Mathias Schwabe: Eskalation und De-Eskalation in Einrichtungen der Jugendhilfe
Rezensiert von Dr. phil. Dipl. Sozialpäd. Jörg-M. Wolters, 16.03.2012
Mathias Schwabe: Eskalation und De-Eskalation in Einrichtungen der Jugendhilfe. Konstruktiver Umgang mit Aggression und Gewalt in Arbeitsfeldern der Jugendhilfe.
Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH)
(Frankfurt am Main) 2010.
5. Auflage.
320 Seiten.
ISBN 978-3-925146-44-2.
19,00 EUR.
Reihe: Grundsatzfragen - 38.
Thema
Thema des Buchs sind Strategien der De-Eskalation aggressiv aufgeladener Konflikte mit Kindern und Jugendlichen.
Entstehungshintergrund
Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine Neuauflage (5. Auflage 2010) des bereits 1996 erschienen Buches der IGFH (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen).
Aufbau und Inhalt
Der Autor will die differenzierte Dynamik eines komplexen Alltagsgeschehens im Kontext der Jugendhilfe beschreiben und misslungene Interaktionen „entwirren“ (S.3).
Nach der Einführung zum Thema „Jugend und Gewalt“ befasst sich der „Teil A“ des Buches mit der „Theorie und Praxis der (De-)Eskalation“.
Zunächst analysiert der Autor das Thema in Bezug auf die stationäre Einrichtungen der „Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie“ (S. 31-92) auf der Ebene einer individual-psychologischen, prozessimmanenten sowie systemischen und ökologischen Betrachtung.
Anschließend, im „Teil 2“ (S. 93-144) stellt der Autor im Kapitel „Aus der Konflikt-Spirale aussteigen“ Lösungsversuche bei Ad-hoc-Eskalationen sowie Lösungen für verzögerte und institutionelle Eskalationen vor.
Im Kapitel „Umgang mit Konflikt-Eskalationen im Gruppen- und Mehrpersonen-Kontext“ (S.145-198) thematisiert der Autor Interventionskonzepte und die rechte Konfliktnachbehandlung und diskutiert die Frage der dazu notwendigen pädagogischen Haltung. Im 4. Kapitel wird die Frage der „Qualitätsentwicklung“ (S.196-218) und dafür geeigneter Instrumente und Verfahren behandelt.
„Teil B“ des Buches ist „Pädagogischen Reflektionen über Aggression und Gewalt“ gewidmet. Eröffnet wird der Komplex im 5. Kapitel mit der Diskussion der Lage der „Jugendhilfe-MitarbeiterInnen zwischen Lebenswelt, Institution und Rechtsstaat“ (S.219-254).
Die notwendige „Transformation von Gewaltimpulsen im Entwicklungs- und Zivilisationsprozeß“ wird in Kap.6 (S.255-280) herausgearbeit und dargelegt, in dem zentrale Fragen der pädagogischen Kontrolle und Umleitung beantwortet werden.
Am Ende folgt in Kap.7 die systemtheoretische und -kritische Diskussion von „Konflikteskalationen als Form der Machtpolitik“ (S.281-310).
Fazit
Der Autor befasst sich in aller sinnvollen Breite und nötigen Tiefe mit der Entstehung von typischen Gewalt- und Konfliktsituationen in Einrichtungen der Jugendhilfe – und neben der Theorie des Ganzen vor allem aber auch den praktischen wie praktikablen Lösungsstrategien und -ansätzen für Pädagogen.
Besonders die Ausführungen zur notwendigen Transformation von aggressiven Impulsen und dem erziehungswissenschaftlich wie psychologisch fundierten Plädoyer, Kindern und Jugendlichen nicht moralisierend ihre Gewalttendenzen einfach nur zu verbieten und damit diese etwa nur kontraproduktiv zu unterdrücken, sondern ihnen vielmehr zum Ausagieren in sozial verträglicher Weise zu verhelfen (z.B. durch sozialpädagogisch verantwortetes „Spiel, Sport und Wettkampf“), verdienen in puncto Gewaltprävention zentrale Beachtung. Nur durch pädagogische Arrangements und Inszenierung von geeigneten Situationen, die das Thema „Kampf und Gewalt“ systematisch ins Zentrum des Sozialen Lernen rücken (wie es gezielt die neue Budopädagogik versucht), kann Aggression und Gewalt in positives Sozialverhalten kanalisiert und in friedfertige Souveränität und Stärke umgemünzt sowie Konflikt und Krise nachhaltig de-eskaliert werden.
Ein Buch, das allen PädagogInnen für einen professionellen Umgang mit Kindern und Jugendlichen, erst recht gewaltaffinen, nur empfohlen werden kann.
Rezension von
Dr. phil. Dipl. Sozialpäd. Jörg-M. Wolters
Erziehungswissenschaftler. Institut für Budopädagogik. Arbeitsgemeinschaft „Kampfkunst in Pädagogik und Therapie"
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