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Joachim Jens Hesse: Arbeits- und Sozialverwaltung im Bundesstaat

Rezensiert von Prof. Dr. Josef Schmid, 15.04.2011

Cover Joachim Jens Hesse: Arbeits- und Sozialverwaltung im Bundesstaat ISBN 978-3-8329-5308-9

Joachim Jens Hesse: Arbeits- und Sozialverwaltung im Bundesstaat. Notwendiger Wettbewerb im SGB II. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2009. 452 Seiten. ISBN 978-3-8329-5308-9. 59,00 EUR.
Reihe: Staatsreform in Deutschland und Europa - Band 13
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Entstehungshintergrund

Die deutsche Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik befindet sich seit einigen Jahren in der öffentlichen Diskussion, dabei geht es vor allem um die Höhe der Leistungen und die Rigidität der Bezugsbedingungen („Hartz 4“). Weniger Aufmerksamkeit gefunden haben hingegen die mit den Arbeitsmarktreformen verbundenen Verwaltungsveränderungen und Verschiebungen im Bund-Länder-Kompetenzgefüge. Vor allem nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Entflechtung der Aufgaben zwischen Bund und Ländern steht eine Neuordnung der Grundsicherung für Arbeitssuchende an. Dieser Aspekt steht im Kern des Bandes, dessen Grundlage ein wissenschaftliches Gutachten des Berliner Politik- und Verwaltungswissenschaftlers Prof. J.J. Hesse bildet. Die Fragen der Trägerschaft, der Kooperationsmechanismen und der finanziellen Ausstattungen sind freilich ebenfalls umstritten; daher sucht Hesse nach politischen Handlungsvorschlägen auf der Basis einer wissenschaftlichen Studie (bzw. eines Gutachtens).

Aufbau und Inhalte

Kern der Studie ist die Analyse der Aufgabenerledigung im Rahmen des SGB II sowie der wesentlichen determinierenden Faktoren, besonders den administrativen Kapazitäten und Strukturen. Dazu werden Fallstudien, Expertengespräche und schriftliche Befragungen durchgeführt. Im Einzelnen geht es um folgende Aspekte:

  • Organisation, Personal und Ressourcen (Binnenstrukturen, Beschäftige, Budget usw.)
  • Steuerung und Aufsicht (v.a. Aufgaben- und Verantwortungsverteilung) sowie interorganisatorische Schnittstellen und Kooperationen (d.h. Vernetzung und Zusammenarbeit)
  • Klientel, Leistungen und Maßnahmen (v.a. Kundenstruktur, Betreuungsschlüssel, Prävention und Integration).

Hesse entwickelt nach einer breiten Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse die These, dass die Optionskommunen auf den zweiten Blick besser funktionieren würden als die ARGEn, da sie erheblich flexibler operieren würden und die enge Kooperation den Akteuren (Kommunen und Arbeitsamt) ein gewisses Äquivalent zur Bearbeitung in einer einzigen Institution darstellen würde. Umgekehrt weisen die ARGEn erhebliche Systemdefizite vor allem im organisatorischen und personalwirtschaftlichen Bereich auf; allerdings sind sie gleichzeitig in fiskalischer Hinsicht effizienter, da es ihnen relativ gut gelingt, die Hilfebedürftigkeit bei den Betroffenen abzusenken.

Zugleich kritisiert er die in vielen Evaluierungen vorherrschende Orientierung auf den kurzfristigen Vermittlungserfolg, wo – ja wodurch - die ARGEn besser abschneiden. Die Stärke der Optionskommunen liegt hingegen in der Hebung der Beschäftigungsfähigkeit.

Insofern plädiert er abschließend für eine Fortschreibung des Wettbewerbs der Modelle, da es gilt, die jeweiligen Vorzüge weiterzuentwickeln. In diesem Sinne entwickelt Hesse weitere Vorschläge und Handlungsempfehlungen.

Im einem umfangreichen Anhang (Teil B), der rund 320 Seiten umfasst, werden die Power Point Präsentationen, in denen eine Fülle empirischer Ergebnisse enthalten sind, abgedruckt.

Diskussion

Der Band hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist das Thema wichtig und Hesse ein profunder Kenner der Materie. Zudem sind viele seiner Beobachtungen und Empfehlungen diskussionswürdig. Andererseits wird hier jedoch schlicht ein Gutachten abgedruckt, was aus dem Titel nicht zu entnehmen ist. Daher ist der Text komplex und im Fachjargon geschrieben – und schlicht zu umfangreich für das, was inhaltlich an Interessantem und Neuem geboten wird.

Fazit

Hier handelt es sich nicht um eine Einführung und systematische Darstellung der Arbeits- und Sozialverwaltung im Bundesstaat, sondern im Grunde „nur“ um ein Gutachten für die Optionskommunen und wer dafür Argumente sucht, wird in dem Band fündig. Es wendet sich daher an eine begrenzte Anzahl von Experten.

Rezension von
Prof. Dr. Josef Schmid
Professor für Politische Wirtschaftslehre und Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Tübingen, lehrt und forscht über Wohlfahrtsstaaten, Arbeitsmarktpolitik und Bürgerschaftliches Engagement in den Bundesländern. Er ist derzeit hauptamtlicher Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
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Es gibt 19 Rezensionen von Josef Schmid.

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Zitiervorschlag
Josef Schmid. Rezension vom 15.04.2011 zu: Joachim Jens Hesse: Arbeits- und Sozialverwaltung im Bundesstaat. Notwendiger Wettbewerb im SGB II. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2009. ISBN 978-3-8329-5308-9. Reihe: Staatsreform in Deutschland und Europa - Band 13. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10772.php, Datum des Zugriffs 05.10.2022.


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