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Detlef Kuhn, Dieter Sommer (Hrsg.): Gesunde Kita

Cover Detlef Kuhn, Dieter Sommer (Hrsg.): Gesunde Kita. Was fördert die Gesundheit von Kindern und ErzieherInnen? Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2010. 250 Seiten. ISBN 978-3-940529-66-4. 26,90 EUR.
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Thema

Thema des Bandes ist die Gesundheitsförderung von Kindern und Erzieherinnen in der Kita, wobei der Schwerpunkt auf möglichen Lösungsvorschlägen und weniger auf der Problemanalyse liegt. Dabei werden zwei Ansatzpunkte beschrieben. Zum einen geht es um Maßnahmen in der einzelnen Kita, zum anderen um gesundheitsorientiertes Qualitätsmanagement auf Trägerebene.

Autorinnen und Autoren

  • Dr. Dieter Sommer, Dipl.-Sportlehrer, Geschäftsführer im Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH, Berlin (ZAGG)
  • Detlev Kuhn, Sport- und Erdkundelehrer, Systemischer Berater, Geschäftsführer im Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH, Berlin (ZAGG)
  • Maike Schmidt, Dipl. Oecotrophologin & Studium Gesundheitswissenschaften, TK Gesundheitsmanagement
  • Anja Volkhammer, Stud. Dipl.-Psychologie, stud. Mitarbeiterin im Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH, Berlin (ZAGG)

Aufbau

In den ersten drei Kapiteln werden die Kita als Lebenswelt, die Struktur der Gesundheitsförderung in der Kita und die Seite der Kita-Träger dargestellt. Der vierte Teil enthält acht unterschiedliche Praxisbeispiele, für die jeweils Ansprechpartner genannt sind. Im fünften Kapitel werden die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine gesunde Kita in kurzer Form zusammengefasst. Eine Literaturliste findet der Leser am Ende des Buches.

Inhalt

Bereits in der Einleitung machen die AutorInnen deutlich, dass partizipative Methoden der Schlüssel zu einem wirkungsvollen Gesundheitsmanagement in der Kita sind.

Im ersten Kapitel werden die Anforderungen an die Kita (nicht mehr nur Aufbewahrungsort sondern bedeutende Bildungs- und Sozialisationsinstanz) und die strukturellen Bedingungen (Unterfinanzierung, mangelnde Anerkennung und Vergütung der Erzieherinnen) in kurzer prägnanter Form dargestellt. Insbesondere für sozial Benachteiligte und Migrantenkinder kann der Besuch der Kita ein Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit sein, insbesondere wenn es gelingt, die Eltern über das Thema Gesundheitsförderung in die Kita-Arbeit einzubeziehen. Für Kitas in sozialen Brennpunkten halten die Autoren einen verbesserten Personalschlüssel für erforderlich.

Im zweiten Kapitel werden Erfahrungen aus der Gesunden Kita dargestellt. Dabei handelt es sich überwiegend um Projekte, die von den Gesetzlichen Krankenkassen finanziert wurden. Ein beispielhafter Projektverlauf wird in tabellarischer Form dargestellt. Als Rahmenbedingungen werden eine starke Praxisorientierung, eine externe Begleitung und eine Projektdauer von zwei Jahren genannt.
Als partizipative Methoden werden eine Arbeitsplatzbegehung, strukturierte Interviews und Fokusgruppen beschrieben. Beim Interviewstreifzug mit Drei- bis Sechsjährigen können die Spielbedürfnisse und Gewohnheiten der Kinder erfasst werden.
Themen der Gesundheitsförderung der Kinder betreffen vor allem eine gesunde Ernährung, Bewegungsangebote sowie Entspannung und Stressbewältigung. Aber auch in der Körperwahrnehmung und der Konzentrationsfähigkeit vieler Kinder sind Defizite zu erkennen.
Die gesunde Kita nimmt aber auch die Gesundheit der Erzieherinnen in den Blick. Lärm, nicht ergonomisches Mobiliar, hohe Arbeitsdichte, Dokumentationspflichten und psychischer Stress (den Kindern nicht gerecht zu werden) können erhebliche Belastungen darstellen.

Im dritten Teil werden Handlungsfelder für Kita-Träger im Sinne der Gesundheitsförderung dargestellt. Diese betreffen die Führungskultur, Kommunikationsprozesse, Weiterbildungsangebote und eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit. Die Methode der Wahl ist ein gesundheitsorientiertes Qualitätsmanagement. Eine wirkungsvolle Methode kann ein Steuerkreis Gesundheit sein, in dem Kita-Träger, Elternvertreter, Mitarbeitervertreter und Krankenkassen zusammen arbeiten (partizipativer Dialog). Auch hier ist eine externe Prozessbegleitung sinnvoll. In einem weiteren Schritt können Vernetzungen mit Schulen, Betrieben und Vereinen in einer Gesunden Kommune angestrebt werden.

Die Projektbeispiele im vierten Teil des Buches beschreiben Ansätze auf Trägerebene und auf Kita-Ebene, mit dem Schwerpunkt sozial Benachteiligte und mit einem umfangreichen Ausbildungsprogramm (u.a. mit den Modulen Selbsterfahrung, Unfallprävention, Psychomotorik, Aggression und Sucht). Ein weiteres Projekt bezieht neben Ernährung, Bewegung und Erziehergesundheit auch Sprachförderung, Lebenskompetenzförderung, Impfschutz und Mundgesundheit ein. Beispiele für Auditierung und Zertifizierung sowie eine Liste der Ansprechpartner schließen das Kapitel ab.

Das fünfte Kapitel benennt in kurzer Form die Erfolgsfaktoren für eine Gesunde Kita (Partizipativer Ansatz, Gesundheit der Erzieherinnen, Qualitätssicherung, Praxisnähe, externe Unterstützung bei Projekten, Kommunikation und Konfliktmanagement).

Diskussion

Bewegungsmangel, Übergewicht und motorische Defizite kennzeichnen die Gesundheit vieler Kinder, wie die Autoren mit aktuellen Studien belegen. Daher ist die gezielte Gesundheitsförderung in der Kita von erheblicher Bedeutung. Die Autoren zeigen auf, wie mit externer Beratung und Moderation umfassende Gesundheitsprojekte in der Kita und auf Trägerebene etabliert werden können, die nicht nur die Gesundheit der Kinder sondern auch die der Erzieherinnen fördern.

„In einer klaren, effizienten und nachhaltigen Struktur müssen die Themen identifiziert und entwickelt werden, die für einen gesunden Kita-Alltag wichtig sind“ (S. 30). Man kann nur wünschen, dass auch Träger das Potential erkennen und in die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen investieren.

Das Problem der finanziellen und personellen Knappheit und der hohen Aufgabendichte kann das Buch nicht lösen. Es zeigt aber unterschiedliche Ansätze zur Gesundheitsförderung auf, die auch sozial Benachteiligte, Migranten oder bildungsferne Schichten erreichen können. Die Beispiele sind praxisnah beschrieben und laden zur Nachahmung ein, die auch die externe Fördermöglichkeit einschließt. Kindern sehr früh die Bedeutung von Gesundheit als Bestandteil des Alltags zu vermitteln, kann zum Qualitätsmerkmal einer Kita werden.

Das Buch ist sprachlich leicht verständlich geschrieben. Prozessverläufe sind grafisch oder tabellarisch dargestellt. Literaturhinweise finden sich im Text. Ergänzende Hinweise auf Daten- oder Literaturquellen sind als Fußnoten eingefügt. Die Literaturliste befindet sich am Ende.

Fazit

Ein praxisbezogenes Buch, das Erzieherinnen, Eltern und PraktikerInnen im Gesundheitswesen Mut macht und Anregungen zur Schaffung einer gesundheitsfördernden Lebenswelt für Kinder und ErzieherInnen gibt. Praktische Beispiele zeigen konkrete Umsetzungsschritte auf und regen zur Nachahmung an.


Rezensentin
Friederike Otto
Leiterin des Forschungsverbundes Familiengesundheit. Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie OE 5420
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Zitiervorschlag
Friederike Otto. Rezension vom 08.07.2011 zu: Detlef Kuhn, Dieter Sommer (Hrsg.): Gesunde Kita. Was fördert die Gesundheit von Kindern und ErzieherInnen? Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2010. ISBN 978-3-940529-66-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10648.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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