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Karlheinz Sonntag (Hrsg.): Arbeit, Gesundheit, Erfolg

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 26.07.2011

Cover Karlheinz Sonntag (Hrsg.): Arbeit, Gesundheit, Erfolg ISBN 978-3-89334-557-1

Karlheinz Sonntag (Hrsg.): Arbeit, Gesundheit, Erfolg. Betriebliches Gesundheitsmanagement auf dem Prüfstand: das Projekt BiG. Asanger Verlag (Kröning) 2010. 268 Seiten. ISBN 978-3-89334-557-1. 29,50 EUR.

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Autorinnen und Autoren

Die beteiligten Autoren/Innen sind beruflich bei den jeweiligen Kooperationspartnern beschäftigt und waren aktiv in das Forschungsprojekt involviert.

Entstehungshintergrund

Ausgehend vom Forschungsprojekt „Benchmarking in einem Gesundheitsnetzwerk (BiG)“ des BMBF, in Kooperation mit den Partnerunternehmen Deutsche Bahn AG, REWE Group, Neff GmbH und Fraport AG, erarbeiteten und erprobten der Bereich Health and Safety der Daimler AG gemeinsam mit der Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Heidelberg ein Modell zum nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Als Bericht und Ergebnisdarstellung stellt dieses Buch das Modell eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements vor. Aufgezeigt werden die durchgeführte Maßnahme sowie der Transfer in die Praxis.

Aufbau

Die Veröffentlichung ist in sechs Bereiche untergliedert, die wiederum in mehrere Kapitel unterteilt sind:

I. Einleitung

  • Kapitel 1 Prävention im Arbeits- und Gesundheitsschutz- Wie kann ein nationales FuE-Programm zu deren Nachhaltigkeit beitragen (Claudius H. Riegler)
  • Kapitel 2 Benchmarking in einem Gesundheitsnetzwerk: Das Projekt BiG (Karlheinz Sonntag, Ralf Stegmaier)
  • Kapitel 3 Evaluation und Nutzenbestimmung von betrieblichem Gesundheitsmanagement (Eva Maria Schraub, Ralf Stegmaier, Karlheinz Sonntag)

II. Konzept und Modell „Nachhaltiges Gesundheitsmanagement“

  • Kapitel 4 Entwicklung des Modells eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements (Karlheinz Sonntag, Veronika Büch, Ralf Stegmaier)
  • Kapitel 5 Institutionale Komponente „Gesundheitsmanagement“ im BiG Modell (Björn Michaelis, Ralf Stegmaier, Karlheinz Sonntag)
  • Kapitel 6 Strukturale Komponente „Arbeitsumgebung“ im BiG-Modell (Veronika Büch, Karlheinz Sonntag, Ralf Stegmaier)

III. Instrumente zur Evaluation eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements

  • Kapitel 7 Der Gesundheitsindex (Eva Maria Schraub, Karlheinz Sonntag, Veronika Büch, Ralf Stegmaier)
  • Kapitel 8 Experten-Checkliste „Gesundheitsmanagement“ (Björn Michaelis, Ralf Stegmaier, Karlheinz Sonntag)

IV. Forschungsergebnisse

  • Kapitel 9 Studien zum Gesundheitsindex, zur Mitarbeiterleistung und zum ökonomischen Nutzen (Björn Michaelis, Karlheinz Sonntag, Ralf Stegmaier)
  • Kapitel 10 Studien zu Führung, Gesundheit und Innovation (Eva Maria Schraub, Veronika Büch)

V. Gestaltungsperspektiven für die Praxis

  • Kapitel 11 Benchmarking als Methode zum Erfahrungsaustausch und Transfer von Best-Practice Lösungen (Eva Maria Schraub, Björn Michaelis, Ralf Stegmaier, Karlheinz Sonntag)
  • Kapitel 12 Das BiG-Gestaltungsmodell zur Arbeitsumgebung (Veronika Büch, Eva Maria schraub, Ralf Stegmaier, Karlheinz Sonntag)
  • Kapitel 13 Best-Practice Ansätze

VI. Fazit

  • Kapitel 14 Ressourcenorientiertes Gesundheitsmanagement - eine arbeits- und organisationspsychologische Perspektive (Karlheinz Sonntag)

Die Autorinnen und Autoren des Buches

Stichwortregister

Inhalt

Einleitend beschreibt Riegler die veränderten Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Den sich daraus ergebenden Herausforderungen der modernen Arbeitswelt stellte sich das BMBF durch die Stärkung der Innovationsfähigkeit mit dem Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Arbeiten - Lernen - Kompetenzen entwickeln.“ Inhalt, Ziele und Umfang der Förderung werden benannt. Anschließend wird das Projekt „Benchmarking in einem Gesundheitsnetzwerk (BiG)“ vorgestellt. Sonntag und Stegmaier beschreiben ausführlich die Ausgangslage und benennen detailliert die Ziele sowie den Aufbau des Projektes. Im 3. Kapitel setzen sich die Autoren mit Beschreibungsmerkmalen von Gesundheit und Krankheit sowie Ansätzen zur Evaluation des betrieblichen Gesundheitsmanagements auseinander. Dafür wird der aktuelle Forschungsstand diskutiert. Im Fazit stellen Schraub/ Stegmaier/ Sonntag fest, dass sowohl Eigenschaften der Arbeitsumgebung als Wirkfaktor für Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements bisher unberücksichtigt blieben und ein umfassender Evaluationsansatz in der Forschung fehlen.

Der 2. Teil widmet sich der Modellentwicklung des „nachhaltigen Gesundheitsmanagements“. Basierend auf Erfahrungen aus früheren Projekten der Daimler AG werden Einflussvariablen für die Gesundheit der Mitarbeiter gesammelt. Mittels Variablen und Dimensionen wird für den Leser nachvollziehbar das Modell des nachhaltigen Gesundheitsmanagements erstellt. Im 5. Und 6. Kapitel werden die institutionale und strukturale Komponente im BiG-Modell auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse erläutert und diskutiert. Beide Komponenten spielen eine bedeutende Rolle für die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter.

Der 3. Teil des Buches bildet den Kern des Forschungsprojektes - die Entwicklung der Instrumente zur Evaluation des nachhaltigen Gesundheitsmanagements. „Ein zentrales Ziel des BiG-Projektes war die Abbildung der Güte eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements mit Hilfe von Kennzahlen.“ (Schraub/ Sonntag/ Büch/ Stegmaier, S. 73) Die Bildung dieses Gesundheitsindex (GI) beruht ausschließlich auf Mitarbeiterbefragungen, die durch die Autoren detailliert begründet und beschrieben werden. Der Vorteil des GI liegt in seinen breiten Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Organisations- und Unternehmenseinheiten, bleibt jedoch auf einzelne Tätigkeitsbereiche begrenzt. Zusätzlich wurde die sog. Experten-Checkliste „Gesundheitsmanagement“ entwickelt, in der Experten zum Thema Gesundheit(smanagement) befragt wurden. Die Konstruktion des Fragebogens basiert wiederum auf eine umfangreiche Literaturanalyse. Berechnung und Interpretation der Ergebnisse der Expertenbefragung erfolgt nach üblichen statistischen Standards.

Im 4. Teil werden die Forschungsergebnisse dargestellt und ausführlich besprochen. Umfangreich werden im 9. Kapitel die positiven Zusammenhänge zwischen den sieben Dimensionen des GI mit der subjektiv wahrgenommenen Mitarbeitergesundheit und -leistung sowie den ökonomischen Kennzahlen dargestellt und reflektiert. Somit ist belegt, dass der GI ein wichtiger Prädiktor für ökonomische Kennzahlen darstellt. Daraus folgt, dass die gezielte Förderung der GI-Dimensionen durch systematische Intervention zur Verbesserung der Mitarbeitergesundheit und -leistung beiträgt. Schraub und Büch konnten mit den beschriebenen Ergebnisse zu Führung, Gesundheit und Innovation den aktuellen Forschungsstand bereichern und weitere Forschungsfragen aufwerfen. Obwohl der positive Einfluss des Führungsverhaltens auf das subjektive Wohlbefinden und die Arbeitsleistung der Mitarbeiter bestätigt wurde, konnte der vermutete Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten und der Ernährung der Mitarbeiter nicht nachgewiesen werden. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf. In diesem Zusammenhang wird durch die Autorinnen zur Validierung der Daten das Hinzuziehen weiterer Quellen wie z.B. eine Fremdeinschätzung angeregt.

Der 5. Teil des Buches focussiert den Transfer der Befragungsergebnisse in die Praxis. Dabei werden inhaltlich drei Zielrichtungen vorgestellt: den Benchmarkingansatz, „ein Gestaltungsmodell mit BiG-spezifischen und allgemeinen Interventionen für ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement“ (S.13), Best-Practice Austausch in den Partnerunternehmen. Büch/ Schraub/ Stegmaier und Sonntag beschreiben exemplarisch die Arbeitsschritte zur Erarbeitung eines BiG-Gestaltungsmodells zur Arbeitsumgebung. Hervorzuheben sind die „Alters- und genderspezifischen Aspekte der Gesundheit“ (S. 183). Die Frage nach signifikanten Interventionen setzt direkt bei den Führungskräften an. Die Interventionen zielen auf den Abbau von Stereotypen z.B. durch die Einführung altersgemischter Projektgruppen ab. Die jeweiligen Best-Practice Ansätze werden durch die Kooperationspartner vorgestellt. Besonders interessant sind die dargestellten Zahlen der FRAPORT AG. Bereits nach einem Jahr Gesundheitsmanagement im Rahmen des BiG-Projektes wird der ökonomische Nutzen nachhaltigen Gesundheitsmanagements messbar.

Abschließend zeigt Sonntag ein an Ressourcen orientiertes Gesundheitsmanagement auf. Den Veränderungen in der Arbeitswelt kann positiv mit Ressourcen begegnet werden, die in der Unternehmenskultur selbst zu finden sind z.B. Partizipation und Vertrauen in die Führung. Aus der Auswertung des BiG-Projektes sowie anderer Studien ergaben sich weitere Forschungsfragen u.a. nach der Erfassung objektiver Daten zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz. Doch am Ende steht der Faktor Mensch und die notwendige kontinuierliche offene Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und den betrieblichen Experten.

Diskussion

Das Buch über „Arbeit Gesundheit Erfolg“ setzt an den Strukturwandel der modernen Wirtschaft an, die sich auch in veränderten Anforderungen auf die Arbeitswelt niederschlägt. Die Zauberformel zur Bewältigung dieser Herausforderung heißt „nachhaltige Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“ (Riegler, S.3). Diese Innovationsfähigkeit findet auf den Ebenen der Mitarbeiter, der Arbeits- und Organisationsentwicklung sowie des Unternehmenserfolgs statt. Diese Verknüpfung aller 3 Ebenen entspricht modernen Forschungsergebnissen zum Sozialkapital und bildet somit einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor auf dem (internationalen) Handelsmarkt (vgl. Badura et.al, 2008). Und genau dieser Schnittpunkt beweist, wie sinnvoll und effektiv die inhaltliche Zusammenarbeit diverser Sozialwissenschaften mit Wirtschaftwissenschaften ist. Diese Erkenntnis macht dieses Buch auch so wertvoll, weil sie multiprofessionelle und fachübergreifende Zusammenarbeit unter Einbeziehung aller Beteiligter zum roten Faden macht. Zusätzlich finden sich im Projektbericht Prozessbeschreibungen, die für Unternehmen und Organisationen Anregung zum Nacheifern bieten. Dieser beinhaltet die Entwicklung und Evaluation von Messinstrumenten, die aus den Befragungen abgeleiteten Wirkzusammenhänge sowie der gezielte Einsatz spezifischer Maßnahmen im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Entwicklung eines GI zur Darstellung der Güte des Gesundheitsmanagements eines Unternehmens kann als bahnbrechendes Ergebnis bewertet werden. Weil der Forschungsbericht sich ausschließlich auf produzierende und Dienstleistungsunternehmen bezieht, werden beim Leser die Neugier und der Wunsch geweckt, das entwickelte Modell eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements z.B. für Nonprofit-Unternehmen zu adaptieren. Zusätzlich punktet das Buch durch seine Übersichtlichkeit. Wesentliche Inhalte werden schematisch zusammen gefasst. Der Leser folgt somit immer wieder einem laufenden Prozess, bis hin zur Darstellung der gewonnenen Ergebnisse.

Fazit

In kompakter Form erhält der Leser allumfassendes Wissen zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Die minutiöse Darstellung der Forschungsschritte und -ergebnisse bieten eine Fundgrube für Sozialforscher, Statistiker sowie Gesundheitsmanager i.w.S. Der Abdruck der Fragebögen unterstreicht das Ziel dieses Bandes: Anregung und Orientierung zum Nachahmen bieten. Als Leser erlebt man den Prozess der Erforschung von Handlungsspielräumen und nimmt gleichzeitig teil, wie „wirklichskeitsbasierte Lösungswege“ (Riegler, S.5) der betrieblichen Gesundheitsförderung im Unternehmen umgesetzt werden. Ein fachlich ausgesprochen informatives und handlungsleitendes Buch. Jeder Geschäftsführer, im Profit- und auch Nonprofitbereich, sowie Interessierte am Gesundheitsmanagement, sollte dieses Buch studieren! Das Buch ist ein Fachbuch und gerade deshalb unbedingt empfehlenswert - weil nachahmenswert!

Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Professur für klinische Sozialarbeit und Gesundheitswissenschaften
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Es gibt 80 Rezensionen von Barbara Wedler.

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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 26.07.2011 zu: Karlheinz Sonntag (Hrsg.): Arbeit, Gesundheit, Erfolg. Betriebliches Gesundheitsmanagement auf dem Prüfstand: das Projekt BiG. Asanger Verlag (Kröning) 2010. ISBN 978-3-89334-557-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10970.php, Datum des Zugriffs 17.07.2024.


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