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Gerd Gehrmann, Klaus D. Müller u.a.: Schluss mit der Demotivierung

Rezensiert von Andreas Ploog, 31.07.2013

Cover Gerd Gehrmann, Klaus D. Müller u.a.: Schluss mit der Demotivierung ISBN 978-3-8029-7515-8

Gerd Gehrmann, Klaus D. Müller, Uwe Säuberlich: Schluss mit der Demotivierung. Handbuch für die Praxis Sozialer Arbeit. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2011. 152 Seiten. ISBN 978-3-8029-7515-8. 22,50 EUR. CH: 36,40 sFr.
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Thema

Arbeitsorganisation und Motivation der Dienstleister der sozialen Arbeit sind die zentralen Themenschwerpunkte des vorliegenden Bandes. In Form eines Handbuches für die Praxis Sozialer Arbeit kommt ein Buch daher, dass provozieren, aufrütteln und sensibilisieren möchte für die speziellen Arbeitssituationen und komplexen Zusammenhänge im Feld der sozialen Dienstleistungsindustrie.

Autoren

Die Autoren Prof. Dr. Gerd Gehrmann und Prof. Dr. Klaus D. Müller lehren beide an der Fachhochschule Frankfurt a. M. am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit und sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet des Sozialmanagements. Uwe Säuberlich ist Diplom-Sozialarbeiter mit zahlreichen Zusatzqualifizierungen, u.a. im Bereich Fach- und Organisationsberatung. Er ist weiterhin im Vorstand der Initiative Jugendhilfe Bremerhaven e. V.

Aufbau

Der vorliegende Band umfasst 151 Seiten und gliedert sich in insgesamt 13 Kapitel, einschließlich Literatur- und Stichwortverzeichnis. Eine Grobgliederung in drei Teile ist auf den ersten Blick sinnvoll: Die ersten zwei Kapitel sind als Einleitung hilfreich und bieten einen hervorragenden Einstieg ins Thema. Die folgenden Kapitel 3 – 10 bilden den Hauptteil der Arbeit. Sie identifizieren und analysieren die einzelnen Motivationskiller, nämlich: Personalführung (Kap. 3), Organisationsstrukturen und Bürokratie (Kap. 4), Organisationskultur (Kap. 5), Arbeitsplatz und Ausstattung (Kap. 6), Verweigerung angemessener Entlohnung (Kap. 7), Arbeitsüberlastung (Kap. 8), berufliche Risiken (Kap. 9) und Interpersonale Konflikte und Mobbing (Kap. 10). Den Schluss bildet das Kapitel 11 „So wird Arbeitsmotivation langfristig zerstört“ . Es bringt die Ergebnisse noch einmal auf den Punkt und bietet eine Kurzanleitung in 20 Punkten wie Betroffene und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter endgültig demotiviert werden.

Inhalt

Unter dem Eindruck der provokativen Therapie nach Frank Farelly entstand dieser Band. Allein schon der Titel „Schluss mit der Demotivierung“ ist provokant. Provozieren wollen die Autoren nach eigenem Bekunden auch. Und das gelingt Ihnen immer wieder. Gleich im ersten Kapitel „Veränderung durch Provokation“ stellen die Autoren eine spannende These in den Raum: „Trotz modernen […] Qualitätsmanagement ist der schädliche Umgang mit der Ressource Arbeitskraft im öffentlichen Bereich ungleich höher […].“

Im zweiten Kapitel wird noch ein theoretischer Grundstock gelegt und der Forschungsstand zur Arbeitsmotivation dargelegt. Dabei werden die Klassiker – Maslow, Heckhausen, Herzberg et. al. – kurz angerissen und teilweise kritisch hinterfragt.

Es folgen sodann acht spannende Kapitel, die jeweils einen sogenannten Motivationskiller isoliert herausstellen und mit einem Fazit und konkreten Tipps enden. Da ist zum ersten die unprofessionelle Personalführung – ein Dauerthema. Hier zeigen die Autoren die Probleme deutlich auf, speziell für die „Sozialbranche“, wo allein schon der Begriff „Mitarbeiterführung“ die verschiedensten Probleme und Herausforderungen verursacht. Die gängigen Führungsstile werden erläutert und die demotivierenden Auswirkungen von Führungsfehlern. Im Fazit werden die wichtigsten Aspekte für eine motivierende Personalführung zusammengefasst. Die beiden nächsten Kapitel widmen sich der Organisationsstruktur und -kultur. Beide Kapitel sind angereichert mit zahlreichen Berichten und Beispielen aus der Praxis, die die Situation gut abbilden und beschreiben. Beiden gemeinsam ist, das eine funktionierende Kommunikation unerlässlich für Veränderungen und Motivierung der Betroffenen ist.

Äußere Aspekte, wie Ausstattung des Arbeitsplatzes, Entlohnung und Arbeitsbedingungen inklusiver der speziellen beruflichen Risiken sind die Themen der Kapitel 6 – 9. Hier werden die Problemfelder der Arbeitsbedingungen, „Be-lohnung“ und Überlastung sowie Sicherheit abgearbeitet. Besonders in der Sicherheit gibt es erhebliche Bedarfe, sowohl was physische und psychische Hygiene betrifft, als auch einen Schutz bei eventuellen formalen Fehlern.

Auch ein Dauerthema ist: Mobbing. Obwohl gesetzlich verboten lässt sich Mobbing am Arbeitsplatz nicht verhindern. Mobbing wird von den Autoren als Symptom einer organisationskulturellen Fehlentwicklung und schlechtem Betriebsklima eingestuft. Mögliche (theoretische) Auswege werden im Fazit dargelegt: Therapie für mobbende Beschäftigte, Versetzung oder im Extremfall Kündigung.

Das elfte Kapitel „So wird Arbeitsmotivation langfristig zerstört“ schließt den Band ab und fasst die wesentlichen Erkenntnisse und Motivationskiller in 20 Regeln zusammen.

Diskussion

Im Grunde genommen folgen die vielen Tipps und Anregungen, die sich im Fazit der einzelnen Kapitel finden, dem gesunden Menschenverstand. Sie sollten eigentlich selbstverständlich sein. Die vielen Beispiele der Autoren aus der Praxis jedoch belegen das Gegenteil. Herausgekommen ist Dank des provokativen Ansatzes und der vielen Praxisbeispiele ein gut lesbares Buch, das zum Nachdenken und hoffentlich zur Verhaltensänderung zumindest im öffentlichen Sektor beiträgt.

Besonders interessant und hervorhebenswert sind die letzten Seiten des Büchleins. Der „Ausblick auf eine generationenübergreifende Zerstörung von Arbeitsmotivation“. Thema sind hier die Bezieher von Transferleistungen oder die sogenannten Aufstocker. Das ist ein Themenfeld, das sicherlich oder hoffentlich noch in einem Folgeband näher analysiert werden wird.

Fazit

Der Band hat es in sich: provokant und satirisch bringt er die Dinge auf den Punkt! Ein interessantes und bemerkenswertes Buch ist hier herausgekommen, das besonders von Vorgesetzten und Personalverantwortlichen in der sozialen Arbeit und öffentlichen Verwaltung gelesen werden sollte. Gleichzeitig ist es für die dort Beschäftigten interessant und liefert auch Beratern und Supervisoren zahlreiche Impulse und Anregungen für die eigene, praktische Arbeit.

Auch wenn die Autoren diese Zielgruppe nicht im Blick gehabt haben: Für Studierende der Sozialen Arbeit liefert der Band einen guten Einblick in spätere Tätigkeitsfelder und gibt einen guten Einblick in die Praxis.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 31.07.2013 zu: Gerd Gehrmann, Klaus D. Müller, Uwe Säuberlich: Schluss mit der Demotivierung. Handbuch für die Praxis Sozialer Arbeit. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2011. ISBN 978-3-8029-7515-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10447.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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