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Stephan Ellinger: Kontradiktische Beratung

Cover Stephan Ellinger: Kontradiktische Beratung. Vom effektiven Umgang mit persönlichen Grenzen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. 164 Seiten. ISBN 978-3-17-021098-1. 15,80 EUR.

Reihe: Fördern lernen - Band 12 - Beratung.
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Thema

Das vorliegende Buch steht im Zusammenhang einer Reihe von Veröffentlichungen, die sich zum Ziel setzt, Förderkonzepte und Förderungsmaßnahmen im pädagogischen Kontext darzustellen und gut lesbar bekannt zu machen. Adressaten sind alle pädagogisch Tätigen.

Die Bände 10-15 der Reihe widmen sich dem Schwerpunkt Beratung; hier sollen verschiedene Ansätze in ihren Grundannahmen und dem handlungsleitenden Menschenbild sowie in ihrer Methodik vorgestellt werden. Der vorliegende Band 12 von Ellinger widmet sich der sog. „Kontradiktischen Beratung“ (im Folgenden KB)

Autor

Prof.Dr. Stephan Ellinger (Dipl.Päd., Soziologe (MA) und ev. Theologe) lehrt an der Goethe Universität Frankfurt Erziehungswissenschaften. Er ist auch Herausgeber der gesamten Buch-Reihe „Fördern lernen“ (für eine Übersicht über die Reihe siehe www.kohlhammer.de/kohlhammer.de/artikel) und Autor des vorliegenden Bandes.

Aufbau

Das Buch ist in zwei Teile klar gegliedert: nach Darstellung der „Theorie und Praxis der Kontradiktischen Beratung“ geht es im 2. Teil um die Methoden, die teilweise an Praxisbeispielen dargelegt werden.

Inhalt

Im ersten Teil legt der Autor knapp und überzeugend dar, wo pädagogisch orientierte Beratung auch in Abgrenzung zur klinischen Anwendung von Beratung ihren Stellenwert und ihre Bedeutung hat. Dass solche nicht auf ein einheitliches Konzept zurückgreifen kann macht es notwendig, in Kürze traditionelle Beratungsansätze zu skizzieren, ihre Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten um schließlich auf das Besondere der KB herauszuarbeiten. Hier legt der Autor dar, dass es Ziel dieser Beratung sein muß, den Klienten zur Anwendung eines „situationsunabhängigen Lebensstils“ zu bewegen; denn eine eindeutige Bedeutung der Situation gibt es nicht- Wirklichkeit konstruiert sich subjektiv und solange der Betroffene gefangen ist im Blick auf die Katastrophen entgehen ihm Chancen. Der Beratungsprozess orientiert sich auf solche, indem die Deutungsvielfalt gemeinsam entwickelt wird, in der dann Wahlmöglichkeiten sich eröffnen. Nicht in der Veränderung von Umgebungsbedingungen und der Reaktivierung vergangener positiver Bedingungen und Ressourcen liegt das Ziel dieser Beratung sondern in der Emanzipation von einer eindimensionalen „Weltdeutung“. Auf „Kreativität“ als Schlüsselkompetenz muss hier bsph. ebenso eingegangen werden, wie auf die Struktur der Beratung selbst und der Beziehungsgestaltung hierbei.

Im Zweiten Teil des Buches wird das Konzept in seiner methodischen Umsetzung vorgestellt. Die verschiedenen Methoden (Gesprächsführung, Gesprächstechniken, Kreativitätstechniken, schließlich Anmerkungen zu einem „Kontradiktischen Lebensstil“) werden knapp und begrifflich klar vorgestellt und an Beispielen erläutert. Sie sind insgesamt ein Fundus für Anregungen -ggf. durchaus auch in einem sich anders nennenden Beratungsansatz.

Diskussion

Das Buch besticht durch sein Prägnanz und Anschaulichkeit- es steht in einer Reihe anderer Veröffentlichungen und es sei dahingestellt, ob Kriterien für eine „Eigenständigkeit“ als Beratungsansatz gegeben und notwendig sind. Wesentlich für den interessierten Leser ist sicherlich nicht die 1:1 Übernahme dieses Ansatzes, sondern die Erweiterung eigener Beratungsmethodik und Anregungen zur Reflexion eigenen pädagogischen Handelns: hierzu gibt das Buch reichlich Anregungen und Anlass. Ob die Passung von Klient- Berater- Methode hinreichend berücksichtigt ist und ob manche (sicherlich wünschenswerte!) Systematik im Vorgehen nicht zu „technokratisch“ erscheint, sei dem Urteil des Lesers überlassen.

Fazit

Gerade für Leser mit Vorerfahrungen und Praxis im Beratungsprozessen sei das Buch gerne als Anregung zur Reflexion eigenen Tuns und zur Erweiterung eigener Methoden empfohlen.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 12.12.2011 zu: Stephan Ellinger: Kontradiktische Beratung. Vom effektiven Umgang mit persönlichen Grenzen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-17-021098-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10727.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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