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Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge

Cover Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2010. 224 Seiten. ISBN 978-3-579-06760-5. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Thema

Das Alter ist keine feste Größe. Menschen altern höchst unterschiedlich. Je nachdem, ob sie arm oder reich sind, gesund oder krank, einsam oder integriert und eben auch prominent sind oder in der grauen Masse leben. Viele Promis lassen uns schreibend an ihrem privilegierten Altern teilhaben: Curd Jürgens „kein bisschen weise“, Helmut Schmidt weiterhin „auf eine Zigarette“, Hildegard Knef mit dem „geschenkten Gaul“ und Hilde Domin als diejenige, die „sein kann, wie ich bin“. Auch der bald 84jährige Schauspieler und Entertainer Joachim Fuchsberger lässt in einer 224-Seiten-Biografie im Gütersloher Verlagshaus sein reichhaltiges Berufs- und Familien-Leben an uns vorüber ziehen. Angesichts seiner mit dem Alter bei sich einstellenden Defizite stellt er fest „Altwerden ist nichts für Feiglinge“.

Autor

Joachim Fuchsberger hat ein reiches, über 45jähriges Schauspieler-, Entertainer- und Showmaster-Leben mit Lebensmittelpunkten in München und Australien hinter sich und wurde mit zahlreichen Preisen und Orden ausgezeichnet.

Aufbau und Inhalt

Fuchsberger schildert uns in fünfzehn angenehm lesbaren Kapiteln ein Künstlerleben zwischen Lust und Last, Freud und Leid, Erfolg und Pleiten, wie er es selbst resümiert. Dabei wird von allen Lebensstationen die Verbindung zum Alter im Sinn einer Lebens-Bilanzierung gezogen. Er lässt die Leserschaft an vielem teilhaben: Von der Initialzündung seiner Karriere als Gefreiter Asch in der Soldaten-Filmreihe „08/15“ nach Hans Helmut Kirsts Roman über seine 46jährige Ehe mit Gattin Gundula Maria („seiner Regierung“, wie er seine Frau nennt), über die Unterschiede zwischen Deutschland und seiner Wahl-Zweitheimat Australien und seine Herzoperation bis zum Tod von Sohn Thomas und seinen Auftritten in Bill C. Davis „Der Priestermacher“, wobei der von etwas Überweltlichem überzeugte Agnostiker zum Grübeln über Segen und Fehler der Kirchen kam.

Der reife Entertainer-Autor bekennt am Ende „Ich gehe langsam. Die letzte Hürde kommt in Sicht. Wenn sie da ist, werde ich hoffentlich mit Mut und Anstand springen“. Die Thematik des Alters konnte „Blacky“ Fuchsberger im Altenheim-Film „Die Spätzünder“ mit Jan Josef Liefers filmisch realisieren. Der Autor hat viele Heilmittel für ein zufriedenes Durchleben der Altersphase parat: Miteinander und nicht gegeneinander leben, füreinander da sein, seine Gebrechen nicht verstecken, nicht gewaltsam noch auf Jung machen, sich nicht beim Schönheits-Chirurgen unters Messer legen, nicht zu viele Pillen schlucken (so reduzierte er seine zeitweise 31 täglichen Medikamente), sich nur noch um das wirklich Wichtige kümmern, Kontakt zur Jugend halten. Zu vielem braucht es Mut. Deshalb ist das Alter für den Selbstbiografen nichts für Feiglinge.

Diskussion

Fuchsbergers Autobiografie verschränkt zumeist weiter zurück liegende Begebenheiten aus seinem Leben mit gegenwärtigen Beobachtungen und Wertungen. So ergeben sich interessante zeithistorische und persönlichkeits-psychologische Diagnosen zu Kriegs- und Nachkriegszeit, Midlife-Crisis (eine 750er BMW-Maschine fahren), zum misslungenen Ausflug in die Bau-Branche und Todesfällen in der Familie. Richtigerweise ist das Buch mit seinen fünfzehn jeweils thematisch in sich abgeschlossenen Kapiteln nicht chronologisch angelegt. Aus dem Anekdotischen blitzt immer wieder bei allem freundlichen Humor „Blackys“ kritischer Geist auf: Er prangert nicht nur allgemeine Erscheinungen an wie Egoismus, Steuerflucht, Korruption und Selbstbezogenheit. Sondern ärgert sich auch über Missstände seiner eigenen Schauspiel- und Film-Branche: Sprachliches Durcheinander, Hineinregieren von Schreibtisch-Strategen in die künstlerische Freiheit und die Bestimmung der Fernseh-Gewaltigen darüber, was „gut genug fürs Publikum“ sei. Für Fuchsberger gilt indes: „Nur gut ist gut“. Dass der Autor gern mit seiner Nähe zu Zelebritäten wie Aenne Burda, Alfons Schubeck oder Harry Belafonte kokettiert, wer möchte es ihm verübeln? Schließlich gehörten die zu seinem Moderatoren-Material.

Fazit

Wer sein eigenes Leben im Spiegel eines Prominenten Revue passieren lassen möchte, kann getrost zu „Blacky“ Fuchsbergers „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ greifen: Er bekommt jenseits der Erinnerung an eigene Film- und Fernseh-Erlebnisse schmackhaft scharfsinnige Zeitdiagnosen aufgetischt.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 04.02.2011 zu: Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2010. ISBN 978-3-579-06760-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/10981.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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