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Heiderose Kilper (Hrsg.): Governance und Raum

Cover Heiderose Kilper (Hrsg.): Governance und Raum. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2010. 250 Seiten. ISBN 978-3-8329-5743-8. 39,00 EUR, CH: 65,90 sFr.
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Thema

Warum entfalten Kommunen und Regionen ganz spezifische Integrationslogiken und einen Eigensinn, mit denen sie auch ihr je spezifisches Integrationsverständnis begründen? Und wie kommt es, dass sich Gemeinden einerseits zu anderen Gemeinden ins Verhältnis setzen müssen, um sich dann von ihnen wieder abzugrenzen? Die Frage wird zunehmend virulent, wie sich lokale oder regionale Identitäten herausbilden, die sich nicht nur aus der im sozialen Raum verorteten Biographie der dort handelnden Akteure erklären lassen, sondern aus der gemeinsamen Geschichte des Raums entsteht, mit dem seine Akteure verbunden sind.

Damit werden Räume zu sozialen Konstruktionen und die in ihm Handelnden zu Konstrukteuren ihrer räumlichen Wirklichkeit. Daraus ergibt sich ein spezifisches Bewusstsein, das alle teilen und deshalb auch alle an ihm partizipieren möchten in der Gestaltung ihrer Lebenswirklichkeit. Es entsteht ein kollektives Gedächtnis, das gespeist wird aus der nur in diesem Raum verstehbaren Geschichte und die daraus resultierenden Erinnerungen und Geschichten besitzen hier eine höhere Plausibilität und Dignität als anderswo.

Herausgeberin

Prof. Dr. Heiderose Kilper ist Direktorin des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (ISR), Erkner, und Inhaberin des Lehrstuhls "Stadt- und Regionalentwicklung" an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Autorinnen und Autoren

Die Autorinnen und Autoren sind zum Teil Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung; dabei sind sie auch im Hochschulbereich verankert. Ein anderer Teil kommt unmittelbar aus dem Hochschulbereich.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in vier große Kapitel. Nach einer Einführung durch die Herausgeberin folgen die Kapitel

  1. Kultur und Identitätsräume
  2. Institutionen- und Handlungsräume
  3. Beziehungs- und Interaktionsräume
  4. Unter dem Titel "Governance und Raum oder: Über den Versuch, eine Beziehung zwischen zwei uneindeutigen Begriffen herzustellen" werden Kommentare und Reflektionen von Arthur Benz, Joachim Blatter und Dietrich Fürst wiedergegeben, die als Kollegen der Herausgeberin das Buchprojekt begleiteten.

Einführung

Heiderose Kilper führt unter dem Titel "Governance und die soziale Konstruktion von Räumen" in das Thema des Buches ein. Dabei klärt sie auch zunächst den vielschichtigen Begriff der Governance. Als Ausdruck des veränderten Verständnisses von Staatlichkeit, gesellschaftlichem Handeln verschiedener Akteure und wachsenden Partizipationsansprüchen bei der Gestaltung des Sozialen hat sich in westlichen Demokratien ein Politikstil herauskristallisiert, der auf kommunikative Aushandlungsprozesse setzt.

Interessanter ist der Ansatz, der Governance mit dem Begriff der Raumkonstruktion zusammenbringt, weil gerade dieser neue Politikstil sehr auf dem Verständnis aufbaut, das die Akteure vom Raum haben, in dem sie handeln, ihr Leben deuten und das Soziale gestalten wollen.

Diese Diskussion folgt, nachdem Kilper Governance als sozialwissenschaftlichen Oberbegriff bestimmt hat. Dabei greift sie auf die Region als neue Analyse- und Handlungsebene zurück, um dann auf die soziale Konstruktion von Räumen zu kommen, die offensichtlich mit unterschiedlichen Governance-Formen zusammenhängt. Der soziale Raum als Handlungsraum ist ein Sozialzusammenhang, der nur im Kontext dieses Raumes entstehen kann, weil die Akteure und ihre Geschichte mit der Geschichte des Raums in dialektischer Weise verwoben sind. Dies diskutieren andere Autorinnen und Autoren noch einmal ausführlicher (so Christmann und Gailing in diesem Band).

Danach folgt eine Vorstellung der Beiträge dieses Buches.

I. Kultur- und Identitätsräume

Gabriela B. Christmann leitet dieses Kapitel mit einem Beitrag über "Kommunikative Raumkonstruktionen als (Proto-)Governance" ein. Dabei versteht sie unter einer Proto-Governance die eher unintendierten Rekonstruktionen von Raumdeutungen im Gegensatz zu absichtlich strategisch vorgebrachten und hochgradig intentionalen Raumdeutungen, die sie weiterhin als Governance bezeichnet. Dreh- und Angelpunkt von Christmanns Argumentation ist das durch Kommunikation entstehende gemeinsame Wissen, was zu gemeinsamen Deutungen und Konstruktionen führt. Der Rückgriff auf die Theorie des Sozialkonstruktivismus soll klären helfen, "wie sich die kommunikative Konstruktion von Raumdeutungen und die Entwicklung von Kultur- und Identitätsräumen" (29) vollzieht. Liegt also der kommunikativen Konstruktion von Raumdeutungen und der Entwicklung von Kultur- und Identitätsräumen eine eher nicht intendierte Form der Wissens- und Erfahrungsproduktion durch den Raum und im Raum zu Grunde, die sich dann in Erinnerungen ergießt, die wiederum das kollektive Gedächtnis speisen?

Diese eher wissenssoziologische Frage in Anschluss an Berger und Luckmann führt dann zu Punkten wie der subjektiven Raumdeutung der Einzelsubjekte auf der Handlungsebene, der kommunikativen Herstellung intersubjektiver Raumdeutungen im Sozialzusammenhang, der Objektivierung von Raumdeutungen in Form von Sprache und des kommunikativen Erinnerns und der Herausbildung von Kultur- und Identitätsräumen.

Was aber passiert in modernen, funktional differenzierten Gesellschaften mit eher ganzheitlich erfassten und in ihrer Ganzheitlichkeit auch rekonstruierten Räumen? Die Frage der Transformation von Raumkonstruktionen in Funktionsbereichen der Gesellschaft wird zum Schluss des Kapitels aufgegriffen und diese Frage lässt sich vielleicht als Verhältnis raumspezifischer vergemeinschaftender Identitätsbildung in einem spezifischen Kulturraum einerseits und Vergesellschaftung andererseits begreifen.

"Kulturlandschaften als regionale Identitätsräume: Die wechselseitige Strukturierung von Governance und Raum" nennt Ludger Gailing seinen Beitrag. Als einer durch menschliche Hand geprägter geographischer Raum und damit als historischer Raum ist eine Kulturlandschaft auch ein identitätsstiftender Raum. Dies beschreibt Gailing, bevor er auf die regionale Identität eingeht. Die Frage nach Identität: Wer bin ich im Verhältnis zu den anderen? wird hier herangezogen und um die Frage erweitert: Wer bin ich im Verhältnis zum Raum, zur Region? Dies wiederum setzt voraus, dass auch die Region einen spezifischen Charakter hat, mit dem man sich identifizieren kann. Die Identität der Region wird damit zum Transmissionsriemen für eine Region als Aspekt der personalen Identität einerseits und der sozialen Identität andererseits.

Es werden dann die Strukturierung von Governance durch Faktoren regionaler Identität diskutiert, die von Gailing begriffen werden als "Ressourcen und mögliche Steuerungsobjekte kollektiven Akteurshandelns" (66). In einem weiteren Schritt geht es dann noch um die Strukturierung regionaler Identitätsräume durch Governance. Das Ganze wird mit einem Beispiel aus der Region Spreewald unterlegt und begründet.

Am Beispiel der Region Berlin-Brandenburg diskutiert Gerhard Mahnken Markenstrategien und ihre Eigendynamiken im kommunikativen Re-Konstruktionsprozess.

Es geht um die Frage, wie sich im Sinne von Proto-Governance nicht intendierte sozialräumliche Eigendynamiken neben den intendierten kommunikativen Strategien auf die metropolitane Markenbildung der Region auswirkt. Dabei werden Strategiepfade sozialräumlicher Markenbildung vorgestellt, die sich unter den Begriffen von Raumbildern und Marketings für Städte und Regionen subsumieren lassen. Der von Ipsen eingeführte Begriff der Raumbilder bezieht sich auf die Entwicklung eines raumtypischen Eigensinns von Regionen, der durch die Akteure im Raum nicht intentional entsteht und sich auch verändern kann. Dabei wird auch das Spannungsverhältnis virulent, das zwischen der Hauptstadtregion Berlin und dem ländlich geprägten Brandenburg "drumrum" besteht.

II. Institutionen- und Handlungsräume

Dieses Kapitel wird eingeleitet mit einem Beitrag von L. Gailing und H. Kilper über "Institutionen- und Handlungsräume als sozio-politische Konstruktionen". Hier wird auf der Basis eines enger geführten und an R. Mayntz angelegten Governancebegriffs Governance in unterschiedlichen Raumkonstruktionen analysiert. Dabei unterscheiden die Verfasserin und der Verfasser zwischen Institutionen-, Handlungs- und politisch-administrativen Räumen. Diese Räume stehen in einem interdependenten Zusammenhang, wenngleich ihre Steuerungsmedien sich unterscheiden. Auch hier wird am Beispiel der Region Berlin/Brandenburg die Wechselbeziehung zwischen Governance und Raum diskutiert und in den Kontext des Begriffs Kulturlandschaft gestellt wie er von Gailing bereits vorgestellt wurde.

Jan Prömmel stellt die Etablierung eines neuen Politikfeldes im Rahmen von Multilevel Governance vor: "Städtebaulicher Denkmalschutz in den neuen Bundesländern von 1991 - 2008". Mit dem gleich lautenden Bund-Länder-Programm reagierte die Politik auf die besonderen stadtentwicklungspolitischen Probleme in den neuen Bundesländern. Damit wurde ein neues Politikfeld etabliert und es wurde die Beziehung unterschiedlicher daran beteiligter Fachdisziplinen institutionalisiert (Multilevel Governance). Wichtiger aber erscheinen der Autorin die kommunikativen Prozesse und Diskurse zwischen den Institutionen und anderen lokalen Akteuren, wodurch auch Wissensbestände ausgetauscht wurden und Interessen aushandelbar erscheinen.

"Schwache Verhaltensregeln und vage Handlungsräume: Governance im Stadtumbauprozess in schrumpfenden Städten" nennen Matthias Bernt und Heike Liebmann ihren Beitrag. Schrumpfende Städte sind in der Tat ein Problem, aber auch eine Chance und Stadtumbau ist ebenfalls ein Governance-Feld, was in diesem Kontext an Bedeutung gewinnt. Das Problem dabei ist sicher, dass unter den Bedingungen von Schrumpfung perspektiveorientierte Kommunikationsprozesse schwerer implementiert werden können. Bleibt also nur der Staat? fragen die Autorin und der Autor. Aber auch das ist schwierig, zumal staatliche Steuerung von marktwirtschaftlich etablierten Akteuren und unter den Bedingungen gewünschter demokratischer Beteiligungsformen problematisch sein kann. Hier wird das Programm Stadtumbau Ost herangezogen, um einige Probleme konkret zu machen.

III. Beziehungs- und Handlungsräume

Eingeleitet wird dieses Kapitel mit einem Beitrag von Oliver Ibert: "Governance-Formen und Beziehungs- und Interaktionsräume der Ökonomie". Es geht also die Koordination interpersonalen Handelns von Wirtschaftssubjekten. In den Sphären von Markt, Hierarchie, Netzwerken und Praktikergemeinschaften werden unterschiedliche Governance-Formen und Interaktionstile ausgemacht, die alle eher dem Typus von Proto-Governance entsprechen. Der Bezug zur Raumdiskussion wird da hergestellt, wo im Raum und durch den Raum die Koordinationsleistungen funktional ermöglicht und strukturiert werden.

Hans Joachim Kujath und Suntje Schmidt beschreiben in ihrem Beitrag "Räume der Wissensarbeit und des Lernens - Koordinationsmechanismen der Wissensgenerierung in der Wissensökonomie".

Die Frage ist, welche Bedeutung heute Wissen gegenüber strategischem Handeln in der industriellen Produktion hat. Die individuelle und kollektive Wissensaneignung und -generierung wird zum Schlüssel für Vieles. Auch hier werden die Sphären: Markt, Hierarchie, Netzwerke bemüht, um unterschiedliche Formen von Governance vorzustellen und zu begründen. Und es geht um Governance von Nähe und Distanz in der Wissensarbeit, von kognitiver und sozialer Nähe und von organisationaler und institutioneller Nähe, aber auch von physischer Nähe; es geht um Vertrauen und um die Überbrückung von Distanzen durch Aushandlungsprozesse und ähnlichem. Zu diesen Dimensionen werden Merkmale und Indikatoren zusammengetragen und die Governance-Formen werden als Modi beschrieben.

Axel Stein nennt seinen Beitrag "Transaktionskosten in Anbieter-Kunden-Beziehungen der Wissensökonomie". Wissensaustausch und Informationsverarbeitung sind zentrale Investitionen in Leistungen und Güter und die Wissensökonomie meint im Prinzip die Nutzung, Umwandlung und den Austausch von Wissen und Informationen. Hier geht es eher um die institutionellen Arrangements, also um Formen von Governance, die dazu beitragen, Transaktionen und deren räumliche Bezüge effizient zu gestalten.

Diese Arrangements werden diskutiert und systematisiert.

"Intermediäre Organisationen und die Governance stadttechnischer Infrastruktursysteme im Wandel" heißt der Beitrag von Timothy Moss.

Die Beziehungen von Dienstleistungsanbietern, ihren Nutzern und der Administration in einer Stadt ist eine für die Stadt sehr typische und auch raumkonstituierende Größe. Dies ist auch die klassische Analyse. Weniger Beachtung fand bislang die Analyse derjenigen, die sich zwischen diesen Hauptakteuren als intermediäre Organisationen bewegen: Beratern, Forschern etc. Der Autor setzt sich zunächst auch mit dem Begriff der intermediären Institution auseinander, die er auch als Verbindungsglied (boundary organisations) zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor betrachtet.

Dabei kommt er auch auf den Begriff des intermediären Raumes, in dem sich nicht intendierte und absichtlich-strategische Handlungen treffen. Daraus entwickelt der Autor Perspektiven einer intermediären Governance.

Und es taucht die Frage auf, welche Bedeutung intermediäre Organisationen für die Überwindung von Distanzen zwischen Staat, Markt und privatem Sektor haben könnten.

IV. Governance und Raum oder: Über den Versuch, eine Beziehung zwischen zwei uneindeutigen Begriffen herzustellen.

Anstelle einer Bilanzierung - Kommentare und Reflexionen der Professoren A. Benz, J. Blatter und D. Fürst. Heiderose Kilper bittet die drei Professoren, zu mehreren Fragen Stellung zu nehmen.

1. Die erste Frage bezieht sich auf die Kernthese des Buches, nämlich der wechselseitigen Beziehung von Raum und Governance.

A. Benz betont die Bedeutung der theoretischen Kapitel für die raumwissenschaftliche Diskussion. Auch die Frage der unterschiedlichen Formen von Governance hat für ihn einen hohen Stellenwert für die empirische Überprüfbarkeit der vorgestellten und diskutierten Hypothesen.

D. Fürst setzt sich auch mit dem Begriff der Proto-Governance auseinander, der ihn auch überzeugt, dessen empirische Überprüfung er allerdings für schwierig erachtet.

J. Blatter betont die Frage, inwieweit Governance-Formen Raumvorstellungen generieren und transformieren können. Es geht - so sein Eindruck - in diesem Buch "weniger um die Frage, inwieweit Räume Governance-Formen beeinflussen und inwieweit Räume für die Konzeptualisierung von normativen Governance-Paradigmen und Governance-Formen eine Rolle spielen". (239 f).

2. Die zweite Frage, welche Inspirationen die drei Professoren in dem Ansatz der Proto-Governance für den Governance-Diskurs insgesamt sehen, beantworten sie wie folgt.

D. Fürst meint, dass der Proto-Governance-Ansatz zu eng mit Governance-Prozessen verbunden ist und nicht gut empirisch gefasst werden kann.

A. Benz hält diesen Ansatz für eine sinnvolle Ergänzung gängiger Governance-Konzepte.

J. Blatter hält die Unterscheidung kommunikativer Raumkonstruktionen in unintendierte und intendierte für originell, aber für den Zusammenhang von Governance und Raumkonstruktion für nicht so tragfähig.

3. Nach einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Beitrag von Christmann, zu der Blatter und Benz noch einmal Stellung nehmen, fragt H. Kilper als dritte Frage:

Inwieweit finden Sie unseren Ansatz überzeugend, die Governance-Forschung für ein besseres Verständnis der sozialen Konstruktion von Räumen zu nutzen?

Darauf antwortet D. Fürst: Der Ansatz ist wichtig für das Verständnis von Raum als "place" als sozialer Konstruktion.

Auch A. Benz hält diesen Ansatz für bedeutsam, zumal sich Menschen entsprechend der sozialen Konstruktion ihrer Wirklichkeit verhalten.

4. Als vierte Frage wird aufgeworfen, auf welche Weise die in der Tabelle von Gailing aufgezeigte Heuristik fruchtbar gemacht werden kann für die weitere Governance-Forschung. A. Benz antwortet, indem er den Ansatz für bedeutend hält, aber ob die in der Tabelle aufgezeigten Räume als sozio-politische Konstrukte anwendbar sind, müsse die Forschung zeigen.

D. Fürst antwortet auf die Frage des Zusammenhangs von wirtschaftswissenschaftlichen Governance-Diskursen und ökonomischen Interaktionsräumen (Ibert), dass dieser Beitrag zwar kreativ ist, bezweifelt aber die trennscharfe Unterscheidung der dort angesprochenen Interaktionsmodi.

5. Die fünfte Frage bezieht sich auf das Forschungsdesiderat. Das wichtigste Forschungsdesiderat ist für D. Fürst die Erkenntnis, dass auf mehreren Ebenen weiter geforscht werden muss: Governanceprozesse sind Netzwerkprozesse. Wer hat was davon und wer trägt die Kosten und hebeln sie die institutionalisierte Politik aus? Wie werden die sehr unterschiedlichen und räumlich und zeitlich getrennten Prozesse koordiniert?

A. Benz konzentriert sich auf die folgenden Hinweise: Wer beeinflusst die Dynamik von Räumen? Wie und warum verändern sich Raumkonstruktionen und wie werden die Dynamiken von den Akteuren bewältigt? Weiter: Welche Konflikte entstehen und wie wird mit ihnen umgegangen?

Diskussion

Viele Fragen sind bereits in Kapitel IV gestellt und auch zusammengefasst beantwortet worden. Die Governance-Debatte mit der Frage der Raumkonstruktion zusammen zu bringen, kann in vielen Bereichen lokaler und regionaler Governance-Forschung auch zu einem Weiterkommen in der Frage verhelfen, wie sich lokale und regionale Identitäten auf der Basis gemeinsamen Handelns, der damit verbundenen sozialen Verortung und des sich entwickelnden kollektiven Gedächtnisses als die gemeinsame Kenntnis der Geschichte und das gemeinsame Erinnern ausbilden könnten.

Damit gewinnt Governance als Methode eine andere Bedeutung, weil damit deutlich wird, dass die Gestaltung des Raumes seine Konstruktion in den Köpfen der Akteure voraussetzt. Und damit wird diese Konstruktion bereits Teil des Governance Prozesses. Die dabei angeschnittenen Facetten der Governance sind ein reicher Fundus für die Bearbeitung sehr unterschiedlicher Aspekte politischen und auch vorpolitischen Handelns. Insofern setzt dieses Buch auch viel voraus.

Fazit

Ein Buch, das vor allem in seinen theoretischen Beiträgen zum Nachdenken anregt, aber auch die Praktiker und diejenigen inspiriert, die sich konzeptionell und praktisch mit Fragen der Governance in wie auch immer definierten sozialräumlichen Kontexten und ihrer Umsetzung beschäftigen.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 09.02.2011 zu: Heiderose Kilper (Hrsg.): Governance und Raum. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2010. ISBN 978-3-8329-5743-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10618.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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