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Stefanie B. Wekenmann, Peter F. Schlottke: Soziale Situationen meistern

Cover Stefanie B. Wekenmann, Peter F. Schlottke: Soziale Situationen meistern. Ein störungsübergreifendes Gruppentraining für Kinder (SGK). Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2011. 107 Seiten. ISBN 978-3-8017-2298-2. 39,95 EUR, CH: 59,00 sFr.

Reihe: Therapeutische Praxis.
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Thema

Soziale Kompetenzen sind in vielfältigen Kontexten bedeutsam, so für die Teilhabe an Gemeinschaft, den Leistungserfolg und die persönliche Lebenszufriedenheit.

Um sozial kompetent zu handeln braucht es die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Gefühlen, die Fähigkeit soziale Regeln auszuhandeln, einzuhalten und durchzusetzen, die Entwicklung und Bewertung von Handlungszielen und Verhaltensalternativen, sowie die Kompetenz und Sicherheit das Verhalten auch ausführen zu können. Kinder für verschiedene soziale Kontexte zu befähigen, darin kompetent und eigenständig zu handeln, darauf zielt das vorliegende verhaltenstherapeutische Trainingsprogramm.

Zur Präzisierung dessen, was soziale Kompetenz ausmacht, liegen zahlreiche Vorschläge vor. Diese leiten sich aus den jeweiligen wissenschaftlichen Perspektiven und innerhalb der Psychologie aus den Teildisziplinen ab. So geht es in der Entwicklungspsychologie um Lern- und Entwicklungsprozesse bei der Übernahme gesellschaftlicher Erwartungen, die Arbeits- und Organisationspsychologie analysiert den Stellenwert der sozialen Kompetenz in ihrer Bedeutung für die Bewältigung spezifischer Arbeitsanforderungen bzw. für das Selbstmanagement (z.B. Karrierestrategien).

Zu berücksichtigen sind die jeweiligen zeitlichen und situativen Kontexte in denen soziale Kompetenz gefordert ist. Auch gilt es die spezifischen sozialen Regeln und Normen einzubeziehen, um sozial kompetentes Verhalten zu identifizieren. Empirisch lassen sich fünf eigenständige Aspekte der sozialen Kompetenz nachweisen (Kanning, 2002): soziale Wahrnehmung, Verhaltenskontrolle, Durchsetzungsfähigkeit, soziale Orientierung und Kommunikationsfähigkeit.

Entstehungshintergrund

Die Autorin und der Autor sind als Psychologische Psychotherapeuten, Peter Schlottke auch als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut u. a. in der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz des Psychologischen Instituts der Universität Tübingen tätig (gewesen). Sie entwickelten das Trainingsprogramm zwischen 2002 und 2004 in einer Arbeitsgruppe der Kinderambulanz der Universität Tübingen und evaluierten das störungsübergreifende Gruppentraining für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren.

Über die konkreten Entwicklungsarbeiten finden sich wenig Angaben, hier ist der Leser bzw. die Leserin auf die unveröffentlichte Dissertation von Stefanie Wekenmann verwiesen. Ausgangspunkt der Entwicklungsarbeiten war die Beobachtung, dass die meisten Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrem jeweiligen Symptombild, Defizite in ihren sozialen Kompetenzen aufwiesen. Es wurden von den Entwicklern gängige Bausteine aus anderen Trainingsmanualen in ihrer Anwendbarkeit erprobt und abgewandelt, um so ein störungsunabhängiges/ -übergreifendes Gruppenprogramm mit hoher Praxistauglichkeit zu entwickeln. Mit seiner störungsübergreifenden Anwendbarkeit zeichnet sich das Training gegenüber bereits vorliegenden störungsspezifischen Gruppenprogrammen aus.

Aufbau und Inhalt

Stefanie B. Wekenmann und Peter F. Schlottke gliedern ihr Trainingsmanual in 8 Kapitel. Die ersten vier Kapitel liefern eine Einführung, erörtern begriffliche und konzeptuelle Grundlagen, beschreiben Erscheinungsformen und den Verlauf bei verschiedenen Arten problematischen Sozialverhaltens, Ursachen und Erklärungsmodelle sowie diagnostische Instrumente im Rahmen der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen.

In Kapitel 5 wird der Aufbau und die Konzeption des Trainings ausführlich vorgestellt, ergänzt und präzisiert durch Kapitel 7, das die konkrete Sitzungsgestaltung mit Arbeitsmaterialien und Instruktionen beinhaltet. Kapitel 6 nimmt Bezug auf die Frage der Einbeziehung von Bezugspersonen, die Gestaltung der Gespräche und liefert dafür Materialien (z.B. von Elternhausaufgaben). Kapitel 8 stellt Evaluationsergebnisse einer Kontrollgruppenstudie (N= 53) dar.

Dem von zwei Trainern bzw. Trainerinnen in 8 Sitzungen (Dauer jeweils 120 Minuten) durchzuführenden Training ist ein Vorgespräch mit den Familien vorgeschaltet. Ein diagnostischer Fragebogen wird vor Trainingsbeginn und nach Abschluß ausgefüllt. Auch haben die Eltern wöchentlich einen Beobachtungsbogen hinsichtlich der zielrelevanten Verhaltensweisen des Kindes auszufüllen. Die Kinder bekommen Hausaufgaben und die Eltern erhalten Hinweise, wie sie ihre Kinder fördern können. Neben der Beschreibung der Inhalte der einzelnen Übungsstunden werden auch Hinweise zu auflockernden Spielen gegeben.

Auf einer CD finden sich alle Arbeitsmaterialien für die Trainingssitzungen, die Elterngespräche, die Lehrerbriefe und die diagnostischen Instrumente. Damit sind für die Trainer und Trainerinnen die Materialien jederzeit verfügbar.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Fachkräfte in ambulanten und stationären Einrichtungen, die in der Arbeit mit Kindern Gruppentrainings zur Sozialen Kompetenz durchführen. Angaben zu Berufsgruppen werden von den Autoren nicht gemacht, inhaltlich sollten diese über verhaltenstherapeutische Methoden, einschlägiges klinisch-psychologisches Wissen und Grundlagen der Entwicklungspsychologie verfügen. Dies können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation, u.U. auch Heil- und Sonderpädagogen sein.

Diskussion

Das Trainingsprogramm greift bewährte verhaltenstherapeutische Methoden auf und setzt diese nutzbringend für das Training Sozialer Komeptenzen bei Kindern ein. Zu den Basismethoden gehören Regeln und Tokensysteme, Rollenspiele, Arbeits- und Hausaufgabenblätter. Darüber hinaus werden psychoedukative Elemente (Elternbriefe, Gespräche) eingesetzt, um die Eltern zu informieren und aktiv in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Dieses Material stattet die Trainer und Trainerinnen aus, um mit Gruppen von jeweils relative altershomogenen Kindern zu arbeiten. Die Kinder sollten bereits eingeschult sein, auch ist die Bereitschaft der Eltern zur aktiven Mitarbeit wesentlich für den Trainingserfolg. Von dem Training sollen sowohl Kinder mit hyperkinetischer Störung, oppositionellem und unsicherem Verhalten profitieren. Darüber hinaus ist es auch einsetzbar bei Kindern mit emotionalen Störungen und subklinischen Beeinträchtigungen.

Die Autoren bringen langjährige Erfahrung in der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit. Sie sind als approbierte Psychologische Psychotherapeuten, erfahren in verschiedenen Therapie- und Beratungssettings. Peter Schlottke begleitete von 1990 - 2006 eine außerplanmäßige Professur für Klinische Psychologie und Physiologische Psychologie an der Universität Tübingen.

Fazit

Das vorgelegte Buch ist ein Trainingsmanual für ein verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm mit Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Detailreich erhält der Leser bzw. die Leserin Informationen zur Vorbereitung, Durchführung des Trainings mit Kindergruppen und der begleitenden Arbeit mit ihren Eltern. Gut ausgestattet ist der Programmanwender bzw. die -anwenderin auch durch die CD auf der sich alle Materialien befinden.

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen werden (wie in anderen Trainingsmanualen auch) lediglich Basisinformationen geboten, zum vertiefenden Studium ist man auf weiterführende entwicklungspsychologische und klinisch-psychologische Fachliteratur verwiesen. Auch zu den Entwicklungsarbeiten und dem Vergleich mit anderen störungsspezifischen Trainingsprogrammen wünschte ich mir ausführlichere Informationen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 19.07.2011 zu: Stefanie B. Wekenmann, Peter F. Schlottke: Soziale Situationen meistern. Ein störungsübergreifendes Gruppentraining für Kinder (SGK). Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2011. ISBN 978-3-8017-2298-2. Reihe: Therapeutische Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11077.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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