindertagesstätten nach betriebswirtschaftlichen Maßgaben umorganisiert hat und Braun stellt am Beispiel der Stadt Recklinghausen dar, wie Qualitätssicherungsmaßnahmen Entwicklungsimpulse geben können.

Im zweiten Forum geht es um die ErzieherInnenausbildung und die Personalentwicklung in Kindertagesstätten. In einem Eingangsreferat hatte Textor bereits ein Bild von ErzieherInnen als "Superfrauen" entworfen, die gleichzeitig erziehen und bilden, die benachteiligte Kinder fördern und integrieren sollen und das alles ohne curricularen Rahmen und angemessene gesellschaftliche Anerkennung.

Schmitt-Wenkebach gibt einen Überblick über die länderspezifische Ausbildung von ErzieherInnen in Deutschland und vergleicht sie mit der in einigen Nachbarländern. Hebenstreit-Müller plädiert für eine Anhebung der ErzieherInnenausbildung auf Fachhochschulniveau bei gleichzeitiger Kooperation mit den in der Ausbildung bereits erfahrenen Fachschulen.

Auch Bostelmann und Dibowski beklagen sich als Vertreterinnen eines Unternehmens zur Kindertagesbetreuung über die schlechte Ausbildungssituation im Erziehungsbereich und zeigen, welche Konsequenzen sie daraus für die Personalentwicklung in ihrem Unternehmen gezogen haben. Demgegenüber beschäftigt sich Nagi mit den Möglichkeiten und Fallstricken der Personalentwicklung bei einem öffentlichen Träger.

Im dritten Forum geht es um Bildung im Kleinkindalter und den Bildungsauftrag, der sich an Kindertagesstätten richtet. Die Grundlagen dazu, was Bildung aus erziehungswissenschaftlicher Sicht ist vermittelt Preissing. Welche Bedeutung der Bildungsauftrag für Kindertagesstätten hat wird aus unterschiedlichen Perspektiven von mehreren Autorinnen diskutiert.

Das vierte Forum beschäftigt sich mit der Kindertagesbetreuung im sozialen Raum. Dabei geht es vor allem darum, Kindertagesstätten nicht als isolierte Einrichtungen zur Kinderbetreuung zu organisieren, sondern sie im Stadtteil mit seinen spezifischen Strukturen und Problemlagen einzubinden. In einem Eingangsreferat hatte Hebenstreit-Müller, die Direktorin vom Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin bereits ein Modellprojekt vorgestellt, bei dem in Anlehnung an ein groß angelegtes Programm in England ein Early Excellence Center eingerichtet wird. Das Ziel dieses Projektes ist es, die Bildung und Betreuung von Kindern im Vorschulalter mit Familien- und Stadtteilarbeit zu verbinden. Im vierten Forum werden weitere Projekte vorgestellt. Bolland schreibt über die "Ziele und Ansätze der Sozialraumorientierung in Stuttgart", Schirmer über Kindertagesstätten im ländlichen Raum der Neuen Bundesländer. Janke gibt einen allgemeinen Überblick zu Erfahrungen mit "Vernetzung" im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Den Abschluss des Buches bilden Beiträge aus der Abschlussdiskussion, in der die Ergebnisse der Foren zusammengefasst und diskutiert werden.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an die Vielzahl der AkteurInnen im Bereich der Kindertagesbetreuung: ErzieherInnen, FachberaterInnen, AusbilderInnen, VertreterInnen aus Kommunen, Ländern, Jugendämtern und verschiedenen TrägerInnen. Dies spiegelt sich auch bei den AutorInnen, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven berichten.

Tauglichkeit für potenzielle LeserInnen

Die Dokumentation eignet sich sowohl für in der Thematik erfahrene LeserInnen, die auf dem aktuellen Stand der Diskussion bleiben möchten, als auch für EinsteigerInnen, die einen ersten Einblick ins Thema suchen. Die Aufsätze decken eine große Themenvielfalt ab und greifen die Erfahrungen sehr unterschiedlicher AkteurInnen auf. Da es sich größtenteils um Impulsreferate handelt, die als Einstieg für Arbeitsgruppen oder Diskussionsrunden gedacht sind, gehen sie nicht besonders in die Tiefe. Dafür ist die verwendete Literatur vorwiegend neueren Datums, so dass man einige gute Hinweise erhält, um sich weiter einzulesen.

Was mir inhaltlich fehlt, ist ein expliziter Vergleich der Kinderbetreuungseinrichtungen zwischen Ost und West und eine eigene Diskussion darüber, welche Bedeutung der Frauenüberhang bei den ErzieherInnen für die Bildung von Jungen hat. Dieser Unterpräsenz von Männern spiegelt sich auch in der Sprache, in der häufig nur von ErzieherINNEN die Rede ist, eine Tendenz, die sich auch in Lehrbüchern für ErzieherInnen wieder findet und auf potenzielle Erzieher sicher eine ähnliche Wirkung hat wie das sonst übliche sprachliche Ignorieren von Frauen auf Frauen.

Fazit

Ein Buch, das einen guten Überblick über die aktuelle Diskussion über Kindertagesbetreuung gibt.

Rezension von
Dr. Anke Meyer
Lehrerin am Berufskolleg, Fachleiterin für Sozialpädgogik in der LehrerInnenausbildung
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Es gibt 59 Rezensionen von Anke Meyer.

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ISSN 2190-9245