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Sabine Allwinn: Stressbewältigung

Cover Sabine Allwinn: Stressbewältigung. Eine multiperspektivische Einführung für die Soziale Arbeit und andere psychosoziale Professionen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2010. 254 Seiten. ISBN 978-3-932650-34-5. 19,80 EUR.

Reihe: Unterrichtsmaterialien und Lehrbücher - 4.
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Thema

Es geht um das Thema Stress und dessen Bewältigung in der sozialen und/oder seelsorgerlichen Arbeit mit Ratsuchenden, sowie mit dem eigenen beruflich erlebten Stress. Wobei Stress als Anspannung, Druck, Körperreaktion, Überlastung u.v.m. gesehen wird aufgrund eines bestimmten ungünstigen Umfeldes in Verbindung mit Erfahrungen und individuellen Einstellungen. Die Bewältigung von Stress bleibt nach diesem Verständnis nicht auf intrapsychische Prozesse beschränkt. Darüber hinaus geht es in diesem Buch um Bewältigung von sehr starkem Stress in Krisen und Traumata.

Autorin

Die Autorin ist promovierte Psychologin, Diplomsoziologin und psychologische Psychotherapeutin. Sie hat Praxiserfahrungen in der Onkologie und Psychosomatik gesammelt und unterrichtet seit 1997 als Professorin für Psychologie an der Evangelischen Hochschule in Freiburg.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch entstand auf dem Hintergrund eines Seminars im Hauptstudium an oben genannter Hochschule mit dem Titel: „Mehrperspektivisches Verständnis von Bewältigung, Bewältigungsformen und -aufgaben.“

Aufbau

Die Besonderheit des Aufbaus ist die in allen Kapiteln durchgezogene Kontinuität einer begleitenden Geschichte aus dem Migrationsbereich und die zur Selbstreflexion anregenden Fragen mit der Aufforderung zu schriftlichen Fixation, sowie die stringenten Zusammenfassungen am Ende der Kapitel.

Inhalt

Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel.

Nach der Einleitung in Kapitel 2 geht es um das Verständnis der Praxis der Sozialen Arbeit aus verschiedenen Perspektiven geht. Was kennzeichnet professionelles methodisches Handeln? Es werden drei Zugänge vorgestellt:

  1. Das eher therapeutische Vorgehen, dass mit der Anamnese beginnt über die Diagnose zur Intervention und schließlich mit der Evaluation endet.
  2. Das Vorgehen, in dem der „Professionelle Habitus“ im Mittelpunkt steht.
  3. Hier soll die Wissenschaft Grundlage für die Praxis sein, indem fallbezogene Collagen entwickelt und angewendet werden.

Anschließend wird auf die Mehrperspektivität des menschlichen Handelns eingegangen

Im Kapitel 3 wird das Thema Alltagsorientierung und Lebensbewältigung behandelt.

Erst im Kapitel 4 und 5 wird das Titelthema Stress angesprochen und zwar von der körperlichen Funktion bis zu den verschiedenen Stress-Erklärungsmodellen.

Im Kapitel 6 geht es um die soziale Bewältigung, um Einflüsse aus der Umwelt, Interaktion und kollektive Bewältigung in Familien, Netzwerken oder Organisationen.

Im letzten Kapitel 7wird auf das eingangs erwähnte Thema der besonderen Belastungen und Traumata eingegangen. Krisen gehören zum Leben, es ist wie im normalen Stress auch hier eine Frage von Ressourcen und Handlungsspielräumen, wie damit umgegangen werden kann. In diesem Kapitel werden Definitionen, Verlaufsmodelle von Krisen, Traumatisierungen, Prozesse der Behandlungen dargestellt, sowie die Wirklichkeit von Traumaüberlebenden charakterisiert.

Diskussion

Beim flüchtigen Durchsehen ging ich davon aus, dass es sich um ein eher theoretisch orientiertes Lehrbuch für StudentInnen der Sozialen Arbeit handelt. Beim anschließenden genaueren Hinsehen stellte ich fest, dass die Art der Darstellung, die Strukturierung der Kapitel (siehe Aufbau) und die durchgehenden Hinweise auf Perspektivenvielfalt im individuellen sowie im professionellen Denken zum Weiterlesen anregen. Mir als Diplompädagogin und Therapeutin bietet dieses Buch neue Denkweisen und damit Nachdenkenswertes.

Fazit

Ich kann das Buch neben StudentInnen der sozialen Arbeit allen empfehlen, die professionell mit Menschen in schwierigen Situationen und Krisen Umgang haben und ein besseres Verständnis für Bewältigungsformen und -möglichkeiten erwerben wollen. Patentlösungen bietet es nicht, aber mehr Einfühlungsvermögen für andere und sich selbst, Verbesserung von Reflexion auf menschliches Geschehen im Alltag wie auch in Extremsituationen und so Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten. Der Titel „Stessbewältigung“ lässt zunächst ein Programm oder ähnliches erwarten, der Untertitel ist unbedingt als gleichwertig mitzulesen.


Rezensentin
Dr. Christiane Ebert
Diplompädagogin und Physiotherapeutin, Interessenschwerpunkt: Umgang mit Zeit
Homepage www.zeit-und-bewegung.de


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Zitiervorschlag
Christiane Ebert. Rezension vom 31.08.2011 zu: Sabine Allwinn: Stressbewältigung. Eine multiperspektivische Einführung für die Soziale Arbeit und andere psychosoziale Professionen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2010. ISBN 978-3-932650-34-5. Reihe: Unterrichtsmaterialien und Lehrbücher - 4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10552.php, Datum des Zugriffs 22.01.2018.


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