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Eugen Baldas, Rainer A. Roth (Hrsg.): Freiwilligendienste haben es in sich

Cover Eugen Baldas, Rainer A. Roth (Hrsg.): Freiwilligendienste haben es in sich. Studien zu Art, Umfang und Ausbaumöglichkeiten von Freiwilligendiensten im kirchlich-sozialen Umfeld. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. 502 Seiten. ISBN 978-3-7841-1468-2. 26,00 EUR.
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Einführung

Freiwilligendienste sind besonders bei jungen Menschen beliebt und werden immer häufiger nachgefragt. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Freiwilligendienst?

Freiwilligendienste sind Lerndienste, in denen überwiegend junge Menschen für die Dauer von 3-24 Monaten freiwillig eine gemeinnützige Tätigkeit in einer im weitesten Sinne sozialen Institution im In - oder Ausland ausüben. In der vorliegenden Publikation haben verschiedene Autoren und Autorinnen in ausführlichen Beiträgen die Komplexität des Umfelds von Freiwilligendiensten untersucht und dargstellt.

Hintergrund für die Entstehung des Buchs

Aufgrund der deutlich gestiegenen Nachfrage nach Freiwilligendiensten in den 1990er Jahren hatte der Deutsche Caritasverband (DCV) beschlossen, Konzepte zu Freiwilligendiensten gemeinschaftlich zu entwickeln und im Sinne der Deutschen Bischofskonferenz "neue Wege zu beschreiten, um Jugendliche und junge Erwachsene an Engagementfelder in der Kirche und im kirchlichen Umfeld heranzuführen" (10).

Vor diesem Hintergrund initiierte der Deutsche Caritasverband 2000 die Studie "Freiwilligendienste im In- und Ausland". Ziel war es, den Handlungsbedarf im Bereich Freiwilligendienste zu eruieren und aufgrund dieser Bedarfserhebung Struktur, Beratung, Durchführung und Konzepte von Freiwilligendiensten im kirchlich-sozialen Bereich zu verbessern bzw. zu entwickeln. Die Ergebnisse dieser Studie werden in insgesamt 18 Beiträgen in dem vorliegenden Sammelband vorgestellt.

Aufbau und Inhalte

Das Buch gliedert sich in drei Einheiten. Im ersten Teil werden Studien zu folgenden Aspekten vorgestellt:

  • Entsende- und Aufnahmebereitschaft für Freiwilligendienste von Pfarrgemeinden in Deutschland. In dieser Untersuchung ergibt sich, dass sich in Pfarrgemeinden größtenteils ehrenamtlich Tätige für Freiwilligendienste im Ausland engagieren. Wie zu erwarten ist die Entsendebereitschaft deutlich stärker als die Aufnahmebereitschaft. Um Freiwilligendienste effektiver organisieren zu können werden Netzwerke aus mehreren Pfarreien angeregt und es gibt Überlegungen inwieweit Pfarreien mit Wohlfahrtsverbänden und anderen Institutionen kooperieren könnten.
  • Initiativen und Gruppen als Träger von Freiwilligendiensten im Ausland - Ihr Selbstbild und Erfahrungen der Freiwilligen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Gruppen, kleinere Initiativen und Pfarrgemeinden immerhin ein Drittel der Träger von Freiwilligendiensten ausmachen. Defizite gibt es in der Fremdsprachen-Ausbildung und bezüglich projektspezifischer Informationen. 10 Prozent der Freiwilligen, die den Dienst privat organisiert haben, haben interessanterweise kaum größere Probleme als andere Freiwillige, die die Unterstützung einer Entsendeträgers in Anspruch nehmen. Als erstrebenswert stellen die Autoren der Studie eine Abstimmung über Mindeststandards bezüglich der Vorbereitung und Begleitung dar sowie einen umfassenderen Austausch über die unterschiedlichen Erwartungen von Freiwilligen, Entsendeorganisationen und ausländischen Projektträgern.
  • Der Beitrag von Schulen in kirchlicher Trägerschaft zur Sensibilisierung, Motivierung und Qualifizierung von Freiwilligendiensten. In dieser Untersuchung zur Machbarkeit und Bedeutung von Freiwilligendiensten in Schulen wird festgestellt, dass es bereits an jeder zehnten Schule Einsatzstellen für Freiwilligendienste und an nahezu jeder zweiten Schule Compassion-Projekte und Sozialpraktika gibt. Es bestehen auch in Form von Arbeitsgemeinschaften und außerunterrichtlichen Initiativen altruistische Projekte. Trotz positiver Ansätze sind Weiterentwicklungen wünschenswert.
  • Zukunft der Freiwilligendienste - Einsatzmöglichkeiten in Diensten und Einrichtungen im Verbandsbereich des Deutschen Caritasverbandes. Rückmeldungen von 433 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Einrichtungen des DCV ergeben, dass eine Ausweitung der Freiwilligendienste auf weitere Arbeitsfelder sowie auf weitere Zielgruppen, wie jüngere Männer und ausländische Jugendliche, erstrebenswert ist. Außerdem werden zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen für die Beratung und pädagogische Begleitung der Freiwilligen gefordert.

Im zweiten Teil des Buches werden Freiwilligendienste in der Praxis dargestellt. Der erste Beitrag gibt eine Orientierungshilfe in Form einer Typologisierung der Freiwilligendienste. Marianne Schmidle erläutert in ihrem Aufsatz die Erfahrungen bezüglich des FSJ im Inland und des Europäischen Freiwilligendienstes im Fachverband IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit Deutscher Verband e.V. Als wichtige Informations-, Beratungs-, und Vermittlungsstelle im Dschungel der Freiwilligendienstangebote werden ferner Freiwilligen-Zentren im DCV anschaulich dargstellt. Diese Freiwilligen-Zentren werden netzwerkartig im Rahmen eines dreijährigen Modellprogramms im gesamten Bundesgebiet aufgebaut. Im Beitrag des Herausgebers Eugen Baldas werden die Entwicklungen des Referat Gemeindecaritas im DCV bezüglich der Freiwilligendienste und der "Anderen Dienste im Ausland" aufgeführt.

Teil drei des Buches umfasst ergänzende Aspekte zum Umfeld der Freiwilligendienste. Dazu gehören eine Bestandsaufnahme zur Problematik internationaler Freiwilligendienste, Erwartungen von Partnerorganisationen internationaler Freiwilligendienste sowie Ergebnisse und Essentials aus verschiedenen Studien zu freiwilligem Engagement und Freiwilligendiensten. Außerdem wird im letzten Teil des Sammelbandes die Bedeutung der kirchlichen Hilfswerke bei Freiwilligendiensten im Ausland erörtert. Im letzten Beitrag des Buches geht Bernhard Vondrasek der Frage nach inwiefern der Freiwilligendienst zu einer persönlichen Lebensorientierung beitragen kann. Der Band schließt mit einem zusammenfassenden Beitrag der Herausgeber, in dem sie Konsequenzen und konkrete Handlungsempfehlungen für die Zukunft der Freiwilligendienste formulieren.

Sehr aufschlussreich ist der Beitrag von Carmen Abril und Hermann-Josef Platzbecker über die Erwartungen der Partnerorganisationen, da bislang eine fundierte Untersuchung über die Sichtweise, Bedürfnisse und Wünsche der ausländischen Partner fehlte. Denn schließlich wären ohne diese die Freiwilligendienste im Ausland nicht möglich.

Zielgruppen

Empfehlenswert ist die Publikation vor allem für Verantwortliche von Entsende- und Aufnahmestellen sowie für Regierungsorgane, die sich um Freiwilligendienste bemühen. Die sehr ausführliche Studie setzt manches an Vorwissen voraus und eignet sich daher in besonderem Maße für Fachleute mit Hintergrundwissen, die sich intensiv mit dem Thema Freiwilligendienste auseinandersetzen wollen.

Fazit

Das Buch stellt meines Erachtens eine sehr umfassende Studie über die Hintergründe, Chancen und Problemlagen von Freiwilligendiensten im In- und Ausland dar. Um zu einer ersten Einschätzung der Ergebnisse zu kommen und einen Überblick zu erhalten, erscheint es mir sinnvoll zuerst die Einführung der Herausgeber zu lesen, um so einen Eindruck über die Inhalte und Schwerpunkte der einzelnen Beiträge zu erhalten und dann gezielt Studien im Detail zu lesen.


Rezensentin
Andrea Bruns
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Zitiervorschlag
Andrea Bruns. Rezension vom 18.11.2003 zu: Eugen Baldas, Rainer A. Roth (Hrsg.): Freiwilligendienste haben es in sich. Studien zu Art, Umfang und Ausbaumöglichkeiten von Freiwilligendiensten im kirchlich-sozialen Umfeld. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. ISBN 978-3-7841-1468-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1085.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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