Nina Hellwig: Verhaltensstörungen bei Kindern pädagogisch behandeln
Rezensiert von Prof. Dr. Eva-Mia Coenen, 15.03.2011
Nina Hellwig: Verhaltensstörungen bei Kindern pädagogisch behandeln. Legasthenie, Dyskalkulie, Schulangst und Hyperaktivität erkennen und erfolgreich therapieren.
Brigg Pädagogik Verlag GmbH
(Augsburg) 2010.
56 Seiten.
ISBN 978-3-87101-586-1.
14,80 EUR.
Reihe: Pädagogik.
Autorin
Dr. Nina Hellwig, eine erfahrene Lehrerin mit einem Zweitstudium der Erziehungswissenschaften(Schwerpunkte: Sondererziehung und Rehabilitation) und als Diplom-Legasthenietrainerin ausgebildet, leitet eine eigene pädagogische Praxis für Legasthenie- und Dyskalkulietraining an den Standorten Burgau, Höchstädt und Erlangen.
Gegenstand und Zielgruppen
Die Autorin beabsichtigt mit diesem Buch einen Überblick über Verhaltensstörungen aus pädagogischer Perspektive zu vermitteln, wobei neben praxistauglichen Anregungen im Umgang mit verhaltensgestörten Kindern auch die häufigen Komorbititäten von Lernbeeinträchtigungen und Verhaltensstörungen diskutiert werden. Außerdem rekurriert die Autorin auf pädagogische Konzepte, um förderliche Bedingungen für die genannte Klientel zu schaffen. Zielgruppen für dieses Buch sollen Eltern, Pädagogen, Therapeuten und Psychologen sein.
Aufbau und Inhalt
Das Buch hat 63 Seiten, eine Einleitung, eine Schlusswort, ein ausführliches Literaturverzeichnis und ist in folgende 7 Kapitel gegliedert.
- Erläuterung und Diskussion des Begriffs „Verhaltensstörung“
- Erscheinungsformen von Verhaltensstörungen
- Die Beeinflussung der Verhaltensstörungen durch Lernstörungen (Legasthenie/Dyskalkulie)
- Schulangst als Erscheinungsform einer Verhaltensstörung
- Hyperaktivität als Störung des Sozialverhaltens aggressiver Art
- Pädagogisch-therapeutische Maßnahmen als Hilfe für verhaltensgestörte Kinder
- Montessoris pädagogische Prinzipien als Hilfe für die Arbeit mit verhaltensgestörten Kindern
In den ersten fünf Kapiteln referiert die Autorin Ursachen und Erscheinungsformen von Lernbeeinträchtigungen und Verhaltensstörungen. Dabei hat sie sich der Einfachheit halber für den Begriff Verhaltensstörungen in ihrem Buch entschieden, obwohl ihr sehr wohl bewusst ist, dass in den Sozialwissenschaften die Bezeichnungen für diese Phänomene oft kontrovers diskutiert werden.
Besonders deutlich und explizit wird auch auf die häufige Komorbidität zwischen den verschiedenen Lernbeeinträchtigungen und Verhaltensproblemen eingegangen. Gleichsam hält es die Autorin für wesentlich, die Schulangst zu thematisieren, da häufige Misserfolgserlebnisse, die aufgrund von Leistungsversagen schulängstliches Verhalten fördern und andererseits Minderwertigkeitsgefühle entstehen lassen, auch Verhaltensprobleme in Gruppensituationen hervorrufen und verstärken. Das Thema Hyperaktivität wird auf die Problematik des ADHS reduziert, um insbesondere den Zusammenhang zwischen hyperaktivem und aggressivem Verhalten zu beleuchten.
Ab Seite 43 werden pädagogisch-therapeutische Maßnahmen als Hilfe für verhaltensgestörte Kinder vorgestellt und anhand von Beispielen erläutert. Dabei wird unter anderem pädagogisches Handeln als „ Hilfe zu(r ) Lebensführung“ betrachtet, gezeigt wie daraus konkrete Lern-und Erziehungsstrategien folgen und auch auf pädagogisch-therapeutisches Arbeiten Bezug genommen. Außerdem wird auf die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Pädagogen und Eltern hingewiesen und auf Aktivitäten, inwiefern Eltern lernbeeinträchtigter und verhaltensgestörter Kinder Unterstützung leisten können.
Anschließend stellt die Autorin pädagogische Prinzipien nach Maria Montessori als Hilfe zur Erziehung vor, wobei besonders auf positive Beziehungen zwischen Kind und Erzieher Wert gelegt wird und außerdem darauf, dass dem Kind genügend Freiräume gewährt, seine Eigeninitiative gefördert, aber auch Grenzen und Regeln im erzieherischen Prozess gezeigt werden.
Diskussion
Insgesamt kann man einschätzen, dass das Buch sehr gut geeignet ist, insbesondere Lehrer und Eltern verhaltensauffälliger Kinder zu erreichen und als Grundlage für weitere Studien im Fachgebiet der Pädagogik bei Verhaltensstörungen zu dienen. Gut gelungen sind die Passagen, die sehr eng mit den umfangreichen beruflichen Erfahrungen der Autorin zusammenhängen. Insbesondere sei hier auf die Kapitel verwiesen, die sich mit Legasthenie und Dyskalkulie beschäftigen und in denen auch die Vorzüge der Montessori-Pädagogik implizit zum Ausdruck kommen.
Verwunderlich erscheint jedoch, dass eine Reihe von Quellen aus den neunzehnhundert siebziger und achtziger Jahren verwendet wird. (Seiten 12-17)
Fazit
Insgesamt gesehen ist es ein empfehlenswertes Buch, das in komprimierter Form wesentliche Problemlagen von Kindern mit Lernbeeinträchtigungen und Verhaltensstörungen umreißt sowie pädagogisch-therapeutische Maßnahmen aus praktischer Sicht erläutert und diskutiert.
Rezension von
Prof. Dr. Eva-Mia Coenen
Studienrichtungsleiterin Hilfen für Erziehung an der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn
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Es gibt 19 Rezensionen von Eva-Mia Coenen.





