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Karin Jurczyk, Andreas Lange u.a. (Hrsg.): Doing Family

Rezensiert von Dr. Remi Stork, 21.05.2015

Cover Karin Jurczyk, Andreas Lange u.a. (Hrsg.): Doing Family ISBN 978-3-7799-2239-1

Karin Jurczyk, Andreas Lange, Barbara Thiessen (Hrsg.): Doing Family . Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 300 Seiten. ISBN 978-3-7799-2239-1. 25,00 EUR. CH: 41,50 sFr.
Reihe: Juventa Paperback.

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Thema und Ziel

Der Sammelband fasst die Beiträge einer Tagung des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2009 zusammen. Die Beiträge beschäftigen sich mit der familiensoziologischen Perspektive der Betrachtung von Familie als Herstellungsleistung (doing family). Die Autorinnen und Autoren berichten teilweise aus konkreten Forschungsprojekten; einige stellen ihre allgemeinen Arbeitsschwerpunkte aus der Perspektive des „doing family“ vor.

Herausgeber

Die Herausgeberinnen und der Herausgeber arbeiteten bis vor wenigen Jahren gemeinsam in der Familienforschung des Deutschen Jugendinstitutes (München). Mittlerweile haben Barbara Thiessen und Andreas Lange Professuren an Fachhochschulen angetreten.

Aufbau

Der Sammelband ist – recht künstlich – in vier Bereiche aufgeteilt. Zuvor stellen die HerausgeberInnen in einer relativ langen Einleitung das Konzept des „doing family“ vor. Sie erläutern den Begriff und seine Implikationen für die Familienforschung. Dabei greifen sie vieles auf, was bereits in anderen Publikationen aus dem Deutschen Jugendinstitut zum Thema geschrieben wurde. Sie versuchen eine Einordnung ihres Ansatzes, den sie als „practical turn“ bezeichnen, innerhalb der Familienwissenschaft anhand von acht Thesen, die wiederum zuvor in vielen anderen Publikationen in ähnlicher Weise formuliert wurden.

Es folgen Aufsätze zu den aktuell vieldiskutierten familiensoziologischen Themen

  • Zeit (Karl Lenz und Andreas Lange),
  • Gender (Christine Wimbauer, Michaela Schier),
  • Väter (Fabienne Becker-Stoll, Claudia Zerle-Elsäßer),
  • kulturelle Vielfalt (Barbara Thiessen) und
  • Vereinbarkeit (Karin Kurz).

Außerdem berichtet Barbara Keddi vom DJI Survey „Aufwachsen in Deutschland : Alltagswelten (AID:A)“ und Hans Bertram verdeutlicht in einem Beitrag die Notwendigkeit einer stärker regional und kommunal ausgerichteten Familienforschung.

Ausgewählte Inhalte

Besonders zwei Texte sollen im folgenden hervorgehoben werden, da sie die Fruchtbarkeit des „Doing family-Ansatzes“ besonders verdeutlichen und sich speziellen Themen widmen, die in den letzten Jahren weniger häufig im Zusammenhang mit dem doing family aufgegriffen wurden.

So bezieht Elisabeth Helming den Forschungsansatz des doing family auf ihre Studien über Pflegefamilien. Am konkreten Material erkennt man, dass Pflegefamilien tatsächlich als Wahlfamilien aktiv „hergestellt“ werden. Man erfährt, wie in diesen „halböffentlichen“ Familien unter Einbindung der Herkunftseltern etwas Neues geschaffen wird. Es geht dabei um die Herstellung von sinnhaften Erzählungen, die Erfindung passender Rituale und Übergänge, um eine gemeinsame Sprache und die Darstellung der Familie nach außen, das sog. „displaying family“.

Auch der Beitrag von Stefan Beck über die Herstellung von Familie im Zeitalter der transnationalen Reproduktionsmedizin ist ein interessantes Beispiel, wie der Denk- und Forschungsansatz des doing family geeignet ist, um moderne Familienrealitäten und besonders die Schaffung von Familie – die ja auch unterlassen werden könnte – als Akt konkreter Individuen und Paare zu verstehen.

Diskussion

Der Sammelband leidet darunter, dass die Texte bereits mehrere Jahre alt sind und die meisten Themen aus vielen anderen Publikationen bekannt sind. Dennoch ist es an vielen Stellen gelungen, bereits bekanntes noch einmal anders auszudrücken oder konkrete Beispiele aufzugreifen, die es wert sind, gelesen zu werden.

Fazit

Ein leider recht typischer Tagungsband, in dem einzelne sehr interessante Dinge zu finden sind, der aber als Ganzes nicht überzeugen kann.

Rezension von
Dr. Remi Stork
Professor für Kinder- und Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt „Hilfen zur Erziehung“ an der FH Münster.
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Es gibt 27 Rezensionen von Remi Stork.

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Zitiervorschlag
Remi Stork. Rezension vom 21.05.2015 zu: Karin Jurczyk, Andreas Lange, Barbara Thiessen (Hrsg.): Doing Family . Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. ISBN 978-3-7799-2239-1. Reihe: Juventa Paperback. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10642.php, Datum des Zugriffs 30.01.2023.


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