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Heidemarie Haeske-Seeberg: Projektgruppenmoderation im Krankenhaus

Cover Heidemarie Haeske-Seeberg: Projektgruppenmoderation im Krankenhaus. Techniken - Umsetzung - Praxisbeispiele. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. 147 Seiten. ISBN 978-3-17-018774-0. 29,80 EUR.
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Thema

Auch in Krankenhäusern haben Arbeitsgruppen, Qualitätszirkel und insbesondere Projektteams in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen, nicht zuletzt im Zuge von Umstrukturierungen, Privatisierungen und der Einführung des DRG-Abrechnungssystems. Dessen ungeachtet zählt aber gerade die Fähigkeit zum Leiten und Moderieren solcher Gruppen nicht gerade zu den Kompetenzen, die dem Führungspersonal im Krankenhaus während ihrer Ausbildung und/oder Studium üblicherweise vermittelt wird, was häufig zu Problemen in der Teamarbeit führt. Diesem Defizit abzuhelfen, ist das Thema des Buches von Heidemarie Haeske-Seeberg.

Autorin

Die Ärztin Heidemarie Haeske-Seeberg war selbst im Anschluss an ihre Promotion lange Jahre in der Qualitätssicherung tätig, hat aber auch als Geschäftsführerin entsprechender Organisationen gearbeitet und kennt daher die Materie aus verschiedenen Blickwinkeln. Seit 2001 ist sie bei den Sana Kliniken für die Bereiche Medizin, Qualitätsmanagement sowie Aus- und Weiterbildung verantwortlich.

Aufbau

Inhaltlich ist das Buch in sieben Kapitel unterteilt, von denen das erste sich grundlegend mit Kleingruppenarbeit befasst, bevor das zweite auf die Voraussetzungen für Kleingruppenarbeit in Krankenhäusern eingeht. Daran anschließend werden typische Werkzeuge der Kleingruppenarbeit vorgestellt, bevor im vierten Kapitel die Moderation von Gruppen thematisiert wird. Daran anknüpfend wird auf die Unterschiede zwischen dem Leiten und dem Moderieren von Gruppen hingewiesen, bevor im zentralen Kapitel des Buches Anwendungsbeispiele vorgestellt werden, bei denen das klassische Moderations- bzw. Projektmanagement auf krankenhausspezifische Themenkomplexe angewendet wird.

Inhalt

Konzeptionell befasst sich das Buch mit der Verknüpfung von zwei Aspekten, die bis in die jüngere Vergangenheit zumindest in Deutschland eher getrennt voneinander waren, nämlich die Techniken der Leitung von Kleingruppen unterschiedlichster Aufgabenschwerpunkte einerseits und das Management von Krankenhäusern andererseits. Erst durch die gestiegene Bedeutung des Qualitätsmanagements im Zuge diverser gesetzlicher Vorgaben und Auflagen sowie dem Trend zur Privatisierung von Kliniken, die typischerweise einher geht mit einer stärkeren Betonung betriebswirtschaftlichen Denkens und der Nutzung von Managementtechniken, fand eine entsprechende Zusammenführung statt. Vor diesem Hintergrund gibt es augenscheinlich einen Bedarf dahingehend, die allgemein angelegten, nicht branchenspezifischen Methoden der Gruppenmoderation, der Sitzungsleitung und der Projektarbeit gezielt für ein medizinisch vorgebildetes Publikum zu adaptieren. Genau dies ist das Alleinstellungsmerkmal des vorliegenden Buches.

Entsprechend erklärt sich auch der Aufbau des Buches. So wird im ersten Kapitel knapp die Bedeutung der Kleingruppenarbeit vorgestellt, hergeleitet aus dem Bereich des Qualitätsmanagements. Zwar gab es Kleingruppenarbeit schon lange vor der offiziellen Einführung von Qualitätsmanagementstrategien, was zahlreiche ältere Managementbücher mit ihren Kommentaren zur Leitung von Sitzungen und Besprechungen dokumentieren. Aber im Zusammenhang mit Qualitätsmanagement fand in der Regel eine Delegation von Verantwortung statt. Zudem entstand die Notwendigkeit, dass Angehörigen verschiedener hierarchischer Stufen zur Kooperation genötigt wurden, was gerade für die traditionell sehr stark durch die Ärzteschaft geprägten deutschen Krankenhäuser vielfach ungewohnt war. In der Konsequenz erforderte somit die Entwicklung und Umsetzung eines gezielten Qualitätsmanagements die Zusammenarbeit in Kleingruppen unterschiedlichster Zusammensetzung, und förderte dadurch im Gegenzug auch ein Aufbrechen der bestehenden hierarchischen Schranken.

Daher erscheint es gerade für eine Autorin mit dem beruflichen Hintergrund von Heidemarie Haeske-Seeberg naheliegend, das Thema der Kleingruppenarbeit von der Qualitätsmanagementseite her zu erschließen. Daher stellt sie im zweiten Kapitel auch zunächst einen Bezug zum EFQM-Modell sowie zum KTQ-Modell her, bevor sie in etwas allgemeinerer Form die Nutzung von Kleingruppenarbeit im Krankenhaus anspricht. So gibt sie z.B. Hinweise zu Strukturen und Aufgaben von Kleingruppen, aber auch zu deren praktischer Arbeit. Inhaltlich werden dem erfahrenen Moderator und Gruppenleiter dabei keine echten Neuigkeiten vermittelt, geht es doch gerade darum, den eher unerfahrenen, quasi per Delegation zu Moderatoren und Leitern gemachten Mitarbeitern aus dem medizinisch-pflegerischen Bereich die notwendigen Techniken, Tipps und Tricks zu vermitteln, damit sie Kleingruppen gezielter einsetzen und erfolgreicher nutzen können.

Explizit deutlich wird dieser Ansatz der Autorin im dritten Kapitel, wo sie den typischen „Werkzeugkasten“ der Gruppenarbeit vorstellt und kommentiert. Die entsprechende Palette reicht vom Brainstorming und Diagrammen bis zur Fehlersammelliste, immer an Hand von Beispielen präzisiert für den Einsatz im Klinikbereich.

Im vierten Kapitel geht Heidemarie Haeske-Seeberg auf die Moderation von Gruppen mit Hilfe von bunten und unterschiedlich gestalteten Karten ein. Diesem Thema widmet sie ein besonderes Augenmerk, da nahezu jeder Teilnehmer von Arbeitskreisen, Teamsitzungen und Besprechungen diesbezüglich schon zahlreiche, mehr oder weniger gute Erfahrungen gesammelt hat. Gerade die häufig schlechten Erfahrungen von Gruppenmitgliedern mit dieser Moderationstechnik macht es in der Praxis aber erforderlich, für angehende Leiter und Moderatoren zu vermitteln, wo konkret die Vorteile und Chancen, aber auch Risiken liegen. Nur dann kann die Kartentechnik größere Akzeptanz erfahren und zielführend genutzt werden.

Auch das fünfte Kapitel überträgt grundlegende Techniken der Sitzungsleitung auf den Krankenhauskontext. Die Techniken zur Sitzungsvorbereitung, zur Diskussionsmoderation und zum Umgang mit kritischen Situationen sind grundsätzlich überall einsetzbar, ob im Sportverein, bei einem Autobauer oder in einem Krankenhaus. Aber die Wahl der Beispiele aus dem Krankenhausalltag erleichtert der Zielgruppe des Buches den Zugang – und kann zudem in der Tat dazu führen, dass zukünftig weniger Sitzungen, aber dafür mit besseren Ergebnissen und größerer Zufriedenheit der Teilnehmer statt finden.

Um die zuvor vorgestellten Instrumente, Techniken, Werkzeuge und Methoden an realistischen Praxisbeispielen zu erläutern, hat Heidemarie Haeske-Seeberg im Zuge des sechsten Kapitels verschiedene Anlässe für Kleingruppenarbeit in Krankenhäusern herangezogen und mit Vorbildern für ein gelungenes Vorgehen unterlegt. Die entsprechende Palette an Beispielen reicht von der Entwicklung geplanter Behandlungsabläufe über Qualitätsindikatoren für die medizinische Behandlung und die Formulierung von Leitbildern bis zur Selbstbewertung nach Abschluss eines Projektes.

Abgerundet werden die Ausführungen durch ein knappes Fazit im Rahmen des siebten Kapitels, in dem die Autorin noch einmal die Relevanz von Qualitätsmanagement und Kleingruppenarbeit herausstellt.

Fazit

Insgesamt ist das Buch „Projektgruppenmoderation im Krankenhaus“ von Heidemarie Haeske-Seeberg für die designierte Zielgruppe von Moderatoren und Teamleitern mit medizinischem Hintergrund und geringer Gruppenleitererfahrung durchaus gelungen. Die allgemein einsetzbaren und branchenneutralen Instrumente und Techniken werden ebenso gezielt wie gelungen für Krankenhausbedürfnisse adaptiert. Dadurch wird insbesondere Angehörigen des medizinischen wie des pflegerischen Bereichs der Zugang deutlich erleichtert, wenngleich es an der einen oder der anderen Stelle wünschenswert gewesen wäre, wenn die Autorin auf Beispiele außerhalb des Qualitätsmanagements zurückgegriffen hätte. Denn durch die fast ausschließliche Verknüpfung der Kleingruppenarbeit mit dem Qualitätsmanagement kann der irrige Eindruck entstehen, als ob die Probleme wie auch die Chancen der Projektgruppenmoderation auf diesen Kontext beschränkt seien.


Rezension von
Prof. Dr. Jost W. Kramer
Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Hochschule Wismar, Forschungsgruppe für Kooperation, Netzwerke und Unternehmenstheorie Adjunct Professor für Sozialwirtschaft, insbesondere Genossenschaftswesen, Universität Kuopio (Finnland)


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Zitiervorschlag
Jost W. Kramer. Rezension vom 12.01.2011 zu: Heidemarie Haeske-Seeberg: Projektgruppenmoderation im Krankenhaus. Techniken - Umsetzung - Praxisbeispiele. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-17-018774-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10426.php, Datum des Zugriffs 29.11.2021.


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