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Reinhold Nickolaus (Hrsg.): Handbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik

Cover Reinhold Nickolaus (Hrsg.): Handbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2010. 512 Seiten. ISBN 978-3-8252-8442-8. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR.

Reihe: UTB - 8442.
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Thema

Die Publikation gibt einen vertiefenden Überblick über den aktuellen Wissens- und Diskussionsstand der Berufs- und Wirtschaftspädagogik.

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Die Herausgeber des Handbuches sind bzw. waren lehrende Professoren deutscher Universitäten in spezifischen Fachbereichen der Berufs- und/oder Wirtschaftspädagogik. Die Autorinnen und Autoren spiegeln ein breites Spektrum der wissenschaftlich theoretischen Diskussion in der Fachwelt der deutschsprachigen Berufs- und Wirtschaftspädagogik wider.

Aufbau und Inhalt

Die Erstauflage ist in seiner Grundstruktur an dem 2003 beschlossenen Basiscurriculum der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der ‚Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft‘ angelehnt und verfolgt die Zielsetzung, eine ‚Orientierung für die Professionalisierung von Lehrenden und Organisierenden in der beruflichen Bildung zu geben‘ (S. 12). Das Handbuch richtet sich an Studierende und Lehrende von pädagogischen Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten sowie an Organisierende, Lehrende, Referendare und Praktiker in allen Bereichen der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Das umfassende Handbuch ist in sieben themenspezifische und zwei fachsystematische Kapitel unterschiedlicher Länge unterteilt. Nach den ersten einleitenden Ausführungen, die den Aufbau und die damit verbundenen Inhalte und Zielsetzungen der Autorinnen und Autoren der einzelnen Beiträge verdeutlichen sollen, sind die folgenden Kapitel an charakteristischen Themengebieten der Berufs- und Wirtschaftspädagogik ausgerichtet.

Das erste thematische Kapitel behandelt die ‚Entwicklung pädagogischer Professionalität‘ von Berufs- und Wirtschaftspädagogen und die sich daraus ergebenden Grundlagen des pädagogischen Handelns. Hierzu werden beispielsweise Ausführungen zu den Grundlagen der Kompetenz von Lehrenden, Entwicklungsperspektiven der Ausbildung von Berufs- und Wirtschaftspädagogen und praktische Herangehensweisen, die die Belastungen und Konflikte des Lehrpersonals betreffen, näher beschrieben.

Im Folgenden werden die Betrachtungen auf den Fokus der Lernenden gerichtet, die von der pädagogischen Professionalität der Lehrenden profitieren sollen. Jegliches pädagogisches Handeln ist auf Lernprozesse ausgerichtet und demnach ist nach Meinung der Herausgeber ein breites Wissen zu Lernvorgängen, ihrer Initiierung, Steuerung und Bewertung für Pädagoginnen und Pädagogen von entscheidender Bedeutung. Deshalb werden in den Ausführungen des Themas ‚Lernen und Entwicklung, Motivation und Handeln, Lebenswelt‘ unter anderem vertiefende Darstellungen zum Aufbau und zur Anwendung von Wissen und Kompetenzen sowie zu Lernvoraussetzungen und Lernschwierigkeiten von Heranwachsenden in der beruflichen Bildung gegeben.

Im Kapitel vier, das sich mit der ‚Kommunikation und Interaktion in berufs- und wirtschaftspädagogischen Kontexten‘ beschäftigt, werden die Grundlagen pädagogischen Handels fort geschrieben, indem die Interaktionsprozesse in Lernprozessen in den Blick genommen werden. Sie erweisen sich als maßgeblicher Faktor für den Lernerfolg und sind eine zentrale Gestaltungsoption für Lehrende. Die Autorinnen und Autoren tragen diesem Umstand Rechnung und beleuchten die Qualität von Interaktions- und Kommunikationsprozessen in Abhängigkeit vom jeweiligen Lehr-Lernarrangement.

Das Kapitel ‚Mikrodidaktik‘ beschreibt die Gestaltung der Unterrichtswirklichkeit durch Berufs- und Wirtschaftspädagogen, die in bestimmte Curricula und organisatorisch-institutionelle Bedingungen eingebunden sind. Neben Grundlagen der Lehr- und Lernforschung werden Bildungsziele des Berufsschulunterrichts und Instrumente der Leistungsbewertung und Evaluation im fünften Kapitel behandelt. Im folgenden Themenkomplex ‚Makrodidaktik‘ werden die Rahmen gebenden Bedingungen in den Blick genommen und die gegenwärtige Curriculumsentwicklung diskutiert. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Lernfeldkonzept als ein Curriculumstyp zuteil.

Mit den Ausführungen zum ‚Didaktischen Handeln im institutionellen, sozialen und normativen Rahmen‘ wird die Innovations- und Entwicklungsfähigkeit der Lehr- und Lernorte Schule und Betrieb herausgearbeitet. Leitende sind im Wesentlichen für die Gestaltung und Entwicklung von Bildungseinrichtungen verantwortlich, indem sie mit ihren Handlungsspielräumen Organisations-, Kommunikations- und Unterrichtsprozesse arrangieren. Deshalb sind die Wirkungen, Möglichkeiten und Grenzen auf die Innovation und Entwicklung der Bildungsorte, der Organisationseinheiten selbst in den vertiefenden Beiträgen leitend.

Der letzte themenspezifische Punkt weitet den Zugang nun auf den gesellschaftlichen ‚Ordnungsrahmen der Berufsbildung‘ aus. Der Bogen wird von der Beruflichkeit als zentrales Prinzip der Organisation menschlicher Arbeitskraft in Deutschland, über die europäischen und internationalen Wirklichkeiten der beruflichen Bildung gespannt. Die Betrachtung wesentlicher Rahmenbedingungen wird nach der Relation zwischen betrieblichen und schulischen Anteil der Bildung hin vertieft und endet bei der Betrachtung europäischer Berufsbildungspolitik.

Den Abschluss bilden zwei Abschnitte, die die bisherige problembezogene Orientierung verlassen und eher Überblicks- bzw. Querschnittsthemen bearbeiten. Im Punkt ‚Systematische Zugänge‘ werden zum einen Ziele, wissenschaftstheoretische Grundlagen und Gegenstandsfelder und zum anderen die Geschichte der Berufsbildung unter Berücksichtigung gesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet.

Jedem Abschnitt der Publikation ist ein einleitender Beitrag vorangestellt, der einen Ausblick auf das jeweilige Themenfeld gibt. Abschließend werden Erträge und Desideraten der Problemfelder zusammengefasst.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Handbuch ermöglicht, einen umfangreichen Überblick über die Disziplin und den derzeitigen Diskussionsstand in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik zu geben. Der große Ertrag ergibt sich aus der Vielzahl von wissenschaftlichen Einzelbeiträgen und -leistungen, die sich zu einem zusammenhängenden, aufeinander aufbauenden und logischen Gesamtbeitrag und damit zu einer Gesamtleistung subsumieren. Gerade die Hinführung zu den Thematiken der Kapitel durch einführende Beiträge wird äußerst stimmig und konsequent durchgesetzt. Der jeweils am Ende der Kapitel abschließende Punkt von Ergebnissen und Desideraten zeigt dabei die Grenzen der aktuellen Forschung auf und ist gerade für die Zielgruppe der Publikation erkenntnisreich. Es wird damit insgesamt deutlich, wie sich die Disziplin zu Nachbardisziplinen verortet und welche Vielschichtigkeit sie aufweist.

Das Handbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik wird seinem Anspruch gerecht. Es ist ein unentbehrlicher Begleiter für Studierende, Organisierende und Praktiker deutscher Hochschulen sowie aller Institutionen der Aus- und Weiterbildung. Der große Nutzen des Handbuches liegt in seiner Fähigkeit, höhere Sinnzusammenhänge zu erschließen. Durch die praktischen Bezüge und der theoretischen Rückkopplung gelingt es, dem Leser ein sehr umfangreiches Feld kompakt und wissenschaftlich präzise zu präsentieren.


Rezension von
Sebastian Thiele
Student der Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Soziologie und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz


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Zitiervorschlag
Sebastian Thiele. Rezension vom 13.09.2011 zu: Reinhold Nickolaus (Hrsg.): Handbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2010. ISBN 978-3-8252-8442-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10719.php, Datum des Zugriffs 17.02.2020.


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