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Rosemarie Tüpker: Durch Musik zur Sprache

Cover Rosemarie Tüpker: Durch Musik zur Sprache. Handbuch. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2009. 172 Seiten. ISBN 978-3-8370-6948-8. 16,80 EUR, CH: 30,50 sFr.
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Thema

Gegenstand des Handbuchs ist ein Projekt zur Förderung der Sprachentwicklung von Kindern im Kindergartenalter, in dessen Rahmen die Kinder durch eine Verbindung von pädagogischen und therapeutischen Methoden ganzheitlich in ihrer emotionalen, sozialen und sprachlichen Entwicklung unterstützt werden. Neben einer Erläuterung der methodischen Grundlagen beinhaltet die Publikation ein Repertoire von insgesamt 50 bewährten musiktherapeutischen Spielideen, die auch in anderen Zusammenhängen anwendbar sind. Ergänzt wird es durch Notenmaterial und Texte des Kindermusicals Mein lieber Schwan von Barbara Keller und Ulle Pfefferle.

Autorin

Rosemarie Tüpker leitet seit 1990 den Studiengang Klinische Musiktherapie am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Entstehungshintergrund

Das dargestellte Projekt reagiert auf eine Problemlage, die, von Pädagoginnen und Pädagogen im Bereich vorschulischer Erziehung und Bildung schon länger beklagt, durch Einführung der sogenannten Sprachstandsfeststellungen verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist: auf den Umstand nämlich, dass bei vielen Kindern im Vorschulalter „ein Besorgnis erregender Rückstand in der sprachlichen Entwicklung zu beobachten“ ist (S. 11), der sich im ungünstigsten Fall beeinträchtigend auf die Schullaufbahn auswirken kann. Um dieser Gefahr zu entgehen, wird „ein spezielles musikalisches Förderangebot“ entwickelt, das „auf eine Entwicklung der Sprache ausgerichtet ist“ und „eine Nachreifung durch den Weg von der Musik zur Sprache“ (S. 14) intendiert. Vorrangiges Ziel ist es dabei, durch Einbeziehung pädagogischer und therapeutischer Ansätze sowie durch „die Übergangsqualität der musikalischen Erfahrung“ die Möglichkeit zu schaffen, „Sprache als Ausdrucks- und als Beziehungsmedium erfahrbar“ (S. 14) zu machen.

Aufbau

Die Publikation gliedert sich in einen theoretischen (Kapitel 1 bis 3) und einen praktischen Teil (Kapitel 4 und 5); abgerundet wird sie durch ein Literaturverzeichnis (S. 162-166), das zur Vertiefung der Thematik herangezogen werden kann:

  • Der theoretische Teil umfasst eine knappe Darstellung des Projekts und seiner Voraussetzungen (S. 11-21), einen Abschnitt zur Methodik (S. 22-35) sowie eine Analyse einzelner Aspekte des nachfolgend vorgestellten Spiele-Repertoires (S. 36-53).
  • Der Praxisteil umfasst ausführliche Beschreibungen unterschiedlicher Spiele (S. 54-124) sowie die Erläuterung der Gruppenarbeit mit „zentrierenden Geschichten“ (S. 125-161), „auf die sich verschiedene Aktivitäten, Bilder, musikalische Spiele und Gespräche mit den Kindern immer wieder beziehen“ (S. 125).

Inhalt

Da es sich bei der Veröffentlichung um die Beschreibung einer Projektstudie handelt, werden die methodischen Voraussetzungen und Vorgehensweisen ebenso ausführlich geschildert wie die einzelnen Aspekte der Persönlichkeits- und Sprachbildung, auf die sich die erarbeiteten Spielideen richten. Dies verdeutlicht, dass es primär darum geht, ein in der Forschung erprobtes Repertoire an Spielen zu entwickeln, das – zum Teil auf älteren Beispielen aus der Literatur basierend und diese frei abwandelnd – pädagogische und therapeutische Lösungsstrategien für bestimmte Problemstellungen anbieten soll. Die Darstellung dieser Spiele erfolgt jeweils durch eine genaue inhaltliche Beschreibung (in komplexeren Fällen mit kompletten Liedern inklusive Akkordangaben zur Begleitung mit Gitarre oder Klavier versehen), durch Angabe von Spielvarianten sowie durch eine Diskussion der im Spiel zu gewinnenden Erfahrungen mit Musik und Sprache. Ergänzt wird sie jeweils durch eine visuell mit grauem Untergrund hervorgehobene alphabetische Stichwortliste, die dem Benutzer eine rasche Zuordnung der Spielideen zu den zuvor erläuterten thematischen Aspekten erlaubt (beispielsweise „Bewegen“, „Erforschen und Experimentieren“, „Gruppenspiel“, „Hemmungen überwinden“, „Instrumente“, „Kommunikation und Integration“, „Phantasie und Kreativität“, „Regression im Dienste der Entwicklung“ und „Rollenspiel“ beim Spiel „Indianersignale“, S. 84) und dadurch letzten Endes auch die Verwendung des Bandes als Nachschlagewerk unterstreicht.

Die Darstellung der „zentrierenden Geschichten“ ermöglicht darüber hinaus eine alternative Strategie, bei der die einzelnen Spiele im Sinne von Fortsetzung und Erweiterung durch Bezug auf eine bestimmte Thematik aufeinander bezogen sind und dadurch ein höheres Maß an identifikatorischem Potenzial gewinnen. Die meisten Möglichkeiten eröffnet hier das Material der ursprünglich als Kindermusical entstandenen Geschichte Mein lieber Schwan, die, von der „Erfahrung des Andersseins“ (S. 139) handelnd, sich mit der „zwischenmenschlichen Bedeutung des Sprechens“ (S. 140) auseinandersetzt: Ausgehend von der Originalgeschichte werden Lieder und Texte präsentiert, aber auch, typografisch durch eine alternative Schriftart hervorgehoben, Hinweise zu improvisatorischen Möglichkeiten gegeben, die der eigenständigen Erweiterung oder Variation des Szenarios dienen. Obgleich nicht unbedingt eine vollständige Aufführung des Stücks angestrebt wird – sie überschreitet den Rahmen kleiner therapeutischer Gruppen, könnte allerdings als „zusätzliches Projekt der Kita als Ganzes“ (S. 141) realisiert werden –, sind hier der Vollständigkeit halber auch jene Teile des Musicals abgedruckt, die sich aufgrund gewisser Realisierungsprobleme (wie etwa chorischem Gesang) weniger für die Erarbeitung mit jüngeren Kindern eignen.

Diskussion

Dank der genauen Darlegungen zur Methodik lassen sich die im praktischen Teil dargestellten Übungen und die damit verbundene Einschätzung ihrer Anwendbarkeit für bestimmte Situationen genau nachvollziehen. Über den rein wissenschaftlichen Wert der Studie hinaus erhält man hier – und dadurch wird der Handbuchcharakter der Publikation unterstrichen – eine Sammlung exakt beschriebener Spiele, die sich hervorragend für den Einsatz in der pädagogischen Praxis eignen, sich speziell an Kinder im Vorschulalter richten und, entsprechend der jeweiligen Erfordernisse, miteinander kombinieren bzw. gemäß der Gruppengröße modifizieren lassen. Da der Band darüber hinaus auch Notenmaterial enthält, stellt er eine wertvolle Quelle für die praktische Arbeit dar.

Fazit

Aufgrund ihrer Fokussierung auf die Entwicklung der Sprache ist die Publikation nicht nur für Pädagoginnen und Pädagogen im vorschulischen Bereich (beispielsweise bezogen auf Gruppen von Kindern mit Migrationshintergrund) interessant, sondern sie eröffnet zugleich auch zahlreiche Perspektiven für Fächer wie die musikalische Früherziehung und die Sonderpädagogik.


Rezensent
Prof. Dr. Stefan Drees
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Zitiervorschlag
Stefan Drees. Rezension vom 03.05.2011 zu: Rosemarie Tüpker: Durch Musik zur Sprache. Handbuch. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2009. ISBN 978-3-8370-6948-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10818.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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