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Susanne Nußbeck: Einführung in die Beratungspsychologie

Cover Susanne Nußbeck: Einführung in die Beratungspsychologie. UTB (Stuttgart) 2010. 2., durchgesehene Auflage. 215 Seiten. ISBN 978-3-8252-2784-5. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 30,50 sFr.

Reihe: UTB - 2784. Mit 94 Übungsfragen, 7 Abbildungen und 3 Tabellen.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4246-6 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Das vorliegende Buch gibt einen einführenden Überblick in vielfältige beratungspsychologisch relevante Aspekte, die sowohl für Studierende als auch Fachkräfte verschiedener Disziplinen, die beraterisch tätig sind, von Interesse sein können und sollten.

Aufbau und Inhalt

Nußbeck beginnt ihre Publikation mit einer Einführung, in der sie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion unter Berücksichtigung deren Entwicklung in Deutschland und angloamerikanischen Ländern beschreibt. Beratung wird von Therapie und Mediation abgegrenzt und in der Spezifität ihres Ansatzes herausgearbeitet. Fokussiert werden vor allem der pädagogisch-psychologische Bereich sowie die Soziale Arbeit. Die Vielfältigkeit der Themenfelder in der Beratung wird deutlich, ebenso die mangelnde Präzisierbarkeit des Beratungsbegriffs. Ethische Aspekte werden diskutiert.

In Bezug auf die Grundlagen der Kommunikationspsychologie werden verschiedene Kommunikationstheorien und –modelle vorgestellt: Encoder-Decoder, Organon, Kooperationsprinzip, Perspektivenübernahme, kommunikatives Handeln, Dialog sowie kollaboratives Modell. Nonverbale Kommunikation wird unter Betrachtung vielfältiger Aspekte (z.B.: Eindrucksteuerung, Rollenerwartung, Blickverhalten, Emotionsausdruck, Körperhaltung) als beeinflussende Größe der Kommunikation dargestellt.

Als weitere Grundlage für den Beratungsprozess werden theoretische Konzepte der Beratung skizziert. Diese werden unterteilt in die von „therapeutischen Schulen“ abgeleiteten Konzepte sowie die systemorientierten Konzepte. Zum einen erfährt die Leserin die Unterschiede zwischen psychoanalytisch orientierter, klientenzentrierter sowie kognitiv-behavioral orientierter Beratung in Bezug auf ihre Gründungsväter sowie ihre grobe Struktur. Zum anderen bekommt sie Grundlagen bezüglich der systemischen, lösungsorientierten sowie ressourcenorientierten Beratung vermittelt. In diesem Kapitel wird die Vielfalt beraterischer Ansätze in groben Zügen deutlich.

Nach dieser Ausdifferenzierung beraterischen Handelns betrachtet Frau Nußbeck im vierten Kapitel den Beratungsprozess mit seinen vielen verschiedenen Facetten und versucht damit einen Blick eher auf einer Metaebene, der verbindende Aspekte jeglicher Beratung, abgekoppelt von den vorher dargestellten verschiedenen Beratungsverständnissen, darzulegen. So werden z.B. verschiedene Aspekte des Settings auf der institutionellen, sächlichen und methodischen Ebene diskutiert. Neben der Beratung in Gruppen und der Krisenintervention wird ein deutliches Augenmerk auf den Veränderungsprozess im Rahmen der beraterischen Tätigkeit vom telefonischen Erstkontakt über das Aushandeln von Zielen und Erwartungen bis hin zu Ende des Beratungsprozesses gelegt. Das Kapitel schließt mit Überlegungen zur Bedeutung der Diagnostik in der Beratung und möglichen `Fehlern´, die beiden Beteiligten unterlaufen können sowie konzeptübergreifenden sowie –spezifischen Techniken und Methoden.

„In allen Untersuchungen zu Beratungsprozessen hat sich die Beratungsbeziehung als die aussagekräftigste Dimension erwiesen“ (S. 110). So ist es nicht verwunderlich, dass der Beziehungsgestaltung ein ganzes (wenn auch kleines) Kapitel gewidmet wird, das neben der Nennung der verschiedenen förderlichen beraterischen Kompetenzen den Fokus auf das Burn-out als eine große Gefahr in helfenden Berufen legt. Die besondere Gefährdung der Beraterin wird analysiert und protektive Faktoren genannt.

Um jedoch auch die Klienten vor unqualifizierter Beratung zu schützen wird im sechsten Kapitel die Evaluation von Beratungskonzepten und Beratungsprozessen diskutiert. Supervision in ihren verschiedenen Facetten als Lehrsupervision, berufsbegleitende Supervision, Teamfall- sowie Teamentwicklungssupervision werden der Leserin vorgestellt. Vor allem die enormen Schwierigkeiten einer qualitativ hochwertigen Beratungs- und Interventionsforschung werden diskutiert bevor Frau Nußbeck zu dem Schluss kommt: „Forschungen, die Beratungskonzepte, Wirkfaktoren und situative Bedingungen bewerten, sind sicher nötig, fehlen aber noch weit gehend“ (S. 135). Qualitätsmanagement mit seinen verschiedenen Ebenen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität wird als Handlungsoption erörtert.

In vielen Beratungsfeldern ist neben dem Beratungswissen auch spezifisches Sach- und vor allem Institutionswissen für eine qualitativ hochwertige Beratung nötig. Rahmenbedingungen, gesetzliche Grundlagen aber auch die realisierbaren Ziele in Beratungsprozessen variieren zum Teil erheblich. Demgemäß bekommt der Leser in diesem Kapitel einen Überblick über Spezifika verschiedener psychosozialer Beratungsfelder: Erziehungs- und Familienberatung, Beratung in Schule, Aus- und Weiterbildung, Beratung in der Frühförderung, bei chronischer Krankheit oder Behinderung oder bei Abhängigkeit und Sucht.

Das Buch schließt mit zwei Seiten, in denen aktuelle Entwicklungen skizziert werden.

Da das Buch im Reinhardt-Verlag in der UTB-Reihe als ein Lehrbuch konzipiert ist, weist es folgende methodisch-didaktischen Merkmale auf: Durch verschiedene Piktogramme am Textrand werden Hinweise auf Definitionen, Forschungen/Studien, Fallbeispiele sowie Fragen zur Wiederholung am Ende eines Kapitels gegeben. Damit sind die weiteren Besonderheiten schon genannt: Der informierende Text wird an vielen Stellen durch Fallbeispiele ergänzt. Die Kapitel enden jeweils mit Fragen zur Wiederholung.

Diskussion

Frau Nußbeck gelingt in dieser zweiten, durchgesehenen Auflage ein umfassender Überblick über alle relevanten Bereiche der Beratungspsychologie. Diese Einführung ermöglicht der Leserin, einen differenzierten Kenntnisstand über relevante Bereiche des Themas zu bekommen.

Leider wurde dieses schon vor einigen Jahren in der ersten Auflage erschienene Buch nicht überarbeitet, so dass sich trotz der fachlich hohen Qualität als nachteilig für die Leser erweist, dass an fast keiner Stelle (Ausnahme S. 17) aktuelle Literatur nach 2004 eingefügt wurde. So fehlen zum einen an vielen Stellen Hinweise zu fachwissenschaftlich relevanten neueren Publikationen, zum anderen hätten manche Aspekte fachlich differenzierter und aktueller diskutiert werden können. Hier sind als ausgewählte Beispiele die fehlenden neuesten Erkenntnisse zu den Spiegelneuronen (S. 47) zu nennen als auch die eher plakativ dargestellte Situation der Eltern behinderter Kinder in der Frühförderung – auch hier zeichnen neue Forschungsergebnisse ein durchaus differenzierteres Bild der elterlichen Situation ab (vgl. Leyendecker 2008 und 2010). Wünschenswert wären in Bezug auf die Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten Hinweise auf die Verwendung von `leichter Sprache´ als auch die Beratung bezüglich der Nutzung von Kommunikationshilfen als spezifischem Beratungsgegenstand gewesen.

Zur methodisch-didaktischen Aufbereitung ist anzumerken, dass die Beispiele, die an vielen Stellen in die Texte eingefügt sind, sehr unterschiedlich in den dargestellten Inhalt eingebunden sind. An manchen Stellen werden sie grob analysiert und geben so der Leserin nützliche weitere Anregungen an anderen Stellen werden sie leider nicht einmal kommentiert.

Die Fragen am Ende der Kapitel fordern allenfalls noch einmal zu einer genauen Lektüre des Textes auf, regen aber weder zur weiteren Übertragung auf Praxisbereiche an noch zur differenzierten, über die Inhaltsvermittlung hinausgehenden Diskussion und Vertiefung. Eine die Inhalte der Kapitel verbindende Anregung zur Weiterentwicklung erfolgt nicht. Dies ist besonders bei einem Lehrbuch zu bemängeln, da die Reproduktion von Wissen nicht aktuellen Prüfungsanforderungen entspricht.

Fazit

Auch wenn sechs Jahre aktueller Literaturbezüge fehlen und die methodisch-didaktische Aufbereitung optimiert werden könnte, bietet diese Neuauflage dennoch eine umfassende Einführung in die Beratungspsychologie.


Rezension von
Prof. Dr. Barbara Ortland
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Zitiervorschlag
Barbara Ortland. Rezension vom 12.01.2011 zu: Susanne Nußbeck: Einführung in die Beratungspsychologie. UTB (Stuttgart) 2010. 2., durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-8252-2784-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10456.php, Datum des Zugriffs 25.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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