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Elisabeth Bubolz-Lutz, Eva Gösgen u.a.: Geragogik

Cover Elisabeth Bubolz-Lutz, Eva Gösgen, Cornelia Kricheldorff, Renate Schramek: Geragogik. Bildung und Lernen im Prozess des Alterns ; das Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. 279 Seiten. ISBN 978-3-17-021164-3. 39,80 EUR.
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Thema …

Bildung und Lernen bis ins hohe Alter hinein werden zunehmend als Schlüssel sowohl für das Erleben eines individuell sinnerfüllten Lebens in der zweiten Lebenshälfte als auch zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels gesehen. Die eher junge Wissenschaftsdisziplin Geragogik sucht Antworten auf die Frage, wie sich die Gestaltung eines sinnerfüllten, körperlich und geistig beweglichen Lebens in den vielfältigen Lebenslagen des Alters unterstützen lässt. Auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse (Gerontologie, Neurobiologie, Bildungswissenschaft etc.) entwickelt sie didaktische Konzeptionen und bietet Anregungen, diese in passende Bildungsarrangements umzusetzen. Dieses – als Lehrbuch konzipierte - Buch gibt eine Übersicht über die Geragogik in Forschung, Praxis und Lehre. Es informiert über ihren Forschungsansatz, Prinzipien und Methoden eines partizipativ angelegten Lernens mit Älteren.

… und Autorinnen

  • Professor Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz, Universität Duisburg-Essen und KFH Freiburg sowie Direktorin des Forschungsinstituts Geragogik;
  • Dr. Eva Gösken, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziale Gerontologie mit dem Schwerpunkt Lebenslaufforschung an der TU Dortmund;
  • Professor Dr. Cornelia Kricheldorff, Leiterin des Instituts für Angewandte Forschung, Entwicklung und Weiterbildung der Katholischen Fachhochschule Freiburg; Dr. Renate Schramek, Lehrbeauftragte und Stellvertretende Direktorin des Forschungsinstituts Geragogik, Witten.

Aufbau und Inhalte

Nach den eher einleitenden ersten drei Kapiteln
1. Geragogik – begriffliche Klärungen
2. Historische Entwicklung der Geragogik
3. Verortung der Geragogik
werden in Kap. 4 „Grundlagen der Geragogik“ (4.1 „Das Menschenbild – geragogische Grundorientierungen“ und 4.2 „Begründungszusammenhänge und theoretische Grundlagen“) expliziert und in Kap. 5 „Die Geragogik in der aktuellen Forschung: Forschungsfelder und Forschungsmethoden“ skizziert.

Kap. 6 bildet eines der Hauptkapitel des Lehrbuchs, indem es „Forschungsergebnisse zu Bildungs- und Lernprozessen in der zweiten Lebenshälfte“ vorstellt. Da die gegenwärtigen (und zukünftigen) Kohorten älterer Menschen sich von früheren Kohorten durch ein höheres Bildungsniveau unterscheiden, lebenslanges Lernen also mit hoher Wahrscheinlichkeit selbstverständlicher wird, ist das Wissen über das Bildungsverhalten aktueller und zukünftiger Generationen eine wesentliche Grundlage für Theorie und Praxis. Entsprechend wird in diesem Kapitel der Kenntnisstand zu Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen vorgestellt, weiter: welche Einflussfaktoren auf die Lern- und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft einwirken, sowie Erkenntnisse zu Bildungsbeteilung, Bildungsverhalten und -motivation zum einen und Barrieren gegenüber einer Beteiligung an Bildungsangeboten zum anderen präsentiert. Auf dieser Grundlage werden in

Kap. 7 „Aktuelle didaktische Prinzipien und Beispiele für ihre methodische Umsetzung“ entwickelt: Auf der Grundlage von Differenzialität als Merkmal einer alterssensiblen Didaktik zum einen und dem konstruktivistischen Konzept der Ermöglichungsdidaktik zum anderen werden acht didaktische Prinzipien formuliert (z.B.: „Anregung zum Erfahrungsaustausch“ und „Thematisierung der Lernbiographie“).

Kap. 8 beschreibt zentrale „Lernfelder im Alter“ (wie beispielsweise Biografie und Identität, Sinn und Spiritualität, Kreative Lebensgestaltung, Gesundheit, Krankheit, Behinderung, Generationendialog, Medien und neue Kommunikationstechnologien im Alltag, Freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement etc.). Ebenso ausdifferenziert wie das hier ausgebreitete thematische Spektrum werden in

Kap. 9 „Geragogische Handlungsfelder“ beschrieben. Neben „traditionellen Bildungsorten“ (wie Volkshochschulen) sind auch informelle Lernorte (Austausch mit Freunden, durch ehrenamtliche Tätigkeiten etc.) aufgeführt. Abschluss und Abrundung des Lehrbuches bilden die folgenden drei Kapitel:
10. Qualitätsentwicklung
11. Aus-, Fort- und Weiterbildung für geragogisches Handeln
12. Ausblick: Geragogik als Wegbereiterin für eine lebensbegleitende Bildung für alle.

Fazit

Das vorgelegte Lehrbuch stellt eine anspruchsvolle und breit und sorgfältig durchgeführte Darstellung eines bislang eher randständig bearbeiteten Themas dar. Der Band bietet eine sehr gute Einführung in Begriffe, Konzepte und Forschungsfelder der Geragogik. Dabei wird er auch im sprachlichen und gestalterischen Zugang dem eigenen Anspruch eines Lehrbuches gerecht: Der sprachliche Stil ist fachlich orientiert und angemessen differenziert ohne ausschließlich für akademische Insider lesbar zu sein. Das zweispaltige Lay-out ist lesefreundlich; sehr hilfreich sind auch die kurzen Zusammenfassungen und die jeweils ein bis vier einschlägigen Literaturempfehlungen am Ende eines jeweiligen Kapitels, sowie aussagekräftige Abbildungen, Linkverzeichnis, Glossar und Stichwortverzeichnis.


Rezensent
Prof. Dr. Heinz Bartjes
Hochschule Esslingen, Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Arbeitsschwerpunkte: Soziale Altenarbeit; Männer- und Geschlechterforschung; Theater und Soziale Arbeit, Bürgerschaftliches Engagement.
Homepage www.hs-esslingen.de/mitarbeiter/Heinz.Bartjes
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Zitiervorschlag
Heinz Bartjes. Rezension vom 12.01.2011 zu: Elisabeth Bubolz-Lutz, Eva Gösgen, Cornelia Kricheldorff, Renate Schramek: Geragogik. Bildung und Lernen im Prozess des Alterns ; das Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-17-021164-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10517.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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