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Rainer Jaszus, Kolger Küls (Hrsg.): Didaktik der Sozialpädagogik

Cover Rainer Jaszus, Kolger Küls (Hrsg.): Didaktik der Sozialpädagogik. Holland+Josenhans (Stuttgart) 2010. 356 Seiten. ISBN 978-3-7782-5842-2. 36,00 EUR.
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Thema

Das Lehrbuch „Didaktik der Sozialpädagogik“ versammelt wesentliche Ansätze der Didaktik und Methodik für den Unterricht in sozialpädagogischen Ausbildungsgängen und stellt damit Grundlagen für die Lehr- und Lernprozessgestaltung im (sozialpädagogischen) Unterricht bereit.

Aufbau

Nach kurzen einführenden Gedanken einer Didaktik der Sozialpädagogik ist das Buch in zwei große Abschnitte eingeteilt. Zunächst werden von verschiedenen AutorInnen die folgenden didaktischen Modelle dargestellt:

  • Bildungstheoretische bzw. kritisch-konstruktive Didaktik (Lutz Grüneberg)
  • Beziehungsdidaktik (Christian Lauer)
  • Persönlichkeitsorientierte Didaktikansätze (Holger Küls)
  • Handlungs- und lernfeldorientierter Unterricht (Holger Küls)

Im Anschluss daran werden, ebenfalls von unterschiedlichen AutorInnen, unter der Überschrift „Methodik“ mikro- und makromethodische Aspekte des Unterrichtens aufgegriffen. Dies sind im Einzelnen:

  • Sozialformen in der Lehr-Lernprozessgestaltung (Petra Moh)
  • Linear-zielgerichteter Unterricht (Hermann Krüssel)
  • Offene Lehr-Lernprozessgestaltung (Amelie Ruff)
  • Kreatives Schreiben in sozialpädagogischen Ausbildungsgängen (Gritta und Rainer Jaszus)
  • Lernen an Stationen (LaS) (Thomas Fischer)
  • Rollenspiel im sozialpädagogischen Unterricht (Julia Kolbe-Peythieu)
  • Das Planspiel (Irmgard Büchin-Wilhelm)
  • Moderationsmethode (Sonja Reuter)
  • Expertenbefragung (Irmgard Büchin-Wilhelm)
  • Projektmethode (Sonja Reuter)
  • Erkundung an außerschulischen Lernorten (Rainer Jaszus)
  • Lernortkooperation in sozialpädagogischen Bildungsgängen (Brit Albrecht)

Inhalt

Holger Küls erläutert in den einleitenden „Grundgedanken einer Didaktik der Sozialpädagogik“ den Fokus des Buches. Es geht hier nicht um didaktische und methodische Aspekte sozialpädagogischen Handelns in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit, sondern um Prozesse der Aus- und Weiterbildung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. Diese Aus- und Weiterbildungen finden statt in

  • sozialpädagogischen bzw. heilerzieherischen Berufsausbildungen (mit dem Ausbildungsziel ErzieherIn oder HeilerziehungspflegerIn);
  • Fachoberschulen, beruflichen Gymnasien, Berufsoberschulen mit einem pädagogischen oder sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt;
  • Berufsfachschulen, die eine sozialpädagogische Aus- oder Vorbildung vermitteln;
  • den neu entstandenen und entstehenden Studiengängen einer Pädagogik der frühen Kindheit

Für solche Aus- und Weiterbildungen liegt bislang keine umfassende Didaktik vor – diese Lücke beanspruchen die AutorInnen des Werkes auch nicht zu schließen, wohl aber sollen bereits vorhandene didaktische und methodische Ansätze und konzeptionelle Überlegungen auf ihre Relevanz und ihren Nutzen für sozialpädagogische Aus- und Weiterbildungen abgeklopft werden. Insofern richtet sich das Buch an Lehrende in diesem Bereich. Küls stellt in seinem einleitenden Artikel neben dem Fokus des Buches auch erste Gedanken zum Lernen und zum Kompetenzerwerb im sozialpädagogischen Unterricht vor. Darüber hinaus ordnet er bisherige fachdidaktische Überlegungen systematisch und historisch ein und entwickelt erste Grundlagen der Lehr-Lernprozessgestaltung im sozialpädagogischen Unterricht.

In den folgenden Abschnitten unter der Überschrift „Didaktische Modelle“ werden vier didaktische Ansätze dargestellt und, so der Anspruch des Buches, hinsichtlich ihrer Einbettung in die sozialpädagogische Unterrichtsgestaltung diskutiert:

Im Kapitel zur Bildungstheoretischen Didaktik nach Klafki und der Lerntheoretischen Didaktik nach Heimann, Otto und Schulz bleibt diese spezifisch sozialpädagogische Diskussion allerdings weitgehend aus. Wertvoll an diesem Abschnitt sind vor allem die grundlegenden Überlegungen zur Allgemeinen Didaktik der hier dargestellten klassischen didaktischen Konzepte. Insofern stellt dieser Abschnitt die Basis dar für die weiteren Perspektiven auf didaktische Konzepte, die dann mit einem spezifischen Blick auf sozialpädagogische Aus- und Weiterbildung eröffnet werden.

Die Artikel zur Beziehungsdidaktik auf der Basis sozialkonstruktivistisch-systemtheoretischer Grundannahmen, zu persönlichkeitsorientierten didaktischen Ansätzen und zum Handlungs- und Lernfeldkonzept lassen diesen spezifischen Zugang deutlich erkennen. Die Beziehungsdidaktik wird zunächst vor dem Hintergrund ihrer erkenntnistheoretischen und wissenschaftlichen Grundannahmen (Sozialkonstruktivismus, Systemtheorie) dargestellt, im Anschluss daran werden die Konsequenzen dieser Ausgangsüberlegungen in Hinblick auf die Unterrichtsgestaltung im sozialpädagogischen Kontext beschrieben. Der Artikel zu den persönlichkeitsorientierten didaktischen Ansätzen ordnet diese zunächst historisch ein, stellt dann didaktische Prinzipien (doppelter pädagogischer Bezug, Entwicklungsaufgaben als Strukturierungsprinzip sozialpädagogischer Ausbildungen, Praxissituationen als Ausgangspunkt schulischen Lernens) vor und stellt abschließend die Bedeutung der persönlichkeitsorientierten Ansätze für die sozialpädagogische Ausbildung heraus. Der Artikel zum handlungs- und lernfeldorientierten Unterricht leistet zunächst ebenfalls eine historische Einordnung, beschreibt Grundgedanken und bietet dann sehr konkrete Umsetzungsmöglichkeiten, u.a. beinhaltet er beispielhafte Lernsituationen und Kompetenzbeschreibungen für den Unterricht in sozialpädagogischen Ausbildungen.

Im zweiten Teil des Buchs geht es dann um die Methodik in sozialpädagogischen Ausbildungen. Der Begriff der Methodik dient hier eher als zusammenfassende Klammer, denn die einzelnen Artikel unterscheiden sich in ihrem Zuschnitt recht deutlich voneinander. In den Abschnitten zu den Sozialformen, zur linear-zielgerichteten oder zur offenen Lehr-Lernprozessgestaltung werden vor allem grundsätzliche Reflexionen (etwa zu einem Modell des integrierten Einsatzes von Sozialformen im individualisierten und kooperativen Unterricht) angestellt, allerdings werden diese immer wieder flankiert von Überlegungen zum unterrichtlichen Einsatz in sozialpädagogischen Ausbildungen. Demgegenüber stehen in anderen Abschnitten (etwa zum kreativen Schreiben, zum Rollenspiel oder zum Planspiel) konkrete Überlegungen zu abgrenzbaren Methoden und deren Einsatz im Unterricht im Vordergrund.

Diskussion

Das von Jaszus und Küls herausgegebene Buch bietet eine gute Orientierung über didaktische und methodische Überlegungen im Kontext sozialpädagogischer Ausbildungen. Es schließt insofern eine Lücke, als diese (ohnehin vergleichsweise spärlichen) fachdidaktischen Überlegungen bislang vor allem getrennt voneinander erfolgten und z.T. nur schwer zugänglich waren - etwa die Überlegungen im Kontext der persönlichkeitsorientierten Didaktikansätze. Durchgehend wird das Bemühen deutlich, die dargestellten Theorien und Modelle in ihren Konsequenzen für den sozialpädagogischen Unterricht zu bedenken. Die AutorInnen sind alle Lehrkräfte aus dem Bereich sozialpädagogischer Bildungsgänge und bringen von daher ihre Praxiserfahrungen in die Darstellung mit ein. Die Diskussion und kritische Reflexion der Modelle bleibt allerdings etwas unterbelichtet, dies ist aber auch nicht das Ziel der Publikation. Im Vordergrund steht vielmehr eine Sammlung an relevanten didaktischen und methodischen Hinweisen für den sozialpädagogischen Unterricht. Für Referendare in der Ausbildung sowie Studierende für das Lehramt in diesem Bereich bietet das Buch eine solide Basis für theoriegeleitete Begründungen, zugleich bietet es - etwa für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger - eine Vielzahl an methodischen Ideen für den Unterricht.

Fazit

Ein neuer und hilfreicher Überblick didaktischer sowie methodischer Ansätze und Konzepte, vor allem für den Unterricht in sozialpädagogischen Aus- und Weiterbildungsgängen. Sicherlich weniger geeignet für den kritisch-wissenschaftlichen Diskurs, aber als theoretisch begründetes und zugleich praxisorientiertes Lehrbuch nützlich für angehende Lehrkräfte in der Ausbildung sowie für Berufseinsteiger in sozialpädagogischen Schulformen.


Rezension von
Prof. Dr. Fabian Lamp
Professor für das Fachgebiet Erziehung und Bildung im Übergang von der Kindheit zum Jugendalter an der FH Kiel
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Zitiervorschlag
Fabian Lamp. Rezension vom 05.04.2011 zu: Rainer Jaszus, Kolger Küls (Hrsg.): Didaktik der Sozialpädagogik. Holland+Josenhans (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-7782-5842-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10573.php, Datum des Zugriffs 12.08.2020.


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