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Siegfried Lamnek: Qualitative Sozialforschung

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 27.04.2011

Cover Siegfried Lamnek: Qualitative Sozialforschung ISBN 978-3-621-27770-9

Siegfried Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2010. 5., überarbeitete Auflage. 748 Seiten. ISBN 978-3-621-27770-9. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 81,00 sFr.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-621-28269-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Thema und Änderungen in der Neuauflage

Die qualitativen Forschung ist mittlerweile etabliert, entwickelt sich aber stetig weiter. Dies ist mit ein Grund für eine Neuauflage.

Auch die fünfte Auflage des Klassikers zur qualitativen Sozialforschung ist wieder in einem Band erschienen. Damit sollte der zunehmenden Ausdifferenzierung und Dynamik in der qualitativen Sozialforschung Rechnung getragen werden. Hinzugekommen sind Ergänzungen zu neueren Entwicklungen in der Triangulation und ein Kapitel, das die Besonderheiten unterschiedlicher Populationen in der qualitativen Sozialforschung beleuchtet. Zusätzliche Hinweise und weiterführendes Material sind nun auf der Verlagshomepage abrufbar.

Aufbau

Das Werk umfasst insgesamt 14 Kapitel, wobei sich die Kapitel 1 bis 6 mit Grundlagen und der Methodologie der qualitativen Sozialforschung auseinander setzen und die restlichen Kapitel einzelne Methoden und Verfahren genauer vorstellen.

Inhalt

Der Inhalt des Buches weicht nur an einigen Punkten von der letzten Auflage aus dem Jahr 2005 ab. Die ersten 271 Seiten befassen sich mit den Grundlagen der qualitativen Sozialforschung. Daran anschließend finden sich wieder einzelne Verfahren und Methoden für die Erhebung, die Aufbereitung und die Auswertung von Daten qualitativer Sozialforschung.

Genauer erklärt und beschrieben werden:

  • die Einzelfallstudie (Kapitel 7)
  • das qualitative Interview (Kapitel 8)
  • die Gruppendiskussion (Kapitel 9)
  • die Inhaltsanalyse (Kapitel 10)
  • die teilnehmende Beobachtung (Kapitel 11)
  • das qualitative Experiment (Kapitel 12)
  • die biografische Methode (Kapitel 13)
  • spezifische Populationen und ihre Besonderheiten (Kapitel 14)

Für Details zu den einzelnen Kapiteln verweise ich auf die ausführliche Darstellung in der Rezension von Joachim König.

Ich beschränke mich für die Beschreibung des Inhaltes deshalb auf das neu hinzu gekommene Kapitel 14, das sich mit der qualitativen Sozialforschung mit bestimmten Populationen auseinander setzt. Lamnek benennt als besondere Gruppen Jugendliche, ältere Menschen, Minderheiten nd Experten, denen er jeweils ein Unterkapitel widmet. Auch im Kapitel 14 bleibt er dem Prinzip der vorangegangenen Kapitel treu, indem er die einzelnen Abschnitte nach demselben Muster strukturiert. Für alle Populationen macht er Aussagen zur Eignung qualitativer Methoden in diesem Feld, zu Design und Methodenauswahl, zum Feldzugang, zur Erhebungssituation und zu möglichen Problemen.

Das vom Verlag zur Verfügung gestellte kostenlose Online-Material ergänzt für ausgewählte Aspekte die gedruckte Ausgabe. Einerseits findet man auf der Verlagsseite www.beltz.de forschungspraktische Listen und Hinweise zur qualitativen Forschung, wie z. B. Fragebögen, Transkriptionsregeln und Beispieltranskriptionen. Zum anderen kann man auch einige Ergänzungen zu den Kapiteln herunterladen.

Diskussion

Siegfried Lamnek kann mittlerweile auf eine langjährige Erfahrung in der Systematisierung qualitativer Sozialforschung zurück blicken. Zumindest in den letzten beiden Auflagen ist er seiner bewährten Linie treu geblieben. Für den Leser, der sich bereits in die Materie eingearbeitet hat, bleibt allerdings unverständlich, mit welcher Begründung bestimmte Richtungen ausführlicher dargestellt werden und andere nur in einer Randnotiz erscheinen. So fehlt auch in der fünften Auflage eine Würdigung der dokumentarischen Methode von Bohnsack, immerhin einem der engagiertesten Vorkämpfer für die Akzeptanz qualitativer Forschung in den letzten Jahren. Im Literaturverzeichnis sind neun Veröffentlichungen dieses Autors aufgeführt. Im Stichwortverzeichnis findet sich unter dem Begriff „Dokumentarische Methode“ eine Seitenangabe und im Glossar fehlt die Methode ganz, während andere, wie die Einfallstudie (der ja ein ganzes Kapitel gewidmet ist), aufgeführt sind. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob diese Ausblendung bewusst vorgenommen wird oder der Vielfalt der Methoden geschuldet ist. Transparent gemacht wird die (subjektive) Auswahl der Methoden allerdings vom Autor nicht.

Wer sich vom Lehrbuch von Lamnek konkrete Hinweise für ein Forschungsprojekt erhofft, wird an vielen Stellen enttäuscht. Nach wie vor ist es ein forschungstheoretisches und kein forschungspraktisches Lehrbuch. Das schmälert nicht die Bedeutung des Werkes, weil es bei der Auswahl, Unterscheidung und Begründung der angewandten Methode ausgesprochen hilfreich ist. Allerdings findet der Praktiker, abgesehen von dem überschaubaren Online-Material, kaum ausreichende Detailinformationen. Hierzu muss man auf andere Veröffentlichungen zurück greifen, z. B. Gläser und Laudel (siehe meine Rezension aus dem Jahr 2005)

Fazit

Das Lehrbuch von Lamnek bleibt ein umfangreiches Werk, das alle Facetten in der qualitativen Sozialforschung beleuchtet. Die notwendig gewordene Neuauflage zeigt, dass sich dieser Forschungsbereich weiterhin in einer dynamischen Entwicklung befindet.

Für Studierende und qualitativ Forschende bietet das Buch eine unverzichtbare Einführung in das Denken und die Methoden der qualitativen Sozialforschung. Darüber hinaus ist es eine profunde Quelle, sich über einzelne Methoden und Anwendungen zu informieren.

Trotz seiner für den Studierenden hilfreichen Systematik mit Zusammenfassungen der Aussagen der einzelnen Kapitel, verliert sich der Autor an manchen Stellen doch in zahlreichen Details und Differenzierungen, die den weniger kenntnisreichen Leser eher verwirrt als informiert zurück lassen. An diesen Stellen hätte ich mir abschließend eine grafisch aufbereitete Übersicht gewünscht, die die Ausdifferenzierungen prägnant zusammenfasst.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 43 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 27.04.2011 zu: Siegfried Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2010. 5., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-621-27770-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10594.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


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