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Thilo von Trotha: Reden professionell vorbereiten

Rezensiert von Andreas Ploog, 13.01.2011

Cover Thilo von Trotha: Reden professionell vorbereiten ISBN 978-3-8029-3845-0

Thilo von Trotha: Reden professionell vorbereiten. So gewinnen Sie Ihre Zuhörer. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2010. 272 Seiten. ISBN 978-3-8029-3845-0. 29,00 EUR.
Reihe: Walhalla Metropolitan. Executive edition
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Thema

Die Vorbereitung von Reden ist, das verrät auch schon der Titel, Thema des vorliegenden Buches von Thilo von Trotha. Reden und Vorträge werden zu unzähligen Anlässen gehalten. Rhetorisches Geschick und professionelles Reden sind schon seit der Antike wichtige Kompetenzen für eine erfolgreiche Karriere, nicht nur in der Politik. Das das Ganze auch Spaß machen kann vermittelt eindrucksvoll der vorliegende Ratgeber. Zahlreiche Titel sind bereits zum gleichen Thema erschienen, glaubt man dem Autor dieses Buches, so hält man ein Standardwerk zum Thema in den Händen. Reden halten erfordert nicht nur Begabung, sondern auch das Beherrschen wichtiger Grundsätze und vor allem harte Arbeit und viel Übung. Welche Grundsätze sind zu beachten? Welche Klippen zu umschiffen? Welches Handwerkszeug ist wichtig? Auf all diese Fragen gibt es gute Antworten. Was gesagt wird, ist nicht immer unbedingt neu, aber es kommt sehr unterhaltsam und nachvollziehbar rüber. Reden schreiben und halten kann gelernt werden, so auch eines der zahlreichen lateinischen Zitate im Buch: „Poeta nascitur, orator fit“ – Der Dichter wird geboren, der Redner gemacht.

Autor

Der Autor ist promovierter Jurist, Gründer der Agentur „Reden und Texte“ und erfahrener Redenschreiber. Nach eigenen Angaben hat er mittlerweile über 2.000 Reden für Führungskräfte und Politiker verfasst. Sechs Jahre hat er Reden für den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt geschrieben. 1998 hat Thilo von Trotha die Agentur „Rent-a-Ghost“ gegründet, ein Vermittlungsdienst für professionelle Redenschreiber.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel unterschiedlicher Länge nebst Einleitung und Nachwort. Ein kommentiertes Literaturverzeichnis runden das Lehr- und Nachschlagewerk ab, ein Namensregister sowie ein Sachregister bieten gute Orientierungs- und Nachschlagemöglichkeiten. Insgesamt wirkt der Band gut gegliedert, wichtige Textpassagen wie etwa Praxistipps sind hervorgehoben und so leichter (wiederzu-)entdecken. Die Kapitelüberschriften der vorangestellten Schnellübersicht sind ansprechend formuliert und hilfreich.

Inhalt

Das Buch beginnt locker und motivierend mit einer unterhaltsamen Einleitung die die Kapitelüberschrift „Reden macht Spaß!“ trägt. Über einige kleine Umwege und historische Beispiele bringt der Autor dann schließlich die Relevanz der Rhetorik auf den Punkt: „Je demokratischer und arbeitsteiliger eine Gesellschaft ist, desto wichtiger werden Reden und Sprache.“ (S. 8)

Im ersten Kapitel „Grundsätze der Redenvorbereitung“ wird zunächst fein unterscheiden zwischen Rede und Vortrag. Beide unterscheiden sich nach von Trotha in ihrem jeweiligen Schwerpunkt: eine Rede diene der Willensbeeinflussung, Vorträge überwiegend der Wissensvermittlung. Schließlich unterscheidet er vier Redeziele:

  1. Information,
  2. Motivation,
  3. Ausdruck der persönlichen Stimmung und
  4. Unterhaltung, die sich lediglich in den Beeinflussungszielen unterscheiden.

Im Praxistipp erfährt der Leser dann, dass die Redeziele nicht universell sind, sondern am besten alle in einer guten Rede vertreten sein sollten.

Im nächsten Kapitel „Die fünf Startlöcher für ein gutes Manuskript“ geht es zunächst um den professionellen Umgang mit dem sog. Lampenfieber. Als wirksamstes Instrument gegen Lampenfieber nennt der Autor eine gute und intensive Vorbereitung. Kernbotschaft dieses Kapitels ist die Aussage „Kompliziert denken und einfach reden“. Eine der zentralen Fähigkeiten eines überzeugenden Redners ist es, komplizierte Sachverhalte so auszudrücken, dass sie jeder versteht. Hier greift von Trotha wie so oft auf Helmut Schmidt als Paradebeispiel zurück.

Das dritte Kapitel „Form und Inhalt der Rede“ ist mit zwei Seiten eines der kürzesten. Es zeigt die Vorliebe des Autors für lateinische Zitate „Rem tene, verba sequentur!“ – Halte dich an die Sache, die Worte werden schon folgen. So greift der Autor seinen Tipp gegen Lampenfieber auf – gute Vorbereitung – und fokussiert auf die Sachkompetenz.

Diese wird wiederum wichtig im nächsten Kapitel „Jedes gute Redemanuskript braucht eine klare Botschaft“. Das heißt, wer redet, muss wissen worüber er spricht und welche Botschaft er hat.

Das fünfte Kapitel „Die sieben Sterne, nach denen der Redner greifen muss“ ist mit rund neunzig Seiten das umfangreichste und vermittelt wichtige Grundregeln und Techniken für den professionellen Redner. Nacheinander handelt von Trotha die von ihm erstellten sieben Grundregeln für eine zuhörergerechte Rede ab und stellt hier verschiedene rhetorische Stilmittel und deren Einsatzmöglichkeiten vor. Dabei beschränkt sich der Autor erfreulicherweise auf fünf Stilmittel – Metapher, Anapher, Epipher, Anadiplose und rhetorische Frage – die allesamt gut erklärt und praxisnah erläutert werden und somit zukünftig leicht in der Praxis angewendet werden können.

Im sechsten Kapitel „Gefährliche Klippen einer Rede umschiffen“ bekommt der Leser praxisnahe und brauchbare Tipps für die Redepraxis. Über die richtige Anrede des Publikums und den gelungen Einstieg bis hin zum Schluss einer Rede und dem richtigen Umgang mit Dank erhält der aufmerksame Leser viele wichtige Hinweise. Hervorzuheben hier ist der Teil, der sich dem richtigen Umgang mit Zitaten, Jahrestagen und Fakten widmet.

Das siebente Kapitel „Handwerkliche Sicherheit bei der Redevorbereitung“ nennt die wichtigsten Fragen, die sich Redner und Redenschreiber vor einer Rede stellen sollten und gibt 28 Tipps zur professionellen Redenvorbereitung.

Im letzten Kapitel „Die wichtigsten Redetypen“ unterscheidet von Trotha zwischen neun verschiedenen Redetypen, die Motivationsrede, Trauerreden, Reden im Familienkreis oder Stegreifreden, um nur einige zu nennen. Hervorzuheben hier sicherlich das Kapitel, dass sich den Ad-hoc-Minutenreden, den sog. Stegreifreden, widmet. Vier Grundregeln bietet der Autor an, um diese erfolgreich zu meistern, eine scheint mir besonders erwähnenswert: „Konzentrieren Sie sich ganz und gar auf die Kernaussage. Vermeiden Sie jede Weitschweifigkeit. Haben Sie den Mut, nach fünf oder sieben Sätzen aufzuhören.“ (S. 251) Mit drei Beispielen endet das Lehrwerk, es folgt noch ein Brief an zukünftige Redenschreiber als eine Art Nachwort.

Diskussion

Es gibt bereits eine Vielzahl ähnlicher Titel und Ratgeber zum Thema professionelles Reden. Wie auch das vorliegende Buch, haben alle anderen Ratgeber Stärken und Schwächen. An diesem Buch stören mich die vielen, oft sehr abgehobenen Redebeispiele, die oft von Bundesministern a. D. oder vom Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt stammen. Das wirkt auf mich ein wenig wie „Namedropping“, dabei hat der Autor es gar nicht nötig, derartige Aufwertungsversuche zu platzieren. Denn eines wird beim Lesen deutlich: Hier schreibt jemand, der was von der Materie versteht und Dinge auf den Punkt bringen kann.

Fazit

Der Autor ist ohne jeden Zweifel ein erfahrener Redenschreiber mit professioneller Expertise. Das lässt er im Buch auch immer wieder einfließen, wenn auch gelegentlich mit etwas zu umfangreichen Zitaten und Redebeispielen. Insgesamt ist die Lektüre jedoch ein Gewinn und eine Bereicherung für jeden, der eigene Reden vorbereiten und halten darf. Schließlich wird man vor den größten Gefahren gewarnt und bekommt viel nützliches Handwerkszeug vermittelt und die Lektüre macht Spaß.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 13.01.2011 zu: Thilo von Trotha: Reden professionell vorbereiten. So gewinnen Sie Ihre Zuhörer. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2010. ISBN 978-3-8029-3845-0. Reihe: Walhalla Metropolitan. Executive edition. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10498.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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