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Uwe Wolfs: Pflegebedürftig

Cover Uwe Wolfs: Pflegebedürftig. Der Ratgeber. Hirzel Verlag (Stuttgart) 2010. 240 Seiten. ISBN 978-3-7776-2119-7. 17,90 EUR, CH: 30,40 sFr.

Reihe: MedizinWissen.
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Thema

In Deutschland leben derzeit rund zwanzig Millionen Senioren, von denen knapp zehn Prozent, also zwei Millionen, pflegebedürftig sind und entsprechende Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Angesichts der mit einer deutlichen Überalterung gekennzeichneten demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft sowie den sich stark veränderten Sozialstrukturen unserer Haushalte wird Pflegebedürftigkeit für immer mehr Menschen zu einem Thema, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Hierbei geht es zumeist um die Beantwortung konkreter Fragen: Wo finde ich zuverlässigen Rat? Welche Eventualitäten muss ich bedenken? Wie kann ich möglichst lange meine Selbstständigkeit erhalten? Kann die Pflege zu Hause stattfinden oder muss ich in eine stationäre Einrichtung? Und welche Einrichtung wäre dann die beste? Gibt es auch alternative Möglichkeiten der Pflege und des Wohnens? Und vor allem: Wer kann, soll oder muss das alles bezahlen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Uwe Wolfs in dem von ihm vorgelegten Ratgeber „Pflegebedürftig“.

Autor

Uwe Wolfs, Jahrgang 1961, arbeitete zunächst nach Ausbildung und Tätigkeit in der Altenpflege viele Jahre als Lehrer und Schulleiter in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Pflege und beratend in der Organisations- und Qualitätsentwicklung der Altenpflege. Seit einigen Jahren leitet er eine bundesweit als modellhaft anerkannte vollstationäre Einrichtung der Altenhilfe und des betreuten Wohnens sowie geschäftsführend einen ambulanten Pflegedienst.

Entstehungshintergrund

Mit dem Buch „Pflegebedürftig. Der Ratgeber“ eröffnet der alcorde Verlag (in Kooperation mit dem S. Hirzel Verlag) seine neue „Weiße Reihe“. Diese Reihe, in der es ausschließlich um Fragen und Probleme der „Generation 60 plus“ gehen soll, möchte laut Verlagsangaben ihre Leser „mit der beeindruckenden Fülle an kreativen Gestaltungsmöglichkeiten bekannt machen, mit denen viele dieser Menschen ihr Leben mit neuem Sinn und gesteigerter Lebensfreude erfüllen. Sie will informieren und beraten, will Anregungen und Themen aus ihrer Mitte und von ihren Rändern aufgreifen und von kompetenten Autoren behandeln lassen.“ Der erste Band widmet sich dabei einem Thema, das die Mehrzahl der 20 Millionen Senioren in Deutschland – für Autor und Verlag zugleich eine verlockend große Käuferschicht – bewegen könnte: Was mache ich für den Fall, dass ich pflegebedürftig werde?

Aufbau

Nach einer Einführung in das Thema beziehungsweise einem kurzen Überblick über Hilfsangebote in unterschiedlichen Lebenssituationen (S. 10-15) gliedert sich der Ratgeber in die folgenden zehn Kapitel:

  1. Pflegebedürftigkeit und Pflegestufen – Ein Beratungsgespräch (S. 16-51).
  2. Barrierefreies Wohnen in den eigenen vier Wänden (S. 52-69).
  3. Betreutes Wohnen – Möglichleiten und Grenzen (S. 70-88).
  4. Ambulante Beratung, Betreuung und Pflege (S. 90-118).
  5. Tages- / Nachtpflege und Kurzzeitpflege (S. 120-140).
  6. Wohngemeinschaften (S. 142-153).
  7. Vollstationäre Versorgung – Die Senioreneinrichtung (S. 154-177).
  8. Gesetzliche Betreuung und Vorsorgevollmacht (S. 178-191).
  9. Weitere rechtliche und allgemeine Aspekte bei Pflegebedürftigkeit (S. 192-205).
  10. Anhang (S. 206-246).

Inhalt

Zur Intention des Buches schreibt Uwe Wolfs in seinem Vorwort: „Seit Jahren wächst die Zahl der Wohn-, Betreuungs- und Pflegeangebote für Senioren und andere der Hilfe bedürftige Menschen, und auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern sich in rascher Folge, so dass der Markt der Möglichkeiten immer größer und unübersichtlicher wird. Viele Menschen haben häufig keine oder nur ungefähre Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen des Systems Pflege. Auch die nach der Pflegereform 2008 veränderten und neuen Leistungen, etwa die Verbesserung in der Betreuung von Menschen mit Demenz oder die erweiterten Beratungsleistungen, sind vielfach noch unbekannt. Dies führt, wie ich aus meiner täglichen Praxis weiß, zu einer wachsenden Verunsicherung bei den Betroffenen, die ein auf ihre persönliche Situation zugeschnittenes Angebot und einen zuverlässigen Wegweiser suchen. Deshalb will ich mit diesem Buch Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen einen Ratgeber in die Hand geben, der sie auf leicht verständliche und nachvollziehbare Weise auf ihre Möglichkeiten und Ansprüche aufklärt und in die Lage versetzt, frei und selbstbestimmt den richtigen Weg und das passende Angebot für sich zu finden“ (S. 9).

Anhand von lebensnahen Praxisbeispielen und Berücksichtigung der aktuellen Gesetzesreformen erklärt der Autor in neun Kapiteln ausführlich sämtliche Themen des betreuten Wohnens, der ambulanten Pflege, der Tages- und Kurzzeitpflege bis hin zur vollstationären Versorgung sowohl in sozialer, finanzieller wie auch rechtlicher Hinsicht, ebenso wie die Leistungen und Leistungsgrenzen der Pflegeversicherung, der Aufbau der Pflegestufen sowie alle rechtlichen Aspekte des Heimaufenthaltes, der Betreuung, der Vorsorgevollmacht und der Patientenverfügung.

Die zum Teil sehr komplexen Themen wie unterschiedliche Wohnformen, die Leistungen der Pflegeversicherung und anderer Kostenträger, die Angebote professioneller Pflegeeinrichtungen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen werden in einer leicht verständlichen Sprache behandelt. Am Ende von jedem Kapitel finden sich Hilfsmittel in Form von Checklisten und Hinweise auf Informationsquellen mit vertiefendem Inhalt.

Im 1. Kapitel („Pflegebedürftigkeit und Pflegestufen – Ein Beratungsgespräch“) geht es in einem der Praxis nachempfundenen Beratungsgespräch um die erste Begegnung mit einem Pflegeberater: Mit welchen Erwartungen darf ich in das Gespräch gehen? Welche Hilfen werden mir dort angeboten? Neben den Zielen der Pflegeversicherung wird hier auch der Begriff der Pflegebedürftigkeit erläutert, wie ihn das Pflegegesetz versteht. In lebendig anschaulicher Weise wird sodann die Vorgehensweise zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Ermittlung des Pflegebedarfs beschrieben, von der Antragstellung bei der Pflegekasse über die Vorbereitung des Besuchs durch den Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung und die Durchführung der Begutachtung bis hin zum Bescheid durch die Pflegekasse.

Im 2. Kapitel („Barrierefreies Wohnen in den eigenen vier Wänden“) werden Möglichkeiten und Maßnahmen dargestellt, die in der eigenen Wohnung umgesetzt werden können, um diese barrierefrei zu gestalten. Neben der Veränderung der Wohnung in einzelnen Bereichen und die mögliche Finanzierung wird hierbei auch auf die Angebote der Wohnberatung durch die Kommunen und die neu entstehenden Pflegestützpunkte hingewiesen.

Das 3. Kapitel („Betreutes Wohnen – Möglichleiten und Grenzen“) befasst sich mit den Angeboten des betreuten Wohnens, einer Wohnform, die seit etwa Anfang der neunziger Jahre angeboten wird und sich zunehmender Nachfrage erfreut. Neben dem Hinweis auf die Leistungsgrenzen des betreuten Wohnens geht es auch um Aussagen zur Barrierefreiheit der Wohnungen, der Lage und Anbindung an die örtliche Umgebung sowie zu den Vertragsverhältnissen und Betreuungsleistungen.

Im Mittelpunkt des 4. Kapitels („Ambulante Beratung, Betreuung und Pflege“) stehen Angebote der ambulanten Versorgung, die ein möglichst langes Leben in den eigenen Hauswänden gewährleisten. Hingewiesen wird in diesem Zusammenhang auch auf die Differenzierung von Pflegegeldleistungen und Pflegesachleistungen, die Kombination aus beiden Leistungsformen sowie weitere mögliche Leistungen im ambulanten Bereich, einschließlich der Unterstützungsmöglichkeiten für die Pflegeperson.

Im 5. Kapitel („Tages- / Nachtpflege und Kurzzeitpflege“) wird nicht nur das Leistungsspektrum der Tages- und Nachtpflege, die vom Gesetzgeber mit der Pflegereform 2008 finanziell deutlich besser ausgestattet wurden, vorgestellt, sondern auch das Angebot der Kurzzeitpflege, die damit verbundenen Leistungen sowie die dazu nötige Finanzierung erörtert.

Das 6. Kapitel („Wohngemeinschaften“) beschreibt als Alternative zur vollstationären Pflege die seit etwa zehn Jahren immer bekannter gewordenen Wohngemeinschaften einschließlich der hierbei zu beachtenden inhaltlichen und finanziellen Bedingungen.

Im 7. Kapitel („Vollstationäre Versorgung – Die Senioreneinrichtung“) werden neben den zu erwartenden differenzierten Angeboten einer vollstationären Einrichtung, den Einzugsvoraussetzungen und den Mitbestimmungs- und Teilhabemöglichkeiten auch die finanziellen Rahmenbedingungen erläutert.

Das 8. Kapitel („Gesetzliche Betreuung und Vorsorgevollmacht“) beleuchtet die Situation derjenigen Menschen, die – je nach vorhandenen oder verbliebenen Fähigkeiten – ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können. Zugleich werden die Möglichkeiten einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung im Vorfeld einer gerichtlich angeordneten Betreuung sowie die Rechte des unter Betreuung stehenden Menschen angesprochen.

Im 9. Kapitel („Weitere rechtliche und allgemeine Aspekte bei Pflegebedürftigkeit“) geht es um weitere rechtliche Grundlagen und Möglichkeiten, die im Gesamtzusammenhang bei Pflegebedürftigkeit wichtig sein können. Hierbei werden insbesondere neue rechtliche Regelungen zur Patientenverfügung und die Form und Wirkung einer solchen Verfügung beschrieben. Darüber hinaus werden allgemeine Bedingungen von so genannten freiheitseinschränkenden Maßnahmen bei Selbst- oder Fremdgefährdung sowie Überlegungen zur Reduzierung solcher Maßnahmen angesprochen und rechtliche Möglichkeiten des Pflegebedürftigen bei angenommener falscher Pflegeinstufung vorgestellt.

Das 10. Kapitel („Anhang“) enthält in Form von Dokumentationen die folgenden sieben Anlagen:

  1. Verrichtungen und Zeitorientierungswerte für die Ermittlung von Pflegezeiten / Faktoren, die die Pflege erschweren oder erleichtern.
  2. Verfahren zur Feststellung erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz.
  3. Die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen.
  4. Vorsorgevollmacht.
  5. Betreuungsverfügung.
  6. Textbausteine für eine Patientenverfügung.
  7. Formulierungshilfe für ein Widerspruchsschreiben.

Ergänzt wird die Darstellung schließlich durch Hinweise auf nützliche Quellen und Adressen (S. 247-249) sowie ein ausführliches Stichwortverzeichnis von A bis Z (S.250-253).

Diskussion

Aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit kennt Uwe Wolfs nur allzu gut die Fragen und Sorgen, die Nöte und Verunsicherungen pflegebedürftiger Menschen. Für ihn ist aber nicht nur wichtig, die richtigen Antworten auf die jeweilige besondere Lebenssituation der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu finden. Wichtiger noch ist, wie er in seiner täglichen Praxis erlebt, den verunsicherten Menschen gegenüber den richtigen Ton zu treffen und ihnen die Informationen so zu vermitteln, dass sie Vertrauen fassen und ein übergreifendes Verständnis davon erhalten, welche Wege und Möglichkeiten sich ihnen im Fall der Pflegebedürftigkeit eröffnen. Sein zentrales Anliegen dabei ist, diesen Menschen angesichts ihrer Angst vor vermeintlich drohender Unselbständigkeit im Fall der Pflege die Gewissheit zu vermitteln, dass dies nicht bedeuten muss, ihre Selbstbestimmung und Würde zu verlieren.

Fazit

Mit „Pflegebedürftig“ liegt ein nützlicher Ratgeber vor, der klare und umfassende Antworten auf schwierige Fragen gibt – lebensnah, praxiserprobt und aktuell. Insofern handelt es sich auch um ein sinnvolles und empfehlenswertes Buch für alle, die sich Gedanken um ihre zukünftige Versorgung machen oder für ihre pflegebedürftige Angehörige verantwortlich sind.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 02.12.2010 zu: Uwe Wolfs: Pflegebedürftig. Der Ratgeber. Hirzel Verlag (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-7776-2119-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10485.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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