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Hans-Wolfgang Hoefert: Selbstmanagement in Gesundheitsberufen

Cover Hans-Wolfgang Hoefert: Selbstmanagement in Gesundheitsberufen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. 288 Seiten. ISBN 978-3-456-84953-9. 19,95 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Thema

2009 arbeiteten 4,7 Mio. Beschäftigte im deutschen Gesundheitswesen, davon 3,4 Mio. Frauen. Die süddeutsche Zeitung titelte, „Gesundheitsberufe sind weiblich“. Unter den Beschäftigten sind Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte, Hebammen, Pflegefachkräfte, Fachkräfte für Altenpflege, Physiotherapeutinnen und –therapeuten und Fachkräfte der Sozialen Arbeit sowie viele weitere Berufsgruppen. Die genauen Angaben hierzu findet der interessierte Lesende beim statistischen Bundesamt. Im Fokus des Buches steht diese sehr heterogene   eben überwiegend weibliche   Berufsgruppe. Die Zahl der Beschäftigten unterstreicht die Bedeutung dieses Bereiches mitsamt seinen spezifischen Anforderungen und Belastungen. Beschäftigte im Gesundheitswesen haben als gemeinsames Ziel in der Regel, für die Gesundheit anderer Menschen zu arbeiten.

Nicht zu vergessen ist hier, dass das Gesundheitswesen in Deutschland   aber auch in der Schweiz   eigentlich ein Krankheitswesen ist. Denn aktiv wird dieses System zumeist dann, wenn nämlich die Gesundheit schwindet, bedroht oder ausser Kraft gesetzt ist. Studien und Literatur konstatieren, dass die Gesundheitsberufe einen Spitzenplatz bei den krankheitsbedingten Personalausfällen einnehmen und stellen dies in Zusammenhang mit den extremen Belastungen in diesem Berufsfeld. Fachkräfte im Gesundheitsbereich sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt: Ein hohes Mass an Fremdbestimmung, schlechte Arbeitsorganisation, Überlastung, Kostendruck sowie Auseinandersetzung mit unangenehmen Gefühlen, Verlust, Ekel, Aggression und viele weitere Belastungsfaktoren machen dieses Berufsfeld äusserst herausforderungsreich. Stress und Burnout sind im Gesundheitswesen keine Seltenheit. Diese Fachkräfte, welche sich für die Gesundheit der anderen einsetzen, leben oft selber nicht sehr gesund.

Die Autorinnen und Autoren des Buches versuchen mit Hilfe verschiedener Methoden des Selbstmanagements Antwortmöglichkeiten auf einige der Belastungen im Gesundheitsbereich zu finden. Hintergründe, Konzepte und konkretes Vorgehen werden im Zusammenhang dargelegt.

Autoren und Autorinnen und Entstehungshintergrund

Das Buch ist als Herausgeber-Werk konzipiert. Damit kommen also verschiedene Autoren und Autorinnen zum Zug. Hans-Wolfgang Hoefert ist Herausgeber des Buches und Autor zum Thema "Ärztliche Sozialisation und ärztliche Ideale". Maik H.-J. Winter seinerseits ist Dekan an der Hochschule Ravensburg im Bereich Gesundheitsförderung, Pflegepädagogik und Soziale Arbeit. Er ist Autor des Beitrags "Sozialisation und berufliche Ideale von Pflegekräften". Harald Jurkat schreibt über "Selbstmanagement und ärztliche Gesundheit“. Im Spiegel (2008) schrieb Jurkat " Es passt nicht zum Selbstbild des Arztes, bei Problemen Hilfe zu suchen." Ein kranker Heiler versuche im Zweifel lieber, sich selbst zu behandeln"   dies gehe meistens schief (Spiegel oneline de www.spiegel.de/spiegel/print). Als Herausgeber des Buches liefert Hoefert nun zwei weitere Kapitel zum Thema "Selbstmanagement in der Beziehung zu Patienten" und zum Thema "Umgang mit schwierigen Patienten". Knut Dahlgard arbeitet an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und vertritt das Fach Betriebswirtschaftslehre. 2007 schrieb er gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Stratmeyer das Buch „Kooperatives Prozessmanagement im Krankenhaus“. In der vorliegenden Publikation werden vor allem strukturelle Bedingungen des Pflegeberufs beschrieben. Probleme ergeben sich durch die sich öffnende Schere von steigenden Fallzahlen einerseits bei massivem Kostendruck und Stellenabbau im Pflegebereich andererseits. Andreas Zimber, welcher an der Fachhochschule in Heidelberg lehrt, referiert über die Belastungen in der Altenpflege. Simone Wyers Beitrag mit dem Titel „Sozialer Rückhalt und Vernetzung“ unterstreicht die Bedeutung von Vernetzung und guten Beziehungen im persönlichen Umfeld sowie sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz als Ressourcen in einem herausfordernden Berufsfeld.

Ein weiteres Kapitel des Buchautors befasst sich mit dem Thema interpersonale Konflikte und Ärger am Arbeitsplatz, Bewältigungsstrategien bei Konflikten und der Emotionsregulation während Konflikten“. Erika Regent ist an der Hochschule in Augsburg im Fachbereich Wirtschaft tätig und rundet die Beiträge mit konkreten Methoden aus der Arbeits- und Organisationstechnik ab. Dazu gehören Aspekte der Arbeitsorganisation, Priorisierung und des Zeitmanagements. Helmut Brenner stellt verschiedene Entspannungsverfahren vor. Erwin Wagner ist Autor des letzten Beitrages in diesem Buch mit dem Thema „Selbstführung und fortlaufende Arbeit am Selbst“.

Aufbau und Inhalt

Das Buch liefert eine vielfältige Sammlung unterschiedlicher Beiträge zum Themengebiet Selbstmanagement. Der Bezug auf die Gesundheitsberufe, insbesondere auf Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende ist klar erkennbar. Einerseits werden Analysen und Hintergründe aktueller Verhältnisse im Gesundheitswesen dargestellt, andererseits werden konkrete Vorschläge und Bewältigungsstrategien vorgestellt, mit denen Probleme angegangen werden könnten.

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel.

Kapitel eins beschreibt die Sozialisation und Ideale der ärztlichen und pflegenden Berufe.

Das zweite Kapitel beinhaltet Konzepte im Umgang mit Patienten oder Patientinnen sowie einige Analysen zu spezifischen Bereichen des Gesundheitswesens. Inwieweit die Konzeptionen, welche den Umgang mit Patientinnen und Patienten beschreiben, ins gleiche Kapitel gehören wie die Analyen beispielsweise im Bereich der Altenpflege, könnte diskutiert werden.

Das Kapitel drei, überschrieben als Themengebiet zu Gruppenzusammenhängen, beschreibt konstruktive Möglichkeiten im Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten und die Bedeutung sozialer Ressourcen.

Die Methoden des Selbstmanagements beinhalten zumeist konkrete Arbeitstechniken und Bewältigungsstrategien im Umgang mit alltäglichem Stress am Arbeitsplatz sowie zusätzlich Aspekte der Zielplanung und der Selbstentwicklung.

Fazit

Ein großer Wert des Buches liegt in der Konkretheit vieler Kapitel. Dazu tragen auch die vielen sehr übersichtlichen Tabellen und Zusammenfassungen bei. Es ist sehr gut möglich, beispielsweise einzelne Kapitel des Buches je nach Bedarf zu lesen. Häufig werden Arbeitsmethoden oder andere Verfahren direkt vorgestellt und laden den Lesenden ein, diese umzusetzen. Damit hat das Buch einen sehr hohen pragmatischen Wert. Wer Strategien, Ideen und Veränderungsperspektiven zur Bewältigung von Problemen in seiner alltäglichen Arbeit sucht, wird hier fündig. Viele der hier vorgeschlagenen Techniken wären auch für einen weiteren Leserkreis hilfreich und nicht ausschliesslich für die Gesundheitsberufe geeignet. Die Begrifflichkeit „Gesundheitsberufe“ im Titel verspricht ein umfassendes Verständnis für den Gesundheitsbereich. Explizit werden im Buch allerdings nur die Berufsgruppen der Ärzte und Ärztinnen sowie der Pflegenden im Gesundheitsbereich beschrieben. Dies löst die im Titel erzeugten Erwartungen nicht vollständig ein.

Das Konzept als Herausgeberwerk ermöglicht, unterschiedliche Facetten der Stressbewältigung und des Selbstmanagements zu betrachten. Die Lesenden erhalten zudem einen sehr guten Überblick über Herausforderungen im Gesundheitswesen.


Rezensent
Prof. Dr. Günther Wüsten

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Diplom Sozialpädagoge FH

Prof. am Institut für Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Tätigkeitsfelder: Methoden und Konzepte der Psychosozialen Beratung, ressourcenorientierte Beratung in psychosozialen Arbeitsfeldern, ressourcenorientierte und soziokulturelle Verfahren in der Psychosozialen Praxis, Selbstmanagement


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Zitiervorschlag
Günther Wüsten. Rezension vom 21.07.2011 zu: Hans-Wolfgang Hoefert: Selbstmanagement in Gesundheitsberufen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. ISBN 978-3-456-84953-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11104.php, Datum des Zugriffs 24.09.2019.


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