socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Armin Rohm (Hrsg.): Change-Tools II

Cover Armin Rohm (Hrsg.): Change-Tools II. Erfahrene Prozessberater präsentieren wirksame Workshop-Interventionen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2010. 350 Seiten. ISBN 978-3-941965-15-7. 44,90 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Prozessmoderation ist ein bedeutender Faktor bei der Begleitung und Unterstützung von Veränderungen im organisationalen Kontext. In der vorliegenden Publikation trägt Armin Rohm 32 Methoden und Werkzeuge (Change-Tools) zusammen und teilt diese den vier Phasen der Prozessmoderation zu. Als Folgeband von Change-Tools steht auch in „Change-Tools II“ der hohe praktische Mehrwert, die Anwendungsorientierung, im Vordergrund.

Herausgeber/ Autoren

Armin Rohm ist selbständiger Trainer, Prozessberater, Coach sowie Fachbuchautor. Auch die 32 weiteren Autorinnen und Autoren sind Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Prozessmoderation. Am Ende des Buches finden sich sowohl ihre Kurzvorstellung als auch Kontaktdaten.

Aufbau

Die vorliegende Praxishandbuch ist in vier Kapitel aufgebaut, gegliedert nach den vier Phasen der Prozessmoderation: Anwärmen, Orientieren, Bearbeiten, Abschließen. Jedes der vier Kapitel beinhaltet jeweils acht Workshop-Interventionen. Diese werden kompakt auf überwiegend acht bis zehn Seiten beschrieben und folgen der Struktur Kurzbeschreibung, Dauer, Anwendungsbereiche, Zielsetzung/ Nutzen, ausführliche Beschreibung, Voraussetzungen/Kenntnisse, Kommentar/ Erfahrungen, technische Hinweise, Quellen/ Weiterführende Literatur.

In einer übersichtlichen Tabellendarstellung vor jedem Kapitel erschließt sich dem Leser schnell, welches Tool sich für welche Anwendungsmöglichkeit eignet, sowie, welchen Kontext der jeweilige Autor bevorzugt. Neben dieser tabellarischen Übersicht findet sich ebenfalls zu Beginn jeden Kapitels eine kurze Zusammenfassung der jeweiligen Methode, was einen schnellen Überblick verschafft.

Inhalt

In Phase 1: Anwärmen werden folgende Tools vorgestellt: Während Viola Zintl mit „Auf allen Stühlen“ durch unterschiedliche Sitzmöbel eine zunächst Irritation hervorrufende und damit kreative Auseinandersetzung mit dem Thema Veränderung auslösen möchte, arbeitet auch Markus Püttmann mit einem stark kreativen Moment. Die „Kommentierte Foto-Revue“ ist eine Methode, die sich ebenfalls als Einstiegs-Intervention eignet und einen aktivierenden Ansatz beinhaltet, der ein Auseinandersetzen mit dem Wandelprozess am eigenen Unternehmensbeispiel deutlich macht. Dr. Barbara Heitger und Anna Schweiger zielen darauf ab, eine optische Wahrnehmung durch Aufstellung/Positionierung im Raum zu verstärken. Diese komplexe Methode erfordert eine hohe Moderationskompetenz, mit dem Ziel eines gemeinsam erarbeiteten Krisenfahrplans, bei dem jeder Workshop-Teilnehmende sich seiner Aufgabe sowie Verantwortung bewusst ist („Der Unterscheid bringt‘s“). Barbara Zuber und Christian Grätsch geben mit „Arbeitslandschaften – das Teilnehmersystem auf einen Blick“ die Möglichkeit, über einen kreativen gestalterischen und eher nonverbalen Weg einen gemeinsamen Stand über die aktuelle Organisation zu erarbeiten. Und auch Andreas Terhoeven nutzt mit „Transfer-In – Das ganze Potenzial einladen“ die Kreativität, um die vier Bewusstseinsebenen (emotional, intuitiv, körperlich und mental) zu aktivieren. Im von Frank Wippermann vorgestellten Tool „Pinocchio“ werden Erwartungen sowie Befürchtungen thematisiert, während mit der Eingangsfrage „Wie glaubwürdig sind Sie?“ in der von Christiane Barho vorgestellten Intervention die Selbstreflexion der Teilnehmenden im Mittelpunkt steht. Das Experiment „Dynaxity“ (Armin Rohm) zeigt den Teilnehmenden auf einfache und in höchstem Maß interaktive Art und Weise auf, wie sich Komplexität und Produktivität gegenseitig bedingen.

Anschließend finden sich acht Tools, die sich vor allem für Phase 2: Orientieren eignen: Dabei gibt Birgit Rocholl mit dem „Organisationskompass“ ein Instrument zur Diagnose und Entwicklung von Organisationen, das sich eignet, zum einen eine Analyse zu erstellen, zum anderen, daraus Handlungsimplikationen abzuleiten. Als Ist-Ziel-Einschätzung der eigenen Organisation anhand von vier Kulturstilen schlägt Lorenz S. Forchhamer den „Kulturprofil-Indikator“ vor, während mit der „Energielandkarte“ nach Burkhard Bösterling die organisationale Energie von den Workshop-Teilnehmenden visualisiert werden soll. Mit der „Team-Faktoren-Reflexion“ von Claudia Bingel und Christian Berndt werden sieben, für Teamarbeit relevante, Faktoren untersucht und bewertet. Hierdurch soll ein Überblick über Stärken und Schwächen entstehen. Als weitere mögliche Orientierungs-Intervention zeigt über das Bild einer „Ballonfahrt“ Robert Dietrich mit seiner Methode auf, wie Belastungen/Hindernisse (bildlich: Sandsäckchen) sowie Auftrieb (bildlich: Thermik) identifiziert werden können. Dagegen beginnt die von Dr. Isabella Klien vorgestellte Methode mit dem Trauerzyklus nach Kübler-Ross, um anschließend einen „Kreislauf der Veränderung“ zu erstellen. Der Trauerprozess steht auch bei „Das Bein muss ab!“ von Luise Lohkamp im Mittelpunkt. Die Methode „Café Xundheit“ (Silvia Gysel) eignet sich vor allem für Großgruppen und lässt über unterschiedlich gestaltete Gesprächsrunden auch sensible Themen bearbeiten.

Phase 3: Bearbeiten beinhaltet folgende Tools: Eine Möglichkeit, Workshop-Inhalte spielerisch und teilnehmer-aktivierend zu vermitteln, zeigt Katja Vittinghoff mit dem „lebenden Themensandwich“ auf. Frank Schache-Keil und Frank Wippermann zeigen auf, wie mit „Reine Routine“ in Organisationen bestehende Routinen bewusst gemacht und bezogen auf den Change-Prozess auf Übertragbarkeit geprüft werden können. Zur Erarbeitung gemeinsamer Themen – trotz unterschiedlicher Ansichten – unterstützt das von Dr. Michael Gommel vorgestellte Tool „Konsens-Pyramide“ durch ein Höchstmaß an Akzeptanz unter den Teilnehmenden eine konstruktive Auseinandersetzung unterschiedlicher Ansichten. Michaela Belitz und Werner Büning zeigen auf, wie durch Simulieren einer Talkrunde die Workshop-Teilnehmenden Entscheidungen diskutieren und bewerten können („BC-Tool for Roll Change“). Anhand von sieben Leitfragen werden in dem von Armin Rohm vorgestellten Tool „SCAMPER“ Lösungen, meist von Verbesserungsvorhaben, gesucht. Auch Claudia Bingel und Christian Berndt zeigen mit dem „Kommunikations-Soziogramm“ auf, wie sich mit Hilfe von visualisierten Beziehungen innerhalb der Gruppe Verbesserungen treffen lassen. Jörg Meyer stellt mit der Methode „Planbar“ vor, wie sich eine Struktur zur Projektplanung erstellen lässt. Dr. Leila Katharina Steinhilper und Lars Burmeister zeigen, wie sich aus Fehlern bei bereits gescheiterten Projekten lernen lässt („Gescheiter scheitern“).

Auch für Phase 4: Abschließen werden acht Tools vorgestellt: Eine Möglichkeit zur Visualisierung des eigenen Veränderungsziel zeigt die „Transfer-Spirale“ von Andrea Ramscheidt. Auch Bernd Schifferdecker nutzt die Kreativität der Teilnehmenden und stellt als Schluss-Intervention mit „Brennpunkt!“ eine filmische Umsetzung vor. Einen künstlerischen Abschluss als Gesamtkunstwerk beschreiben Renate Franke und Barbara Zuber mit „Integrationsmobile“, bevor Frank Wippermann mit seinem Tool „Nutzenberater“ eine Methode vorstellt, mit der die Teilnehmenden die Folgen einer beschlossenen Veränderung erarbeiten. Alternativ gibt Armin Rohm‘s „Erfolgsfürsorge“ eine Möglichkeit, die ebenfalls einen Blick in die Zukunft thematisiert. „Speedback“ von Alfred Tschönhens ist eine Feedback-Methode, welche neben inhaltlichen Aspekten auch die Beziehung untereinander thematisiert, während Wolfgang Fänderl mit „Integrationsmarkt“ ein Instrument mit einem hohen Maß an Interaktion vorschlägt, das sich auch mit großen Gruppen realisieren lässt. „Transformer“ von Heike Ewert eignet sich ebenfalls für Großgruppen und möchte, als Podiumsrunde, die Akzeptanz der erarbeiteten Ergebnisse festigen.

Fazit

Die vorliegende Publikation setzt neue moderne Impulse und stellt eine Bereicherung des Methodenrepertoires der Prozessmoderation dar. Sie überzeugt des Weiteren mit sehr anwenderorientierten und praxisnahen Hinweisen in der Rubrik Kommentar/ Erfahrungen, wo mögliche Variationen sowie evtl. Fallstricke dargestellt werden. Teils erfolgt auch eine kurze theoretische Einbettung.

Von großem Nutzen erscheint ebenfalls die Rubrik der technischen Hinweise, die neben den räumlichen Voraussetzungen auch die erforderlichen Vorbereitungsmaßnahmen beschreibt, was den organisatorischen Aufwand einschätzen lässt. Die ausführliche Beschreibung erfolgt meist als Beispiel aus tatsächlich stattgefundenen Workshops. Auch dies zeigt die unmittelbare Praxisnähe der vorgestellten Tools.


Rezension von
Dipl. Sozialarbeiterin Edeltraud Botzum
Vertretungsprofessorin für Fachwissenschaft der Sozialen Arbeit (Hochschule Koblenz) sowie Finanzierung, Planung und Administration Sozialer Arbeit (Hochschule RheinMain Wiesbaden)


Alle 5 Rezensionen von Edeltraud Botzum anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Edeltraud Botzum. Rezension vom 27.06.2011 zu: Armin Rohm (Hrsg.): Change-Tools II. Erfahrene Prozessberater präsentieren wirksame Workshop-Interventionen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2010. ISBN 978-3-941965-15-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10766.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung