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Jörg-Peter Schröder: Die Anti-Burnout-Fibel

Cover Jörg-Peter Schröder: Die Anti-Burnout-Fibel. Selbsttraining zur Work-Life-Balance. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2010. 167 Seiten. ISBN 978-3-589-23795-1. 17,95 EUR.
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Thema

„Lebenskunst ist nicht zuletzt die Fähigkeit, auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten“. Dieses Zitat von Vittori de Sica (1901 – 1974) stellt Jörg-Peter Schröder an den Anfang seines Buches. Leider gelingt es immer weniger Menschen, sich beruflichem und privatem Druck zu entziehen, sie finden keine Zeit, Wahrnehmungen und Erleben so zu gestalten, dass sie Zeit für „Überflüssiges“ haben - sie brennen aus. Aber ist es wirklich „überflüssig“, sich auf sich selbst zu besinnen und Zeiten für Auszeiten zu finden?

Entstehungshintergrund

Der Autor legt eine Schrift vor, die seiner Veröffentlichung aus dem Jahre 2006 (Wege aus dem Burnout, Cornelsen, vgl. die Rezension) folgt und (noch mehr) Maßnahmen zur Bewältigung der Problematik aufzeigt. Seine Erfahrungen als Arzt, Resilienz-Experte und Führungscoach kommen ihm dabei zu Hilfe.

Aufbau und Inhalt

Einleitend stellt Jörg-Peter Schröder (noch mal) bekannte Definitionen sowie Ursachen von Burnout vor und liefert Hinweise auf den Zusammenhang von Burnout und Persönlichkeit. Auch wenn der Leser hier kaum Neues erfährt, so ist dieser „Einstieg“ zum Verständnis des Phänomens notwendig.

Im anschließenden B-Teil des Buches findet der Leser acht Schritte, die präventiv und helfend bei Burnout wirken. Und hier ist die Formulierung „wirken“ sicher angebracht – eine Aussage „die präventiv und helfend wirken sollen“ würde den Ausführungen nicht gerecht.

Von Hinweisen zum Aufbau von Ressourcen führt das Buch über die Möglichkeiten das Jetzt zu akzeptieren, zu entspannen, die Wahrnehmung zu schärfen, sich zu orientieren und Ziele zu setzen, sorgenfrei eine Wende einzuleiten, Eigenverantwortung zu übernehmen und die emotionale Selbstwahrnehmung zu schärfen sowie sich neu zu erfinden zu einem Ausblick in die Zukunft, der eigene Bedürfnisse und (echten) Bedarf erkennt.

Dabei findet der Leser zu allen Punkten theoriebegründete Hintergrundinformationen ohne durch Theorieüberhöhung und „fachchinesisch“ zu verschrecken. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt eindeutig in Vorschlägen und konkreten Handlungsanweisungen zur Selbstanalyse und dem Aufzeigen von Möglichkeiten für ein neues Selbstverständnis, für neue Wahrnehmungen und neue Handlungen.

Dabei sind die Angaben so konkret und handlungsrelevant, dass durch das (Eigen-)Studium des Buches tatsächlich neu Handlungssystem entwickelt und veränderte (gesundere) Handlungen ermöglicht werden. „Aufspürfragen“ und Denkanstöße zur Selbstreflexion, Wahrnehmungsübungen und konkrete Übungen leiten den Leser, Beispiele illustrieren die Aussagen. Und dies geschieht in (fast) allen Kapiteln und immer in der gleichen Reihenfolge und nach der gleichen Methodik, so dass der Leser mehr und mehr Sicherheit und Motivation bekommt, (mit dem Buch) weiter zu arbeiten. Die Schrift hätte n. m. E. eine bessere graphische und methodische Gestaltung verdient gehabt.

Diskussion

Das Buch ist keine Theoriedarstellung, obwohl der theoretische Hintergrund und/oder Bezug nie fehlt, es ist vielmehr eine gelungen „Handlungshilfe“ um das Phänomen Burnout zu verstehen, zu erkennen und zu bewältigen.

Zielgruppe

Aufgrund der konkreten Handlungsvorgaben eignet sich das Buch für alle Menschen, auch „fachliche Laien“, die sich von Burnout betroffen fühlen oder ahnen, dass es sie das Ausbrennen „treffen“ könnte. Berater und Therapeuten finden für ihre Arbeit wertvolle Hinweise und Handlungsmöglichkeiten, die in ihre Arbeit eingebunden werden können. Diese Gruppe wird aber mit der Schrift nicht alleine „auskommen“, sie wird sich an anderer Stelle vertieft mit den Theoriefragen und dem -hintergrund des Burnout beschäftigen müssen.

Fazit

Jörg-Peter Schröder legt mit dem Buch „Die Anti-Burnout-Fibel“ in der Tat eine Schrift vor, die in der Tat anti-wirksam bei Burnout sein kann, wenn der Leser das Werk als „Arbeitsbuch“ und nicht als „Lesebuch“ versteht. Die Ausführungen erfordern – und ermöglichen (!) – eine helfende Auseinandersetzung mit der Problematik, sie sind ein wirkliches Selbsttraining (so, wie es der Titel verspricht). Der Theoriehintergrund „blitzt“ auf, ist verständlich sowie leicht zu lesen und schreckt in keiner Weise ab, da er sich einer wohltuenden „Alltags-Sprache“ bedient. Die graphische und methodische Gestaltung könnte „leitender“ sein, ist aber kein gravierender Mangel, läst sich der Leser auf die zahlreichen Handlungsempfehlungen ein.


Rezension von
Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke
Dipl.-Päd./Soz.Arb. Vizepräsident a. D. der Fachhochschule Coburg. Lehrte Pädagogik und Methoden der Sozialarbeit, insbesondere Suchterkrankungen, Kriminalität und Sozialmanagement


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Zitiervorschlag
Werner Reiners-Kröncke. Rezension vom 13.12.2010 zu: Jörg-Peter Schröder: Die Anti-Burnout-Fibel. Selbsttraining zur Work-Life-Balance. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2010. ISBN 978-3-589-23795-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10614.php, Datum des Zugriffs 19.09.2020.


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